Die F.A.Z. hat ein neues Online-Karriereportal. Es wendet sich an Fach- und Führungskräfte und hat einen extra Bereich für hochkarätige Stellen. Screenshot 2016-03-17 08.34.45Als ehemaliger Projektleiter des ersten Online-Stellenmarkts ist das natürlich ein super interessantes Thema, dem ich gerne einen Blick widmen möchte. Der erste Blick galt dem doch überraschenden Logo des technischen Anbieters dieses Stellenmarkts: Monster! Was fast schon ein wenig lustig ist, denke ich an die vielen Gespräche damals in den Jahren 2002 bis 2004, wo auch ein Kauf eines etablierten Online-Stellenmarkts erwogen, aber letztlich verworfen wurde. Die Idee damals, einen Online-Stellenmarkt aufzubauen, der bestehende und neue Kunden an die Plattform bindet, wurde technisch vorbildlich und fortschrittlich bedient, allerdings nie vollständig umgesetzt. 

Automatisierter Karrierebereich und digitale Bewerbermappe

Beispielsweise gab es eine technische Entwicklung, dass alle bei der F.A.Z. geschalteten Anzeigen automatisch auf die Internetseiten der Kunden gespiegelt werden könnten. Der Mehrheit damals – vor 14 Jahren (!) – lag auf der Hand – der Aufwand für die Pflege des eigenen Karrierebereichs wäre reduziert worden durch die Automatisierung der geschalteten Stellenanzeigen. Oder auf Kandidatenseite, auch hier galt das Prinzip des Mehrwerts für die Bewerber unter Maßgabe des “Convenience”-Prinzips. Alle großen Bewerbermanagementsysteme – von SAP über Peoplesoft und andere – boten die Möglichkeit, die “digitale Bewerbermappe” der Kandidaten – also die vollständige Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnissen und weiteren Dokumenten – per Knopfdruck in die System beim präferierten Arbeitgeber zu übernehmen. Und der schier unglaublich hohe Aufwand des Ausfüllens der Online-Bewerbungsformulare wäre somit verlässlich entfallen. Was gäbe es Schöneres für Bewerber, als diese Bewerbungsmappe als Ausgangsbasis für alle Bewerbungen zu nutzen. Eine stabilere Bewerberbindung plattformübergreifend gab es damals nicht. Und der Ansatz sucht auch heute noch seinesgleichen. 

Online-Stellenmärkte brauchen Bindungsinstrumente zu Kunden und Kandidaten! Klick um zu Tweeten

Das sind nur zwei Elemente eines fortschrittlichen Konzepts aus dem Jahr 2002, welches technisch vollständig umgesetzt wurde. Inklusive des Parsings der Print-Stellenanzeige, damit diese in Volltextform auf dem elektronischen Stellenmarkt nutzbar waren (und keine wie damals durchaus übliche Variante der PDFs). Geblieben ist von dieser Innovation recht wenig. Der Stellenmarkt wurde einige Jahre später noch mal überarbeitet (ich neige dazu, verschlimmbessert zu verwenden). Und nun ist der neue Online-Stellenmarkt der F.A.Z. live. Powered by Monster! Zu finden unter Online-Karriereportal

Hierzu erklärt der geschätzte Thomas Lindner, F.A.Z.-Geschäftsführer:

„Die F.A.Z. steht für Qualität und Kompetenz – im Journalismus und im Bereich Recruiting. Mit unserem neuen digitalen Stellenmarkt schaffen wir ein überzeugendes Angebot, um die klugen Köpfe unter den Bewerbern mit erfolgreichen Unternehmen und Institutionen zusammenzubringen.“

Weiter erklärt die F.A.Z. dazu:

Die F.A.Z. hat einen neuen Online-Stellenmarkt 

Screenshot 2016-03-17 09.05.12Die neuen Online-Seiten, die unter dem Dach von FAZ.NET erscheinen, bieten auch viele Informationen rund um die Karriereplanung, den Bewerbungsprozess oder die ersten 100 Tage im neuen Unternehmen. Ein eigener „Executive Channel“ zeigt freie Stellen für besonders Hochqualifizierte, etwa für Vorstände, Geschäftsführer oder Abteilungsleiter. Führungskräfte und Entscheider erhalten in der dort angeschlossenen „Executive Lounge“ zusätzlich ausgewählte F.A.Z.-Beiträge zu Managementthemen.

Das Karriereportal hat auch eine Ratgeber- und Service-Rubrik. Hier sind redaktionelle Inhalte zu Beruf und Karriere sowie Angebote zu praxisnahen Seminaren und Events gebündelt. In einem persönlichen Bereich können Nutzer des Portals Merklisten speichern und Jobmails aktivieren.

Technologiepartner für den neuen Online-Stellenmarkt ist das Portal Monster. Auch der Executive Channel wird gemeinsam realisiert und vermarktet. Zusammen haben beide Portale 8,9 Millionen Unique User – 7,3 Millionen auf FAZ.NET und 1,6 Millionen auf Monster.

Das neue Portal ist Bestandteil von FAZ.NET und über stellenmarkt.faz.net sowie als iOS- und Android-App verfügbar. Die Seite ist über jedes Endgerät bequem erreichbar und für Smartphone und Tablet optimiert. Der bisherige Stellenmarkt FAZjob.NET ist in das neue Angebot integriert.

Executive-Lounge

Soweit so gut. Mir gefällt der Gedanke, der auf der Hand liegt, wenn man den wunderbaren Qualitätsjournalismus der F.A.Z. im Rücken weiß, die Interessen der Zielgruppen mit den redaktionellen Themen für eben diese Zielgruppen aufzubereiten. Die “Executive Lounge” ist ein guter Gedanke. 

Monster-Content mit 856 Executive-Anzeigen

Im “normalen” Stellenmarkt auf FAZ.NET finden sich mehr als 1.000 Stellenanzeigen, was dafür spricht, dass das gesamte Portfolio von Monster hinterlegt ist. Unter dem bisherigen Label der F.A.Z., der Fach- und Führungskräftemarkt zu sein, firmiert nun auch eine zweite Stellensuche auf dem neuen Stellenmarkt unter der dem griffigen Schlagwort “Executive Channel”:

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Stolze 856 Stellenanzeigen finden sich dort mit Stand 17.03.2016 um 9:00 Uhr. Das erinnert an die glorreichen Zeiten des Print-Stellenmarkts. Faktisch gesehen ist es nur eine redundante Plattform von Monster unter dem Label der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der gesamte Content wird unter der Domain newjobs.com bereitgestellt, die ebenfalls zu Monster gehört und die für White-Labelling-Solutions genutzt wird.

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Habe mir spaßeshalber mal angeschaut, wie viele Executive-Anzeigen auf Monster geschaltet sind. Das sind mehr als 900. Ein Großteil davon wurden von Personalberatungen geschaltet; sowie von ein paar der großen Rekrutierer der Republik. 

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Ich wünsche der F.A.Z. mit dieser Lösung das gewünschte Ergebnis und das notwendige Glück. Mir bleibt festzuhalten, dass durch die Angst der Kannibalisierung des eigenen Print-Stellenmarkts die Chance verspielt wurde, einen erfolgreichen und veritablen Online-Stellenmarkt aufzubauen. Das ist zu beobachten im Ergebnis, dass der Print-Stellenmarkt der F.A.Z. am Samstag sich abgeschafft hat: Print-Stellenmarkt der F.A.Z. erodiert weiterhin auf 2,66 Seiten im Jahr 2015

F.A.Z. gibt sich mit einer Art reverse takeover Monster geschlagen Klick um zu Tweeten

Im Grunde ist es ein Treppenwitz der Geschichte, sich nun mit Monster – dem damaligen Gegner Nr. 1 – mit einer Art “reverse takeover” geschlagen zu geben. 

Beste Grüße

Marcus K. Reif 

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif