Wir diskutieren seit Jahren über FachkrƤftemangel, Talentknappheit und Skills Shift ā und trotzdem lƤuft ein Teil der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Personalberatungen wie aus einer anderen Zeit: schnell, parallel, intransparent. Und dann wundern wir uns, warum die QualitƤt leidet.
Aus HR-Sicht sehe ich drei strukturelle Schieflagen:
1) Wir messen das Falsche.
Viele Prozesse belohnen Geschwindigkeit und CV-Output ā nicht Passgenauigkeit, nicht nachhaltigen Besetzungserfolg. Seriƶs bewerten lƤsst sich eine Besetzung hƤufig erst nach 12ā24 Monaten: Leistung, kulturelle Passung, Verbleib, Entwicklung. Wer vorher āErfolgā behauptet, misst meistens AktivitƤt ā nicht Wirkung.
2) Wir organisieren Verantwortung weg.
Der Pitch-Zirkus mit mehreren Beratungen āauf Erfolgā parallel klingt nach Wettbewerb, ist aber oft eine Einladung zum Minimal-Investment: wenig Tiefgang, viel Taktik, schnelle Profile. Am Ende verlieren alle: Kunde, Kandidat:innen ā und die Beratungsmarke gleich mit.
3) Wir verwechseln Tools mit Urteilskraft.
AI kann Recherche und Prozess unterstützen. Aber wenn daraus Copy-Paste-Profile werden, wenn Einordnung, Kontext und echtes Assessment fehlen, dann ist es keine Modernisierung ā sondern eine effizientere Form von MittelmaĆ. Und: Mit Blick auf Datenschutz, Bias und Compliance ist ādas Tool macht das schonā ohnehin keine Strategie.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Wenn Unternehmen heute externe Personalberatung nutzen, dann sollte esĀ weniger LieferantenlogikĀ sein ā und mehrĀ unternehmerische Partnerschaft.
Konkret heiĆt das für mich:
- Klare Mandate statt Zufallsprinzip: Retainer oder zumindest exklusive Verantwortung, damit Tiefgang überhaupt wirtschaftlich möglich ist.
- Transparente SLAs:Ā Zeitlinien, Reporting, Kommunikationsstandards, Candidate Experience (messbar), nachvollziehbare Honorare.
- Outcome-orientierte Elemente:Ā Ein Teil des Honorars an Verbleib/Outcome gekoppelt ā mit sauberer Definition und fairer Risikoteilung.
- Markt- und Vergütungsintelligenz als Standard:Ā Nicht nur āwer ist verfügbar?ā, sondern āwas ist realistisch, zu welchem Paket, mit welchen Trade-offs?ā
- SenioritƤt am Tisch:Ā Weniger Ćbergaben, weniger āAccount-to-Deliveryā-Reibung, mehr Beratung auf Augenhƶhe.
- Ethical AI:Ā Automatisieren, wo es sinnvoll ist ā und dort bewusst menschlich entscheiden, wo Erfahrung, Kontext und Verantwortung zƤhlen.
- Und ein Punkt ist mir wichtig ā fürsorglich gemeint, aber klar in der Erwartung:
- Candidate Experience ist keine Nebensache.Ā Jeder Kontakt mit Kandidat:innen ist Markenführung. Ghosting, Intransparenz und Prozesschaos zahlen direkt auf Vertrauen ein ā oder eben dagegen.
These: Der Markt wird nicht besser, dass wir ānoch mehr Sourcingā bekommen. Er wird besser, wenn wirĀ Verantwortung, Messbarkeit und FairnessĀ ernst nehmen ā und Beratung wieder als das begreifen, was sie sein sollte: EntscheidungsqualitƤt erhƶhen, Risiken senken, Menschen respektvoll begleiten.
Viel Erfolg bei Ihrer Arbeit. Sie ist so wichtig.
Mit meinen besten GrüĆen
Ihr Marcus K. Reif

Sehr guter und sehr valider Impuls. THX Ihr Holger Jansen Skills HR Experts Senior Partner jansen@skills-experts.de