Ich glaube ja! 

Als Sprecher bei den Gifhorner Wirtschaftsgesprächen wurde ich gefragt, was der nächste große Trend der Arbeitswelt sein wird. Ich hatte nicht lange überlegt und das bedingungslose Grundeinkommen schwappte nur so aus mir raus. Irritierte Blicke schauten mich an, hatte ich doch über meine Keynote hinweg eher ein konservatives und wirtschaftsorientiertes Bild gezeichnet. Weshalb also ein doch eher soziales Thema? Das könnte ein Effekt aus der Digitalisierung ein. 

Wenn jemand wissen muss, wie wenig Menschen in einer digitalisierten und automatisierten Fabrik notwendig sind, dann Elon Musk – Tesla-Chef, Space-X-Gründer und Visionär. Umso mehr sollte es zu denken geben, wenn Musk sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen ausspricht. Ich denke, dass Musk damit einen Nerv unserer Zeit trifft und Fragen aufwirft, die bislang viel zu selten gestellt und diskutiert werden. In den kommenden Jahren werden wir weitreichende Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz, der Automatisierung (Stichwort „Autonomes Fahren“) und der Robotik erleben, die nicht nur die Wirtschaft vollständig verändern werden, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.

Die ist und bleibt trotz all dieser Entwicklungen ein Kreislauf, was auch heißt, dass es immer Menschen geben muss, die Produkte kaufen und Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Die „Abwrackprämie“ und das sogenannte Helikopter-Geld, das EZB-Chef Mario Drahgi als ein „interessantes Konzept“ bezeichnete, sind ebenfalls bedingungslose Geldleistungen von staatlicher Seite. Solche Maßnahmen, von denen wir in den nächsten Jahren sicher noch mehr sehen werden, sind bloß Vorstufen zu einem bedingungslosen Grundeinkommen.

Werden wir alle zu Faulenzern, wenn jeden Monat genug Geld auf dem Konto ankommt?

Die am häufigsten formulierte Kritik am bedingungslosen Grundeinkommen, ist die Behauptung, dass die meisten Menschen nicht mehr arbeiten gehen werden, sobald sie das bedingungslose Grundeinkommen erhalten. Experten für das Grundeinkommen behaupten auch, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen so hoch sein muss, dass es auch nicht mehr nötig ist, arbeiten zu gehen, um nicht nur zu überleben, sondern auch aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. Schon heute ist es so, dass ein großer Teil der „Arbeitsstunden“ nicht Erwerbsarbeit sind, sondern Ehrenämter und nicht-entlohnte Arbeit wie Haushaltsarbeit, Kindererziehung und Altenpflege.

Ein noch viel schwerwiegenderes Argument gegen die Befürchtung, dass ein großer Teil der Menschen nicht mehr arbeiten wird, ist die Tatsache, dass die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen nicht automatisch weniger werden, wenn es das bedingungslose Grundeinkommen gibt. Wer sich einen Luxusurlaub, ein neues iPhone oder ein Haus leisten will, wird weiter dafür arbeiten müssen.

New Work, Automatisierung und die Fragen der Ethik

Es gibt eine ganze Reihe von ethischen Fragen, die immer dann gestellt werden, wenn es beispielsweise um das autonome Fahren geht. Besonders ein Szenario wird immer wieder wiederholt, geht aber meiner Ansicht nach am eigentlichen Kern der ethischen Dimension der Automatisierung vorbei. In vielen Variationen wird gefragt, wie es ethisch, moralisch und rechtlich zu bewerten sei, wenn ein autonom fahrendes Auto in einer Unfallsituation entscheiden muss: Wird es eher das Leben des einen Menschen (oft wird gesagt einer alten Person) oder des anderen Menschen (zugespitzt das Leben eines Kindes) opfert.

Dabei wird übersehen: Diese Frage hat nur am Rande etwas mit dem Thema des autonomen Fahrens zu tun. Auch einem Menschen stellt sich in der gleichen Situation diese Frage. Der Unterschied in diesem Szenario ist: Der Mensch kann in Stresssituationen tendenziell eher schlechter Entscheidungen treffen. Ein autonom fahrendes Fahrzeug hingegen kann auf eine Datenbank zurückgreifen, in der die Auswertung von tausenden Unfällen enthalten sind. Ein autonomes Auto wird also in jedem Fall die bessere Entscheidung treffen als ein Mensch.

Die entscheidenden ethischen Fragen in Bezug auf Automatisierung und #NewWork werden oft nicht gestellt.

65 % unserer Kinder erhalten Jobs, die es heute noch nicht gibt

Wie erwirtschaftet eine Volkswirtschaft ihr Bruttosozialprodukt, wenn alle Jobs digitalisiert und alle Produktionen automatisiert werden? 

Und viel wichtiger dabei ist die Frage: fallen einfach Jobs weg und die anderen bleiben so wie sie sind? Nein. Alle Jobs werden sich über die nächsten zehn Jahre hinweg verändern. Kein Job wird unverändert über die nächste Dekade hin bleiben. Alles ist im Wandel! So auch ganze Jobfamilien. 

New Work als Jobwunder oder Jobkiller?

Durch die digitale Disruption werden viele neue Jobs entstehen. Ob so viele entstehen werden, wie durch sie selbst automatisiert – also wegfallen werden – kann heute niemand seriös vorhersagen. Zweifel bleiben. Letztlich ist es aus meiner Sicht auch nicht die zentrale Frage, in der Sichtweise der Erfahrungen der letzten 50 Jahre die Zukunft der nächsten 20 Jahre vorherzusagen. Wir definieren Arbeit immer noch als Prinzip der Ordnung der Sechziger Jahre. Arbeit ist ein Ort, zu dem ich gehe. Genau das wandelt sich gerade. Arbeit ist das was ich tue! 

Wir haben also auch hier einen Werte- und Kulturwandel vor uns. Wenn wir zweidimensional über Digitalisierung sprechen und uns die Frage stellen, wie viele Jobs wegfallen und wie viele entstehen, ist das nicht wirklich eine intellektuell hohe Analyse. Der Wandel der digitalen Transformation ist also zuvorderst eine soziale Transformation, die sich um Menschen, die Beziehung zueinander, der Faktor Arbeit und wie wir diese im Jahr 2018 ff. organisieren. Wir müssen uns mit Führung als kultureller “Enabler” der Transformation beschäftigen. Menschen machen Unternehmen erfolgreich. Und somit sind es auch Menschen, die aus Algorithmen eine Erfolgsgeschichte machen. 

Es gibt mehr Beispiele natürlicher Dummheit als welche mit künstlicher Intelligenz #NewWork Klick um zu Tweeten
Natürlich wird es Jobs geben, die man gut mit künstlicher Intelligenz flankieren kann. Steuerberatung für bestimmte Steuern, Versicherungsjobs, die viel mit der Risikoanalyse einher gehen. Compliance- und Risiko-Manager werden verstärkt mit “Analytics” arbeiten und weniger mit mathematischen Modellen aus dem letzten Jahrtausend. 
 
New Work und die Arbeitswelt 4.0 werden digitaler sein. Heute schon, schauen Sie nur auf Ihr persönliches Konsumverhalten, findet “shopping” verstärkt online statt. Ein Flanieren durch Geschäfte ist in vielen Teilen ersetzt durch “googlen”. Bestellungen bei Amazon ersetzen den Weg in die Drogerie, den Supermarkt und das Einkaufszentrum, Zalando ersetzt die klassischen Schuhgeschäfte. Nicht pauschal und vollständig, jedoch aber in großen Teilen. Die Digitalisierung verändert doch heute schon alles und mancher wartet noch darauf, dass “diese Digitalisierung” endlich mal um die Ecke kommt. 
 
Wir Personaler müssen uns darauf einstellen, dass wir der stabile Anker in einer total volatilen, dynamischen und hektischen Welt sind. Mit unserer Beziehungsorientierung obliegt es uns, die Zukunft der Firmen zu gestalten, die Form der Arbeit zu organisieren und die Wertschöpfung kontinuierlich zu erhöhen! 
 
Beste Grüße 
 
Ihr Marcus Reif 
verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif