Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

Auf einer Party samstagsabends lernen Sie jemanden kennen. Sie unterhalten sich gut. Und innerhalb der ersten 15 Minuten kommt zur Sprache, wo man arbeitet. “Ich bin beim Daimler”, “Ich arbeite bei McKinsey” oder “Ich bin bei einer Bank” sind exemplarische Aussagen, wie das Gespräch fortläuft. Im Vergleich zu den angelsächsischen Kulturen ist doch auffällig, dass wir uns über den Arbeitgeber und den Job definieren, dort aber mehr die Tätigkeit und Erfolge im Vordergrund stehen. Sie treffen dort viel mehr auf Aussagen, wie: “Die Zufriedenheit meiner Kunden steht im Vordergrund. Das Service-Management, in dem ich arbeite, ist die entscheidende Gruppe in meiner Firma”. Stellen Sie sich auch die Frage, wieso wir Deutschen eher technisch in Jobtiteln und Arbeitgebern denken, die angelsächsischen Kulturen mehr über die Tätigkeit und den Gestaltungsraum sprechen?

Sie kennen diese Stereotypen. Für viele in Deutschland ist der Job Sinn des Lebens. Blicken wir noch mal auf die verschiedenen Generation zurück (ich weiß, das ist einigen zu pauschal). Die Baby-Boomer agierten nach dem Prinzip “leben um zu arbeiten”, die Generation X nach dem Prinzip “arbeiten um zu leben” und die Generation Y nach dem Prinzip “Leben und Arbeit im fließenden Übergang”. Das gibt so ein wenig die Faktenlage, weshalb wir als Sinn in der Arbeit oftmals den Beruf selbst sahen. Weil wir zum einen in der Familie erzogen wurden und unsere Eltern und Großeltern dabei eine essenzielle Rolle spielen und zum anderen, weil die Führungskräfte entsprechend sozialisiert wurden und dies auch an uns weitergaben.

Arbeit wandelt sich. Wie ein Brennglas wirkt die Corona-Pandemie auf die Unternehmen. Trotz jahrzehntelangem Beharren auf der Präsenz als Führungsgrundlage, denn “die Schäfchen sind um einen herum”, weicht dieses Dogma nun einer Führung auf Distanz. Menschen arbeiten im Home-Office und genießen die Vorteile davon. Bequeme Zeiteinteilung, hohe Flexibilität, kein Pendeln. Die Nachteile, bspw. soziale Isolation, informelle Netzwerke sind eingeschränkt, Konzentration mangelt und Arbeitsorganisation diszipliniert nicht mehr werden wir aber sicherlich noch auf eine produktive Art regeln. Die Zukunft, so viel mag heute schon sicher sein, wird nicht mehr die alte Normalität sein. Führungskräfte müssen sich darauf einstellen, dass niemals mehr alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit im Büro sein werden. Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort hat gewonnen!

Führungskräfte müssen sich darauf einstellen, dass niemals mehr alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit im Büro sein werden. Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort hat gewonnen! Klick um zu Tweeten

Sinn bei der Arbeit

Die Definition und der Wert “Arbeit” wandelt sich. Wir definieren uns nicht mehr einzig und allein über unsere Arbeit, sondern suchen nach einem Sinn bei der Arbeit. Wenn man so will, ist der Wert höher als der Arbeitsinhalt an sich. Wir wissen ja alle, woher unsere Wertschätzung kommt. Die soziale Einbindung durch meine Arbeit ist der gesellschaftlich wichtigste Aspekt für Wertschätzung. Man spricht hierbei auch von den psychosozialen Sinnfaktoren der Arbeit.

Arbeitswelt im Wandel

Wegen der Corona-Pandemie hat die Digitalisierung einen Raketenstart hingelegt. In atemberaubender Geschwindigkeit musste sich Führungskräfte auf die Führung auf Distanz anpassen, große Mitarbeiterpopulationen mussten von heute auf morgen ins Homeoffice wechseln. Das Ganze hat natürlich zwei Seiten (der Medaille). Das Für und Wider brauchen wir heute nicht thematisieren, nicht alles ist perfekt, wenn man im Homeoffice arbeiten. Den ganzen Tag auf das Notebook oder Duo-Bildschirme schauen, ist auch nicht eine besonders erstrebenswerte Perspektive auf die Zukunft. Also wie sollte sich denn die Arbeitswelt wandeln, gerade mit Blick auf die Phase nach COVID-19, damit wir Sinn in unserer Tätigkeit, Balance unserer Arbeitszeit, Wertschöpfung für unseren Arbeitgeber und Zufriedenheit auf beiden Seiten erreichen?

Aufstieg gelingt nur durch Bewegung

Früher konnte man aufsteigen, ohne sich permanent anzupassen und dazuzulernen. Die Zeit brachte so manches mal die Karriere, weil man eben dran war. Das geht nicht mehr. In dieser volatilen Welt mit so viel Unplanbarkeit, Volatilität und Dynamik, muss jeder einzelne bereit sein für eine Karriere im permanenten Wandel, mit lebenslangem Lernen und sich stetig verändernden Richtungen, Geschwindigkeiten und Rahmenbedingungen. Qualifikationen und Kompetenzen tragen nicht mehr jahrelang.

Die größte Gefahr in Zeiten des Umbruchs ist nicht der Umbruch selbst, es ist das Handeln mit der Logik von gestern.

Peter F. Drucker, Ökonom

Bedeutung der Büro-Zeit

Heute ist auch die Wohnsituation so prekär, weil arbeitsplatznah nach Wohnungen und Häusern geschaut wird. Wird in einer Post-Corona-Phase allerdings nur eine Arbeitswoche aus ein oder zwei Bürotagen bestehen, sind die investierte Wegzeit fürs Pendeln schon wieder ganz anders aus. Sollte es sich in diese Form weiter verstetigen, wird das auch eine Entlastung der Wohnsituation in den Städten zur Folge haben. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden sich bewusst für ihr “Zuhause” entscheiden. Ländlich, im Wald, in den Bergen, am Meer oder See. Das dürfte spannend werden. Gerade auch, weil die Immobilienpreise astronomische Höhen erreichten und die Finanzierung mittlerweile einen deutlich höheren Eigenkapitalanteil erfordert. Die Büros werden künftig mehr Begegnungs- als Arbeitsstätte sein. Der Schwerpunkt dient dem Austausch und der Kommunikation.

Wie immer im Leben: es kommt auf die individuellen Bedürfnisse an. Jemand, der den täglichen Austausch im Büro schätzt, wird tendenziell mehr ins Office gehen als jemand, der die konzentrierte Arbeit von zu Hause aus lieber mag. Wir Personaler sehen eine steigende Gefahr sozialer Ungerechtigkeit. Wieso? Schreibtischjobs sind einfach zu digitalisieren, Remote-Work kein Problem. Schwieriger wird es bei Jobs, die eine Anwesenheit an einem Ort erfordern. Vom Bus- und Bahnfahrer über den Handwerker bis hin zum Einzelhandel wird uns eine Scherenbewegung zwischen neuer Normalität und tradierten Arbeitsmodellen erwarten.

Wir gestalten die neue Normalität!

Was auch immer das sein wird. Jeder versteht darunter etwas anderes. Wir werden eine neue Art und Form von Führung erleben. Die Kontrollfetischisten werden in der Führung immer mehr ins Hintertreffen geraten. Vertrauensbasierte Führung und diese auf Distanz werden ein wesentlicher Teil der Führung in einer neuen Normalität sein. Präsenzorientierung wird vollständig aufgelöst werden und überall dort, wo alte Führung auf Büropräsenz pocht, wird die Fluktuation steigen. Und jeder, der sich beim Lesen dieses Aspekts gleichgültig zeigt, ist Teil des nötigen Veränderungsprozesses.

Entkopplung von Arbeitszeit und Gehalt wird weiter fortschreiten. In Deutschland folgt der Arbeitsvertrag noch dem Tausch von Arbeitszeit gegen Geld. Wir Personaler kennen das ja, wenn Führungskräfte von uns verlangen, dass wir wegen Minderleistung oder schlechter Performance kündigen sollen. Geht ja gar nicht, weil dies eben kein formaler Kündigungsgrund ist. Der Vertrag ist immer noch der Tausch aus Zeit gegen Geld. Und das ist irgendwie aus der Zeit gefallen, weil sich die Gehaltsentwicklung doch auch sehr an die Performance anlehnt.

Softskills werden viel wichtiger werden und virtuelle Arbeit bleibt. In typischen Kompetenzmodellen versuchen wir Personaler eine Mischung aus verschiedenen Skills zusammenzustellen, die dienlich und wichtig für eine gute Karriereentwicklung sind. Die fachlichen Kompetenzen rücken in diesen Zeiten ein wenig mehr in den Hintergrund. Recruiter proklamieren ja schon seit Jahren: “Hire character, train skills”, denn in diesen Zeiten zählen Kommunikationsfähigkeit, Ausstrahlung, Mut, Empathievermögen, Achtsamkeit, Konfliktmanagement, aber auch interkulturelle Kompetenz, Adaptionsfähigkeit und Selbstorganisation.

Arbeitswelt nach Corona: Schluss mit Openspace und Office-Zentrierung. Kultur ändert sich. Willkommen Smartoffice, Vertrauensarbeit und superflexible Arbeitsmodelle mit mehr Selbstbestimmung!

meine Thesen

Für eine Arbeit mit Sinn und Selbststeuerung!

  • Arbeit ist nicht mehr der Ort, zu dem ich gehe, sondern das, was ich tue
  • Großraumbüros sterben aus. Dies ist das Ende von Openspace
  • Distanz prägt die Arbeitswelt (Mindestabstände werden uns noch lange begleiten) 
  • Arbeitskultur des Micromanagements dankt ab
  • Empathie wird wichtiger in der Führung, wenn nicht elementar
  • Kommunikation und Interaktionen sind elementar, wir müssen dies unter dem Abstandsgebot ermöglichen 
  • der eigene Arbeitsplatz stirbt aus 
  • Smartoffice ist eine Mischung aus Präsenzarbeit und von zu Hause, aus Remote-Leadership und digitaler Zusammenarbeit
  • jeder Ablauf, jeder Prozess wird vollständig digitalisiert
  • der Sinn der Tätigkeit steht über allem!

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

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