Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

“Potenzial erkenne ich in zwei Minuten”. Schon mal gehört? Wer solch eine Aussage beobachtet, wird Zeuge eines Effekts, den David Dunning und Justin Kruger im Jahr 1999 das erste Mal unter dem Titel “Unskilled and Unaware of It: How Difficulties in Recognizing One’s Own Incompetence Lead to Inflated Self-Assessments” publizierten. Der Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet die kognitive Verzerrung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, das eigene Wissen und Können zu überschätzen.

Wir sollen ja nicht pauschalisieren, doch hat eine solche kognitive Verzerrung auch etwas mit Kompetenz und Inkompetenz zu tun. Die beiden Sozialpsychologen Dunning und Kruger hatten in Studien bemerkt, dass etwa beim Erfassen von Texten, beim Schachspielen oder Autofahren Unwissenheit oft zu mehr Selbstvertrauen führt als reines Wissen. Sie erforschten diesen Effekt in weiteren Experimenten und kamen 1999 zum Resultat, dass weniger kompetente Personen dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht erkennen und das Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht richtig einschätzen. Natürlich zeigten die Studien auch das Lernverhalten auf, denn die Probanden lernten, durch Bildung oder Übung nicht nur ihre Kompetenz zu steigern, sondern auch sich und andere besser einzuschätzen. Dunning und Kruger beobachteten, dass die weniger kompetenten Probanden sich durch Übung und weitere Informationen nicht nur in ihren Testergebnissen, sondern auch in ihrer Selbsteinschätzung verbessern konnten.

Kurzum: Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt die ausgeprägte Neigung inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und gleichzeitig die Leistung kompetenterer Personen zu unterschätzen.

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Die Personen, die am allerwenigsten über ein Thema Bescheid wissen, glauben aber, sie wüssten es besser als andere. Das Verkennen von Expertise und Erfahrung ist Bestandteil der Selbstüberschätzung. Menschen mit wenig ausgeprägter Kompetenz neigen dazu, sich und ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Und wegen ihrer Inkompetenz sind sie nicht in der Lage zu erkennen, dass sie inkompetent sind. Sie glauben, dass sie anderen überlegen sind und haben ein besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

Mount Stupid

“Die Lautesten leben meist auf dem Mount Stupid”, ist eine Redewendung im amerikanischen Raum. Der Mount Stupid wird in manchen Theorien auch synonym mit dem Dunning-Kruger-Effekt genutzt und verkürzt dabei die Studie. Der Mount Stupid beschreibt die erste Kompetenzstufe “unbewusste Inkompetenz”, die ich weiter unten noch erläutere. Das Modell unterhalb zeigt “Confidence” und “Competence” im Fluss. Der Durchschnitt der Menschheit findet sich in der Mitte wieder, meist bewusst kompetent und durchschnittlich selbstvertrauend. Wichtig in der Bobachtung ist, dass das Niveau an Selbstvertrauen in der ersten Stufe der unbewussten Inkompetenz am höchsten ist und auf den folgenden drei Kompetenzstufen nicht wieder erreicht wird.

Verhaltensmuster

Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist, sagte David Dunning vor 15 Jahren in der New York Times. Denn die Fähigkeiten, die man braucht, um die richtige Lösung zu finden, sind genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen. Somit hatte Dunning den Effekt gut zusammengefasst. Die beobachtbaren Verhaltensweisen lassen sich in diesen Dreiklang zusammenfassen:

  • Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
  • Unvermögen überlegene Fähigkeiten bei anderen zu erkennen
  • Unvermögen, das Ausmaß der eigenen Inkompetenz zu erkennen

Alle anderen sind dumm! Der Dunning-Kruger-Effekt zeigt also auf, dass schwache Leistungen tendenziell mit einer stärkeren Selbsteinschätzung einhergehen als starke Leistungen. Inkompetenz und Ignoranz sind oftmals gemeinsam auftretende Aspekte.

Vier Kompetenzstufen

Wir kennen die folgenden vier Kompetenzstufen aus der Psychologie, wie wir Weisheit, also Wissen plus Erfahrung, aufbauen:

  • unbewusste Inkompetenz
  • bewusste Inkompetenz
  • bewusste Kompetenz
  • unbewusste Kompetenz

Die Entwicklung der eigenen Kompetenz ist dynamisch. Die niedrigste der Kompetenzstufen ist die unbewusste Inkompetenz, bei der man das eigene Unvermögen nicht kennt. Dabei ist es unmöglich zu erkennen, welche Kompetenzen für die Problemlösung benötigt werden und wie diese Fähigkeiten zu erlangen sind. Gelangen Sie aber zu der Erkenntnis, dass sie in einem spezifischen Bereich unzulänglich sind, sprechen wir von der zweiten Kompetenzstufe – der bewussten Inkompetenz. Darauf folgte dann die bewusste Kompetenz, die Sie in die Lage bringt, Wissen, Erkenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Auf diese Stufe folgt die vierte Kompetenz: die unbewusste Kompetenz. Dies hat sehr viel mit Erfahrung, Routine, Expertise zu tun, mittels derer Sie Problemlösungen viel schneller bewältigen. Der Dunning-Kruger-Effekt bezieht sich folgerichtig nur auf Personen, die in ihrem Lern- und Problemlösungsverhalten auf der ersten Kompetenzstufe einzuordnen sind.

Nichts schlägt die Macht der Ahnungslosigkeit

Feedback ist ein Geschenk

Wissenschaftler haben die Populärwissenschaft von Dunning-Kruger mit anderen Studien unterlegt und dabei eine wesentliche These für das Entstehen der Dunning-Kruger-Syndrome erkannt: es ist das Fehlen von Feedback. Wer mit anderen kein Feedback teilt, nimmt ihnen die Chance zur Reflexion! Der gute Rat, nicht mit dummen Menschen zu diskutieren, greift hier zu kurz. Nur durch Feedback wird es gelingen, dass Menschen ihre unbewusste Inkompetenz erkennen und sich auf der Skala weiterentwickeln. Einsicht ist – wie immer im Leben – ein schmerzhafter Prozess, der meist von Abwehrhaltung, Anfeindungen, Rechtfertigungen und Wut begleitet wird. Wir nennen dies kognitive Dissonanz.

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

Download der Publikation von Dunning/Kruger

The psychological phenomenon of illusory superiority was identified as a form of cognitive bias in Kruger and Dunning’s 1999 study, “Unskilled and Unaware of It: How Difficulties in Recognizing One’s Own Incompetence Lead to Inflated Self-Assessments”

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