Wöchentlich kommt es vor, dass ich über meine Konten auf xing.com, Facebook, Twitter, per E-Mail oder telefonisch nach Karrieremöglichkeiten im Unternehmen gefragt werde. Dafür bin ich da und ich freue mich über die Kontaktaufnahme. Doch leider kommt es häufig vor, dass ich anhand des hier gebloggten Beispiels einer Bewerberin oder einem Bewerber keine positive Nachricht übermittle. Weshalb? Die vorausgegangene Frage ist dabei oftmals:

Sie haben online keine relevante Stelle in meinem präferierten Bereich, darf ich Ihnen meine Initiativbewerbung zusenden?”

Aus Effizienzgründen müsste die Antwort darauf “wozu?” lauten. Die Erklärung ist gar nicht so komplex. Große Unternehmen leben doch davon, dass alle Vakanzen online zu finden sind, damit die aktiv suchenden Kandidatinnen und Kandidaten schnell, bequem und zuverlässig ihre und seine Online-Bewerbung platzieren können. Das ist im Regelfall immer der schnellste Weg für die Bewerbung. Deshalb gilt die Regel, dass alle Vakanzen im Unternehmen auch online ausgeschrieben werden. Das ist im modernen Sourcing-Mix der Recruiting- und Sourcing-Kanäle opportun und entspricht dem Standard-Repertoire. Was damit auch bedeutet, wenn es keine ausgeschriebene Vakanz gibt, gibt es keine genehmigte Stelle und eine Initiativbewerbung müsste leider negativ beschieden werden. Das ist bedauerlich. Hin und wieder findet man im Dialog heraus, was die Karriere-Präferenzen sind und manchmal tut sich dort eine vorher nicht ins Auge gefasste Chance auf. Doch die Regel ist das nicht. Und gerade aus den genannten Gründen gibt es den Mythos des “verdeckten Stellenmarkts” im Regelfall auch nicht.

Nun wenden sich die Kandidatinnen und Kandidaten ja aus einem guten Grund persönlich an jemanden aus dem Recruiting. Sie haben Lust, bei dem jeweiligen Unternehmen zu arbeiten, was für das Employer-Branding und die Arbeitgeberattraktivität das schönste Zeichen überhaupt ist. Und bei den Situationen, wie die oben beschriebene, die aus interner Unternehmenssicht eher selbstverständlich ist, muss man leider virtuell mit den Achseln zucken. Ins Spiel kommt bei gut aufgestellten Unternehmen sicherlich ein Kandidatenbindungsprogramm, was bei einem enger werdenden Arbeitsmarkt essenziell ist. Darüber kann man mit geschätzten Persönlichkeiten im Dialog bleiben und wenn im Hause eine relevante Vakanz entsteht, spart man Besetzungszeit und Sourcing-Budget bei der direkten Ansprache dieser Kandidaten im Bindungsprogramm. Aber für den Moment lässt man eine motivierte Bewerberin/einen motivierten Bewerber mit einer unzufriedenstellenden Antwort zurück.

Mein Tipp für die Bewerbung bei Großunternehmen, Konzernen und Beratungen: setzen Sie sich mit den Ausschreibungen auseinander. Ist nichts für Sie passendes dabei, erfragen Sie an der Karriere-Hotline nach den Möglichkeiten für Initiativbewerbungen oder Bindungsprogrammen.

Drücke die Daumen für Ihre Karriere!

Ein Hinweis aus eigener Erfahrung: das Erfragen des persönlichen Ansprechpartners erübrigt sich bei Großunternehmen und Beratungen, denn dort arbeiten hoch professionelle Recruiting-Teams, die einzig und allein mit den Bewerbern am für sie besten Karriereeinstieg arbeiten. Sehr geehrte Damen und Herren reicht als Anrede. Aber das nur zu den Wirrungen der Karriereratgeber, die dies sehr gerne empfehlen. Mehr dazu an anderer Stelle.

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif