Vorab – die Ergebnisse sind massiv! Auf die Schnelle kann man die Exzerpte aus der Bevölkerungszählung – der sogenannte Zensus – im Jahre 2011 gar nicht wiedergeben. Die erste Erkenntnis: wir sind 80,22 Mio. Deutsche! Und die Überraschung dabei – das entspricht 1,5 Mio. Deutsche weniger als bislang vermutet. Bislang ging man von 81,7 Mio. Deutschen aus. Die Schärfung der Statistik in diesem Punkt machen die ausländischen Mitbürger aus, deren statistischer Anteil sank von 7,3 auf 6,2 Mio.

Aber mal zurück. Bevölkerungszählung? Ergebnisse Zensus 2011? Wie hängt das zusammen? Das deutsche Zensusgesetz 2011 regelt die Durchführung der Teilnahme an der EU-weiten Volkszählung im Jahre 2011. Das Gesetz ist als Artikel 1 des Gesetzes zur Anordnung des Zensus 2011 sowie zur Änderung von Statistikgesetzen am 16. Juli 2009 in Kraft getreten. Mit dem Zensusgesetz wird die EG-Verordnung 763/2008 in deutsches Recht umgesetzt. Es regelt die Erhebungsmerkmale (z. B. Alter, Geschlecht, Schulabschluss oder Wohnfläche), definiert die Auskunftspflichtigen und trifft Aussagen zu Zusammenführungen der Erhebungsteile sowie Löschungsfristen für Hilfsmerkmale. Soweit Wikipedia dazu.

Ich habe mir mal für meine Heimatstadt, meinen Heimatkreis, das Land Hessen und Deutschland die statistischen Abweichungen angeschaut, die sich nun aus der Bevölkerungszählung ergeben. Der Zensus hat also tatsächlich einige Auswirkungen auf die Politik. Ein Effekt von vielen ist sicherlich die Besoldungsbemessungsgrenze, die bei hauptamtlichen Politikern nach Einwohnern bemessen wird. Flörsheim zum Beispiel fällt unter eine Marke, die bei der Besoldung für B3 oder B4 relevant ist – nämlich 20.000 Einwohner (siehe Besoldungsordnung Hessen). Aber natürlich spielt die Einwohnerzahl auch bei Finanzausgleichen eine Rolle, siehe am Beispiel Berlin, die 180.000 Einwohner verlieren – rein statistisch – was eine Rückzahlung der Mittel des Länderfinanzausgleichs um 470 Mio. Euro zur Folge hat, siehe Süddeutsche.de: Berlin muss fast eine Milliarde Euro zurückzahlen.

Bevölkerungsveränderung durch Zensus

bisher nach Zensus Abweichung
Deutschland 81.700.000 80.219.695 -1,8%
Hessen 6.116.000 5.971.816 -2,4%
Main-Taunus-Kreis 228.994 224.059 -2,2%
Flörsheim am Main 20.409 19.924 -2,4%

Angaben: Wohnbevölkerung am 30.06.2012 im Main-Taunus-Kreis und Flörsheim, Quelle: mtk.org

Flörsheimer Statistik

  • 19.924 Einwohner 
  • davon 10.320 Frauen (51,8 %)
  • und 9.600 Männer (48,2 %)
  • 3.660 Einwohner unter 18 Jahren (= 18,37 %)
  • 2.520 zw. 18 und 29 Jahren (= 12,65 %)
  • 6.320 zw. 30 und 49 Jahren (= 31,72 %)
  • 3.680 zw. 50 und 64 Jahren (= 18,47 %)
  • 3.560 älter als 65 Jahre (= 17,87 %)
  • 7.920 sind ledig (39,78 %)
  • 9.500 verheiratet (47,71 %)
  • 1.300 verwitwet (6,53 %)
  • 1.190 geschieden (5,98 %)
  • 17.930 Einwohner sind Deutsche
  • 1.990 Einwohner sind Ausländerinnen/Ausländer (9,99 %)
  • 4.930 Einwohner haben einen Migrationshintergrund (24,75 %)

Was fängt man mit einer solchen Statistik an? Zum Beispiel stellt man fest, dass die Flörsheimer im Bundesdeutschen Schnitt weniger ledig und mehr verheiratet sind. Oder weniger verwitwet und weniger geschieden sind. Die Ergebnisse lassen sich noch auf die Wohnsituation, die WCs oder Heizungen runterbrechen. Also eine echter statistischer Leckerbissen!

Aspekte des Zensus 2011

Am 9. Mai 2011 lebten nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen des Zensus 2011 in Deutschland 80,2 Millionen Einwohner. „Gegenüber der bisher gültigen Bevölkerungszahl aus der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung gab es am Zensusstichtag damit in Deutschland rund 1,5 Millionen Einwohner weniger als bislang angenommen“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, heute auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Ergebnisse des Zensus 2011 in Berlin. Am 9. Mai 2011 hatten von den rund 80,2 Millionen Einwohnern etwa 74 Millionen Personen (92,3 %) die deutsche Staatsangehörigkeit. Knapp 6,2 Millionen Einwohner (7,7 %) besaßen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Der Vergleich der Zensusergebnisse mit den bisherigen Bevölkerungszahlen aus der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung zeigt bei den Deutschen mit – 0,6 % eine relativ geringe Abweichung (– 428 000 Personen). Bei den Ausländer/-innen hingegen lag die Differenz der Bevölkerungszahlen bei – 14,9 %, das sind nahezu 1,1 Millionen Personen weniger als bislang angenommen.

Im Mai 2011 gab es in Deutschland knapp 34 000 eingetragene (gleichgeschlechtliche) Lebenspartnerschaften, davon waren rund 40 % Lebenspartnerschaften von Frauen. Insgesamt lebten 5 700 Kinder in Familien, deren Eltern eine eingetragene Lebenspartnerschaft führten, die meisten davon (86 %) in Lebenspartnerschaften von Frauen.

In Deutschland waren zum Zeitpunkt des Zensus rund 40 Millionen Menschen erwerbstätig, 53,2 % Männer und 46,8 % Frauen. Die ermittelten Erwerbstätigenzahlen bestätigen damit im Wesentlichen die Ergebnisse des Mikrozensus 2011. Die Erwerbstätigenquote, das ist der Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 74 Jahren an der Bevölkerung im gleichen Alter, betrug 64,5 %. 2,1 Millionen Personen waren erwerbslos.

Zum Zensusstichtag hatten 35,6 % der Personen über 15 Jahren einen Haupt- beziehungsweise Volksschulabschluss, 26,9 % besaßen die mittlere Reife oder einen gleichwertigen Abschluss und 28,3 % die Fachhochschul- oder Hochschulreife. 4,4 % befanden sich am Zensusstichtag noch in schulischer Ausbildung. Ohne Schulabschluss sind nach den Zensusergebnissen 4,7 % der Bevölkerung über 15 Jahren, das sind 3,2 Millionen Menschen.

Einige der wesentlichen Ergebnisse der Bevölkerungszählung und Befragung des Zensus 2011 hier im kurzen Überblick:

  • hier leben 41,1 Mio. Frauen und
  • 39,2 Mio. Männer
  • längere Lebenserwartung von Frauen: die über 74-Jährigen sind zu fast zwei Dritteln Frauen.
  • Ein Fünftel der Deutschen ist 65 oder älter
  • 66,8 Prozent der Einwohner sind Christen
  • mehr als 15 Millionen Deutsche haben einen Migrationshintergrund. Fast die Hälfte von ihnen ist aber schon 20 Jahre oder länger hier.
  • Eigentümerquote stieg aber immerhin auf 45,8 Prozent.
  • 40 Millionen Menschen sind erwerbstätig – 53,2 Prozent davon sind Männer und 46,8 Prozent Frauen. 2,1 Millionen waren zum Stichtag erwerbslos.
  • Etwa die Hälfte der Berufstätigen muss von außerorts zur Arbeit pendeln, 18 Millionen kann innerorts bleiben
  • 2,5 Millionen Deutsche arbeiten von zu Hause
  • 35,6 % der über 15-Jährigen haben einen Haupt- beziehungsweise Volksschulabschluss
  • 26,9 % haben die mittlere Reife und
  • 28,3 % besitzen die Fachhochschul- oder Hochschulreife
  • mehr als 10 Millionen Deutsche haben einen akademischen Abschluss
  • mehr als 4,5 Millionen allerdings nicht mal die Hauptschule beendet.

Bildschirmfoto 2013-06-02 um 10.06.37Quelle: www.zensus2011.de. Wer Lust auf weitere Statistiken hat, der wird hier seinen Spaß haben: https://ergebnisse.zensus2011.de

Zensuskarte

Ein wirklich tolles Mast-up der Zensusdaten finden Sie auf www.zensuskarte.de. Dort kann man bis auf Stadtebene hinunter einige Daten visualisieren, am Beispiel unterhalb der Anteil Frauen an der Gesamteinwohnerzahl.

Quelle: www.zensuskarte.de

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif