Smartphone die neue Geißel

Sind wir mal ehrlich. Das Smartphone ist die neue Geißel der Business-Gesellschaft. Wie oft schauen wir am Tag aufs Display? Wie oft glauben wir, das Smartphone in der Tasche hätte gerade durch eine kurze Vibration eine neue Nachricht, SMS, iMessage, WhatsApp, E-Mail etc. signalisiert? Die Phantom-Vibration beschäftigt nicht nur Psychologen. Diese Phantom-Vibrationen deuteten darauf hin, dass bei den Smartphone-Nutzern etwas aus der Balance gerät. Wenn das Gefühl entsteht, das Telefon wäre ein Teil von ihnen selbst, sollten Sie sich Zeit zur Reflexion nehmen. Woher kommt das? Diese Aufmerksamkeitsfokussierung auf das Smartphone? 

Wir sind addicted

Die kurze und zutreffende Antwort darauf ist: wir sind süchtig. Süchtig nach Dopamin, welches ausgeschüttet wird, wenn wir eine neue Nachricht erhalten. Dopamin ist auch für das gute Gefühl beim Rauchen, Trinken, Spielen zuständig. Das Ergebnis ist ein Glücksmoment, der eben einher geht mit der Ausschüttung des Hormons Dopamin. Und weil sich das so gut anfühlt, streben wir nach mehr davon. Wir wiederholen also die Handlung, um erneut in den Genuss zu kommen. Zurück zu unseren Nachrichten auf dem Smartphone: es fühlt sich also gut an, mit jemandem zu interagieren. Ob das der Chat auf WhatsApp ist, Likes auf Facebook, Instagram, Twitter ist, oder eben Text-Nachrichten, iMessages oder Snaps. Die Aufmerksamkeit durch die Apps und die Interaktion auf dem Smartphone erhalte ich einen vergleichbaren Glücksmoment. Ein großer Glücksmoment für einen sehr geringen Aufwand – den Griff zum Smartphone. 

Das per se muss uns keine Sorgen bereiten. Doch immer häufiger kommt es auch mir so vor, dass das Smartphone eine überpopuläre Bedeutung in der Gesellschaft bekommt. Und immer dort, wo etwas in eine Dysbalance gerät, sollten wir uns hinterfragen und etwas stärker auf das Thema schauen. 

Netzwerke entstehen durch Gespräche 

Wie werden Beziehungen und Netzwerke gebildet? Wir lernen uns kennen, sprechen miteinander, bauen Vertrauen auf! Das geht in der von Distanz geprägten digitalen Welt der sozialen Netzwerke nicht so gut. Mittlerweile entstehen viele Ehen rein übers Internet, auch Tinder, Elitepartner und andere Plattformen sorgen für neue Beziehungen. Keine Frage, das Internet bereichert.

Schauen wir allerdings auf das geschäftliche Umfeld, können wir die im privaten vorgelebten Verhaltensweisen nichts eins zu eins übertragen. In Meetings gilt es weiterhin als unhöflich, wenn man zu sehr mit seinem Smartphone beschäftigt ist oder beispielsweise im Notebook arbeitet. Meetings leben davon, dass man aufmerksam ist, einen Beitrag leistet. Das Smartphone darf gerne in der Tasche bleiben. 

Ihr Wertbeitrag im Meeting?

Ein für mich total sinnvolles System bietet beispielsweise Resourceful Humans mit seinem CaRHds. Man beurteilt nach einem Meeting – gleich, ob virtuell oder physisch – welchen Wertbeitrag man persönlich während des Meetings leistete: 1.) keinen Beitrag, 2.) mitgemacht oder 3.) entscheidend am Ergebnis mitgewirkt. Wenn man selbst die ersten Meetings selbstreflektiert mit 1.) bewertet, sollte das den richtigen sozialen Effekt haben. Man vergeudet seine Ressource und übrigens auch die der anderen. Ein gutes Beispiel, wie man wieder mehr Disziplin und eine kontinuierliche Leistungsbeurteilung einfach in den Alltag einbauen kann.

Was machen diese ständigen Ablenkungen mit uns?

Dauernd – und Studien sagen, es sind fast 100 Griffe zum Smartphone pro Tag – auf das Smartphone schauen ist eine Ablenkung. Wir reißen uns selbst aus der Konzentration. Wenn wir es nicht mal mehr schaffen, für 45 Minuten konzentriert an etwas zu arbeiten, leidet die Qualität unserer Arbeit. Am Ende des Tages hat man das Gefühl, nicht wirklich etwas geschafft zu haben.

Einige Konzerne, wie Volkswagen, Porsche und andere, setzen ihre Mitarbeiter bereits auf die digitale Diät. Übers Wochenende und zum Teil auch über die Nacht werden die E-Mail-Server passiv geschaltet, E-Mails können weder empfangen, noch gesendet werden. Ich halte davon nichts, denn mein Credo ist die Flexibilität und solche Maßnahmen schränken sie ein. Will ich spät abends arbeiten, dafür am nächsten Tag später kommen, früher gehen oder gar nicht arbeiten, sollte mir das möglich sein. 

Doch die intensive Nutzung der Smartphones mit dem Verlangen nach Dopamin führt zu einer mangelnde Fähigkeit zur Kontemplation, die wiederum führt zu wenig Achtsamkeit mir selbst gegenüber mit dem Effekt, dass ich gestresst bin und ein latentes Gefühl der Erschöpfung hege. 

“Digital Detox” wird das neue Vegan. Es wird die neue Art der sozialen Differenzierung. Unschöner aus­gedrückt: Angebertum nach dem Motto “Mit dem Smartphone vertun ja nur noch die Dummen ihre Zeit”. Ich denke, die Entwicklung ähnelt dem Vegan-Trend. Veganern geht es um ihre Gesundheit – aber häufig auch darum, sich von der Masse abzusetzen. Dieser Mechanismus wird vielen helfen, ihr Smartphone-Verhalten zu überdenken und das Geklicke zu reduzieren. Zusätzlich müsste aber auch die Gesellschaft umdenken.

Das Smartphone auf dem Tisch entwertet das Gespräch. Legen Sie das Smartphone in einem Gespräch auf den Tisch, sieht Ihr Gesprächspartner, dass Ihnen irgendwas wichtiger sein könnte als er. Wollen Sie dieses Signal senden? Hier geht es nicht nur um Kandidaten in Interviews, Kollegen in einem vier-Augen-Gespräch, es sind auch Kunden, potenzielle Kunden, potenzielle Bewerber. Seien Sie stilvoll und lassen Sie das Telefon in der Tasche. 

 

Und nun mal die Frage: haben Sie in Interviews schon mal einen Menschen gegenüber erlebt, der sich während des Gesprächs mit seinem Smartphone beschäftigt hat? Wie fanden Sie das? 

Wir müssen wieder mehr Mensch sein. Keine Digitalzombies. 

Smartphones: Wir müssen wieder mehr Mensch sein. Keine Digitalzombies Klick um zu Tweeten

Beste Grüße 

Marcus Reif 

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif