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Na, schon den Top-Kandidaten via Stellenanzeige gefunden? Blöde rhetorische Frage, ich kann mir die vielen “Ja”-Rufe vorstellen. Zufall, möchte ich sagen. Reiner Zufall, dass Sie der Meinung sind, mit dem Prinzip “post & pray” Ihren Personalbedarf decken zu können.

Heutzutage gewinnt man nicht mehr die richtigen Talente nur mit einem innenorientierten Rekrutierungsprozess, bei dem mehr die Bedürfnisse der Fachbereiche bedient werden, als die Bedürfnisse und Wünsche der Kandidaten. Man merkt das selbst bei den schwierigen Suchen. Insbesondere die berufserfahrenen Kandidaten sind aufwendiger zu attrahieren, denn sie bekommen über ihre Xing- und Linkedin-Profile sowieso eine Vielzahl an Jobofferten oder Ansprachen von Personalberatungen. Und auf der anderen Seite steht mit einer gewissen Berufserfahrung auch stets die Abwägung, ob man sich dem gefühlten Risiko einer erneuten Probezeit aussetzen sollte. Denn dort, wo man gerade ist, ist es vermutlich alles in allem in Ordnung. 

Die Kosten für die Rekrutierung liegen in der Regel schon bei 50-75 % des Jahresgehalts. Daher wäre es schon sehr wichtig, dass diese Kosten auch die richtige Rendite abwerfen. Doch wir rekrutieren immer noch nach Lebenslauf, Noten und Bauchgefühl anhand tradierter Stereotypen. Das führt zu Fehlentscheidungen. Die Kosten solcher Fehlentscheidungen summieren sich auf das 1,5- bis 3-fache eines Jahresgehalts (Bierwirth & Nagengast, 2005).

50 % der Einstellungsentscheidungen entpuppen sich als falsch. Die Kosten hierfür liegen bei 1,5-3-fachem des Jahresgehalts Klick um zu Tweeten

Wenn nun Personalberater oder die Recruiter in den Unternehmen die hohe Hürde übersprungen haben und faktisch über die Einstellung eines so genannten “Experience-Hires” sprechen können, dürfen wir nicht mit einem Standard-Vertrag darum werben, künftig für unser Unternehmen tätig zu sein. Ab rund fünf Jahren Berufserfahrung löst sich der Standard langsam und wird zu einer Individuallösung. Und was sind die Bestandteile eines Individualangebots?

Gehaltsbestandteile

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  • Fixum
  • variable Vergütung
  • Signing Bonus
  • Garantie-Total-Compensation für das erste Jahr

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Benefits

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  • Flexibilität
  • Aktienoptionen
  • Betriebliche Altersvorsorge
  • Umzugsunterstützung
  • Firmenwagen (oder auch Cash-out)
  • persönliches Fortbildungsbudget
  • Ausstattung
  • Fitness und Kooperationen
  • Alltagshilfen
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Bestandteile im Detail

Fixum ist der wesentliche Kern des Angebots und macht sicherlich den Löwenanteil des Gehalts aus. Manche Branchen gehen auch über und vereinbaren eine “Total Annual Compensation”, gerade im Finanzsektor gerne genutzt. Bei den meisten Arbeitnehmern macht das fixe Gehalt den größten Teil des monatlichen Einkommens aus.

Variable Vergütung ist in den letzten Jahren auf allen Karrierestufen gestiegen. Im Schnitt sind bei Fachkräften 5 bis 20 Prozent des Gehalts variabel, im höheren Management auch über 75 Prozent. Wichtig ist hierbei, welche Kriterien für die Bemessung zu Grunde gelegt werden. Gibt es eine Zielvereinbarung und wie wird der variable Anteil berechnet? Gibt es eine Aufteilung individueller, persönlicher oder unternehmensweiter Ziele?

Signing Bonus oder auch Einstellungsbonus ist eine finanzielle Komponente, die in der Regel ausbleibenden Bonus beim aktuellen Arbeitgeber kompensieren soll.

Aber natürlich ist der Signing Bonus auch ein wirkungsvoller Anreiz für den Arbeitgeberwechsel. Der neue Mitarbeiter geht ebenfalls ein Risiko ein, welches mit der Probezeit einhergeht.

Garantierte Annual-Total-Compensation ist eine Regelung, wie Sie in Kombination der einzelnen Gehaltsbestandteile eine garantierte Erstjahresvergütung vertraglich vereinbaren können.

Egal, wie die Performance ist, welche Ziele wie gemessen werden, im ersten Jahr landen Sie somit auf einer garantierten Ganzjahresvergütung.

Flexibilität ist immens wichtig. Und wird zum Distinktions- und Differenzierungsfaktor der Arbeitgeber. Mitarbeiter wünschen sich viel Flexibilität in puncto Arbeitszeit und Arbeitsort, Homeoffice ist dabei nur ein Aspekt. Es geht um das Lösen von tradierten Arbeitszeit- und Präsenzritualen und das Hin zu einem selbstbestimmten Arbeiten. Fordern Sie das explizit ein und vereinbaren Sie dies!

Altersvorsorge darf nicht fehlen. Populär sind Direktversicherungen mit Entgeltumwandlung, auch vom Unternehmen mit Zuschüssen geförderte betriebliche Altersvorsorgen. Sie können deren Höhe diskutieren.

Aber auch Berufsunfähigkeits- oder Sterbeversicherungen nehmen in der Fläche zu. Ein guter zusätzlicher Schutz der Angehörigen. In den Führungsetagen kursieren ähnliche Modelle unter dem Namen Deferred-Compensation und sind weitverbreitet.

Umzugsunterstützung sollte man vereinbaren, wenn Sie mit Sack und Pack direkt oder nach der Probezeit umziehen werden. Pendeln geht zwar über eine gewisse Zeit, ist aber keine Dauerlösung. Sie wollen bei Ihrem neuen Arbeitgeber ja auch überzeugen, da sieht es nicht gut aus, wenn man sich um 16 Uhr schon aufmacht auf die Autobahn. Natürlich kann man noch Telkos aus dem Auto machen, doch ist das nicht der beste Eindruck, den Sie so hinterlassen. Also lassen Sie sich einen Teil des Umzugs vertraglich als Zuschuss zusichern. Oder nutzen Sie einen Relocationservice, der Ihnen gleich die richtige Immobilie findet.

Firmenwagen spielen in Deutschland eine große Rolle. Allerdings auch nur in Deutschland, selbst in Frankreich nimmt man schneller von dem Firmengefährt Abstand als bei uns hier in Deutschland. Wenn Sie einen im Vertrag haben, sollten Sie schauen, dass Sie mit dem Bruttolistenpreislimit auch Ihre Bedürfnisse an ein Automobil bedient bekommen. Hilft ja nichts, wenn Sie aus Platzgründen wegen Familie, Hund etc. einen Kombi brauchen, das Limit aber nur einen Kompaktwagen zulässt. Oder machen Sie es unkompliziert, fragen Sie nach dem Cashout für den Firmenwagen. Eleganteste Lösung aus meiner Sicht.

Fortbildungen werden immer wichtiger und Sie sollten sich diese zusichern lassen. Das kann für derzeitige Fortbildungen ebenso funktionieren, falls Sie gerade noch Ihren MBA absolvieren oder einen Projektmanagementkurs, Ihren Blackbelt etc. Hierbei geht es nicht nur um die realen Kosten für die Fortbildungen, sondern auch um einige Tage Sonderurlaub. In der Regel gibt es hier Rückzahlungsverpflichtungen. Sollten Sie schon eine bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber haben, sollte der neue diese übernehmen.

Auch die Förderung einer möglichen Promotion ist immer häufiger ein Thema und nicht immer nur eine Frage des Geldes, sondern eine Frage von Zeit und Unterstützung durch den Arbeitgeber.

Ausstattungen sind wichtig. Ich erinnere mich noch an den Absolventenkongress des Jahres 2011. Die wesentliche Frage war: Blackberry oder iPhone. Und damit lag man entweder im Fokus der Zielgruppe oder nicht. “Bring your own device” findet derzeit nur in den Zeitungen statt, erlebe kaum Firmen, wo man seinen eigenen Kram nutzen darf. Für mich ist ein Macbook wichtig. Damit kann man mich ködern. Dienstsmartphone hingegen gar nicht, ich arbeite gerne mit meinem privaten. Manche Firmen zahlen Berufseinsteigern einige Tausend Euro extra für ihre erste Geschäftsgarderobe.

Fitness und Sport sind wesentliche Möglichkeiten, attraktive und nutzbare Kooperationen an die Mitarbeiter weiterzureichen. Ich kenne Arbeitgeber, die bieten kostenfreie Mitgliedschaften in deutschlandweiten Fitnessketten an. Schwierigkeiten hierbei sind immer die Finanzämter, denn der geldwerte Vorteil muss als Werbungskosten versteuert werden. Alles nicht so einfach, gibt aber Wege, dies zu tun. Und die Mitarbeiter werden mit Sport einer längerfristigen Erkrankung vorbeugen.

Alltagshilfen sind immer mehr verbreitet. Ob es der profane Wäsche- und Bügelservice, der Einkaufsservice oder der Schneider ist, der ins Büro kommt. Auch Frisöre werden immer öfter in Firmen gesehen. Die Hilfe bei der Suche nach einer Nanny, Kinderbetreuungsplätzen oder Ärzten. Bei dem Thema Alltagshilfen gibt es kaum ein Wunsch, den Sie nicht wirkungsvoll erfüllen können.

Sie sehen, der bislang gängige Arbeitsvertrag sicherte im Wesentlichen den Arbeitgeber ab. Gehen Sie durch diese Inhalte an Benefits durch, erkennen Sie, das Werben um die richtigen Mitarbeiter hat an Intensität deutlich zugenommen. Deshalb sprach Ed Michaels auch vom War for Talent. Der Kampf um die Talente ist aufwendig, kostenintensiv und lässt sich nicht mehr mit 08/15 gewinnen.

Wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Unterfangen!

Beste Grüße

Ihr Marcus Reif

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