Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif
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Letzte Woche hatte ich einen Moment des Zweifels. Seit Jahren umgibt mich eine vitale Filterblase wunderbarer Kollegen, toller Chefinnen und Chefs, mutiger Blogger und leidenschaftlicher HR-Experten. Und allen ist daran gelegen, dass wir Personaler endlich mehr Wertbeitrag leisten, eine deutlichere Note an Gestaltung liefern und den Akzent auch auf die Strategie legen, nicht nur auf das Operative. Das ist sehr wohltuend, gleichwohl aber ein Filter und damit gar nicht die Realität?

Das hat den Blick auf die Realität, wie bei Filtern üblich, natürlich getrübt. Die Realität ist immer noch das Dilemma des administrativen HR-Experten. Und viel schlimmer, die Mehrheit der einstellenden Führungskräfte suchen operative Expertise, Fähigkeit zum operativen Management und viel Prozess-Kompetenz. Der Process-Pusher ist immer noch angesagt. Und Bedarf an gestaltenden People-Managern, HR-Strategen und kulturell-vorprägenden Personalern gibt es vermutlich in der Breite gar nicht.

Dilemma des administrativen HR-Experten. Willkommen im Jahr 2019 – der Kodak-Moment für uns Personaler! Man schätzt uns als emsige Arbeitsdrohnen. Mehr auch nicht Klick um zu Tweeten

Wie kann das sein? Woher kommt das?

Die Branche treibt ein ums andere Thema durch die Gazetten. Alles muss nun agil sein. Gestern musste noch alles digital sein. Und morgen vermutlich irgendwie anders. Skalierte Agilität hier, agile Compensation-Modelle da. Digitalisierungswahn, Veränderungsmanagement, HR-Transformationen oder Change-Programme, OKR- und Zielsystemagilität, Debatten über künstliche Intelligenz im Recruiting, agile Kompetenzmodelle und Lean-Organization. Welche Kompetenzen laufen aus, welche Kompetenzen entstehen, welche Jobs werden automatisiert, welche neuen Jobs entstehen? New Work, neue Arbeitsplatzkonzepte, moderne Kultur und Führung. Die Themen sind lang wie breit.

Liest man Vorgenanntes, wird deutlich und klar: das Profil des Personalers wandelt sich vom operativen Personalreferenten zum modernen People-Manager. Die Menschen bringen mehr tiefere und breitere Kompetenzen mit, sind kommunikativer, Wir-bezogener, konstruktiver und strategischer. Mit mehr Mut, mehr Offenheit für Fehler, um daraus zu lernen, mehr Lust auf Verantwortung und weniger Mikromanagement, Weisung und Ansage. Wir haben mehr Analyse-Kompetenz, können mit Daten umgehen, nutzen Digitalisierung selbstverständlich und wenden anlassbezogen den richtigen Führungsstil im Umgang mit den bis zu fünf verschiedenen Generationen in unseren Bereichen an.

Natürlich befeuert der Markt sehr stark diese Entwicklung. Und viele Unternehmen reagieren darauf und bauen ihre Personalstrukturen so um, dass sie erfolgreicher werden. Im Wesentlichen muss ich allerdings erkennen, dass diese Trends mehr aus den Mündern der Dienstleister, Unternehmensberatungen und Vordenker geäußert werden, als von Unternehmenslenkern.

Die Personalfunktion leidet am Klischee von „zu bürokratisch, zu langsam, keine Ahnung vom Geschäft“. Und viel schlimmer: die Fachbereiche pflegen den Anspruch, nicht mehr als das zu liefern!

Wissen Sie, was moderne und gestaltende People-Manager in ihren Bewerbungsprozessen hören?

  • “die Rolle ist ein Maß zu operativ für Ihr Profil”
  • “wir suchen jemanden, der mehr operative Verantwortung und direkte Führung übernehmen kann”

Das ist der immanente Appell: kümmere dich um meine Abläufe, mach keine Fehler, sei nicht anstrengend und bitte nicht krank. Sei meine operative Arbeitsdrohne! Aber niemals ein gleichwertiger Gesprächspartner an meinem Tisch. Strategie mach ich mit Menschen auf Augenhöhe!

Appell: kümmere dich um meine Abläufe, mach keine Fehler, sei nicht anstrengend und bitte nicht krank. Sei meine operative Arbeitsdrohne! Aber niemals ein gleichwertiger Gesprächspartner an meinem Tisch Klick um zu Tweeten

Willkommen im Jahr 2019 – der Kodak-Moment für uns Personaler!

Beste Grüße

Ihr Marcus Reif

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