Wandel von der Employer-Experience zur Candidate-Experience

Unternehmen brauchen junges, qualifiziertes und motiviertes Personal. Mit dem richtigen Talent Management werden Unternehmen zu starken Arbeitgebermarken. Doch der typische Bewerbungsprozess in Deutschland ist innenorientiert. Alles dreht sich um die einstellenden Manager und die Prozesse in deren Abteilung. Ob es die Terminierung ist, die Unterlagen, Art und Umfang der einzureichenden Bewerbungsunterlagen. Selbst ein Verweis auf die Datenökonomie – also nur so viel Informationen vom Bewerber einzufordern, wie nötig, um eine Eignung für ein Interview zu beurteilen – spielt selten eine herausgehobene Rolle. Doch mal ehrlich. In einem engen Fach- und Führungskräftemarkt kann es nicht immer nach der Schnute der einstellenden Manager gehen. 

Candidate-Experience oftmals Manager-Experience 

Wenn Personaler über die Candidate-Experience sprechen so ist diese doch meist in den Unternehmen selbst eine Manager-Experience – oder übergeordnet eine Employer-Experience. Die Abläufe und Prozesse stellen nicht den Bewerber in den Mittelpunkt, sondern die einstellenden Manager. Personaler ziehen ihre Zufriedenheit, Motivation und ihre Bestätigung für “gute Leistung” aus dem Erfüllen der Kunden- und Service-Wünsche der Manager aus den Fachbereichen. 

Der Wandel wird zur Konstante

Wir müssen das ändern. Dass wir mitten in einem tiefgreifenden Fach- und Führungskräftemangel stehen, ist evident. Demografischer Wandel, Fachkräfte mit Wertewandel und junge Arbeitnehmer mit dem Wunsch nach kreativer Freiheit und großer Flexibilität kommen in tradierte Organisation mit überkommenen Führungsmodellen. Denn die Realität ist, dass sich nicht die Unternehmen die besten Mitarbeiter aussuchen, sondern die Bewerber können ihren Arbeitsplatz auswählen. Ein konzentrischer Arbeitnehmermarkt! 

alles dreht sich um qualifiziertes Personal

Um zukunftsfähige Strukturen zu entwickeln und innovative Leistungen zu erbringen, sind Unternehmen auf qualifiziertes Personal angewiesen. Doch das ist nicht leicht zu finden, denn die Ansprüche der Bewerber an ihre Arbeitsplätze wachsen. Wer es als Unternehmen jedoch versteht, den Fokus auf die Mitarbeiter zu legen und sein Talent Management auszubauen, kann die Stellen innerhalb des Betriebs optimal besetzen und die heute wichtigen Veränderungsprozesse gewinnbringend und aktiv gestalten.

Viele Unternehmen erkennen zwar Veränderungsprozesse und die dazugehörigen Faktoren, verpassen es jedoch, diesen Wandel aktiv zu gestalten. Grund dafür sind zu starre Geschäftsmodelle, das Verkennen von Trends, mangelnde Innovationsfähigkeit, schlechte Führung oder ein schlechtes Management des Unternehmens. Auch die Digitalisierung kann für Unternehmen Nachteile bringen, wenn die Betriebe nicht rechtzeitig auf die Möglichkeit digitaler Angebote eingehen. Disruptive Geschäftsmodelle wachsen und lassen schnelle, unkomplizierte und flexible Startups entstehen, perfekt auf den Kunden ausgerichtet, die lang etablierten Unternehmen gefährlich werden.

Führende Unternehmen in den jeweiligen Branchen zeigen es. Ohne eine starke Arbeitgebermarke und einer modernen Unternehmensphilosophie könnten sie nicht weltweit agieren und ihren hohen Standard dauerhaft gewährleisten. Aber was genau machen diese Unternehmen richtig? Wie schaffen sie es, eine attraktive Unternehmensmentalität nach außen zu tragen, nach innen tatsächlich zu leben und damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu erlangen?

Sieben Punkte für moderne Arbeitskultur

Wir müssen Wege etablieren, die besten Kandidaten für uns zu gewinnen. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vernünftig an Bord zu bringen, sie gut zu betreuen, weiterzuentwickeln und damit an uns zu binden. Viel dreht sich um das Erfüllen der Wünsche der verschiedenen Generationen, doch eins haben die meisten Generationen gemein – der Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Freizeit und Arbeit. Dabei geht es mir nicht um die Work-Life-Balance, weil Arbeit und Leben niemals miteinander konkurrieren. Es geht um das Leben an sich, Arbeit ist ein wesentlicher Teil davon. Wir brauchen Flexibilität, um mal von zu Hause zu arbeiten. Um punktuelle Entschleunigung und Führung, die nicht “Command & Control” als Kern hat, sondern Befähigung, Ermutigung, Coaching und Augenhöhe. 

Hier meine sieben Ratschläge für Sie! 

    • schaffen Sie ein Klima, bei dem sich alle Generationen mit ihren Bedürfnissen entfalten und entwickeln können
    • entwickeln Sie ein Führungskonzept, das nicht pauschal, sondern zielgruppenorientiert ist
    • leben Sie eine Personalpolitik, die tatsächlich die Mitarbeiter in den Fokus rückt
    • implementieren Sie eine zukunftsfähige, mit New Work und Arbeit 4.0 kompatible Organisation 
    • lassen Sie maximal flexibles Arbeiten zu – technisch und kulturell 
    • nutzen Sie komplexe digitale Datenmodelle, um durch deren Analyse die Personalarbeit zu erleichtern 
    • sorgen Sie für eine digitale Führungskultur – und eine grundsätzlich positive Akzeptanz für den Wandel! 

Wünsche Ihnen viel Erfolg! 

Beste Grüße 

Ihr Marcus Reif 

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif