Herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind!

Teil der Candidate-Experience ist die Onboarding-Experience. Faktisch gesehen ist die Wirklichkeit qualitativ abfallend. Viele Unternehmen machen ein tolles Personalmarketing, betreiben ein gutes Engagement zur Steigerung des Employer-Brandings. Doch der erste Tag für die neuen Kollegen verkommt zu einem bürokratischen Exzess. Mich hatte Bernd Slaghuis mit seinem Beitrag Schön, dass Sie da sind! So gelingt der erste Tag im neuen Job inspiriert. Die alte Weisheit “es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck” kann man sicherlich noch weiterschreiben. Während Recruiting und der ganze Zyklus auf dem Attract-Stream noch glitzernd, schillernd und gewinnend ausgeprägt ist, 

Twitter-Umfrage

Eine Umfrage auf Twitter ergab, auf dem Blog wird ein Beitrag zur Onboarding-Strategie gewünscht. Da lasse ich mich nicht zwei Mal bitten ;)

Ich habe ja auch gerade erst (Oktober 2016) eine Onboarding-Experience gewonnen als ich auf dem Weg von EY zu Kienbaum war. Habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass mir das Loslassen bei EY sehr schwer gefallen ist, insbesondere auch das Auf-wiedersehen-Sagen. Hatte da einen dicken Kloß im Hals. Zu Kienbaum zu kommen hatte einen Vorlauf von fast fünf Monaten. In dieser Zeit gab es regelmäßige Treffen, eine Tagung und etliche E-Mails und iMessages (bin ja Apple-Fanboy!). Bin also rein thematisch gut gestartet. Und hatte mit einer Kollegin jemanden, die mir den Start, die Vorbereitung und alle Fragen wunderbar professionell erleichterte. 

Eigentlich müsste ich ja noch was über den Trennungsprozess bei EY schreiben, um die Connect-Strategie noch zu untermauern. Ich bleibe mal in der chronologischen Reihenfolge und beginne mit dem Onboarding. Dennoch ist auch die Trennung Teil der “Experience”, die “Candidates” auf dem Weg zum Unternehmen dann als Mitarbeiter und Ehemalige erleben. 

Der erste Tag ist entscheidend!

onboarding-experiences

Das sind schöne Beispiele, wie man Kollegen willkommen heißt mit einem nett dekorierten Schreibtisch und ein paar Willkommensgeschenken. Wenn Sie so etwas mal erlebt haben, können Sie die Freude darüber jetzt noch spüren. Das sind einfach sensationell wirkende Kleinigkeiten, die keinem Weh tun und so viel Effekt haben. 

Auch wenn Sie eher rationell, sachlich und analytisch geprägt sind. Ein Trennungsprozess ist eine emotional höchst anstrengende Zeit, die wahnsinnig viel Energie raubt. Man kündigt, “phased” langsam aus, trennt sich auch innerlich von den Dingen, für die man lange Zeit Verantwortung trug, man sagt auf Wiedersehen oder schlicht Good bye. Auch kleinste Dinge werden auf die Goldwaage gelegt, Tränen fließen, emotionale Bindungsversprechen werden gegeben, viel Lob und Anerkennung für das Geleistete. Jeder kennt das. Und die gleiche Anstrengung folgt beim Onboarding ein paar Tage später. Natürlich will man sich von seiner besten Seite präsentieren. Die ersten Wochen bieten meist viel Gelegenheit für Fettnäpfchen, die es zu vermeiden gilt. Man wünscht, dass man schnell ins Team findet, es sich so angenehm wie möglich macht und sich wohl fühlt. Sicherlich haben Sie Vorstellungen und Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen. Diese verbinden Sie selbstverständlich mit dem gesamten Onboarding-Erlebnis. Sie gleichen ab, was Sie erwarteten und was Sie erlebten. 

Der gesamte Onboarding-Prozess ist entscheidend. Sie können dort eine Menge richtig machen, allerdings auch eine Menge falsch. Machen Sie es richtig, reduzieren Sie die Frühfluktuation, sorgen für eine schnelle Ramp-up-Phase der neuen Kollegen und höhere Produktivität. Die Chance, alles Wichtige in den ersten Tagen zu transportieren, ist ein wirkungsvolles Element für eine schnelle operative Produktivität der neuen Kollegen. 

Das gilt natürlich auch im umgekehrten Fall. Kommt das Arbeitswerkzeug – Smartphone, Notebook, Mitarbeiterausweis, Zugänge etc. – erst ein paar Tage nach Ihrem Start, hocken Sie sprichwörtlich dumm rum. So etwas schlägt auf die Laune und das Gemüt. 

Die Zeit vor dem ersten Tag ist sehr wichtig!

Bei einer großen Beratung, bei der ich vor einigen Jahren eine sehr gute Zeit hatte, entwarf das Konzept des “Waiting rooms”. Das ist eine virtuelle Umgebung für alle neuen Kollegen, die auf dem Weg zu uns waren, aber ihren ersten Tag im Unternehmen noch vor sich hatten. In diesem Waiting-Room wurden allerlei Antworten gegeben auf Fragen, die üblicherweise von Interesse sind in den Tagen vor dem ersten Tag. Wie ist der Dresscode, gibt es Parkplätze, wo kann man zu Mittag essen, wie sind die Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, gibt es einen Getränkeautomat, bekommt man im Büro oder in der Nähe Snacks? Es gibt hunderte von Fragen, die allesamt sinnvoll über solch eine Lösung beantwortet werden können. Und sie sind stressfrei. Versetzen Sie sich zurück zu Ihrem ersten Tag. All diese Fragen haben auch Sie mehr oder weniger interessiert. Haben Sie sie gestellt? 

Denken Sie bitte im Rahmen des Onboardings an die folgenden Punkte:

  1. Einarbeitungsplan 
  2. Mittagessenstermine für die gesamte erste Woche 
  3. Kennenlerntermine über die ersten zwei Wochen mit wichtigen Personen aller Senioritäten 
  4. sind alle Arbeitsmittel bestellt? Notebook, Smartphone, Zugänge, Mitarbeiterausweis etc. 
  5. gibt es eine FAQ? Wo BahnCard bestellen, Firmenkreditkarte, Profile für Reisen etc. 
  6. ist ein Mentor oder Buddy angedacht, der sich die ersten Wochen Zeit einräumt? 

Onboarding-Event

Und gönnen Sie sich die Möglichkeit einer zentralen Onboarding-Veranstaltung. Sie können dort alle neuen Kollegen direkt mit der Strategie befassen, ihnen die Werte der Firma erläutern, ohne dass diese durch individuelle Interpretation einzelner Führungskräfte verwässert wird. Alle “Neuen” haben direkt die Chance, ein wertvolles und gutes Netzwerk aufzubauen. Etliche der Kollegen aus meinen Onboarding-Veranstaltungen sind bis heute gute Buddies und ein aktiver Teil meines Netzwerks. Und natürlich ist alles Wichtige auch gut adressiert. Ob IT-Orientierung, Richtlinien, Compliance, Risk-Mgmt., Umgang mit Social-Media etc. Hier haben Sie die gute Aufmerksamkeit. Zumindest eine deutlich bessere als in allen Calls und Webinaren, die auf die ersten Tage folgen. 

Sie können bei jeder Verbesserung eigentlich nur Ihren Prozess verbessern. Und Sie erreichen zufriedene Kollegen. Sie werden es Ihnen danken! Happy Onboarding! 

Beste Grüße 

Marcus Reif 

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif