Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Meine Arbeit gibt Ihnen Zeit für Ihre!

“Das ist ein Jobhopper”, sagt der einstellende Manager des Fachbereichs mit Blick auf einen Lebenslauf. Die Biografie der Kandidatin oder des Kandidaten zeigt alle zwei Jahre einen Wechsel. Und wir Arbeitgeber goutieren ihre Dynamik und diversifizierte Lernkurve meist mit Ablehnung. Häufige Jobwechsel werden immer noch äußerst kritisch gesehen! Drehen wir mal die Kommentare um. Der gleiche Manager beklagt im Leistungsbeurteilungsgespräch einen antriebslosen und kaum Ehrgeiz zeigenden Kollegen, den er mit “meets expectation” rated. Oder noch schlimmer: jemanden, der seit sieben Jahren den gleichen Job erledigt mit “reached potential” und segnet damit das Ende seiner Karriere ab.

Selbstredend sind wir in der Beurteilung von Eignung bei Bewerberinnen und Bewerbern, bei der Einschätzung von Passung bei Kandidaten im Interview, beim Urteil über sehr gute oder sehr schlechte Leistung und bei der Prognose von Potenzial bei der Beförderung viel zu sehr gefangen in unseren Beurteilungsmustern. Darauf will ich gar nicht im Detail eingehen, das finden Sie hier: Beurteilungsfehler – wie wir täglich falsch entscheiden

Wir leben in einer schnellen, volatilen und super dynamischen Welt. Menschen fühlen jeden Tag, dass sich die Aufgaben beschleunigt und der Arbeitstag hoch verdichtet hat. Die Vorzüge der schnellen digitalen Kommunikation nehmen einige als wachsende Belastung und permanenten Druck wahr. Viele Menschen lernen jeden Tag aufs Neue hinzu. Doch in der eigenen Rolle, im eigenen Habitat, das Erlernte auch sinnvoll gewinnbringend anzuwenden, mag oftmals nicht gelingen. Menschen schauen durch ihre Filter und lassen aufgrund der Verdichtung wenig gelten, was schon ordentlich durch einen Filter kategorisiert wurde. Deshalb ist das ein wichtiges Argument, um häufiger zu wechseln als dies bspw. mein Vater tat. Der wechselte nicht.

“Mein Sohn, in deinem ersten Job musst du mindestens sieben Jahre bleiben, sonst versaust du dir deinen Lebenslauf”

– mein Dad

Vielen aus meiner Generation wurde durch die Sozialisierung durch unsere Eltern – mein Papa war klassische Generation Baby-Boomer – unser Wertefundament gefestigt. Und etliche aus meiner Generation kennen den vorgenannten Ratschlag. Doch sind die Karrierepfade der Generation Baby-Boomer, deren Werte- und Kulturverständnis eins zu eins auf die Generation ihrer Kinder oder deren Kinder übertragbar? Nein. Sichtweisen und Perspektiven verbreiten sich meist innerhalb von Generationen im weitesten Sinne. Viele der Werte, Überzeugungen und Glaubenssätze werden auch an nachfolgende Generationen weitergegeben. Eine typische Form der Sozialisierung, wie sie in Systemen und Organisationen geschieht. Wir beobachten die Wirkung aus dieser Ursache bei der Personalauswahl, bei der Führung, der gelebten Kultur, bei Fragen, wie man Leistung beurteilt und Potenzial einschätzt.

Wie viele Jobwechsel sind gut für die Karriere?

Sie müssen unterschiedliche Generationen befragen. Nehmen Sie den typischen Geschäftsführer, Alter irgendwas zwischen 50-65 Jahren. Der wird Ihnen sagen, dass alle sieben Jahre zu wechseln ein guter Orientierungspunkt ist. Fragen Sie den heutigen Uni-Absolventen, plant der mit 1,5-2,5 Jahren im Job.

Sie wollen bestimmt meine Empfehlung, sonst wären Sie nicht hier auf dem Blog:

Wechseln Sie alle 4 Jahre den Job!

– Marcus K. Reif

Meine Vita liest sich eher verdichtet. Ich bin 46 Jahre alt und arbeite bei meinem Arbeitgeber Nr. 13. Nun bin ich durch die super dynamische Phase der New-Economy in den Jahren 1998-2001 gegangen, was zur Mehrung meiner Arbeitgeber beitrug. Bei zwei Arbeitgebern war ich sogar zweifach beschäftigt, sind also netto 11 Arbeitgeber. Das reinigt vielleicht ein wenig die Biografie, aber im Blick der tradierten Hiring-Manager gelte ich wohl als Job-Hopper.

Alles in allem sind wir in einer Welt unterwegs, die Stagnation nicht duldet. Zumindest, wenn man beruflich was bewegen möchte. Hier mal ein paar Entscheidungs- und Orientierungshilfen:

Ob Sie ein Job-Hopper sind oder nicht wird in der positiv-assoziierten Dauer der Beschäftigung gemessen. Man wird die Qualität Ihrer Arbeit, die Umsetzung Ihrer Arbeit und die Wirksamkeit Ihrer Arbeit beurteilen. Stellen Sie sich also die Frage, wie kritisch man Ihre Arbeitsrelevanz hinterfragen kann? Wie messen Sie Ihre Arbeit?

Können Sie Ihre Arbeit mittelfristig messen?

Sprechen Sie mit Freunden, Headhuntern oder Vertrauten und erklären Sie, was Sie beruflich tun. Lassen Sie sich kritische Rückfragen stellen. Was haben Sie gemacht? Wie beurteilen Sie Ihre Arbeit? War sie nachhaltig und erfolgreich? Woran messen Sie den Erfolg? Haben Sie die Weichen für Ihren Arbeitgeber richtig gestellt? Kommen Sie hier ins Schwimmen, ist der Zeitpunkt für einen Job-Wechsel vermutlich noch nicht gekommen.

Quälfaktor: Gehen Sie motiviert zur Arbeit?

Egal ob im Unternehmensgebäude oder von zu Hause. Wie sehr müssen Sie sich quälen, um Ihren Tag rumzubekommen? Wie sehr müssen Sie sich am Riemen reißen, um “was geschafft” zu bekommen? Oder geht es noch einfach von der Hand, sie sind auch außerhalb der acht Stunden täglicher Arbeitszeit mit guten Ideen und Gedanken beim Job? Bewerten Sie das für sich. Quälen Sie sich zu sehr, ist es Zeit für einen Wechsel.

Generationen im Überblick

Gehen wir mal auf die Generationen-Mottos ein:

  • Generation Z definiert Leben und Arbeiten als fließenden Prozess
  • Generation Y lebt zuerst und arbeitet im entgrenzten Gleichklang
  • Generation X arbeitet, um zu leben
  • Generation Baby Boomer lebt, um zu arbeiten

Mehr dazu lesen Sie hier!

lebenslange Karriere hat ausgedient

Die lebenslange Karriere bei einem Arbeitgeber hat ausgedient. Nur die älteren Generationen betrachten noch einen nicht hygienisch keimfreien Lebenslauf für einen Frevel des Lebens. Sie dürfen die Chance einer neuen Aufgabe nutzen: sich häufig in eine neue Rolle einzufinden, sich ins Team/der Abteilung einzufügen, ihre Stärken einzubringen, Ihr Erlerntes und Ihr Wissen weiterzugeben.

Vorteile von Arbeitgeberwechseln

Steigende Entwicklungskurve: mit einer neuen Aufgabe steigt die Entwicklungskurve an. Sie wenden Energie auf, um in die neue Rolle, ggf. auch bei einem neuen Arbeitgeber zu finden. Das ruft Ihre komplette Leistungsmöglichkeit ab, erhöht dabei aber auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit über den Zeitraum.

Leistungsniveau nach bis zu 18 Monaten: üblicherweise brauchen Sie 8-18 Monate, um eine neue Aufgabe vollständig auszufüllen und zu einem 100 %igen Leistungsniveau Ihres Wertbeitrags zu kommen. Darauf folgt allerdings ein Routineplateau – ein Abflachen Ihrer Lernkurve -, auf dem Sie – in Sicherheit Ihres Wertbeitrags – lange Zeit verharren. Dieses Plateau erreichen Sie ungefähr nach fünf bis sieben Jahren.

Rollenwechsel regt Kompetenzaufbau an: neue Rollen bringen neue Anforderungen mit sich. Sie sind durch den Rollenwechsel offen, um sich neue Kompetenzen anzueignen. Ihre persönliche Entwicklungskurve steigt dadurch an. Sie eignen sich neue Fähigkeiten an, können bereits erlernte in neuem Umfeld anwenden.

Wechsel als Zeichen des Ehrgeizes: Mittlerweile herrscht in der Personalerwelt, zu denen ich nun auch die Personalberatungen als verlängerte Werkbank des Recruitings zähle, die Auffassung, dass zu wenig Wechsel in einer beruflichen Karriere als eher negatives Attribut für das Kompetenzset einer Person zu werten sind. Mangelnder Ehrgeiz, zu wenig Perspektiven, zu wenig unterschiedliche Systeme, zu wenig “Stretch”, zu wenig strategische Relevanz. Das sind die Kriterien auf der negativen Seite.

Auf Unternehmensseite entsteht bei vielen Arbeitgebern Skepsis am Lebenslauf. Wen hole ich mir hier an Bord und für wie lange eigentlich? Lohnt sich der Aufwand, denn Rekrutierung ist teuer. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille und diese hier ist nicht von der Hand zu weisen. Personaler auf Unternehmensseite streben den “Perfect Match” an. Also die Einstellung einer Bewerberin oder eines Bewerbers, der von den Kompetenzen, den Hard- und Softskills ideal zum Anforderungsprofil passt. Begleitet wird dies, neben den obligatorischen Aspekten der Fachlichkeit, von einer Einschätzung der Persönlichkeit, der kulturellen Passung und dem soziokulturellen Fit bzw. der Umfeld-Kompatibilität sowie der Wahrnehmung des kognitiven Leistungspotenzials. Und sind wir mal ehrlich – den Ausschlag am Ende des Selektionsprozesses gibt das Bauchgefühl. Und wenn dieses Bauchgefühl immer noch anhand der Anzahl der Arbeitgeber im Lebenslauf anspringt, dann wird das nichts! Ihr Bewerbungsprozess wird hier scheitern.

Ihre Karriere kommt nicht zu Ihnen!

Sie müssen schon zu Ihrer Karriere kommen. Das meint, wenn Sie nicht die Chance zur kontinuierlichen Arbeit an Ihrer Karriere und Ihren eigenen Kompetenzen ergreifen, dann geschieht das nicht von alleine. Ein Jobwechsel und auch ein Arbeitgeberwechsel sind Elemente der kontinuierlichen Arbeit, genauso wie lebenslanges Lernen und gutes Networking. Bleiben Sie dran! Und wenn Sie immer noch Totschlagargumente sehen, ignorieren Sie sie!

Viel Erfolg bei Ihrer Karriere!

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

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