Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Meine Arbeit gibt Ihnen Zeit für Ihre!

Catchy Clickbait-Titel. So las ich in einem prominenten Magazin kürzlich einen Artikel, der so viel Unwissenheit in sich trug, dass ich ihn hier nicht verlinken möchte. Machen wir uns nichts vor, den oder die besonderen Fehler in Ihrem Lebenslauf gibt es nicht. Wieso? Weil es kein allgemein gültiges Selektionskriterium auf Seiten der Arbeitgeber gibt, der zuverlässig diese Fehler als Fehler identifizieren würde, die zu einem Ausschluss aus der Bewerbung und somit zu einer Absage führen würden.

Vertrauen Sie nicht auf laxe Bewerbungsratgeber. Wenn ich immer lese, dass genau diese drei Tipps wertvoll für Ihren Lebenslauf sind, diese fünf Fehler unbedingt zu unterlassen sind und so weiter. Machen Sie doch mal den Test. Fragen Sie zehn verschiedene Personen, ob sie eine Bewerberin oder einen Bewerber aussortieren würden, weil ein bestimmter Aspekt im Lebenslauf steht. Die Antwort wird mit großer Mehrheit NEIN sein, denn das spielt überhaupt keine Rolle.

Früher war alles … anders

Manche dienstälteren Personaler erinnern sich noch an die “gute alte Zeit” des “post & pray”. In der F.A.Z. wurden teure Stellenanzeigen in 4c, mindestens dreispaltig, geschaltet. Kostenpunkt: 10.000-20.000 Euro, je nach Höhe. Samstag war der große Tag, der Stellenmarkt erschien. Der Sonntag wurde von vielen Bewerbern genutzt, um eine Bewerbungsmappe zu erstellen, auszudrucken und zum Briefkasten zu bringen. Ab Dienstag sah es in den Unternehmen dann so aus, dass Wäschekörbe voller Bewerbungen von der Poststelle in die Räumlichkeiten der Personalabteilung getragen wurden. Personaler nahmen sich dann Zeit für die Sichtung. Jede Mappe, grob zwei Minuten, landeten auf drei Stapeln: A, B und C. A für die idealen Kandidaten, B für “passt nicht zu 100 %” und C für umgehende Absagen. Nicht selten gab es eine dreistellige Anzahl an eingegangenen Bewerbungen je Stelle. Ein nahezu vergangenes Relikt aus der Zeit des Arbeitgebermarkts, gepaart mit einem gewissen Maß an Selektionsarroganz auf Seiten der Unternehmen.

Nicht selten gab es eine dreistellige Anzahl an eingegangenen Bewerbungen je Stelle. Ein nahezu vergangenes Relikt aus der Zeit des Arbeitgebermarkts, gepaart mit einem gewissen Maß an Selektionsarroganz auf Seiten der Unternehmen Klick um zu Tweeten

… und heute ist es … chaotisch?

Heutige Recruitingprozesse laufen leider viel hektischer ab. Die vorgenannten zwei Minuten pro Lebenslauf sind geschmolzen auf wenige Sekunden. Oftmals werden die eingehenden Bewerbungen entweder mit einem Online-Assessment eignungsdiagnostisch oder mittels semantischer oder kompetenzorientierter Analyse gescored. Der Tag der Recruiter ist hektisch geworden. Oftmals stehen Ziele von 100-300 Einstellungen in der Scorecard der Recruiter, dabei müssen sie viele Themen gleichzeitig betreuen, oftmals noch selbst die Sourcing-Kanäle bearbeiten. Recruiter jagen die Fachbereiche nach Feedback zu Lebensläufen und Interviews, jagen Kandidaten, terminieren Interviews, springen selbst in selbige, handlen Headhunter und Personalagenturen und wimmeln so manche Kaltakquise durch weitere solide ab.

Was will ich Ihnen damit sagen? Wenn Ihnen jemand sagt, dass ein spezifisches Detail in Ihrem Lebenslauf den Ausschlag über Erfolg oder Misserfolg Ihrer Bewerbung gibt, hat er keine Ahnung über den Alltag im Recruiting.

Mein Tipp

Denken Sie drüber nach, welche Anforderungen in der Stellenanzeige zu finden sind. In Ihrer Bewerbung sollten Sie eine weitestgehende Passung aufzeigen. Nichts anderes entscheidet für den Sprung über die erste Selektionshürde. Recruiter schauen in der Regel auf Fachlichkeit, Persönlichkeit, soziokulturelle Passung, kognitives Leistungspotenzial, kommunikative Kompetenz und Umfeld-Kompatibilität.

Im Lebenslauf sind diese Dinge nicht alle ersichtlich. Wir erkennen zumindest die Fachlichkeit und relevante Berufserfahrung. Wir erkennen auch noch, welche Mühe sich jemand gibt, um die Passung und seine Relevanz aufzuzeigen. Die Recruiter selbst entscheiden vielleicht noch eigenständig über die Vorselektion, allerdings schauen anschließend die Hiring-Manager auf den Lebenslauf und die sind keine Eignungsdiagnostiker. Ich will damit sagen, dass ab diesem Zeitpunkt viel außerrecruitinglastige Expertise und Sichtweise hinzukommt. Das ist schwer zu prognostizieren, was da hilft.

Wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrer nächsten Bewerbung. Die nachfolgenden Beiträge könnten Sie in puncto Lebenslauf auch interessieren:

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

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