Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Meine Arbeit gibt Ihnen Zeit für Ihre!

Der Fachkräftemangel ist ein viel zitierter Fakt auf der Welt. In Deutschland ist er seit Jahren in vielen Branchen und Berufsfeldern evident und so intensiv spürbar, dass darunter ganze Geschäftszweige leiden (Umsatzeinbußen durch den Fachkräftemangel laut des Mittelstandsbarometer 2017 meines ehemaligen Arbeitgebers EY bei ungefähr 50 Milliarden Euro). Der Fachkräftemangel wurde landläufig nur in Nischen gesehen und in Berufen, die einen hohen Ausbildungs- und Qualifizierungsgrad vorweisen, also insbesondere im technischen Teil sowie in akademischen Berufen, dort noch verschärft überall dort, wo ein zweites Staatsexamen nach einigen Jahren Berufstätigkeit ansteht. Vielen sind die exorbitant hohen Einstiegsgehälter für Anwälte ein Begriff, welcher sinnbildlich für die Gesetze des Markts steht. Kippt Angebot und Nachfrage, sinkt die Preiselastizität und das Gehaltspendel schlägt aus.

Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) würden angesichts des Ausscheidens der Babyboomer-Generation aus dem Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2035 rund fünf Millionen Erwerbstätige wegfallen. Letztlich drohe der Wirtschaft damit ein Gesamtschaden von 326 Milliarden Euro

Quelle: Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)

Sie haben es sehr schwer, die richtigen Mitarbeiter zu finden? Sie beklagen sich über zu wenig oder gar zu schlechte Bewerber? Sie haben das Gefühl, dass die Performance nicht mehr stimmt und gerade die jüngeren Generationen zu viel Wert auf Freizeit und zu wenig auf eine vollkonzentrierte Karriere legen? Willkommen im demografischen Wandel, den der McKinsey-Berater Ed Michaels bereits im Jahr 1998 in seinem Buch „War for Talent“ postulierte. Ed Michaels hatte also Recht. 

Wir verwenden viele Begriffe für den Fachkräftemangel, die im Grunde alle das gleiche meinen. Fachkräftemangel. Führungskräftemangel. Arbeitskräftemangel. Talenteknappheit. Engpassvakanzen. Arbeitskräftemangel. All das sind Begriffe, die durch den War for Talent gut umschrieben sind. Wir können feststellen, dass wir einen flächendeckenden Arbeitskräftemangel in allen Branchen haben.

Definition Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel ist ein Resultat aus Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften. Das Humankapital darf der Staat nicht lenken, bspw. durch Steuerung und Lenkung der Berufe.

Als Fachkräftemangel bezeichnet man den Mangelzustand einer Volkswirtschaft, in dem eine bedeutende Anzahl von Arbeitsplätzen für Arbeitnehmer mit bestimmten Qualifikationen nicht besetzt werden kann, weil auf dem Arbeitsmarkt keine entsprechend qualifizierten Fachkräfte zur Verfügung stehen. Anzeichen für einen Fachkräftemangel können etwa überdurchschnittliche Steigerungen der Arbeitsentgelte eines Fachgebiets sein.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fachkräftemangel

Nahezu täglich finden Sie in den Medien berichten über Berechnungen, Analysen oder Studien zum Fachkräftemangel oder auch der Arbeitslosenquote. Ende Oktober erschienen die Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit zum gestiegenen Fachkräftemangel und gesunkenen Arbeitslosenquote:

Fachkräftemangel in Deutschland

1,2 Millionen Arbeitskräfte gesucht

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA), Tagesschau.de

Zahl der Arbeitslosen sinkt im Oktober

auf rund 2,38 Millionen

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA), Handelsblatt.de

Dazu passt auch die Meldung vom 28. Oktober 2021 des IFO-BESCHÄFTIGUNGSBAROMETERs: „Immer mehr neue Mitarbeiter” – Unternehmen wollen so viel einstellen wie seit drei Jahren nicht mehr. Quelle: handelsblatt.com/…/ifo-beschaeftigungsbarometer-immer-mehr-neue-mitarbeiter-unternehmen-wollen-so-viel-einstellen-wie-seit-drei-jahren-nicht-mehr

Ursachen für den Fachkräftemangel

Was ist der War for Talent?

Der Begriff ‚War for Talents‘ wurde zum ersten Mal im Jahr 1997 in einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company verwendet. Ed Michaels, einer der Autoren, beschrieb damit die zunehmende Schwierigkeit von Unternehmen, geeignetes und qualifiziertes Personal zu finden. Um Vakanzen mit geeigneten Kandidaten zu besetzen, fände ein Kampf zwischen den Unternehmen um die besten Nachwuchskräfte statt.

Was sind die Gründe für den Fachkräftemangel?

Demografischer Wandel: Die Überalterung der Gesellschaft ist der wesentliche Treiber des Fachkräftemangels. Aufgrund der abnehmenden Geburtenraten in den letzten Jahrzehnten stehen dem Arbeitsmarkt immer weniger Fachkräfte zur Verfügung. Das ist ein empirisch belegter Trend. Die niedrigen Geburtenraten führen dazu, dass mehr Menschen den Arbeitsmarkt verlassen als neue Arbeitskräfte in ihn eintreten. Die Debatte wird oft untermalt mit den Generationen. Die Generation Baby-Boomer, geboren zwischen 1946 und 1964, geht aktuell und fortfolgend in Rente und Pension. Ohne Nettozuwanderung würde die Erwerbspersonenzahl bis 2060 je nach Erwerbsverhalten auf knapp 28,2 bis 30,6 Millionen fallen.

Globalisierung: Die Lieferketten sind weltweit verzahnt, die Unternehmen konkurrieren auf dem Absatzmarkt mit Unternehmen aus aller Herren Länder. Der Wettbewerb nimmt kontinuierlich zu, was sich auch auf dem Arbeitsmarkt zeigt. Qualifizierten Arbeitskräften steht wortwörtlich die ganze Welt offen, auch wenn die nachfolgenden Generationen aktuell ein geringes Maß an Mobilität zeigen. Die Pandemie zeigt auch, dass die Mobilität in der traditionellen Form – Bewerbung, Umzug, Start des Erwerbslebens, Karriere – in dieser Form nicht mehr zeitgemäß ist.

Digitalisierung: Digitalisierung in fast allen Wirtschaftsbereichen führt dazu, dass viele Berufe nach und nach an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig entstehen neue Verantwortungsbereiche, die ein viel komplexeres Fachwissen voraussetzen. Doch insbesondere die Verfügbarkeit hochqualifizierter Menschen nimmt kontinuierlich ab. Die Digitalisierung mit den Stichworten Industrie 5.0 (Automatisierung, Vernetzung, künstliche Intelligenz) verschiebt den Arbeitsmarkt aus niedrigschwellig qualifizierten Arbeitsgruppen in höher qualifizierte und spezialisierte Berufsgruppen.

Hoher Bedarf an Fachwissen: Wie bei der Digitalisierung schon erwähnt, wandeln wir uns weiterhin vom sekundären zum tertiären Wirtschaftssektor. Wissen steigt in der Bedeutung, die Kompetenzen und spezielle Qualifikationen stehen viel mehr im Fokus. Nachwuchskräfte müssen eine hohe Qualifikation sowie ein komplexeres Fachwissen aufweisen und über branchenspezifisches Wissen verfügen. Fort- und Weiterbildungen werden in diesem Zusammenhang noch an Wichtigkeit zulegen. Stichworte sind hier lebenslanges Lernen und die Bedeutung von Bildung für die Karriere.

Mangel im MINT-Bereich: Die technischen Berufsfelder leiden seit Jahrzehnten bereits stark unter dem herrschenden Fachkräftemangel. Eine hohe Nachfrage trifft auf einen vergleichsweise niedrigen Anteil an Absolventen der MINT-Fächer. Der Frauenanteil in diesen Fächern steigt zwar moderat, ist allerdings nur ein Teilaspekt im Bewältigen des Fachkräftemangels. Die MINT-Berufe in den Bereichen Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Technik sowie das Gesundheitswesen zeigen eklatante Lücken bei den verfügbaren Arbeitskräften.

In einer Studie von Prognos ist eine interessante These enthalten: viele Sicherungs- und Überwachungstätigkeiten werden wegfallen. Auch Lastwagenfahrer und Packer müssen damit rechnen, dass ihre Arbeit künftig von Robotern und Automaten erledigt wird. Gleiches gilt für Buchhalter, Kreditsachbearbeiter und Immobilienmakler, die von elektronischen Systeme langfristig ersetzt werden. Dagegen wird es bereits ab 2020 einen Mangel an Managern, Forschern, Ingenieuren, Ärzten, Pflegern und medizinischen Assistenten geben, in geringem Umfang auch an Kreativen und Journalisten.

Es ist evident, dass nicht das Recruiting eine schlechte Arbeit leistet, wie viele Hiring-Manager bescheinigen, sondern der Arbeitsmarkt komplexer zu bearbeiten ist. Die Zeiten, in denen man auf eine Stellenanzeige Hunderte von mehr oder weniger passenden Bewerbungen erhielt, sind lange rum.

unsere Ausbildungszyklen sind zu lang!

Eine typische Ausbildung dauert in Deutschland rund 12/13 Jahre fürs Abitur sowie weitere 3 Jahre für eine Berufsausbildung oder den ersten akademischen Grad des Bachelors. Hinzu kommen weitere Bildungsabschnitte, bspw. durch Master, Promotion oder Examen für freie Berufe. Es liegt auf der Hand, dass Bildungsabschnitte für Anwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer – nehmen wir mal die üblichen Abschnitte mit 13 Jahren Abitur, 5,5 Jahren Studium, 3-5 Jahren Berufserfahrung und anschließendem 2. Staatsexamen – mit rund 21-23 Jahren nicht mehr in eine Arbeitswelt passen, auf der 40-45 Jahre Berufstätigkeit folgt die geprägt sein wird von Veränderungen, lebenslangem Lernen und stetigen Innovationszyklen.

Zahlen, Daten, Fakten

Laut Erhebungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) sind schon heute zwei von drei Arbeitsplätzen, die eine entsprechende Berufsausbildung oder ein Studium voraussetzen, schwer oder gar nicht zu besetzen.

Tendenz weiter steigend. So kommt das Basler Forschungsinstitut Prognos zu dem Schluss, dass allein in Deutschland bis zum Jahr 2030 insgesamt drei Millionen Fachkräfte fehlen könnten, falls von Wirtschaft und Politik nicht gegengesteuert wird. Für das Jahr 2040 gehen die Forscher sogar von einem Mangel von 3,3 Millionen Fachkräften aus.

3,3 Mio. Fachkräfte fehlen im Jahr 2040

Quelle: Prognos

Im Jahr 2030 wird es in Deutschland voraussichtlich mehr Erwerbspersonen im Alter von 65 bis 74 Jahren als im Alter unter 20 Jahren geben. Nach der Erwerbspersonenvorausberechnung 2020 werden zu Beginn des kommenden Jahrzehnts 1,5 bis 2,4 Millionen Erwerbspersonen 65 bis 74 Jahre und nur etwa 1,1 Millionen 15 bis 19 Jahre alt sein. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, werden im Jahr 2060 voraussichtlich 1,2 bis 2,2 Millionen Erwerbspersonen zur älteren und 1,0 bis 1,1 Millionen zur jüngeren Altersgruppe gehören. 2019 umfassten beide Gruppen jeweils 1,2 Millionen Erwerbspersonen.

Folgen des Fachkräftemangels

Die Folgen des voranschreitenden Fachkräftemangels könnten beträchtlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland sein. Denn das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte wird die Wertschöpfung und das künftige Wirtschaftswachstum erheblich ausbremsen. Die wichtigste Ressource der Wirtschaft sind nun mal Menschen – also die Arbeitskräfte. Fehlen sie, wird es zunächst heikel für Unternehmen, die ihre Dienstleistungen irgendwann nicht mehr erbringen können, und damit letztlich bedrohlich für die ganze Volkswirtschaft.

Die Probleme sind aber noch vielschichtiger: Offen ist zum Beispiel auch die Frage, wie der immer größer werdende Pflegebedarf einer immer älter werdenden Gesellschaft abgedeckt werden kann, wenn es ausgerechnet im Pflege- und Gesundheitssektor an helfenden Händen fehlt.

Maßnahmen gegen Fachkräftemangel

Das IDW hatte bereits 2017 in einer Studie mögliche Handlungsfelder gegen den Fachkräftemangel identifiziert. Quelle: Kofa-Studie 4/2017.

  • Fachkräfte aus dem Ausland können die Lücken schließen
  • Ältere Beschäftigte sollten länger im Job gehalten werden
  • Frauen sollte nach der Familienphase die Rückkehr in den Beruf erleichtert werden
  • Für typische Männerberufe sollten mehr Frauen gewonnen werden – und für typische Frauenberufe mehr Männer

Was hilft denn jetzt?

Arbeitgeber haben eine Menge an ungehobenem Potenzial, welches schlummert. Sie kennen alle Perspektiven aus meinen Beiträgen. Fassen wir sie mal zusammen:

  • familienfreundliches Arbeitskonzept (Vereinbarkeit von Familie und Beruf)
  • flexibles Arbeitsmodell mit hybrider Aufteilung des Tätigkeitsorts
  • Abkehr vom fixen Fetisch des Idealkandidaten. Machen Sie sich offen für Quereinsteiger
  • beim Idealkandidaten herrscht ein zu fixes Bild. Lösen Sie sich und öffnen Sie sich
  • Erhöhung der Erwerbsquote bei Müttern nach der Elternzeit
  • Erhöhung der Bildungsbeteiligung bzw. -quote

Aber, und das ist entscheidend: investieren Sie in Ihre Unternehmenskultur, Ihren Leadership-Stilen und -Prinzipien, investieren Sie in Ihre Mitarbeiter und Führungskräfte, stärken Sie das Recruiting. Wenn Sie es schaffen, ein wirklich ernsthafter moderner Arbeitgeber zu sein, ist der Talenteengpass für Sie nicht so hart, wie für Ihre Mitbewerber.

Sie finden auf diesem Blog eine Vielzahl an Gedanken, Ideen und Inspirationen. Greifen Sie gerne zu!

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif


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