Vor nicht mal drei Wochen hatte ich einen Beitrag gebloggt zum der Niedergang der Print-Medien und die Erosion der Print-Stellenmärkte. Nun wird dieses Thema einer breiteren Leserschaft dargebracht, weil die altehrwürdige Frankfurter Rundschau - immerhin seit 1. August 1945 am Markt aktiv - nun Insolvenz angemeldet hat. Seit 1946, in diesem Jahr stieg der Sozialdemokrat Karl Gerold bei der FR ein, ist die Frankfurter Rundschau als linksliberales Medium bekannt und geschätzt. In Frankfurt, führende Zeitungsstadt Deutschlands, ist die FR eine hoch geschätzte Publikation. Die finanziellen Schwierigkeiten gibt es nicht erst seit heute. Seit über 10 Jahren wird an den ökonomischen Herausforderungen gedoktort. Als im Jahr 2004 die SPD-Medienholding DDVG einstieg, war der Aufschrei groß - Stichwort: "Woody, der Unglücksrabe" und die "abhängige" Tageszeitung, siehe Berichte unter [1] und [2]. Als Mitte 2006 der Verlag M. DuMont Schauberg einstieg und im Verlauf die überregionale Redaktion mit der Berliner Zeitung zusammenlegte, gab es wieder Protest. Manager, Redakteure und CVDs kamen und gingen, eine klare Linie und Strategie war über Jahre hinweg nicht zu erkennen. Von der Auflage von mehr als 400.000 Exemplaren zu Gründungszeiten hatte die Frankfurter Rundschau letztlich nur noch eine gemeldete Verkaufszahl von knapp 118.000 Exemplaren. Ein leider nicht ganz beispielloser Niedergang, der auch andere Print-Titel trifft.
Die Gründe für die Insolvenz werden derzeit etwas sehr monothematisch auf die darbende Print-Medialandschaft mit Anzeigenrückgang, Erosion des Print-Stellenmarkts und sinkendem Abverkauf geschoben. Fakt ist allerdings, dass die erdrückende Schuldenlast der Frankfurter Rundschau eine ökonomisch sinnvolle Arbeit ohne Schuldentilgung durch einen Investor quasi unmöglich macht. Der Kapitaldienst ist zu intensiv, wird verlautet. Dies bedeutet ergo, dass die Rundschau nun für die Fehler der Vergangenheit die Rechnung bekommt. Die Geschäftsführung der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH - unter diesem namen firmiert die Frankfurter Rundschau - hat gestern beim Amtsgericht Frankfurt am Main Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Die Hauptgesellschafter "MDS" M. DuMont Schauberg (51%-Anteil) und die SPD-Medienholding "DDVG" Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (40%-Anteil) erklärten: "Eine sich nunmehr abzeichnende dauerhafte Finanzierung hoher Verluste sei sowohl für MDS als auch die DDVG nicht länger darstellbar."
Auch der Verlag Gruner+Jahr sieht bei seinen Wirtschaftsmedien dunkle Wolken am Horizont. Ein Manager des Verlags wird in der F.A.Z. mit den Worten „Die Tendenz geht Richtung Schließung“ zitiert. Die zu G+J gehörenden Wirtschaftsmedien sind u. a. die „Financial Times Deutschland“ (FTD), „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“. Das größte Sorgenkind ist die „FTD“, die seit ihrer Gründung vor rund elf Jahren kein Geld verdient hat und in diesem Jahr einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro erwartet, der sich auf rund 250 Mio. Euro seit Start der Zeitung summiert. Hatte ja, siehe unten, auf die hohen Produktions- und Logistikkosten einer überregionalen Qualitätszeitung hingewiesen, was eine kurzfristige Rendite quasi ausschließt.
Ich erinnere mich noch gut an die Gespräche bei der FR. Als mein Projekt bei der F.A.Z. abgeschlossen war, stand ich vor der Entscheidung zu einer Unternehmensberatung zu wechseln oder ein vergleichbares Projekt für die Rundschau zu übernehmen. Die Wahl zwischen Cord-Sakko und Nadelstreifen führte mich dann doch nach Kronberg zu Accenture ;) Das Gespräch fand damals in den wirklich charakterhaften Räumlichkeiten am Eschenheimer Turm statt. Räume, Gänge, Verlagsleute und Redakteure hatten das Unverkennbare. Die FR stand und steht für einen gewissen Ethos und politische Auffassung. Eine publizistisch vernehmbare Stimme in der Welt der Zeitungen.
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Ein interessanter Artikel, den ich heute dazu gelesen habe:
Rätselraten um Zukunft der “Financial Times”
Geht das Zeitungssterben in Deutschland weiter? Nach der “Frankfurter Rundschau” steht offenbar auch die “Financial Times Deutschland” vor dem Aus. Vielleicht erscheint sie nur noch im Internet.
Link: http://www.n24.de/news/newsitem_8381312.html
“… abzeichnende dauerhafte Finanzierung hoher Verluste sei sowohl für MDS als auch ddvg nicht länger darstellbar.“ http://t.co/yJxGD5ne