Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Meine Arbeit gibt Ihnen Zeit für Ihre!

Umsatz vor Kultur?

An vielen Beispielen lässt sich der Umgang mit toxisch wirkenden Führungskräften beobachten. In einer großen Beratung hörte ich mal den Spruch: “Hier kann jeder Partner werden, Hauptsache er macht 2 Mio. Umsatz”. Das ist mehr als zehn Jahre her und zeigt die Paradoxie dieser Aussage aus heutiger Sicht. Im Fokus dieses Beispiels steht die Aussage, dass der Umsatz vor anderen Resultaten oder Kompetenzen geht und insbesondere vor den weichen Faktoren steht. Führungskräfte aus dem letzten Jahrhundert führten oftmals sehr strikt, autoritär und Ansage-orientiert, von oben herab und mit viel Druck, Kontrolle und Weisung. Die toxische Wirkung ist evident.

Narzissmus ist in Führungsetagen weit verbreitet. Das hat auf der einen Seite mit der Unternehmenskultur zu tun, die neue Mitarbeiter und insbesondere Führungskräfte für die erwartete Kultur sozialisiert. Zum anderen hat das auch mit den tradierten Werten der Führung im engeren Sinne zu tun. Wir Deutschen lieben das klassische Management mit Weisung, Kontrolle, Reportings und strikter Präsenz. Und leider hat diese Tendenz mit New Work und modernen Managementmethoden nicht abgenommen – leider! In immer noch (zu) vielen Unternehmen werden Narzissten geduldet. Sie kennen vielleicht mein Bonmot: “Kultur ist das schlechteste Verhalten, welches gerade noch so toleriert wird”. Alleine durch die Duldung belohnen Sie narzisstische Verhaltensweisen. Sie vermitteln dadurch Anreize, dass man durch dieses Verhalten aufsteigen kann, fatalerweise sogar, dass ich für einen Aufstieg mich so verhalten muss. Sie schaffen damit ein toxisches Arbeitsklima mit fatalen Folgen für Ihr Klima, Ihre Unternehmenskultur, Ihre Innovationsfähigkeit und für die Motivation Ihrer Belegschaft.

"Kultur ist das schlechteste Verhalten, welches gerade noch so toleriert wird". Alleine durch die Duldung belohnen Sie narzisstische Verhaltensweisen Klick um zu Tweeten

Viele Führungskräfte kennzeichnet bis heute eine starke Input-Orientierung. Sie fordern bedingungslose Loyalität ein und unterliegen einem Hang, Fehler meist sehr akribisch aufarbeiten zu wollen. Der Schuldige muss gefunden werden! Präsenz ist ihnen wichtig. Ihre Leute müssen da sein. Das immer stärker gewachsene Bedürfnis nach mehr Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort wird meist zähneknirschend betrachtet. Von einer anderen Führungskraft hörte ich mal den Spruch “Unter den Augen des Herrn wird das Vieh fett”, was nichts anderes heißt, als dass durch Kontrolle und sozialem Druck erst Höchstleistungen erreicht werden können. Oder eine Dame in einer Personalberatung, auf der Stufe vor der Partnerschaft sitzend, sagte mal: “unter großem Druck werden Diamanten geschaffen”. Diese Maxime von bedingungsloser Leistungsorientierung ohne Leadership ist total aus der Zeit gefallen. Nun kann man Unternehmens- und Führungskultur nicht oktroyieren. Und viel zu oft begegnet man aber der Ansicht, dass eine Karriere wehtun muss. Arbeit, so die Devise, ist Leiden. 

Narzissten geben Ihrer Kultur den Rest

Haben Sie schon jetzt eine Melange aus einigen toxischen Führungskräften, besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass sich Ihre Leistungsträger zunächst mental, aber anschließend auch arbeitsrechtlich von Ihnen trennen. Sie werden kündigen. Erst innerlich und einige Monate darauf zeitversetzt faktisch. Wenn Sie glauben, das bekämen Sie schon wieder in den Griff – weit gefehlt. Und diese toxische Unternehmenskultur ist übrigens noch steigerungsfähig. Durch Narzissten! Erst mit einem Narzissten an der richtigen Stelle in der Führung geben Sie Ihrer Kultur und Ihrer Firma den Rest. Der Narzisst ist der Todesstoß für Ihre Unternehmenskultur. Narzissmus steht alltagspsychologisch und umgangssprachlich im weitesten Sinne für die Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung eines Menschen, der sich für wichtiger und wertvoller einschätzt, als urteilende Beobachter ihn charakterisieren. Auch die narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) zeichnet sich durch einen Mangel an Empathie, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und gesteigertes Verlangen nach Anerkennung aus. Typisch ist, dass die betroffenen Personen übermäßig stark damit beschäftigt sind, anderen zu imponieren und um Bewunderung für sich zu werben, aber selbst nur wenig zwischenmenschliches Einfühlungsvermögen besitzen und nur wenig emotionale Wärme an andere Menschen zurückgeben. Sie wollen wissen, wie man eine hohe Fluktuation noch steigern kann? Über Narzissten, die weitere Narzissten rekrutieren. Sie kennen ja den Spruch: A people are hiring A people, B people are hiring B people. Nun raten Sie mal …

Wie erkennen Sie Narzissmus?

Narzissten sind nicht kritikfähig, sie können keine Fehler eingestehen, sie können nicht einfühlsam und empathisch sein, denn die Bedürfnisse anderer sind ihnen gleich. Sie sind selbstdarstellerisch und sehen nur sich im Zentrum jeder Situation. “Ich, ich, ich” ist die versteckte Botschaft in allen Situationen und Momenten.

Gaslighting – die psychische Gewalt durch den Narzissten

Als Gaslighting wird in der Psychologie eine Form von psychischer Gewalt oder Missbrauch bezeichnet. Die Leidenden oder Oper werden gezielt desorientiert, manipuliert und zutiefst verunsichert. Dadurch wird ihr Realitäts- und Selbstbewusstsein allmählich zerstört. Beispielsweise macht Ihre Führungskraft Sie für etwas verantwortlich, was Sie gar nicht zu verantworten haben. In manchen Fällen liegt das kritisierte Verhalten oder der Fehler sogar außerhalb Ihrer Tätigkeit oder Zuständigkeit. Die Führungskraft arbeitet mit Druck. Das geht sogar so weit, dass die leidenden Mitarbeiter ihre eigene Wahrnehmung der Realität in Frage stellen. Grundvoraussetzung für solch eine Manipulation ist das Vertrauensverhältnis oder Abhängigkeitsverhältnis von Oper und Täter, was bei Mitarbeiter zu Führungskraft und andersrum besteht. Mit der Zeit beginnen die Opfer, an ihrem Gedächtnis, ihrer Wahrnehmung und an ihrem Verstand zu zweifeln.

Auf Wikipedia (Artikel: Gaslighting) wird angefügt, dass die soziale Inanspruchnahme des Umfelds zu den perfiden Taktiken gehört. Der Täter manipuliert auch Menschen aus dem sozialen Umfeld des Opfers und missbraucht diese, dass sie den Standpunkt oder die Aussagen des Täters bestätigen oder ebenfalls die Wahrnehmungen des Opfers anzweifeln und so unbewusst in der „Inszenierung“ des Täters mitwirken. Hierdurch kann oft innerhalb kurzer Zeit das Selbstvertrauen des Opfers weitgehend zerstört und eine soziale Isolierung erreicht werden.

Beispiele für Gaslighting

  • Absprechen der Berechtigung oder Uminterpretieren der Gefühle des Opfers,
  • behaupten, das Opfer hätte etwas getan oder gesagt, woran es sich selbst jedoch nicht erinnern kann,
  • behaupten bzw. leugnen, selbst etwas Bestimmtes getan oder gesagt zu haben,
  • bestreiten, dass ein bestimmtes Ereignis stattgefunden hat,
  • dem Opfer unzutreffende Realitätswahrnehmung oder falsche Realitätsbeurteilung vorwerfen,
  • dem Opfer die Schuld geben für Streit, Schwierigkeiten, Probleme am Arbeitsplatz oder Lebensprobleme etc.,
  • dem Opfer die Worte im Mund herumdrehen oder ihm Worte in den Mund legen,
  • dem Opfer unangemessenes Verhalten, Körpersprache oder Bekleidung vorwerfen,
  • dem Opfer einreden, dass dieses etwas nicht könne, nicht gut genug sei, unqualifiziert sei,
  • andere Menschen im Umfeld des Opfers (ggf. auch durch Manipulation) instrumentalisieren in einer „Inszenierung“, sie zum Beispiel veranlassen, in Gesprächen Partei für sich selbst bzw. gegen das Opfer zu ergreifen oder Aussagen zu bestätigen,
  • der sozialen Isolation des Opfers (bzw. auch dessen Abhängigkeit oder Bindung an den Täter) Vorschub leisten, bspw. indem das Vertrauensverhältnis des Opfers zu Freunden und Verwandten untergraben wird,
  • sein wahres Gesicht als Gaslighter allenfalls dem Opfer gegenüber zeigen, jedoch nicht anderen Menschen gegenüber oder in Gesellschaft.

Quelle: Wikipedia-Artikel: Gaslighting

Es gibt Literatur zum Erkennen der Einschüchterung von Arbeitnehmern durch Chefs mit Persönlichkeitsstörung mittels Gaslighting. Ähnliche Methoden können als potentes Mittel im Rahmen von Gehirnwäsche, Manipulation und Indoktrination Anwendung finden und beim Opfer u. a. zu tiefgreifender und nachhaltiger, teilweise existenzieller Verunsicherung und Verwirrung, zu Schwächung und Schädigung von Selbstbewusstsein, Persönlichkeit und Widerstandskraft, zur Herbeiführung von Angst- und Panikzuständen bis hin zu Wahnvorstellungen und psychotischen Zuständen führen.

Gaslighting und Narzissmus

Ich unterstelle natürlich nicht pauschal allen toxisch wirkenden Micromanagern, ausgeprägte Narzissten zu sein. Nichts liegt mir ferner. Narzissmus ist eine Ausprägung, die über die destruktive Wirkung von Micromanagern hinaus geht, sie ist manipulativ und zerstörerisch! Micromanagement kann man ablegen. Man kann moderne Führung mit Vertrauen als Basis lernen und sich aneignen. Doch Narzissten bleiben immer Narzissten.

Narzissten manipulieren ihr soziales Umfeld, somit ist Gaslighting ein naheliegendes Verhaltensmuster. Narzissten sind nicht grundsätzlich selbstsicher. Ihr Auftreten ist charmant und zeugt von einem ausgeprägten Selbstbewusstsein, welches aber nur Fassade ist.

Sie werden niemals empathisch auf Sie reagieren, sie werden ihre Fehler niemals einsehen, sie werden nicht die Verantwortung für ihre Taten übernehmen, sie sind nicht offen für bessere Argumente. Und wenn das kein toxischer Mix für eine Führungskraft ist, dann weiß ich auch nicht.

Kulturwandel ist alles andere als einfach

Und gerade deshalb ist es unsere Pflicht als HRler, aktiv mitzumachen. Wir müssen Verantwortung übernehmen. Natürlich auch für Führungskräfte, die dem Anspruch und den Erwartungen ihrer Teams nicht mehr entsprechen. Lasst uns aufstehen und handeln! 

Narzissten im Recruitingprozess erkennen

Übrigens lassen sich Narzissten schon im Recruitingprozess erkennen. Natürlich gelingt die Auswahl neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem hohen standardisierten und strukturierten Interviewprozess besser, weil die Prognosefähigkeit für künftige Leistung dadurch erst ermöglicht wird. Narzissten neigen zur Selbstdarstellung und ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Mit Eignungsdiagnostik auf der einen Seite zur Validierung der analytischen Fähigkeiten können Sie durch Teamübungen den Fokus auf die Teamfähigkeiten und den Umgang mit anderen legen. Narzissten haben eine große Mühe, als Teil vom Teil zu agieren. Narzissten haben Vorteile bei unstrukturierten Gesprächen, weil der erste Eindruck (Impression) und das sichere Auftreten ihre Autorität als gute Führungspersönlichkeiten und attraktiver Mitarbeiter hervorheben. Doch das ist nicht die Realität!

Beste Grüße 

Ihr Marcus K. Reif 

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