Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

Hand aufs Herz. Wir sind alle noch in dem Fahrwasser der Talenteknappheit und des War for Talent unterwegs. Wer von uns hätte sich vorstellen können, dass mal etwas geschieht, was die schier unfassbar intensiven Recruiting-Bemühungen derart erlahmen lässt? Selbst Zukunftsforscher prognostizierten, dass eine Wirtschaftskrise nicht zu Massenentlassungen führen wird, weil der Wert des Talents so exorbitant hoch ist. Wir im Recruiting fühlten uns sicher. Nun stehen wir – mit COVID-19, einem schweren akuten respiratorischen Syndrom später, vor einer anderen Situation. Betriebsbedingte Kündigungen hier, Einstellungsstopp dort. Aber auch Bewerberinnen und Bewerber, die in Verhandlungen mit einem möglichen neuen Arbeitgeber die Probezeit gestrichen wissen wollen. Verhalten agierende Unternehmen auf der einen Seite, risikobewusste Bewerber auf der anderen. Bewerber loszueisen ist deutlich schwieriger geworden. Ergo: der Recruitingmarkt hat an seiner Enge eigentlich nichts eingebüßt!

COVID-19 hat Karrierepläne durchkreuzt

Halten wir mal fest, es ist weiterhin eng auf dem Markt. Die richtigen Mitarbeiter zu finden, ist ähnlich schwer wie vor Corona. Sie zu einer Unterschrift unter einen Vertrag zu motivieren, ist richtig kompliziert geworden. Viele hatten sich in einer Zeit, in der man sich die Arbeitgeber aussuchen konnte, mit dem nächsten Karriereschritt angefreundet. Der nächste Wechsel war für dieses Jahr beabsichtigt. Manche verfolgten einfach nur eine Idee, anderen ging ihre aktuelle Rolle sehr gegen den Strich. Welche Motivation zugrunde lag, spielt auch keine große Rolle.

Eine neue Betriebsamkeit führt zur Hektik

Viele von uns mussten während COVID-19 viele Dinge zur gleichen Zeit erledigen. Das plötzliche Arbeiten von zu Hause auf der einen Seite, Homeschooling, das Bekochen der Familie, die soziale Konzentration auf das Familienleben, arbeiten auf engem Raum, wenig sozialer Austausch, den man vorher vom Arbeitsplatz so routiniert gewohnt war. Das führte zu einer völlig neuen Form von Stress. Man fühlt sich innerlich zerrissen, hat das Gefühl, man gibt nirgendwo so richtig 100 %. Weder im Job, noch in der Familie, Freizeit ist anders, Freunde sind auf Distanz. Dabei schwingt immer das Gefühl mit, eine besondere Angst, was COVID-19 mit uns macht. Nicht wenige fragen sich, ob sie in einem halben Jahr noch einen Job haben. Das geht nicht spurlos an uns Menschen vorüber.

Der Job definiert uns

Auffallend für mich ist seit vielen Jahren, dass wir Deutschen uns doch sehr stark über den Job definieren. Im Partytalk kommen wir recht schnell auf den Job zu sprechen. In den USA steht das beispielsweise nicht so hoch im Kurs, dort spricht man lieber über das, was man tut, und nicht das, wo ich arbeite. Natürlich wiegt dort die Angst vor einem drohenden Arbeitsplatzverlust sehr schwer. Und das reduziert automatisch die Offenheit für einen Arbeitgeberwechsel, weil die Probezeit mit verkürzter Kündigungsfrist und ohne Kündigungsschutz ein gefühlt höheres Risiko derzeit darstellt. Nennen wir es doch mal beim Namen: derzeit vermeiden wir das Risiko, aus unserer Komfortzone rauszukommen!

Sind wir zu beschäftigt für die Jobsuche?

Zum guten Ton gehört es, dauerhaft beschäftigt zu sein. Meine Feststellung, dass Arbeit nicht nur im Homeoffice simuliert wird, sondern eben auch im Büro, war in Richtung der Arbeitszeitflexibilisierung gemeint. Aber es trifft zu, dass wir zu wenig Zeit in Networking investieren und zu wenig aktiv an unserer Karriere arbeiten. Man spricht dort von einem komplementären Moment – zu viel zu tun, zum Delegieren keine Zeit. Die Aussage “ich habe keine Zeit” ist doch nur ein Euphemismus für: “ich gebe dieser Aufgabe keine höhere Priorität”. Aber die Karriere klopft selten an die Tür. Falls sie es tut, ist es meist ein guter Headhunter, der Ihre Karriere überraschend anschiebt. Aber was haben Sie dafür getan?

Wer liest denn noch Stellenanzeigen?

Wenn uns StepStone, Monster oder Indeed nicht regelmäßig mehr oder weniger passende Angebote per E-Mail in den Posteingang drücken würde, würden wir doch kaum was mitbekommen. Xing habe ich hier explizit außen vorgelassen, weil deren Matching auf dem Prinzip Zufall basiert. Stellenanzeigen werden kaum noch gelesen, zumindest aktiv. Das ist auch Teil der Wahrheit, weil aus dem Arbeitgebermarkt ein konzentrischer Arbeitnehmermarkt wurde. Viel zu vielschichtig, viel zu facettenreich, kaum zu durchblicken. Deshalb nehmen wir uns auch kaum Zeit für solche Dinge.

Machen Sie sich einen Plan

Sie haben keinen Plan für die eigene Karriere? Die Hoffnung auf einen Aufstieg können Sie nicht zählen lassen. Sie brauchen Meilensteine, auf die Sie sich konzentrieren. Machen Sie sich einen Plan, der kann gerne grob sein. Wann wollen Sie was erreichen? Und was fehlt Ihnen? Mit 30 Jahren immer noch in einer sehr spitzen Rolle unterwegs zu sein spricht nicht für eine gute Ausgangsbasis. Sie müssen an thematischer Breite und Kompetenz gewinnen.

Zum Plan gehört natürlich: was wollen Sie beruflich tun? Also was ist Ihre Zielposition? Und bei welchem Arbeitgeber möchten Sie gerne arbeiten? Das sind wesentliche Elemente Ihres Plans!

Zum Plan gehört übrigens, dass Sie einen Lebenslauf erstellen in deutscher und englischer Sprache. Machen Sie ihn hübsch im Sinne von professionell und aussagekräftig. Hier mal ein paar ganz passende Links:

Nutzen Sie Technologie

Sie brauchen, damit ihre Karriere auch von außen angeschoben werden kann, Profile auf den gängigen sozialen Netzwerken Ihrer Profession und Branche. Mit Xing und LinkedIn macht man nichts falsch. Lebensläufe auf StepStone hinterlegen, dürfte ebenfalls ein kluger Gedanke sein. Aber die Auftritte müssen bespielt werden, mit Leben gefüllt werden. Social-Media-Leichen gibt es bereits genug, gehören Sie nicht dazu. Posten Sie berufsrelevante Inhalte, schreiben Sie einen kurzen Kommentar dazu, teilen Sie Wissenswertes.

Bei Xing und LinkedIn können Sie ebenso Karriere-Ziele und -Wünsche hinterlegen, wie auf StepStone. Ab und an kommt in den automatischen Matching-E-Mails auch mal was Relevantes rum. Darauf sollten Sie reagieren.

und tun Sie was dafür!

Treffen Sie andere Menschen aus Ihrer Branche. Ein Netzwerk schadet nur dem, der es nicht hat. Machen Sie sich zu einem unternehmensübergreifenden Experten für Ihr Thema (siehe Plan). Und verhalten Sie sich Ihrer Zielposition entsprechend. Das betrifft die Kleidung, Ihr Kommunikationsstil, die Art und Weise, wie Sie Arbeit definieren. Machen Sie sich interessant. Gehen Sie auf Konferenzen, verteilen Sie Visitenkarten. Oder wenn Ihnen das zu oldschool ist, vernetzen Sie sich mit Ihren Gesprächspartnern auf Xing und LinkedIn, folgen Sie ihnen auf deren Blogs, abonnieren Sie Newsletter. Bleiben Sie im Austausch! Schreiben Sie E-Mails, teilen Sie Inhalte, seien Sie hilfreich und helfend.

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

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