Willkommen auf dem Blog von Marcus K. Reif | Meine Arbeit gibt Ihnen Zeit für Ihre!

Ed Michael, ein Direktor bei McKinsey in den USA, betreute eine Studie zur Zukunft der Arbeitsmärkte im Jahr 1997, auf der sein Buch “War for Talent” ein Jahr darauf folgte. Statistisch sauber erarbeitet, mit allen Folgewirkungen eines aufkeimenden Fach- und Führungskräftemangels, aus dem nun – über 20 Jahre später – ein handfester Arbeitskräftemangel geworden ist. Michael analysierte über eine Befragung amerikanischer Unternehmen die wachsenden Schwierigkeiten, die richtigen akademischen Fach- und Führungskräfte zu rekrutieren. Das Resultat war eine wachsende Talenteknappheit und ein höheres Präferenzbedürfnis der Top-Talente bei der Wahl ihrer Arbeitgeber. Kultur rückte weiter vor in den Arbeitgeber-Attraktivitätskriterien. Der Begriff War for Talent wurde geboren.

Wir können das bei uns in den Unternehmen genau beobachten. Beispielsweise bei der Anstrengung für die Personalgewinnung, bei den Kosten für die Sourcingmaßnahmen und im Besonderen bei der Nutzung von Headhuntern. Oft begegnet mir eine seltsame Hochnäsigkeit in manchen Unternehmen, die ich kennenlernen durfte. Aussagen, wie “Headhunter haben wir nicht nötig”, schlängeln sich an andere Aspekte, wie hohe Fluktuation, schlechtes Klima, miese Stimmung und schlechte Führung.

Headhunter sind bis heute für viele ein Mysterium. Immer noch wird von “Headhuntern” gesprochen, die mit ihrem “goldenen Adressbuch” Geld verdienen. Sorry, but not sorry. So was gab es noch nie und wird es nicht geben. Talentedatenbanken haben eine zu geringe Halbwertszeit und niemand kennt genau die Menschen mit der Expertise, dem Kompetenzset und den Erfahrungen, die ich gerade suche. Headhunting ist eben echtes Recherchebusiness. Zuerst die richtigen Fragen stellen, die Kompetenzen erkennen und recherchieren, welche Personen das denn alles in sich vereinen. Danach beginnt die Arbeit. Man kontaktiert die identifizierten Zielgruppen und begeistert diese, in einen Karrieredialog einzusteigen.

Headhunter verkaufen drei mal

Der Job eines Personalberaters ist drei mal verkaufen. Erst verkauft er sich und seine Dienstleistung an ein Unternehmen. Dann das Unternehmen an den Kandidaten. Und dann den Kandidaten wieder ans Unternehmen. Letztlich ist die Arbeit reine werbliche Kommunikation. gepaart mit der Fähigkeit, die richtigen Kompetenzen von A nach B zu bewegen.

Für Firmen ist die Fähigkeit, die richtigen Talente mit den notwendigen Kompetenzen zum richtigen Zeitpunkt zu gewinnen, eine geschäftserfolgskritische Disziplin geworden. Meine Kritik dabei kennen Sie als Leser meines Blogs, wir rekrutieren immer noch wie in den Neunzigern.

Die Personalberatungen werden aus meiner Sicht im Wesentlichen als Dienstleister für die Personalbeschaffung angesehen. Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass die Wertschöpfungsketten der Personalberatungen deutlich davor und danach Services offerieren. Diese sind unter anderem in den Bereichen Personalstrategie, Personalmarketing, Personalbeschaffung, Personaleinsatz, Personalentwicklung und Personalfreisetzung angesiedelt. Schauen wir aber mal rein auf die Personalbeschaffung.

2,3 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2020

Personalberatung ist nicht gleich Personalberatung. Wir haben Recruiting-Agenturen, Personalberater für Direktansprache und das Segment des Executive-Searchs. Daneben gibt es noch Lebenslaufmakler und Agenturen, also ein breites Feld an externen Dienstleistern. Alleine in Deutschland arbeiten 6.850 Personalberater (im Jahr 2018 waren es noch 7.600 Personalberater) sowie 4.000 Researcher in etwa 2.000 Personalberatungen, was insgesamt eine stattliche Zahl von 14.400 Mitarbeiter insgesamt in der Branche bedeutet, also inkl. Backoffice etc. Die Branche generierte im Jahr 2020 mit insgesamt rund 2,3 Mrd. Euro Umsatz, ein pandemiebedingt schlechteres Ergebnis als die 2,5 Mrd. Euro im Jahr 2019. Immer noch ein Wahnsinnsmarkt! Der Anteil der reinen Personalgewinnung liegt bei gut 83 %, der Rest entfällt auf Managementdiagnostik und sonstige HR-relevante Beratung. Die Personalberater platzierten im Jahr 2020 65.500 Persönlichkeiten in den Unternehmen.

Umsätze von 2000 bis 2020

Grafik: Reif.org. Quelle: BDU-Pressemeldungen

Fachkräftemangel sorgt für Boom bei Headhuntern

Deutsche Unternehmen geben viel Geld für die Suche nach Spezialisten aus. Das sorgt in der Beraterbranche für glänzende Geschäfte. Den Unternehmen fehlen Fachkräfte für alle möglichen Themen. Auch der Trend, immer mehr Frauen in Top-Positionen zu bringen, hat den Trend der Headhunter mit angetrieben. Die Megatrends, bspw. die digitale Transformation, sorgen für einen Stau in Deutschland. Die Experten fehlen.

Meine Prognose

Der Arbeitskräftemangel ist nicht nur mitten in der Gesellschaft, sondern auch bei den Unternehmen voll angekommen. Die typischen Instrumente “hire & fire” sind tief in der Mottenkiste verpackt. Die richtigen Talente zu gewinnen, diese zu halten und weiterzuentwickeln sind wirklich Top-Prioritäten geworden. Die Personalberatungen sind eine natürliche Verlängerung der eigenen Werkbank, die fallweise, zum Ausgleich von Belastungsspitzen oder individuell für Schlüsselpositionen alltägliches Geschäft bedeuten. Für uns People-Manager eine gute Nachricht. Auch das gibt Schwung für das eigene Recruiting.

Beste Grüße

Ihr Marcus K. Reif

Quelle der Zahlen: www.bdu.de/news/personalberater-wollen-2021-zweistellig-wachsen/

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