Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

Die ersten Wochen des Lockdowns hatten ihre eigene Faszination. Manche feierten sich ab mit regelmäßigen Geschichten aus der Arbeit von zu Hause. Doch aus der Freude, dass Homeoffice doch geht, wurde die Erkenntnis, dass von zu Hause arbeiten, die Kollegen nicht sehen, überproportional viele Videokonferenzen, Homeschooling, Kochen, sich um Kinder, Verwandte und die Partnerin oder den Partner zu kümmern, uns doch recht schnell an ein sehr hohes Stressniveau führte. Wir befinden uns am Rande der kognitiven und mentalen Belastungsgrenze. Und es gehört zur Demut, dies nun anzuerkennen.

Die psychische oder mentale Gesundheit ist das höchste Gut. Psychische Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung von Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und sozialer Teilhabe. Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit sind weit verbreitet und reichen von leichten Einschränkungen des seelischen Wohlbefindens bis zu schweren psychischen Störungen. Sie gehen mit erheblichen individuellen und gesellschaftlichen Folgen einher und beeinflussen die körperliche Gesundheit und das Gesundheitsverhalten. (Quelle: wikipedia.org/wiki/Psychische_Gesundheit).

Gesundheitsbedenken wg. Covid-19

Der Anteil der Personen, die wegen der COVID-19 und der Coronavirus-Pandemie in den USA, Großbritannien und Deutschland 2020 um ihre psychische Gesundheit besorgt sind, ist unterschiedlich und bewegt sich leicht sinkend seitwärts. In Deutschland springt der Wert im Mai recht wild zwischen 12 und 31 %, wie Statista in dem nachfolgenden Diagramm belegt:

Statistic: Share of persons worried about their mental health because of the COVID-19 / coronavirus pandemic in the United States, United Kingdom and Germany 2020 (as of May 12) | Statista
Find more statistics at Statista

COVID-19-Tenor ist vergleichbar

Sie sprechen sicherlich auch viel mit Kollegen, Freunden, Bekannten. Viele Personalberatungen veranstalten virtuelle Netzwerk-Sessions, in denen man überall den gleichen Tenor des COVID-19-Krisenmanagements hört. Hier natürlich Bank- oder Professional-Services-spezifisch:

  • Alles im Griff
  • Business-Continuity-Pläne greifen
  • Belegschaften arbeitet weitgehend virtuell
  • Videokonferenzen ersetzen klassische Meetings
  • Rotationsmodelle etabliert
  • Pläne für “going back to (new) normality” liegen parat
  • Management drängt auf die Rückkehr ins Office
  • Mitarbeiter beklagen hohen psychischen Druck

Woher kommt das? Das ist eine mannigfaltige Mixtur aus verschiedenen Treibern. Natürlich ist die Arbeit von zu Hause in den meisten Unternehmen kulturell ein Exot. Man fühlt sich unterbewusst kontrolliert und investiert mehr Zeit und mehr Energie in die Arbeit, um einer möglichen Überprüfung “was machst du da eigentlich den ganzen Tag?” argumentativ besser stand zu halten.

Hinzu kommt natürlich die Belastungen aus dem Pandemie-Office mit Kinderbetreuung, Kochen, Homeschooling usw. Ich brauche das gar nicht weiter auszuführen, Sie wissen, von was ich spreche. Der Spiegel hat einen beispielhaften Artikel hierzu verfasst: “Ich arbeite jetzt nachts, damit ich mich tagsüber um meine Kinder kümmern kann“. Kitas haben zu, Schulen auch, der Babysitter darf nicht kommen, die Großeltern wohnen in der Nähe und sind doch unerreichbar. Und alles parallel zur Arbeit.

Wir sind aktuell nirgendwo auch nur annähernd gut

Man dreht sich also heute in einem Hamsterrad verschiedener Systeme: im Job. Als Mutter oder Vater. Als Ehefrau oder Ehemann. Als Tochter oder Sohn. Als Nachbar. Als Vereinsmensch. Als Sportkamerad. Als Freundin oder Freund. Und wir haben das Gefühl, dass wir in keinem dieser Systeme auch nur annähernd gut sind. Diese soziale Isolation macht unseren Tag ein wenig düsterer als er sowieso schon ist. Und da sind wir noch gar nicht bei dem Virus COVID-19 selbst. Die Sorge, sich anzustecken, selbst infiziert zu sein. Man sieht die Gesichter mit Masken bedeckt, Menschen sind weniger zugewandt, halten Abstand.

Schauen Sie sich die größten Trigger für psychische Probleme an:

Quelle: https://de.statista.com/infografik/19575/die-groessten-trigger-fuer-psychische-probleme/

Aggressive Grundhaltung

Jetzt müssen wir aber wenigstens kurz über die aggressive Grundhaltung sprechen. Ich weiß nicht, ob es schon immer so wahr oder ob das mit COVID-19 zusammenhängt, dass es so viele Spinner gibt, die derart krude Verschwörungstheorien verbreiten. Ob es die vielen Kindern in unterirdischen Gefängnissen sind, um deren Befreiung zehntausende amerikanische Soldaten in Europas unterirdischen Bunkern kämpfen oder diese Impfposse, dass Bill Gates und chippen will. Man mag sich die Frage stellen, was Menschen dazu verleitet? Ist es die Unsicherheit, die Nicht-Greifbarkeit der Bedrohung durch einen unsichtbaren Virus? Die Pandemie-Folgen durch Lockdown, Social-Distancing oder die Pflicht, in bestimmten Lebensbereichen eine Maske zu tragen? Oder was führt Menschen dazu, sich mit Reichsbürgern, Rechtsextremen oder – seichter ausgedrückt – völlig irrlichternden COVIDIOTEN gemein zu machen?

Der Witz muss sein:

“Fragen Eltern den Arzt, ob sie wirklich alle ihre Kinder impfen lassen sollten. Antwortet der Arzt: Nur die, die sie behalten wollen.”

Psychische Probleme sind normal

Meine Generation hat noch nichts Vergleichbares erlebt. Meine Großeltern sagten oft, dass jede Generation ihre eigene Apokalypse erlebt.

Oder mit dem Song von Fury in the Slaughterhouse zu sprechen: Every Generation got it’s own disease.

Für meine Großeltern war dieses Generationengeschehnis der zweite Weltkrieg. Für uns ist es vermutlich diese Pandemie, die alles auf den Kopf stellt und vieles hinterfragt, was im Februar noch als richtig galt.

Stress ist ein Treiber

Dass psychische Probleme etwas völlig normales sind, zeigt auch eine Erhebung des Statista Global Consumer Survey. 24 Prozent der etwas mehr als 2.000 Befragten gaben an, in den letzten zwölf Monaten eine depressive Phase erlebt zu haben, 14 Prozent litten in diesem Zeitraum mindestens einmal unter Angst und neun Prozent erlebten einen Panikattacke. Oft beginnen Probleme aber schon mit alltäglichen und weit verbreiteten Symptomen wie Stress oder Stimmungsumschwüngen. Thema des diesjährigen Welttages ist die “Suizidprävention” – wie wichtig diese ist, zeigt der Blick auf die offizielle Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts. Demnach nehmen sich jedes Jahr etwa 10.000 Menschen hierzulande das Leben.

Wichtig hierbei ist anzuerkennen, dass Stress alleine nicht krank macht, sondern sogar beflügelnd wirken kann. Entscheidend hierbei ist, dass sich Phasen der Anspannung und Entspannung abwechseln und mittelfristig im Gleichgewicht stehen.

Burnout

Burnout ist keine Krankheit. Und Burnout ist auch nicht neu. Die Möglichkeit, eine Erschöpfung im Sinne einer arbeitsbedingten Überlastung als eigenständige Diagnose festzuhalten, gibt es für Ärzte seit dem Jahr 2004. Seitdem ist Burn-out im sogenannten ICD-10, das ist die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten, mit deren Hilfe Ärzte ihre Diagnose für die Krankenkasse notieren, als Zusatzdiagnose Z 73 (“Z” für Zusatzdiagnose) verzeichnet. In der gleichen Kategorie spielt die Erschöpfungsdepression. Ähnliche Erschöpfungszustände kennen Menschen schon seit der Aufzeichnung. In der Bibel ist bereits die “Elias-Müdigkeit” erwähnt und die Bürger im letzten Jahrhundert litten an “Neurasthenie”.

Typisch für solche depressive Phasen ist meist eine emotionale Erschöpfung: Die betroffene Person fühlt sich psychisch und körperlich ausgelaugt. Ständige Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Anspannungszustände treten auf. Als Verhalten werden Zynismus, Distanzierung und Depersonalisierung genannt. Es gibt etliche weitere Beobachtungen. Ich möchte damit nur untermalen, dass wir auf eine breitere Phase der Erschöpfung zusteuern.

Was können wir tun?

 müssen die Arbeitgeber die psychische Gesundheit und das Wohlergehen aktiv unterstützen

Empathie an, Micromanagement aus. Führungskräfte brauchen ein modernes Verständnis von Führung. Empathie sollte deutlich stärker vorhanden und in der täglichen Führung beobachtbar sein. Eliminieren Sie vollständig jegliches Micromanagement. Kein Reporting und keine Abstimmungsschleife haben jemals den Umsatz auch nur um einen Euro erhöht! Unser Bedürfnis danach, Empathie zu erleben, selbst voranzutreiben und miteinander in einem befruchtenden Austausch zu stehen, wird auch noch lange Zeit nach der Pandemie anhalten. Wir müssen das verstetigen.

Das Ergebnis zählt, nicht die Arbeitszeit. Wir müssen von der digitalen Arbeitsweise profitieren, die gerade jetzt während der Pandemie so erfolgreich die Firmen am Laufen hält. Wir brauchen eine Kultur des Vertrauens. Dabei ist es wichtig, die Errungenschaften aus der Pandemie zu übernehmen. Heute können die Führungskräfte, die an Micromanagement glauben, ihr Kontroll- und Überwachungsbedürfnis gar nicht bedienen. Sie müssen vertrauen darauf, dass ihre Mitarbeiter die Arbeit schon selbst erledigen.

Arbeit ist nicht länger ein Ort, zu dem ich gehe, sondern das, was ich tue!

– Marcus K. Reif

Lassen Sie los! Lassen Sie los von Ihren Glaubenssätzen, wie gute Führung gelingt. Präsenzmeetings und das gute Gefühl, Ihre Schäfchen immer um sich herum zu haben, werden in dieser Form lange oder vielleicht auch nie mehr zurückkommen. Nutzen Sie die Flexibilisierung der Arbeit an sich, der Arbeitsmodelle, Arbeitszeit und Arbeitsort. Lassen Sie los von dem Glauben, dass nur 10-12 Stunden Präsenz für eine positive Arbeit steht. Die Kultur des Rumhockens hat keinerlei Aussagefähigkeit für die Arbeitsqualität!

Paradigmenwechsel von der transaktional geprägten Führung zum transformationalen Leadership: Unsere Chance, endlich aus der transaktional-geprägten Führung rauszukommen. Führung war ja über lange Jahre sehr paternalistisch ausgeprägt. Führung fokussierte sich nicht selten auf den Input (hohe Arbeitszeit, starke Präsenz, Meinungsorientierung) und wurde negativ praktiziert. Alle, die nicht stromlinienförmig zu der Erwartung der jeweiligen Führungskraft passten, hatten kein leichtes Leben. Fehlersuche, Suche nach dem Schuldigen, all das hat immer viel Raum eingenommen. So haben wir über Jahrzehnte hinweg ein freudloses, sinn- und emotionsfreies System erschaffen. Mehr zur Führung finden Sie auch in diesem Beitrag: Wie gelingt moderne Führung?

Betriebliche Gesundheitsförderung braucht einen höheren Stellenwert. Wir müssen als Arbeitgeber die psychische Gesundheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter aktiv unterstützen. Wir müssen frühzeitig erkennen, wenn unsere Kollegen, Mitarbeiter oder auch Chefs in eine Dysbalance rutschen. Technologie kann uns dabei unterstützen, ein Wohlbefinden zu verankern. Belohnen Sie Achtsamkeit, Arbeitszeittreue und regelmäßige Auszeiten. Nur motivierte und ausgeglichene Mitarbeiter erzielen Höchstleistung. Lassen Sie dauerhaften Stress auf gar keinen Fall zu.

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

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