Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Tel. 0700 marcusreif

So nahezu jeder Bewerbungsratgeber wartet mit der gleichen Empfehlung auf. Suchen Sie den richtigen Ansprechpartner für Ihre Bewerbung! Damit soll zum einen eine professionelle Vorbereitung der Bewerbung signalisiert, wie auch Nähe zum Empfänger aufgebaut werden. Das hört sich doch alles total nett und sinnvoll an, doch wie ist es in der Realität?

Die Realität ist ein ATS – ein Applicant-Tracking-System. Das System wird gefüttert mit einem Anforderungsprofil (Requisition) und einer Reihe an Pre-Screening-Questions. Solche Fragen sind harte Ausschlusskriterien und richten sich in der Regel an ebenso harte Voraussetzungen, ohne die – so die Meinung des Hiring-Managers –, eine erfolgreiche Ausübung des Jobs nicht möglich ist. Sie kennen ja meine Kritik, solche Ansichten sind meist weit weg von den faktischen Prädiktoren für Eignung und Performance-Erwartung. Hier finden Sie ein paar Argumente: In den meisten Unternehmen wäre Würfeln treffsicherer als der aktuelle Recruiting-Prozess

Das oben genannte ATS gewichtet anhand von fest definierten Algorithmen die eingehende Bewerbung und versieht diese in der Regel mit einem Score. Sehr gute Arbeitgeber verbinden diesen Teil der Bewerbung mit einem eignungsdiagnostischen Element, um zu den biografischen Hart-Informationen noch einen Blick auf die weichen Kompetenzen zu erlangen. Im Grunde müssten alle Bewerber glücklich sein, wenn Softskills abgefragt werden. Weil erst dann die eigene Bewerbung eine Relevanz erzeugt. Das stupide Sichten von biografischen Verläufen und Noten aus der Schule – je länger das her ist, desto aussagesinnloser ist dieses Auswahlkriterium – hat noch nichts zu einer guten Personalauswahlentscheidung beigetragen. Das bedient nur tradierte Überzeugungen im Sinne von Pinguine rekrutieren Pinguine (Unconscious Bias und Übertragungseffekte/Partizipationseffekte). Bauchgefühl, das hervorstechende Kriterium für diese Form der losen und ungestützten Personalselektion anhand von Biografie und Noten, ist der erste faktische Beurteilungsfehler. Sie begünstigen hier in der Regel die falsche Bewerberin oder den falschen Bewerber.

Gelernt haben wir nun, wie ein ATS so ganz grob funktioniert. Manche dieser Systeme nutzen ein Parsing der Upload-Dokumente. Dabei werden die Inhalte der Bewerbung und insbesondere des Lebenslaufs “gelesen” und in ein Muster des Systems überführt. Dabei werden Daten gezogen nach Logik überprüft und in die entsprechenden Datenfelder eingetragen. Ganz automatisch. Solche Daten dienen dem systemseitigen Pre-Screening, ggf. auch des Scorings, wie eingangs schon gesagt. Fun Fact: keinerlei Gewichtung hierbei hat der persönliche Ansprechpartner. Ihre Bewerbung wird den gleichen Erfolg oder Misserfolg haben, ganz egal, ob Sie dort “Sehr geehrte Damen und Herren”, “Xenia, Göttin des Feuers” oder “Frau Müller” reinschreiben. Dieser Fakt ist nicht selektionsrelevant.

Ihre Bewerbung muss zuerst das ATS überzeugen, dann erst den Recruiter! Doch viele schreiben Ihren Lebenslauf nur für den Recruiter. Der Mensch kommt nicht an erster Stelle bei ATS-orientierten Bewerbungsprozessen.

Echter Bewerbungstipp!

Machen Sie Ihren Lebenslauf maschinenlesbar. Heute sind die Mehrzahl der Unternehmen noch mit klassischen transaktionalen Sourcing-Prozessen unterwegs. Da sitzen Recruiter oder auch Active-Sourcer und stöbern, wie die klassischen Researcher bei den Personalberatern auch, durch Xing, Linkedin und Blogs, wälzen Konferenzprogramme und lesen Artikel, um diejenigen Spezialisten zu finden, die auf die Suche ihres Mandanten passen. Also bei den Active-Sourcern wäre das der entsprechende Hiring-Manager aus dem Fachbereich. Doch immer mehr schreitet auch die Automatisierung in den HR-Disziplinen voran, insbesondere im Recruiting. Nicht jedes ATS hat eine Volltextsuche und nicht jedes ATS parst die Bewerbungs- und Lebenslaufinhalte. Stand jetzt! Sich darauf einzustellen, ist eine lohnende Investition in die Bewerbung von morgen!

Menschen, die sich orientieren und manchmal auch nur umschauen, stecken viel Liebe und Zeit in den Aufbau ihres Lebenslaufs. Da wird das europäische Format des Lebenslaufs akribisch durchgearbeitet, ein schönes Layout gebastelt und schicke Fotos gemacht. Aber in wie vielen Fällen schauen Sie eigentlich konkret auf die Maschinenlesbarkeit des Lebenslaufs? Und damit kämen wir zu einem Thema, was kaum ein Bewerbungsratgeber parat hat. Die einfache Frage: ist Ihr Lebenslauf maschinenlesbar?

Recruiter erhalten heutzutage dutzende, manchmal hunderte Bewerbungen auf eine Stelle. Der Prozess mittels eines Applicant-Tracking-Systems dient der Simplifizierung des Selektionsprozesses. Alle Tipps Ihres Bewerbungsratgebers spielen herbei keine Rolle. Denn diese Tipps dienen ausschließlich dem menschlichen Faktor, wenn nämlich ein Mensch Ihre Bewerbung in die Hand nimmt. Geschieht aber erst nachgelagert im ATS!

Maschinenlesbarkeit des Lebenslaufs

Ihren Lebenslauf können Sie auf etlichen Plattformen parsen lassen. Ich nutzte im Rahmen meines Tests den CV-Parser “CVlizer” von Join Vision. Dabei geht es um die semantische Lesbarkeit von Lebensläufen. 

Das Ergebnis ist übrigens je nach Sprache des Lebenslaufs unterschiedlich gut. Mit einem Lebenslauf in englischer Sprache sind die Exzerpte und Zusammenfassungen viel besser als in deutscher. 

Was Sie hier rechts sehen ist das Parsingergebnis. Also was eine wie auch immer geartete künstliche Intelligenz aus Ihrem Lebenslauf lesen vermag und wie Recruiter diese, bspw. beim Active Sourcing, betrachten. 

In meiner Zeit bei Jobpilot forschten wir am digitalen Perfect Match. Unsere Kunden sollten nicht mehr für die Insertion einer Stellenanzeige zahlen, sondern für das Matching-Resultat eines Suchprofils mit den Daten aus der Stellengesuchedatenbank. Die Schwierigkeiten damals waren vielschichtig und ließen sich nicht durch künstliche Intelligenz lösen. Der Perfect Match damals war ein Ergebnis von Datenbankinhalten zueinander.

Was können Sie tun für eine Maschinenlesbarkeit Ihres Lebenslaufs?

Einige Empfehlungen notiere ich Ihnen direkt hier. Sie können damit das Parsing-Ergebnis, also die textuelle Erkennung der Inhalte Ihres Lebenslaufs und Ihrer Bewerbung deutlich verbessern:

  • klare Struktur des Lebenslaufs (anhand des europäischen CVs)
  • Abschnitte für jede berufliche Station mit eigenen Überschriften (siehe auch zwei Punkte weiter)
  • verzichten Sie auf zu viele Grafiken (oder generell Grafiken für Layouts)
  • arbeiten Sie mit Überschriften-Formatierung (in Word Überschriften und Sub-Unterschriften als solche formatieren)
  • keine exotischen Schriftarten (und diese nicht einbetten, sondern arbeiten Sie mit austauschbaren Standards, wie Arial, Verdana, Tahoma etc.)
  • verwenden Sie gängige Schlagworte und Schlüsselbegriffe für Ihre beruflichen Erfahrungen und Kompetenzen
  • verzichten Sie auf unternehmensinterne Begrifflichkeiten
  • greifen Sie Termini aus der Stellenanzeige auf und bauen Sie diese in Ihre Bewerbung ein
  • formulieren Sie präzise, prägnante Sätze (nutzen Sie bspw. Ellipsen als rhetorisches Stilmittel)

Achten Sie bei Ihrer Bewerbung immer darauf, dass Sie relevant ist. Die Relevanz prüfen Sie, indem Sie recherchieren. Oftmals sehen Sie mit wenigen Mausklicks auf der Karriereseite Ihres Wunscharbeitgebers schon, wie die Bewerbung prozessiert werden wird. Die Bewerbungsmaske führt zu einem Fremdsystem – ein ATS – und Sie wissen, Sie müssen Ihre Unterlagen anders aufbauen im Vergleich zu einer Bewerbung per E-Mail.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Bewerbung!

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

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