Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

Wenn Sie morgens ins Büro oder zu Ihrem Arbeitsplatz kommen, hat statistisch gesehen fast jeder zweite den Gedanken, seinen Arbeitsvertrag zu kündigen. Eine Studie von Joblist (What Motivates People to Find a New Job and the Timeline to Do So) fand heraus, was die Motivations- und Demotivationsfaktoren rund um Fluktuation sind. Die Untersuchung zeigt, dass mehr Menschen als je zuvor überlegen, ihren Job zu kündigen und ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Die Studie bezieht sich allerdings auf USA, befragt wurden 995 Personen, die ihren Job in den letzten sechs Jahren kündigten, in einer Altersspanne von 18 bis 69 Jahren.

Personaler unterscheiden ja zwischen gewollter (managed) und ungewollter (unmanaged) Fluktuation. Die ungewollte Fluktuation bezieht sich also auf die Kollegen, die von sich aus kündigen, die man aber nicht verlieren wollte. In der Regel erfolgt der Prozess der Kündigung ja über zwei Meilensteine, den der inneren und den der faktischen Kündigung. Ich hatte hierzu bereits geschrieben: Kündigungen – wir vertauschen Ursache und Wirkung und analysieren falsch

Hat jemand die Überzeugung gewonnen, etwas anderes machen zu wollen, ist man offen für Angebote und sogar aktiv auf Jobbörsen, reagiert auf Anzeigen in Social-Media, heißt den Personalberater am Telefon willkommen. Diese Offenheit kommt stets vor der Bewerbungsphase. Die faktische Kündigung schließt sich an diese Phase an. In der Regel kündigen Mitarbeiter erst, wenn sie a.) einen neuen Arbeitsvertrag vorliegen haben oder b.) eine klare Absicht haben, was sie tun wollen. Hier spielen unter anderem geplante Auszeiten, Fortbildungen, Sabbaticals, Selbstfindungsphasen, Weltreisen etc. eine Rolle.

Bezahlung, Arbeitsumfeld und fehlende Perspektiven

Fast 47% der Beschäftigten gaben zu, dass sie erwägen, ihren Arbeitsplatz zu kündigen, und nannten als Hauptgründe:

  • bessere Bezahlung (24,5 %)
  • toxisches Arbeitsumfeld (17,2 %)
  • unzureichende Wachstums- und Entwicklungschancen (15,1 %)

Die Kündigung ist ein emotionaler Prozess, denn Menschen verlassen dadurch auch Menschen. Diese Beziehungen sind aber wichtig gewesen und bleiben es in anderer Hinsicht auch. Diese Trennung erfolgt in logischen Schritten von der Wut und dem Bedauern bis hin zur rationellen Ebene des Akzeptierens.

Kündigungsfrist kürzer als Time-to-Join

Üblich sind in Deutschland Kündigungsfristen von 6 Wochen zum Quartalsende. Von Branche zu Branche unterscheiden diese sich, Sie finden natürlich auch 4 Wochen zum Monatsende bis hin zu 6 Monaten zum Quartalsende. In dieser Bandbreite sind wir normalerweise unterwegs. Im Durchschnitt dauert ein Rekrutierungsprozess von der Bedarfsmeldung bis zum ersten Arbeitstag rund 220 Tage bei Kandidaten mit Berufserfahrung.

Kandidaten achten auch heute noch auf eine gewisse Hygiene im Lebenslauf, werden also versuchen, die tradierten Erwartungen an die “lineare Karriere” in einer noch passenden Art und Weise zu erfüllen. Letztlich weicht die Kaminkarriere immer mehr dem Ansatz der Mosaik- oder Portfolio-Karriere.

Wunsch nach Kündigung

Erstaunlich weit verbreitet ist allerdings die Ablehnung toxischer Unternehmenskulturen. Viele Mitarbeiter kündigen, weil sie das Klima nicht mehr ertragen, Micromanager ihren Alltag zu einem Leidensweg formen, keine Entscheidungen oder unvernünftige getroffen werden, mangelnde Unterstützung im Alltag usw.

Rund 65 % der Vollzeitbeschäftigten haben erfolgreich eine andere Stelle gefunden, bevor sie ihre bestehende gekündigt haben. Unter den 35 %, die ihre Arbeit kündigten, bevor sie die nächste Gelegenheit fanden, waren Manager, die adressierte Probleme nicht lösten (48 %), die Hauptursache für vorzeitiges Ausscheiden, gefolgt von falscher Arbeitskultur (fast 46 %), schlechtes Management (44 %) und eine toxische Arbeitsumgebung (39 %).

Portfolio- oder Mosaikkarriere ist der neue geradlinige Karrierepfad 

Die Attitüde, wo der Kandidat ins Raster passen muss, sollte eigentlich mindestens in den Engpassvakanzen vorbei sein. Die Megatrends haben eine Menge dazu beigetragen, dass wir People-Manager anders auf Kandidaten schauen. Wir bemühen uns mehr, sind generöser geworden was Auffälligkeiten in Lebensläufen angeht. Der Sprung zum Quereinsteiger ist nur noch ein kleiner. Mehr dazu hier: Weshalb Quereinsteiger die beste Lösung sind

Fazit (tl;dr)

Unabhängig davon, ob es um kompetitive Vorteile oder eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ging,viele der befragten Vollzeitbeschäftigten suchten aktiv nach einer neuen Beschäftigung. Diejenigen, die unter der toxischen Arbeitskultur leideten, beschleunigten den Prozess und kündigten sogar, bevor sie einen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche hatten.

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

Quelle der Grafiken sowie der Studie: What Motivates People to Find a New Job and the Timeline to Do So

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