Nach der Niederlage Japans im 2.Weltkrieg und dem Abzug der japanischen
Truppen aus Indochina kam es am 2.September 1945 in Hanoi im Norden Vietnams zur
Errichtung der "Demokratischen Republik Vietnam". Diese forderte unter ihrem Präsidenten
Ho Chi Minh, dem Gründer und Führer der kommunistisch ausgerichteten "Liga für
die Unabhängigkeit Vietnams", des Vietminh, die uneingeschränkte Souveränität
für ganz Vietnam und rief damit einen militärischen Konflikt mit Frankreich hervor,
das seine Kolonialherrschaft in Indochina wiederherstellen wollte. Der Krieg brach
im November 1946 aus, als französische Kriegsschiffe die Hafenstadt Haiphong beschossen,
nachdem der Vietminh die französische Forderung nach Abzug aller seiner Truppen
aus der Stadt ignoriert hatte; in der Folge konnten die Franzosen die Truppen
des Vietminh bis westlich von Hanoi zurückdrängen.
1949 setzte Frankreich
den vietnamesischen Kaiser Bao Dai, den der Vietminh 1945 abgesetzt hatte, in
Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt) wieder als Staatschef der "Republik Vietnam"
ein. Nach dem Sieg der Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg 1949 erhielt der
Vietminh politische und militärische Unterstützung von China und konnte in Vietnam
nach und nach an Boden gewinnen. Der Westen befürchtete nun - entsprechend der
so genannten Dominotheorie - ein Übergreifen der kommunistischen, antikolonialen
Bewegung auf die benachbarten Länder, weshalb die USA 1950 der französischen Bitte
um Hilfe nachkamen und Frankreich umfangreiche finanzielle und logistische Unterstützung
zukommen ließen.
1953 hatte sich der Vietminh im größten Teil Vietnams
durchgesetzt und brachte am 7.Mai 1954 den französischen Truppen bei Dien Bien
Phu im Norden Vietnams die entscheidende Niederlage bei. Am 21.Juli 1954 wurde
auf der Genfer Indochinakonferenz ein Waffenstillstand zwischen dem Vietminh und
Frankreich geschlossen; der 17.Breitengrad wurde als vorläufige Demarkationslinie
festgelegt, die Vietminh-Truppen zogen sich in den Norden zurück, die Franzosen
und ihre Verbündeten in den Süden. Im Norden lebte die Demokratische Republik
Vietnam unter Ho Chi Minh weiter, im Süden die Republik Vietnam unter dem von
den USA unterstützten Regierungschef Ngo Dinh Diem. Außerdem sah das Abkommen
für 1956 gesamtvietnamesische Wahlen zur Wiedervereinigung des Landes vor. In
der Folge des Genfer Abkommens verstärkten die USA, mit Zustimmung des Westens,
ihr Engagement in Süd-Vietnam, um die Ausweitung des kommunistischen Staatssystems
auf den Süden zu verhindern; Nord-Vietnam wurde von der Volksrepublik China sowie
der Sowjetunion und den europäischen Ostblockstaaten unterstützt.
Der
Beginn der zweiten Phase des Krieges
1955 lösten die USA Frankreich als Schutzmacht in Süd-Vietnam ab. Mit
amerikanischer Rückendeckung errichtete Ngo Dinh Diem ein autoritäres Regime,
unterdrückte jede Art von Opposition, baute eine starke Armee auf und holte zahlreiche
amerikanische Militärberater ins Land. Die für 1956 vorgesehenen gesamtvietnamesischen
Wahlen scheiterten am Widerstand Diems: Der Vietminh konnte sich in ganz Vietnam
auf die Zustimmung der Mehrheit der vor allem bäuerlichen Bevölkerung stützen,
während Diems Regierung nur über eine äußerst schmale Basis verfügte. Diem lehnte
die Wahlen ab mit dem Argument, dass im Norden die Meinungsfreiheit nicht gewährleistet
und mit Wahlfälschungen zu rechnen sei.
Ab 1957 begann der südvietnamesische
Vietcong ("vietnamesische Kommunisten") gegen Diems Regime und auch gegen amerikanische
Militäreinrichtungen mit Guerillaaktionen vorzugehen; er konnte dabei auf die
Unterstützung seitens Nord-Vietnams zählen und das Nachschubsystem aus den Zeiten
des Indochinakrieges, den Ho-Chi-Minh-Pfad, nutzen. 1960 schuf sich der Vietcong
in der "Nationalen Befreiungsfront von Süd-Vietnam" (Front National de Libération
du Viet-Nam Sud, FNL) eine von Nord-Vietnam abhängige politische Organisation.
Politische Unruhen in Süd-Vietnam
Angesichts der zunehmenden Angriffe des Vietcong bekräftigten die USA
erneut ihre Unterstützung für Saigon. Im April 1961 unterzeichneten sie mit Süd-Vietnam
einen Freundschafts- und Wirtschaftsvertrag, und ab Dezember verstärkte Präsident
John F.Kennedy die militärische Präsenz der USA in Süd-Vietnam; Ende 1962 waren
bereits 11.200 US-Soldaten in Süd-Vietnam stationiert, ein Jahr später zusätzliche
5.000.
Unterdessen sah sich das Diem-Regime zunehmend vom Vietcong bedrängt;
der Vietcong hatte bald den größten Teil der ländlichen Gebiete Süd-Vietnams unter
seiner Kontrolle und begann mit dem Aufbau einer eigenen Verwaltung, während sich
die südvietnamesischen Regierungstruppen immer weiter zurückziehen mussten. Daneben
setzten z.B. auch Buddhisten und Angehörige anderer weltanschaulicher und religiöser
Gruppen, die von der Regierung unterdrückt wurden, deutliche Zeichen ihrer Opposition
gegen das Regime in Form von Selbstverbrennungen.
Am 1.November 1963 wurde
Diem in einem Militärputsch gestürzt und hingerichtet. Im Sommer 1971 belegte
die Veröffentlichung der geheimen Pentagon Papers in den USA, dass die USA im
Vorfeld von dem Putsch gewusst und sich bereits auf die Zusammenarbeit mit der
Nachfolgeregierung vorbereitet hatten.
Nach weiteren Militärputschen
und zehn verschiedenen Regierungen innerhalb von 18 Monaten, die alle am Widerstand
des Vietcong scheiterten, übernahm Nguyen Van Thieu 1965 die Regierung; 1967 wurde
er außerdem Staatspräsident.
Die zweite, die "amerikanische" Phase
des Krieges

Anfang August 1964 eskalierte der Krieg in Folge des so genannten "Tonking-Zwischenfalles".
Nordvietnamesische Torpedoboote hatten unter ungeklärten Umständen am 2. und 4.
August zwei US-Zerstörer im Golf von Tonking angegriffen. Dem Angriff waren amerikanische
Geheimoperationen gegen Nord-Vietnam vorausgegangen. Der Zwischenfall führte zur
Verabschiedung einer Resolution durch den amerikanischen Kongress am 7.August
1964, in der dem Präsidenten Lyndon B.Johnson praktisch die Generalvollmacht zur
Kriegsführung gegen Nord-Vietnam erteilt wurde.
Im Februar 1965 begannen
die USA mit systematischen Bombenangriffen auf strategisch wichtige, militärische
und wirtschaftliche Ziele in Nord-Vietnam sowie auf den Ho-Chi-Minh-Pfad in Laos
und Kambodscha, über den der Vietcong weiterhin seinen Nachschub aus dem Norden
erhielt. Des Weiteren verstärkten die USA ihre Truppen in Vietnam auf 185.000
Mann Ende 1965 und 543.000 Ende 1968. Unterstützt wurden die USA außerdem von
SEATO-Verbänden aus Australien, Neuseeland, Südkorea und anderen Staaten. Aber
trotz ihrer zahlenmäßigen und materiellen Überlegenheit konnten die USA mit ihren
südvietnamesischen und SEATO-Verbündeten keine eindeutige Entscheidung zu ihren
Gunsten herbeiführen.
1965/66 signalisierten die USA mehrmals Verhandlungsbereitschaft;
Nord-Vietnam lehnte jedoch ab. Im Juni 1967 traf sich Präsident Johnson mit dem
sowjetischen Ministerpräsidenten Aleksej N. Kossygin in der vergeblichen Hoffnung,
mit dessen Hilfe Hanoi an den Verhandlungstisch zu bringen.
Zugleich
wurden die Bombardements in Nord-Vietnam weitergeführt und sogar noch intensiviert;
Wirtschaft und Infrastruktur Nord-Vietnams wurden weitgehend zerstört, so dass
das Land schließlich fast vollständig auf Militär- und Wirtschaftshilfe aus China
und der Sowjetunion angewiesen war. Im Süden gingen die USA mit massiven Hubschraubereinsätzen
gegen die Vietcong-Partisanen vor. Trotz großflächigen Bombardements mit Napalmbomben
und des Einsatzes des Entlaubungsmittels Agent Orange gelang es ihnen aber nicht,
den Gegner militärisch zu besiegen. Im November 1967 gab das Pentagon die Gesamtzahlen
der US-Verluste in Vietnam seit Ausbruch des Krieges 1961 mit 15058Toten und 109527Verwundeten
an. Angesichts der steigenden Zahl der Opfer wurden in den USA Forderungen laut,
den Krieg unter allen Umständen sofort zu beenden. Die finanziellen Aufwendungen
beliefen sich nach Angaben des US-Präsidenten auf jährlich 25MilliardenUS-Dollar.
Die Tet-Offensive
Im Januar 1968 unternahmen nordvietnamesische und Vietcong-Truppen unter
dem nordvietnamesischen General Vo Nguyen Giap die groß angelegte, überraschende
Tet-Offensive (benannt nach dem Beginn der Offensive im Monat Tet des vietnamesischen
Kalenders) auf zahlreiche südvietnamesische Städte, besonders Huë. Militärisch
scheiterte die Offensive zwar, aber sie demonstrierte äußerst effektvoll die Schlagkraft
Nord-Vietnams und war insofern politisch und psychologisch sehr erfolgreich.

Nach der Tet-Offensive verschärfte sich sowohl in den USA als auch weltweit die
Kritik an der amerikanischen Vietnampolitik, insbesondere auch an dem Einsatz
chemischer Kampfstoffe und an den Angriffen auf die Zivilbevölkerung, wie z.B.
dem Massaker von My Lai. Bis zum Frühjahr 1968 hatte sich in den USA zudem die
Erkenntnis durchgesetzt, dass der Krieg in Vietnam nicht zu gewinnen sei; die
Verhandlungsbereitschaft war gestiegen - auch auf nordvietnamesischer Seite. Am
31. März verkündete Präsident Johnson das Ende der US-Luftangriffe auf Nord-Vietnam,
das die Einstellung der Bombardierung als Bedingung für die Aufnahme von Friedensgesprächen
gefordert hatte.
Zugleich ließ Johnson verlautbaren, dass er sich einer
Wiederwahl in das Präsidentenamt nicht stellen würde. Am 13. Mai 1968 nahmen die
USA und Nord-Vietnam in Paris Waffenstillstandsverhandlungen auf, ab 1969 nahmen
auch Süd-Vietnam und der Vietcong an den Verhandlungen teil. Ergebnisse wurden
vorerst nicht erzielt. In Süd-Vietnam ging unterdessen der Krieg in unverminderter
Härte weiter.
"Vietnamisierung" des Krieges (1969-1971)

1969 legte Johnsons Nachfolger Richard M.Nixon, um die Beendigung des amerikanischen
Engagements in Vietnam einzuleiten, wenige Monate nach seinem Amtsantritt sein
Programm der "Vietnamisierung" des Krieges vor, d.h. des stufenweisen Abzugs von
90.000 US-Soldaten aus Vietnam bis Ende 1969, des Ausbaus der südvietnamesischen
Streitkräfte und der sukzessiven Übertragung der Verantwortung für die Kriegsführung
an die südvietnamesische Regierung.
Die Pattsituation bei den Pariser
Verhandlungen konnte jedoch weder durch den US-Truppenabzug noch durch den Tod
des nordvietnamesischen Staatspräsidenten Ho Chi Minh am 3.September 1969 überwunden
werden. Nord-Vietnam forderte weiterhin als Verhandlungsgrundlage den völligen
Abzug der US-Truppen aus Vietnam.
Im April 1970 fielen US-Truppen nach
dem antikommunistischen Putsch des Generals Lon Nol zugunsten der neuen Regierung
in Kambodscha ein, und 1971 bombardierten sie auch Laos, um einen möglichen nordvietnamesischen
Vorstoß entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades zu unterbinden. Beide Aktionen wurden international
verurteilt, intensivierten die antiamerikanischen Proteste und waren zudem militärisch
kaum erfolgreich.
Proteste in den USA
In den USA formierte sich aus Protest gegen die amerikanische Kriegsführung
eine breite Friedensbewegung. Mit Fortschreiten des Krieges verzeichnete sie einen
wachsenden Zulauf, besonders nachdem Einzelheiten über die amerikanische Kriegsführung
bekannt wurden: vor allem über von US-Soldaten an der vietnamesischen Zivilbevölkerung
begangene Gräueltaten wie das Massaker von My Lai. Auch weltweit organisierten
sich nun zunehmend Protestbewegungen.
1971 erfuhr die Vietnampolitik
der USA durch die Veröffentlichung der so genannten Pentagon Papers (Geheimdokumente
des amerikanischen Verteidigungsministeriums zur Vorgeschichte des US-Engagements
in Vietnam) in der New York Times und anderen Zeitungen eine neue Interpretation:
Die Unterlagen warfen ein völlig neues, und zwar ziemlich düsteres Licht auf die
Kriegsführung und die Friedensbemühungen der USA in den sechziger Jahren.
Verhandlungsstillstand
Am 25.Januar 1972 legte Präsident Nixon einen Achtpunkteplan zur Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam vor, der u.a. Präsidentschaftswahlen in Süd-Vietnam vorsah.
Dem Friedensplan Nixons folgte eine überarbeitete Version des Friedensplanes
des Vietcong vom Juli 1971; dieser neue Plan forderte den sofortigen Rücktritt
des südvietnamesischen Präsidenten Thieu und sagte Verhandlungen mit der Saigon-Regierung
zu, sofern diese ihre Kriegspolitik aufgäbe. Nord-Vietnam verlangte ebenfalls
den sofortigen Rücktritt des südvietnamesischen Präsidenten. Außerdem sollten
US-Kriegsgefangene erst dann freigelassen werden, wenn die USA ihr Engagement
in Vietnam beendet hätten. Am 23. März wurden die Verhandlungen in Paris abgebrochen.
Am 30. März startete Nord-Vietnam eine breit angelegte Offensive bis in die Provinz
Quang Tri im Süden. Im April reagierten die USA mit einer Gegenoffensive in Form
von verheerenden Bombenangriffen auf Nord-Vietnam, und am 8. Mai 1972 ordnete
Präsident Nixon die Verminung der wichtigsten nordvietnamesischen Häfen, darunter
Haiphong, an, um die Versorgungswege des Vietcong zu unterbrechen. Mit beiden
Aktionen beabsichtigten die USA, Nord-Vietnam unter Druck zu setzen und zu Zugeständnissen
zu zwingen.
Erneute Eskalation
Ab dem 8. Oktober 1972 fanden zwischen dem amerikanischen Sicherheitsberater
Henry Kissinger und dem nordvietnamesischen Unterhändler Le Duc Tho vertrauliche
Friedensgespräche in Paris statt. Ein Durchbruch wurde erzielt, als Nord-Vietnam
einem Friedensplan zustimmte, der getrennte Vereinbarungen für den militärischen
und den politischen Bereich vorsah, von seiner Forderung nach einer Koalitionsregierung
in Süd-Vietnam Abstand nahm und gleichzeitig Verhandlungen über Laos und Kambodscha
zustimmte. Am 26. Oktober 1972 gab Kissinger einen Neunpunktefriedensplan bekannt,
in dem allerdings technische Fragen ungelöst blieben, und den der südvietnamesische
Präsident Thieu als Verrat bezeichnete.
Mit der Wiederaufnahme der Gespräche
zwischen Kissinger und Le Duc Tho am 4. Dezember 1972 war seit dem Beginn der
Pariser Verhandlungen 1968 erstmalig das Zustandekommen eines Abkommens in Sicht.
Am 16.Dezember stagnierten die Verhandlungen jedoch erneut, und zwei Tage später
ordnete Nixon die massive Bombardierung von Hanoi und Haiphong an; diese Angriffe
galten als die schwersten des Vietnamkrieges und schockierten die Bevölkerung
nicht nur in den USA.
Vorläufiger Frieden
Anfang 1973, nachdem die USA ihre Angriffe nördlich des 20. Breitengrades
eingestellt hatten, wurden in Paris die Friedensgespräche weitergeführt. Nach
sechstägigen Beratungen zwischen Kissinger und Le Duc Tho gab Nixon am 23. Januar
1973 bekannt, dass ein offizielles Waffenstillstandsabkommen erreicht worden sei.
Am 27. Januar unterzeichneten die Vertreter der USA, Süd-Vietnams, Nord-Vietnams
und der Provisorischen Revolutionsregierung Süd-Vietnams ein Abkommen zur Beendigung
des Krieges und zur Wiederherstellung des Friedens in Vietnam. Der Waffenstillstand
trat offiziell am 28. Januar 1973 in Kraft.
Das Waffenstillstandsabkommen
forderte die vollständige Einstellung sämtlicher Kampfhandlungen, den Abzug der
gesamten Truppen der USA und ihrer Verbündeten innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung
des Abkommens, die Herausgabe der Kriegsgefangenen beider Seiten innerhalb von
ebenfalls 60 Tagen, die Anerkennung der entmilitarisierten Zone als einer nur
provisorischen und nicht politischen oder territorialen Grenze, die Einsetzung
einer internationalen Kontrollkommission zur Überwachung der Einhaltung des Friedens;
außerdem sollte ein "Nationaler Versöhnungsrat" aus Vertretern der südvietnamesischen
Regierung unter Nguyen Van Thieu, der Provisorischen Revolutionsregierung der
FNL sowie anderer Oppositionsgruppen zusammentreten, um allgemeine Wahlen in Süd-Vietnam
vorzubereiten; diese Verhandlungen scheiterten jedoch. Das Abkommen gestattete
außerdem den weiteren Verbleib von 145.000 nordvietnamesischen Soldaten in Süd-Vietnam.
Die dritte Phase des Krieges: der Bürgerkrieg
Bis Ende März 1973 hatten die USA alle ihre Truppen aus Vietnam abgezogen, Süd-Vietnam
jedoch weitere wirtschaftliche und militärtechnische Hilfe zugesagt.
In Vietnam gingen die Kämpfe zwischen kommunistischen Einheiten und südvietnamesischen
Regierungstruppen trotz des Waffenstillstandsabkommens weiter; beide Seiten suchten
ihre Gebiete zu verteidigen bzw. auszuweiten. Ende 1974 begannen die nordvietnamesischen
Truppen eine Großoffensive gegen den Süden; die südvietnamesischen Truppen, jetzt
ohne die Unterstützung seitens der USA, mussten sich nach und nach zurückziehen,
und nach dem Fall von Huë Mitte März 1975 war der Krieg für Süd-Vietnam verloren.
Am 21.April trat Präsident Nguyen Van Thieu zurück, am 30. April wurde Saigon
eingenommen, und am selben Tag kapitulierte Süd-Vietnam gegenüber der Provisorischen
Revolutionsregierung der FNL. Am 2.Juli 1976 wurde mit der Errichtung der Sozialistischen
Republik Vietnam der gesamtvietnamesische Staat wieder hergestellt.
Auswirkungen
Im Vietnamkrieg wurden schätzungsweise zwei Millionen Vietnamesen getötet,
drei Millionen verwundet und Hunderttausende von Kindern als Waisen zurückgelassen;
etwa zwölf Millionen Menschen verloren ihre Heimat. In den von politischer Repression
und massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten gekennzeichneten Nachkriegsjahren
von 1975 bis 1982 emigrierten rund 1.218.000 Vietnamesen und ließen sich in über
16 anderen Ländern nieder. Etwa 500.000 Vietnamesen, die so genannten Boat people,
versuchten, in kleinen Booten über das Südchinesische Meer aus Vietnam zu entkommen;
viele kamen dabei um. Jene, die überlebten, sahen sich selbst in den Ländern,
die zuvor Vietnamesen aufgenommen hatten, mit Einwanderungsverboten oder zumindest
-beschränkungen konfrontiert.
Das Land Vietnam selbst wurde aufs schwerste
in Mitleidenschaft gezogen: Die Flächenbombardements hatten Wirtschaft und Infrastruktur
zerstört, und der großflächige Einsatz von Napalm und Entlaubungsmitteln verursachte
verheerende, zum Teil irreparable ökologische Schäden.
Auf amerikanischer
Seite fielen insgesamt etwa 58.000 Soldaten und etwa 153.000 wurden verwundet.
Texte in Auszügen von Millennium Observer.
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