Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

Ed Michael, ein Direktor bei McKinsey in den USA, betreute eine Studie im 1997, auf der sein Buch “War for Talent” ein Jahr darauf folgte. Statistisch sauber erarbeitet, mit allen Folgewirkungen eines aufkeimenden Fach- und Führungskräftemangels, aus dem nun – über 20 Jahre später – ein handfester Arbeitskräftemangel geworden ist. Michael analysierte über eine Befragung amerikanischer Unternehmen die wachsenden Schwierigkeiten, die richtigen akademischen Fach- und Führungskräfte zu rekrutieren. Das Resultat war eine wachsende Talenteknappheit und ein höheres Präferenzbedürfnis der Top-Talente bei der Wahl ihrer Arbeitgeber. Kultur rückte weiter vor in den Arbeitgeber-Attraktivitätskriterien. Der Begriff War for Talent wurde geboren.

Natürlich gibt es auch hausgemachte Fehler. Wir erinnern uns an die niedrigen Quoten der Hochschulberechtigten vor 20 Jahren, denen ein Aus- und Aufbau der Abiturienten mit dem Effekt von Höchstzahlen an Erstsemester, Studierenden und Absolventen folgte. Das Handwerk beispielsweise leidet deshalb nicht nur demografisch, sondern auch bildungspolitisch. Das sollte aber gar nicht das Thema heute sein, sondern welche Auswirkungen der Mangel an höher qualifizierten Arbeitskräften hat. Schauen wir uns wieder einmal die Personalberatungen an.

Für Firmen ist die Fähigkeit, die richtigen Talente mit den notwendigen Kompetenzen zum richtigen Zeitpunkt zu gewinnen, eine geschäftserfolgskritische Disziplin geworden. Meine Kritik dabei kennen Sie als Leser meines Blogs, wir rekrutieren immer noch wie in den Neunzigern.

Die Personalberatungen werden aus meiner Sicht im Wesentlichen als Dienstleister für die Personalbeschaffung angesehen. Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass die Wertschöpfungsketten der Personalberatungen deutlich davor und danach Services offerieren. Diese sind unter anderem in den Bereichen Personalstrategie, Personalmarketing, Personalbeschaffung, Personaleinsatz, Personalentwicklung und Personalfreisetzung angesiedelt. Schauen wir aber mal rein auf die Personalbeschaffung.

2,36 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2018

Personalberatung ist nicht gleich Personalberatung. Wir haben Recruiting-Agenturen, Personalberater für Direktansprache und das Segment des Executive-Searchs. Daneben gibt es noch Lebenslaufmakler und Agenturen, also ein breites Feld an externen Dienstleistern. Alleine in Deutschland arbeiten 7.600 Personalberater sowie 4.100 Researcher in etwa 2.000 Personalberatungen, was insgesamt eine stattliche Zahl von 15.100 Mitarbeiter insgesamt in der Branche bedeutet, also inkl. Backoffice etc. Die Branche generierte im Jahr 2018 mit insgesamt rund 2,6 Mrd. Euro Umsatz, was ein Wachstum von 7,5 % zu den 2,19 Mrd. Euro Umsatz im Jahr zuvor bedeutet. Ein Wahnsinnsmarkt! Der Anteil der reinen Personalgewinnung liegt bei 81,3 %, der Rest entfällt auf Managementdiagnostik und sonstige Beratung.

Für das Jahr 2019 bleiben die Headhunter optimistisch, trotz aller Warnsignale. Der Arbeitsmarkt wird wenig Auswirkungen spüren. Dies lässt sich auch über die Langzeitbetrachtung von 2000 bis 2018 sehr gut ablesen, die Krisen 2001-2004 sowie 2008-2009 haben natürlich Dellen hinterlassen, aber langfristig hat sich der Umsatz über 18 Jahre hinweg verdoppelt.

Umsätze von 2000 bis 2018

Die Statistik zeigt den Umsatz der Personalberatungsbranche in Deutschland in den Jahren von 2000 bis 2018. Der Umsatz der Personalberatungsbranche im Jahr 2018 betrug laut Quelle rund 2,36 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13403/umfrage/umsatz-der-personalberatungsbranche-in-deutschland/

Fachkräftemangel sorgt für Boom bei Headhuntern

Deutsche Unternehmen geben viel Geld für die Suche nach Spezialisten aus. Das sorgt in der Beraterbranche für glänzende Geschäfte. Den Unternehmen fehlen Fachkräfte für alle möglichen Themen. Die Megatrends, bspw. die digitale Transformation, sorgen für einen Stau in Deutschland. Die Experten fehlen.

Natürlich sind Digitalkompetenz und Managementerfahrung stark nachgefragt, die Arbeitgeber können sich diese Damen und Herren aussuchen. Jede zehnte Stelle ist mittlerweile explizit an nachweisliche Qualifikationen im Umgang mit neuen Technologien geknüpft, wie eine aktuelle Untersuchung des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) zeigt.

Meine Prognose

Der Arbeitskräftemangel ist nicht nur mitten in der Gesellschaft, sondern auch bei den Unternehmen voll angekommen. Die typischen Instrumente “hire & fire” sind tief in der Mottenkiste verpackt. Die richtigen Talente zu gewinnen, diese zu halten und weiterzuentwickeln sind wirklich Top-Prioritäten geworden. Die Personalberatungen sind eine natürliche Verlängerung der eigenen Werkbank, die fallweise, zum Ausgleich von Belastungsspitzen oder individuell für Schlüsselpositionen alltägliches Geschäft bedeuten. Für uns People-Manager eine gute Nachricht. Auch das gibt Schwung für das eigene Recruiting.

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

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