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Rotgepunktete Krawatten

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Kein Ladeninhaber hängt in seine Tür das Schild: "Zutritt nur für Kunden mit rotgepunkteter Krawatte." Im Internet dagegen passiert das täglich. "Zugang nur mit Cookies", "Mindestauflösung 1024/768" oder "Best viewed with Internet Explorer 5.5" - aufgehende Fenster teilen dem User mit, welche Standards er erfüllen muss, um eine Internet-Angebot vollständig nutzen zu können. Aber manche User haben keine "rotgepunktete Krawatte". Und die betreffenden Netz-Programmierer und -Designer wissen in der Regel nicht, dass sie diese zu tragen verlangen.

Obwohl Menschen mit Behinderungen überdurchschnittlich häufig im Netz sind, können sie zahlreiche Angebote nicht nutzen. Zu wenig ist bislang bekannt über die Erfordernisse behinderter User: dass zum Beispiel blinden und sehbehinderten Nutzern die Bits und Bytes auf einer Braille-Zeile ausgegeben oder über eine Sprachausgabe vorgelesen werden, andere körper- oder geistigbehinderte User eine klare Navigation und - wegen ungenauer Mausführung - möglichst große Buttons brauchen. Programmierer und Designer wissen in der Regel gar nicht, dass sie rund 20 Prozent der potentiellen Nutzer ihrer Internet-Seiten den Zutritt verwehren.

Warum Testen eine gute Idee ist...
Beispiel e-commerce. Wer erinnert sich nicht an Boo.com? 300 Angestellte verloren ihren Job, geschätzte 135 Millionen US-Dollar wurden vernichtet, als der britische Online-Mode-Shop in Konkurs ging.

Warum? Die Site war unbedienbar.
Professionelle Testkäufer verließen nach 25 Minuten entnervt die aufwendig gestylten, technisch raffinierten Seiten, ohne etwas gekauft zu haben. Boo.com ist im wahrsten Sinne in Schönheit gestorben. Kein Einzelfall: Laut US-Studien scheitern 39 Prozent der Internet-Geschäfte, weil Kunden nicht bis zum Bestellformular vordringen oder glauben, ihre Bestellung abgeschickt zu haben, es aber in Wirklichkeit nicht getan haben.

Dieses Problem betrifft nicht nur kommerzielle Seiten. Von der persönlichen Homepage für Freunde und Bekannte, über Informationsseiten von Vereinen, Verbänden und Institutionen bis hin zu Diskussionsforen und Kontaktbörsen: Ausgerechnet im World Wide Web, das angetreten war, Grenzen zu überwinden, werden Tag für Tag neue Barrieren aufgebaut. Barrieren, die nicht nur für die Anbieter schädlich, sondern auch völlig unnötig sind.
 
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