Seit langem gab es keine großen Fusionen oder Akquisitionen im Umfeld der Strategieberatung. Die letzte war die Übername der PwC-Beratungssparte durch IBM oder der Zustand, den Oliver Wyman heute erreichte. Zu prosperierend verliefen die Geschäfte, die über Jahre hinweg nur Wachstum kannten. Die Wirtschaftskrise der letzten zwei Jahre zeigt, dass Pyramidenorganisationen, wie Booz und AT Kearney, aber auch McKinsey und die Wirtschaftsprüfer, nur über Wachstum funktionieren. Bleibt das Wachstum aus, gibt es weniger Beförderungen, dadurch weniger Gehaltsanstieg und weniger Karrieremöglichkeiten. Wie nachhaltig dies ist, sieht man an der Darstellung der Recruitingbedarfe.
Unternehmen
Einstellungs-bedarf
Mitarbeiter, Deutschland
Bain & Company
100
400
Booz & Company
100
595
The Boston Consulting Group GmbH
170
865
Capgemini Consulting
250
1.000
Ernst & Young
1.500
6.500
KPMG
1.400
7.700
McKinsey & Company
170
2.300
PricewaterhouseCoopers AG WPG
1.400
8.400
Roland Berger Strategy Consultants
150
800
Siemens Management Consultants
40
160
Mich freut besonders, dass in der aktuellen Lündendonk-Veröffentlichung (http://www.luenendonk.de) bei den Strategieberatungen auch Accenture erwähnt wird. Bei Lündendonk taucht Accenture bei "IT-Beratungs- und Systemintegrationsanbieter" auf.
Die Lündendonk-Listen gibt es hier:
Aber zurück zu Boos und AT Kearney. Falls Booz & Comp. den Mitbewerber AT Kearney übernehmen würde, wäre das neue Unternehmen aus beiden hinter McKinsey und Boston Consulting Group (BCG) zur Nr. 2, weltweit, avanciert. In Deutschland kämen beide Häuser mit dann 456 Mio. Euro Honorarumsatz sogar direkt nach Marktführer McKinsey (über 500 Mio. Euro) auf Platz zwei. "Boos/Kearney" würde BCG und Roland Berger vom Aspekt des Umsatzes her betrachtet überholen. Das ist eine sehr interessante Entwicklung, den bisher hatten die großen 10 eher die kleinen bis ganz kleinen Anbieter übernommen, um z. B. Marktsegmente schneller zu erschließen oder in einem gewissen Fähigkeitenbereich schnell eine relevante Workforce zu erzielen.
In einem Artikel des Handelsblatts erklärt Prof. Dr. Dietmar Fink von der Hochschule Bonn-Rhein Sieg:
Wenn wir auf die Reputation schauen, dann können wir eines ganz klar festhalten: Beide Unternehmen zehren von ihrer Vergangenheit. Zwar gehören Booz und AT Kearney fraglos zu den stärksten Marken auf dem Beratungsmarkt. Das aber vor allem deshalb, weil sie schon immer da waren. Ein wirklich klares Markenprofil besitzen sie beide nicht. Sie gehören einfach aus guter Tradition zu den Besten der Besten. Wenn sie sich nun zusammenschließen, dann müssen sie vor allem darauf achten, diese Tradition nicht aufs Spiel zu setzen. Das Verkehrteste wäre sicherlich, der neuen Firma einen Kunstnamen zu verpassen. Die Marke Booz, Kearney & Company hätte aber gute Chancen, den Nimbus der beiden Firmen in die Zukunft zu tragen.
Sicherlich wird die wirtschaftliche Entwicklung der Märkte und die Möglichkeit für Wachstum noch das einen oder anderen Beratungshaus zu einer Fusion nötigen.
Beste Grüße
Marcus Reif