Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

Viele der Wissensarbeiter arbeiten im Pandemie-Office, also irgendwas aus Arbeit von zu Hause, Homeschooling, Kochen für die Lieben und Kinderbetreuung. Das alles hat mit New-Work so ziemlich gar nichts zu tun. Scheint es. Ein wichtiges Element hat sich in diesen COVID-19-Business-Continuity-Szenarien doch in Richtung New-Work getan. Manche Führungskraft hat – aus der Not oder durch Überzeugung – ihr wichtigstes Argument für Büro-Präsenz abgelegt. Das alte Dogma von “die Leute arbeiten nur, wenn sie im Büro sind” hat schlagartig ausgedient. Viele sitzen zu Hause und versuchen weiterhin Bestleistung zu erbringen, das Geschäft am Laufen zu halten, ihre Prozesse und Tätigkeiten zu erfüllen. Und das alles im Pandemie-Spannungsfeld.

Arbeitswelt nach Corona: Schluss mit Openspace und Office-Zentrierung. Kultur ändert sich. Willkommen Smartoffice, Vertrauensarbeit und superflexible Arbeitsmodelle mit mehr Selbstbestimmung! Klick um zu Tweeten

Wie wird sich die Arbeitswelt nach Corona verändern? Denn schon jetzt erleben wir, wie nachhaltig die Veränderungen sind. Manche Arbeitgeber sinnieren bereits, ob man durch eine Verlagerung der Tätigkeiten ins Homeoffice nicht einen erklecklichen Anteil an Büromiete einsparen kann. Ich denke, dazu wird es nicht in erhofftem Umfang kommen. Doch etwas ist da schon dran. Laut einer aktuellen Studie des Digitalverbands Bitkom ist jeder zweite Berufstätige erstmals von Heimarbeit betroffen. Homeoffice war für Privilegierte und wird nun für die Mehrheit der Wissensarbeiter zur Realität. Und auch zur Normalität?

Gerade Facebook, Apple und Google, die weit oben in den Rankings der Top-Arbeitgeber residieren, haben hohe “Remote Work Ratios”, also große Populationen der Belegschaft, die von zu Hause aus arbeiten. Diese Arbeitgeber warben auch schon vor COVID-19 mit der Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten. Dafür wird man in Zukunft etwas tun. Das reine Arbeitsortflexibilisierungsinstrument “Arbeit von zu Hause aus” wird als Employer-Branding-Instrument nicht ausreichen. Sie werden Stellenanzeigen finden, in denen der Arbeitgeber die Ausstattung des Homeoffices finanzieren will. Da geht es nicht nur um ein Smartphone und ein Notebook, sondern auch um ein Multifunktionsgerät aus Scannen, Drucken, Faxen, ein ordentlicher Bürostuhl, eine anständige Tischlampe und ein separater Monitor für das Notebook (oder zwei!).

„Die Krise wird eine Entwicklung hin zu einer stärkeren Digitalisierung und Virtualisierung der Arbeit weiter beschleunigen, und flexible Arbeitsmodelle werden wahrscheinlich zunehmen.“

Allianz Deutschland AG

„Wir sind davon überzeugt, dass die Corona-Pandemie unsere Arbeitsweise für immer verändern wird“

Energiekonzern E.on

Die genannten Firmen Apple, Facebook und Google haben die moderne Arbeitskultur vorgemacht. Sie haben freizeitorientierte Elemente, Wellness und das Spielerische ins Büro geholt. COVID-19 brachte nun das Büro nach Hause. Das Pendel schwingt ins Extreme, siehe unsere heutige Arbeit im Pandemie-Office. In der Mitte liegt die Zukunft. Shopify macht daraus bereits eine Tugend und bleibt bis 2021 (sic!) zu Hause:

https://twitter.com/tobi/status/1263483496087064579

Manche werden sogar noch weiter gehen und für die Greenscreen-Technik der Videokonferenzanbieter grüne Stellwände zur Verfügung stellen, damit nicht jeder Kollege, Kunde oder Lieferant Einblick in die Heimarbeitsatmosphäre erhält. Wir sind alle Botschafter unseres Arbeitgebers und das eben in jeder Situation – auf Social-Media, im Alltag mit den Kollegen und Kunden und natürlich auch in Videokonferenzen.

Gehen wir mal ein paar Thesen an:

  • Arbeit ist nicht mehr der Ort, zu dem ich gehe, sondern das, was ich tue
  • Großraumbüros sterben aus. Dies ist das Ende von Openspace
  • Distanz prägt die Arbeitswelt (Mindestabstände werden uns noch lange begleiten)
  • Kommunikation und Interaktionen sind elementar, wir müssen dies unter dem Abstandsgebot ermöglichen
  • der eigene Arbeitsplatz stirbt aus
  • Smartoffice ist eine Mischung aus Präsenzarbeit und von zu Hause, aus Remote-Leadership und digitaler Zusammenarbeit
Arbeit ist nicht mehr der Ort, zu dem ich gehe, sondern das, was ich tue. Das is ein Teil von New-Work als positiver Effekt aus COVID-19 #Corona Klick um zu Tweeten

Open-Space ist ein Killer Ihrer Unternehmenskultur. Sie erreichen keinerlei verbesserte Interaktion oder Kommunikation, nein, Sie verhindern Sie sogar dadurch und machen die Zusammenarbeit noch schwieriger.

Großraumbüros/Openspace

COVID-19 zeigt mit den gebotenen Abstandsregeln, dass die Großraumkonzepte mit dem Infektionsschutz in keinster Weise vereinbar sind. Die Openspace-Arbeitskonzepte sind sowieso dysunktional. Sie kamen Ende der Neunziger Jahre auf als eine Mischung aus besserer Nutzung der Fläche, typische Quadratmeterdiskussion, und besserer Kommunikationsunterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Herausgekommen ist ein Element des Großraumbüros, wo die meisten mit Kopfhörern in den Ohren still vor sich hinarbeiten. Zur Kommunikation geht man woanders hin, um die anderen nicht zu stören. Das ist auch die wesentliche Kritik am Openspace-Modell. Der Lärm und die Störfaktoren sind einfach überwiegend!

Denken wir mal in der Hypothese weiter, dass die Arbeit von zu Hause einen breiteren Raum einnehmen wird (was bei mir seit 15 Jahren der Fall ist). Dabei lassen sich die Arbeitsflächen in den Büros doch großzügiger nutzen, um die Abstände besser einzuhalten. Ich bin sicher, wir kommen zu mehr abgeschlossenen Arbeitsplatzkonzepten zurück, natürlich transparent, hell, aber eben schallisolierend. Vermutlich werden wir keine wirklich festen Arbeitsplätze haben, sondern mehr Sektoren in den Büros, in denen ich anlassbezogen arbeiten werde.

Der eigene Arbeitsplatz stirbt aus

Wir arbeiten smart. Eine Mischung aus punktueller Arbeit von zu Hause, denn konzentriertes Arbeiten ist wichtig und steigt in der Bedeutung. Für den kommunikativen Austausch und zur Interaktion mit den Kollegen wird punktuelles Arbeiten im Büro elementar sein. Arbeiten, die von zu Hause aus erledigt werden können, werden auch eher dort erledigt werden, während kommunikationsbedürftige Teile meiner Arbeit im Büro erledigt werden. Das ist für E-Mail-intensive Unternehmenskulturen keine gute Aussage, denn E-Mails werden nicht mehr innerhalb von Minuten bearbeitet, sondern von zu Hause. In Ruhe.

So stirbt aber die bisherige Form der Arbeit aus. Ich stand morgens auf, machte mich bürofertig, fuhr dann ins Büro. Man saß am Arbeitsplatz, begann ein Ritual. Der eine mit Kaffee, der andere mit E-Mails und wieder andere mit einem Plausch mit den Kollegen. Dann ging man ans Werk und beendete den Tag nach rund acht Stunden. Heute startet man in den Tag, an einem von zu Hause an anderen vom Büro, und geht Resultat-orientiert an die Arbeit. Was steht heute an? Was muss erledigt werden? Wen brauche ich dazu? Und wie bekomme ich diese Person dazu, mit mir an meinem Thema zu arbeiten? Und das alles mehr über Videokonferenzen als über Dienstreisen innerhalb des Landes oder um den halben Globus.

Digitalization kicks in! Wo alles vernetzt ist und jeder über Internet oder die Cloud auf alle Programme, Daten und Informationen zugreifen kann, ist es gar nicht mehr so wichtig, wo gearbeitet wird. Deshalb verliert der schön dekorierte Arbeitsplatz im Büro an Bedeutung und Relevanz. Desksharing ist in Beratungen schon Gang und Gäbe, wird auch in den normalen Büroetagen Einzug finden. Unser Arbeitsplatz wird “clean” sein.

Smartoffice

IT-Tools, wie Slack, haben diese Form der Arbeit schon vorweggenommen. Wir rennen aktuell eher hinterher, weil wir uns an Bewährtes klammern. Wir wollen so viel wie möglich bewahren und gerade Führungskräfte schätzten ja die Omnipräsenz ihrer Mitarbeiter um sie herum. Über Change-Fatique reden wir ein anderes Mal. Mir geht es darum, wie smart unser Arbeitsalltag werden kann, wenn wir anders arbeiten? Welche Tools unterstützen unsere Arbeit? Wir erleben heute eine maximale Flexibilisierung von Arbeitsort, natürlich auch von Arbeitszeit wegen Kinderbetreuung und Schule von zu Hause aus, aber eben auch von Führung aus der Distanz. Diese Form des Remote-Leadership ist für Führende und Geführte eine zusätzliche Belastung, weil wir das viel zu wenig üben durften.

Die Zukunft der Wissensarbeit liegt in der konkreten Ausgestaltung der Arbeit durch fluides und individualisiertes Arbeiten, durch deutlich höhere Flexibilität der Strukturen sowie erweiterten Kompetenzen bzw. Verschiebung der Bedeutung der erforderlichen Selbststeuerungskompetenzen der Mitarbeiter. Wir werden Cloud-basierte Technologien nutzen, um mehr Automatisierung zu

Wir haben eine Reise vor uns, die in ihrer Ausprägung sensationell sein wird. Eine echte Chance, Arbeit neu zu definieren. Packen wir es an!

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

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