Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Meine Arbeit gibt Ihnen Zeit fรผr Ihre!

Der Markt der Arbeitgebersiegel und Arbeitgeberrankings ist unรผbersichtlich. Gerne habe ich mich in der Vergangenheit an Sinn und Unsinn von Arbeitgebersiegeln abgearbeitet. Mein letzter Beitrag hierzu ist aus 2020: Der Mythos Arbeitgebersiegel. Und noch eins mehr mit dem New-Work-Arbeitgebersiegel von XING. Ob es Pro und Contra Arbeitgeber-Siegel und Arbeitgeber-Ranking war, die Welt der Arbeitgebersiegel โ€“ wichtig, intransparent und deshalb eine ChallengeArbeitgebersiegel โ€“ das ist ein Biotop und nicht zu durchblickender DschungelBedeutung von Arbeitgeber-Rankings und Arbeitgeber-Siegel im Employer-Branding oder mal ein Vergleich: Ranking-Zeit: Trendence- und Universum-Studien 2015 โ€“ Vergleich der deutschen, europรคischen und weltweiten Ergebnisse. In der Zeit von 2013 bis 2016 habe ich auf meinem Blog viel Raum fรผr die Arbeitgebersiegel und -Rankings eingerรคumt und danach ein wenig die Lust daran verloren. Daran hat sich nichts geรคndert.

Sie finden ja Arbeitgebersiegel und Arbeitgeberrankings in der Welt des Employer-Brandings. Beide werden in der Employer-Branding-Welt gerne und viel genutzt. Und beide entwickeln sich, die Siegel sogar inflationรคr. Hierzu hatte ich bereits eine Menge an Artikeln verfasst.

Inflation der Siegel

Arbeitgeber-Rankings und Arbeitgeber-Siegel sind die Wรคhrung des Employer-Brandings. Doch ernsthaft zu erkennen, welche Rankings,  welche Siegel und welche Verhaltenskodizes welche Relevanz und Gรผte haben, fรคllt auch eingefleischten Experten sehr schwer. Was wir wissen, ist, dass wir nicht ganz genau wissen, wie viele Siegel und Rankings alleine in Deutschland verfรผgbar sind. In der Spitze gab es zwischen 500 und 800 Siegel, Rankings und Awards in Deutschland oder bestimmten Regionen zu ergattern. Keines davon folgte einer logischen Skala oder einer annรคhernden Vergleichbarkeit, geschweige denn, dass eine Kosten-Nutzen-Korrelation gegeben wรคre.

gekauftes Renommee

Viele Arbeitgeber erhalten hรคufig Post vom Focus. Angepriesen wird dort, dass man vom FOCUS als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet wurde. Man wรคre fรผr einen kleinen Unkostenbeitrag in Hรถhe von rund 10.000 Euro/Jahr in der Lage, diese Auszeichnung in sรคmtlichen Korrespondenzen, der Arbeitgeberkommunikation, in Stellenanzeigen und auf der Webseite zu verwenden. Es ist also eine Form von gekauftem Renommee, fรผr das ein Arbeitgeber nichts weiter tun muss, als eine Rechnung zu bezahlen. Geiles Geschรคftsmodell. Man versteckt sich hinter dem Branding des groรŸen Focus โ€“ alles Gute zum 30-Jรคhrigen รผbrigens.

Ohne eine Bestellung einer Lizenz des FOCUS-Siegels ist die werbliche Nutzung des FOCUS-Siegels sowie der FOCUS-Liste, der Artikel oder der FOCUS-Logos Ihnen ausdrรผcklich NICHT gestattet und ist zu unterlassen.

โ€“ FOCUS

Das Focus-Siegel basiert auf folgenden Bewertungsparametern, die รผber sekundรคre Erhebung, also andere bestehende Bewertungsportale in Erfahrung gebracht werden:

  • mind. 5 Unternehmens-Bewertungen von Arbeitnehmern รผber alle Erhebungskanรคle
  • Bewertungsdurchschnitt von mindestens 3,5
  • Mitarbeiteranzahl
  • Unternehmensstandort in Deutschland

Zusammenfassend stelle ich fest, dass diese Kriterien fรผr das Siegel recht niedrigschwellig sind.

Ich bin ziemlich sicher, dass die Welt der Arbeitgebersiegel nur einen Zweck erfรผllen: unternehmensinnengerichtete Rechtfertigung. Employer-Branding ist ein Resultat aus allen Dingen, die wir in Richtung Mitarbeiter โ€“ aktuelle, ehemalige und zukรผnftige โ€“ tun. Das ist schwer greifbar, weshalb wir intern um Anerkennung der Unternehmensleitung buhlen. Ein Siegel wirkt da direkt. "Schauen Sie, der renommierte Focus sieht unsere Anstrengungen". Puh, mindestens schwierig auf diesem Niveau.

Hochglanzbullshit?

Interessant ist der Fakt, dass fรผr Bewerber die Rankings und Siegel keine groรŸe Relevanz haben. Die Rankings entstehen ja aus einem Kontext, der fรผr Bekanntheit und Attraktivitรคt einzelner Branchen (bspw. Automobil, Financial-Services, Consulting, Big4, Tech), Produkte (bspw. Apple, Google, BMW, Audi) und Arbeitgebermarken entsteht. Die Perspektive darauf dรผrfte sehr deckungsgleich sein mit den Ergebnissen der Rankings, weshalb man nicht damit werben muss, auf Platz 11 bei Trendence oder Platz 14 bei Universum zu stehen. Die Bewerber wissen das schon.

Anders ist es bei Siegeln. Wen juckt denn schon ein gekauftes Siegel vom Focus? Anstrengungslose Siegel haben keine Relevanz. Umfassende Audits, wie bspw. vom Top Employers Institute oder von Great Place to Work tragen viel mehr Aussage. Bei Berufserfahrenen sehe ich eine Wirkung, doch die Berufseinsteiger, ob direkt aus der Ausbildung oder von der Hochschule, kennen diese Audits nicht.

Das Ziel ist ja klar. Unternehmen sind auf gute Talente angewiesen. Man glaubt daran, dass Arbeitgebersiegel im engen Markt der Talente einen Vorteil gegenรผber anderen Arbeitgebern bringen. So scheint die kostspielige Anschaffung von Arbeitgebersiegeln der vermeintliche Schlรผssel zum Erfolg zu sein, wenn es um eine positive AuรŸenwahrnehmung geht. Und genau diese Denkweise ist tradiert und ineffektiv, denn der gewรผnschte Effekt stellt sich nicht ein. Suchen Sie mal auf Twitter nach Focus und Arbeitgebersiegel, wie viele Unternehmen das feiern.

Blinder Aktionismus

Was hilft ein Siegel, wenn ich meine Basics nicht im Griff habe? Was sind die Basics? Schauen Sie einfach mal auf Ihre Fluktuationsrate, auf die Mitarbeiterzufriedenheit, auf Krankenstรคnde und die Krankheitsquote, schauen Sie auf Kununu, was dort รผber Sie kommentiert wird. Ein gekauftes Siegel ist wie ein Lackschadenaufkleber. Der Rost darunter wird รผberdeckt, ist aber noch da und rostet munter vor sich hin.


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โ€“ Marcus K. Reif

Fazit: sinnvolle Nutzung

Arbeitgebersiegel, die mit einer intensiven Prรผfung vorgenommen werden, also ein Aufwand beim Unternehmen sowie beim Dienstleister entsteht, kรถnnen wichtige Impulse in die Organisation hinein geben, an welchen Stellen man die Kultur, Organisation oder Fรผhrung verรคndern bzw. anpassen sollte. Fรผhrungswirksamkeit und Fรผhrungsparadigmen gelten ja schlieรŸlich nicht umsonst als permanent in Bewerbung, sie sind nicht in Stein gemeiรŸelt. Sich nur nach innen feiern zu lassen fรผr ein gekauftes, aber ansonsten anstrengungslos erreichtes Arbeitgeber-Siegel halte ich fรผr vรถllig daneben. Ein Blick auf Plattformen, wie Kununu oder Glassdoor, reicht, um das Arbeitgeber-Siegel als Feigenblatt zu enttarnen.

Viel Erfolg bei der Steuerung Ihrer Arbeitgeber-Attraktivitรคt. Vielleicht hilft es Ihnen, dass jeder Arbeitgeber eine Arbeitgeber-Attraktivitรคt hat, ein bestimmtes Employer-Branding. Denn Employer-Branding ist ein Resultat. Das kรถnnen Sie anstrengungslos nicht verbessern, auch nicht mit einem Siegel fรผr 10.000 Euro-

Beste GrรผรŸe

Ihr Marcus K. Reif

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