Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

Recruiter machen den ganzen Tag über eine wahnsinnig gute und engagierte Arbeit. Sie eilen durch ihren Tag vom Screening eingehender Bewerbungen über Verträge schreiben, jagen Kandidaten am Telefon, schreiben E-Mails hin und her, reden mit den Fachbereichen, drücken Verträge in Posteingänge und Drucker, versuchen ihren Tisch leer(er) zu bekommen.

Manchmal passiert dabei etwas, was man nicht sehen kann. Recruiter chasen Kandidaten und setzen sie unwissentlich einem Druck aus, der dazu führen kann, dass der Vertrag eben nicht unterschrieben wird. Die eigene Hetze geht zu Lasten der Offer-Acceptance-Rate aus unterschriebenen Verträgen (Offer made und Hired).

Arbeitgeberwechsel ist emotional

Was passiert da? Oft werden Vertragsangebote mit einer kurzen Bindungsfrist von 10 oder 14 Tagen ausgesprochen und dem Kandidaten quasi vor den Latz geknallt.

Schauen wir mal auf die Sicht des Kandidaten. Selten ist ein Kandidat absolut passiv. Die meisten sind latent in Gesprächen und das oftmals kontinuierlich. Wenn mal etwas passt, freut man sich natürlich total darüber, wenn der potenzielle Arbeitgeber auch sagt: “ich will”. Man bekommt die Info am Telefon, kurz danach eine E-Mail mit etlichen Informationen. Der Kandidat fühlt sich geschmeichelt, fängt aber jetzt erst an, emotional die ganze Thematik der Kündigung durchzugehen. Wie wird die Trennung von Kollegen sein? Wie verändert sich die tägliche Routine, vermisse ich die Annehmlichkeiten des aktuellen Arbeitgebers, wie ist die neue Fahrt hin und zurück zum neuen Arbeitgeber, wie mögen dort die Pausengepflogenheiten sein und vieles mehr. Der Mensch braucht für diese gedankliche und sehr emotionale Trennung seine Zeit.

Oftmals gibt es auch weniger offensichtliche Aspekte. Beispielsweise muss man für das Erlangen des Bonus, Gratifikation oder Urlaubs-/Weihnachtsgeld noch zu einem bestimmten Termin beschäftigt sein. Bieten Sie offensiv an, ob der angebotene Einstellungstermin passt oder flexibel angepasst werden sollte.

Wie das Thema besser angehen?

Auf der anderen Seite drückt der Recruiter auf die Unterschrift. Und es wird schon klar, dass man seine Nr. 1 gerne rekrutieren möchte, ohne die Nr. 2 im Prozess zu verlieren. Der Zeitdruck ist erklärlich. Mal ehrlich, die besten Recruiter sind die, die sich in die Situation des anderen gut hinein denken können. Seid auf Augenhöhe, habt Empathie für die Situation, gebt Hilfestellung bei der Entscheidung, den Vertrag zu unterschreiben. Es geht hier eher nicht um die harten Faktoren, wie Geld, Firmenwagen oder Titel. Die sind untergeordnet unter die Entscheidung, will ich genau das nun und jetzt?

Erklären Sie die nächsten Schritte, geben Sie dabei Hinweise, wo Sie flexible Anpassungen machen können. Bieten Sie an, einzelne Teammitglieder auf einen Kaffee zu treffen. Die Hiring-Manager sollen das Gleiche tun, sich für ein Lunch oder für einen Kaffee anzubieten. Das Gewinnen von Kandidaten ist eine emotionale Energieleistung.

Meine Empfehlung

Bieten Sie nach dem Vertragsangebot an, zu telefonieren oder via Chat per iMessage, WhatsApp etc. für Fragen zur Verfügung zu stehen. Seien Sie offen und auf Augenhöhe. Bieten Sie an, bei der Entscheidung für etwas Neues als Sparringspartner zur Verfügung zu stehen. Ihre Kandidaten werden das zu schätzen wissen.

Beste Grüße und viel Erfolg

Ihr Marcus K. Reif

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