Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

In meinem Leben habe ich für meine Arbeitgeber Prozesse verantwortet, die Tausende Einstellungen und Zehntausende Lebensläufen pro Jahr durchliefen. Ich habe selbst viele Hundert Einstellungen vorgenommen und eine kaum schätzbare Anzahl an Bewerbungen gesichtet. Die modernen Recruitingprozesse – hier darf ich gerne meine Arbeitgeber Accenture oder EY (Ernst & Young) als Reverenz nennen – legten Wert darauf, die typischen Beurteilungsfehler im Recruiting auszuklammern. Mit geschulten Recruitern, trainierten und routinierten Hiring-Managern aus den Fachbereichen und verlässlicher Eignungsdiagnostik gelang es, zu objektiven, nach Talent und Potenzial orientierten Einstellungen zu kommen. Diese Prozesse sind immer noch in der Minderheit. Bauchgefühl, der Blick auf Noten und den Lebenslauf sind weiterhin vorherrschende Selektionskriterien.

Lassen Sie mich vorwegschicken, dass ich die nachfolgenden Aspekte für typische Fehler im Lebenslauf nahezu alle als irrelevant zur Beurteilung von Eignung für eine Vakanz sehe. Das ist Teil meiner Kritik, die Sie hier breit im Blog reflektiert sehen. Doch in der Realität sind dies die wesentlichen Killerkriterien, die Sie aus den Prozessen werfen.

Was ruiniert Ihren Lebenslauf?

  • Foto
  • Formatierung
  • Struktur
  • Rechtschreibfehler
  • Inkohärenzen
  • Lügen/Falschdarstellungen
  • Vertrauliches

Das Foto

Quelle: Giphy.com

Ja, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Natürlich fordern nur wenige Unternehmen noch eine Bewerbung mit Foto an. Aber fast alle schätzen den mit Foto garnierten Lebenslauf. Und fehlt dieses oder es ist schlichtweg schlecht, unpassend oder unprofessionell, landen Sie auf dem Stapel C “Absage”.

Die Formatierung

Ein Lebenslauf sollte maximal zwei Seiten haben. Meiner hat fünf, glaube ich. Doch dieser Mythos hält sich lange und überdauerte auch das letzte Jahrhundert. Weshalb man einen Lebenslauf inhaltlich kürzen sollte, damit er auf zwei Seiten passt, und dadurch dem Unternehmen wertvolle Einsichten auf seine eigene Biografie und Projekte vorenthält, erschließt sich mir nicht. Ist aber einer der Top-Killerkriterien.

Ich hörte mal von einer Empfehlung, dass Sie je zehn Jahren Berufserfahrung eine Seite Lebenslauf füllen. Das ist doch eine recht greifbare Empfehlung.

Die Struktur

Ein guter Hinweis ist die Struktur. Achten Sie darauf, dass Sie den europäischen CV (Die praktische Bewerbungsunterlage – europäischer Lebenslauf) als Struktur nutzen. Ihr CV ist Ihr Aushängeschild, er sollte sehr ordentlich und leserlich sein. Bleiben Sie seriös, nicht zu viele Farben und keine extravaganten Schriften/Fonts. Sie werden sich sicherlich online bewerben, achten Sie auf die Konvertierung als PDF und eine normale Dateigröße (ca. 200-300 KB).

Rechtschreibfehler

Ich bin sicher, dass von allen Jobfamilien nur 20 % die Kompetenz “Rechtschreibung” verlangen. Also so richtig relevant ist das nicht. Und dennoch sehen viele Hiring-Manager Rechtschreib-, Kommata- und Grammatikfehler als Zeichen für schlechte Vorbereitung und Nachlässigkeit. Ergo, Sie fallen aus dem Rennen und auf den Stapel C “Absage”. Lesen Sie also Ihren kompletten Lebenslauf mehrfach Korrektur. Fragen Sie Freunde, die ein Talent in Rechtschreibung haben. Insbesondere, wenn Sie einen englischsprachigen CV erstellen, sind Fehler noch schwieriger zu finden. Wer ist schon “native speaker”?!

Inkohärenzen

Sie kennen ja den Witz: “Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf” – “Ja, war geil”. Wenn Sie eine Auszeit oder eine Phase der beruflichen Neuorientierung hatten, schreiben Sie diese in den Lebenslauf rein. Lassen Sie keine Lücke, die Sie eventuell gar nicht mehr erklären können, weil Sie auf dem Stapel C “Absage” landeten. Auch Unzulänglichkeiten in Ihren beruflichen Stationen sollten Sie vermeiden. Sorgen Sie für eine gute und stimmige Präsentation Ihrer beruflichen Erfahrung.

Lügen/Falschdarstellungen

Jeder kennt jeden über sechs Ecken. Das bewies schon das Milgram-Experiment “The small world phenomenon” im Jahre 1967. Und so ist es auch bei Ihren Bewerbungen. Ihr potenzieller neuer Arbeitgeber beschäftigt Kollegen, die jemanden kennen, der Sie kennt. Und schon bekommt man recht griffige Meinungen und Sichtweisen auf Schilderungen in Ihrem Lebenslauf. Das so genannte Background-Screening ist weiter verbreitet, als Sie das vermutlich denken. Achten Sie darauf, dass Ihr Lebenslauf Sie zwar in schönsten Farben präsentiert, aber verzichten Sie auf zu bunte Darstellungen Ihrer eigenen Vita, die eine Überprüfung in der Realität nicht standhalten würden.

Erfinden Sie keine Zertifikate, keine Schulungen, keine Abschlüsse und keine beruflichen Stationen! Das ist per se unprofessionell und disqualifiziert Sie für jede Aufgabe.

Vertrauliches

Achten Sie auf vertrauliche Daten oder Hinweise, die gegebenenfalls eine weite Auslegung eines Compliance-Verstoßes bedeuten könnten. Gerade wenn Sie im Consulting arbeiten, sind Sie auf konfidenten Kundenprojekten eingesetzt. Verzichten Sie auf zu konkrete Hinweise auf diese Projekterfahrungen.

Natürlich scheitert es auch nach innen, also aus Gründen, für die Sie und Ihr Lebenslauf gar nicht ursächlich sind. Mehr dazu finden Sie in diesem Beitrag: Recruiting-Mythen: Potenzial erkenne ich in zwei Minuten und weitere

Wann “passt” es denn?

Recruiter finden den passenden, Headhunter den besten Kandidaten. Dahinter stecken zwei völlig verschiedene Sourcing-Taktiken. Und man kann nicht so einfach sagen, zu welchem Zeitpunkt und ab welchem Niveau Ihr Profil passt. Hiring-Manager schauen sehr oft zu fachlich auf Kandidaten, Recruiter vielleicht ein Stück weit zu sehr auf den kulturellen Fit. Ich hatte mich unlängst dazu ausgelassen, lesen Sie gerne hier: Weshalb Quereinsteiger die beste Lösung sind.

Am Ende müssen Sie in Ihrer Bewerbung, dem Lebenslauf und den Gesprächen am Telefon und persönlich vor Ort einen Eindruck hinterlassen, dass Sie ins Team, in die Firma und zu den gewünschten vakanten Kompetenzen passen. Gelingt Ihnen das, ist das die halbe Miete. Nutzen Sie Storytelling, nicht nur im Interview, sondern auch schon bei der Bewerbung: Ultimative Tipps für Ihr nächstes Job-Interview. Mit Storytelling erfolgreich sein

First Impression!

Für den ersten Eindruck haben Sie nach den automatisierten Schritten des Selektionsprozesses im Schnitt zwei Minuten Zeit. Im Lebenslauf achten Sie natürlich auf Ästhetik der Gestaltung. Heben Sie Ihre Errungenschaften bei der jeweiligen beruflichen Station heraus. Packen Sie Fakten mit hinein, unterlegen Sie – soweit das ethisch vertretbar ist – Ihre Erfolge und Errungenschaften mit Zahlen. Erwähnen Sie Beispiele für Ihre Softskills, wo und wie Sie diese wirkungsvoll eingesetzt haben.

Damit gelingt Ihnen eine gute Relevanz zur gewünschten Stelle herzustellen. Viel Erfolg für Ihre Karriere!

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

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