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Die Medienseite mit Wissenswertem Die Kreuzzüge - 200 Jahre
Geschichte im Überblick
Während
der Kreuzzüge haben die Kreuzfahrer nahezu 200 Jahre Präsenz in der
islamischen Welt gezeigt, wovon die noch heute erhaltengebliebenen Kreuzfahrerburgen
zeugen. Papst Urban II. hatte im Jahre 1095 durch seinen Appell auf der Synode
zu Clermont, die oströmischen Christen und die Ostkirche von der angeblich
unterdrückenden Herrschaft des Islam zu befreien, die Kreuzzüge angeregt,
nachdem der byzantinische Kaiser Alexios I. ihn bereits 1085 um Söldnertruppen
gebeten hatte. Der Plan des Kirchenoberhauptes sah die Aufstellung von Ritterheeren
vor, die nicht nur mit dem Segen der Kirche, sondern vor allem unter ihrer Führung
gen Osten ziehen und den Kampf gegen die Muslime aufnehmen sollten, ohne Bindung
an irgendeine weltliche Macht. Daher bat Papst Urban II. keine Monarchen um Unterstützung.
Das Heilige Land wurde zum erklärten Ziel, denn Jerusalem galt nach damaligem
christlichen Weltbild als Mittelpunkt der Erde, wo sich das Leiden, der Tod und
die Wiederauferstehung Jesu zugetragen haben sollen. Ausgangspunkt des ersten
Kreuzzugs (1096-1099) war Frankreich, wo Ritter, die das religiöse Vorhaben
für ihre Zwecke zu nutzen wussten, nach dem Aufruf des Papstes begannen,
ihre Truppen aufzustellen, um zum offiziellen Termin Mitte August 1096 aufzubrechen.
Erstes Ziel sollte Konstantinopel sein, von wo aus man über den Bosporus
setzen wollte bzw. musste. Einer der ersten Ritter, die sich an die Spitze des
Kreuzzugsheeres stellten, war Gottfried von Bouillon, Herzog von Niederlothringen,
begleitet von seinem Bruder Balduin von Boulogne. Gottfrieds Armee nahm den Weg
über Ungarn und Bulgarien. Hier hatte man bereits seine Erfahrungen mit dem
Pöbel - der als Armenkreuzzug Peter dem Einsiedler ins Heilige Land gefolgt
war - gemacht. Diesmal verhielten sich die Truppen jedoch disziplinierter, denn
es wurde ein Vertrag mit dem König Ungarns ausgehandelt, in welchem Balduin
von Boulogne als Geisel gestellt wurde. Auf diese Weise wollte Ungarn den plündernden
Massen Einhalt gebieten. Gottfried kam schließlich Ende Dezember des
Jahres 1096 in Konstantinopel an, wo zuvor schon Hugo von Vermandois mit seinen
Truppen eingetroffen war. Auch Boemund von Tarent ließ sich mit seinem Neffen
Tankred für die Kreuzzugsidee einnehmen und ließ dafür sogar von
der Belagerung Amalfis, die ihn gerade in Anspruch nahm, ab. Im April 1097 traf
er ebenfalls in Konstantinopel ein. Das stärkste Heer wurde in Südfrankreich
aufgestellt und unterstand der Führung des Grafen Raimund von Toulouse. Begleitet
wurde es vom päpstlichen Legat Adhémar von Le Puy. Wie Boemund kam
Raimunds Heer im April 1097 in Byzanz an. Dort befanden sich bereits Graf Robert
II. von Flandern, Herzog Robert von der Normandie und Graf Stephan von Blois.
Es hatte sich eine beachtliche Zahl Kreuzzugsritter zusammengefunden. Was
auf den ersten Blick wie eine gemeinsam organisierte Sache aussieht, stellt sich
schnell als Unternehmen heraus, das lediglich dasselbe geographische Ziel hatte.
Jeder dieser ritterlichen Heerführer verfolgte eigene Macht- und Wirtschaftsinteressen,
in deren Dienst die religiöse Idee gestellt wurde. Besonders beunruhigten
die europäischen Ritterheere den Kaiser von Byzanz, der mit seiner Bitte
um Söldnertruppen zur Wiedergewinnung der an die Muslime verloren gegangenen
Gebiete weder einen Kreuzzug heraufbeschwören wollte, noch ein Heer mit dieser
Stärke erwartete, das nicht einmal seiner Kontrolle unterstand. Mit gemischten
Gefühlen sah er ihrem Eintreffen entgegen, denn der schlechte Ruf der Franken
war ihnen längst vorausgeeilt. Anna Komnena, Tochter des Kaisers, schrieb:
"Der Kaiser hörte das Gerücht der Annäherung zahlloser fränkischer
Heere. Er fürchtete ihre Ankunft, denn er kannte ihre unwiderstehliche Begeisterung
[...]. Er wusste, dass sie Reichtum immer mit offenem Mund bestaunen und dass
sie bei der ersten besten Gelegenheit ohne Gewissensbisse ihre Verträge brechen."
Seine größte Sorge war, dass die ehemaligen byzantinischen Gebiete
nicht an ihn zurückfallen und die Ritter ihre eigenen Ansprüche erheben
würden, womit er Recht behalten sollte. Hier war nun taktisches Vorgehen
gefragt. Eine erste Maßnahme war, die Truppen nicht in die Stadt Konstantinopel
hineinzulassen. Ihre Lager befanden sich außerhalb. Lediglich die Führer
der Truppen durften mit einem kleinen Gefolge die Stadt betreten und ihre Schätze
bewundern. Alexios I. kam zugute, dass die Ritterheere nicht gleichzeitig ankamen.
Das erste war das unter Hugo, der zum Vorteil des byzantinischen Kaisers kein
allzu großes Heer besaß. Als Hugo in die Stadt gelassen wurde, war
er - trotz Geschenke und schöner Worte - Gefangener des Kaisers, bis er sich
bereiterklärte, Alexios I. den Eid zu leisten, ihm alle Gebiete, die ehemals
byzantinisch gewesen waren, zurückzugeben. Als Gottfried Byzanz erreichte,
schlug er - um dem Schicksal Hugos zu entgehen - die Einladung des Kaisers, in
die Stadt zu kommen, aus. Alexios I. versuchte dadurch Druck auf Gottfried auszuüben,
indem er die Lebensmittelzufuhr für das Heer verweigerte. Dies wurde allerdings
mit Plünderungen der Vorstädte beantwortet. Erst als Alexios I. seine
Truppen gegen die Kreuzfahrer schickte und diese unterlagen, war Gottfried bereit,
den Eid zu leisten. Damit war das Problem noch vor Eintreffen des nächsten
Heeres gelöst, das Verstärkung für Gottfried bedeutet hätte.
Auch Boemund und Raimund leisteten den Eid, an den sich am Ende nur Raimund halten
sollte. Noch ehe das eigentliche Kampfgeschehen mit den Muslimen begonnen
hatte und noch bevor irgendein Gebiet überhaupt erobert wurde, zeichnete
sich bereits anhand des Konflikts zwischen Alexios I. und den Heerführern
die Hauptfrage ab, wer Herr über die eroberten Territorien werden sollte.
Die religiöse Legitimität stand nicht zur Debatte; das religiöse
Motiv hatte den Kreuzzug lediglich in Gang gesetzt. Die Widerwilligkeit, mit der
man Alexios I. den Eid leistete, macht deutlich, dass man nicht gekommen war,
um dem byzantinischen Kaiser zu Hilfe zu eilen, geschweige denn die oströmische
Christenheit von islamischer Unterjochung zu befreien. Daher sind die Ereignisse
um diesen und alle anderen Kreuzzüge herum nicht als Resultat religiöser
Leidenschaft zu werten. Vielmehr sind sie das Ergebnis von Machthunger, der alle
Kreuzzüge durchweg prägte und das Geschehen bestimmte. Das Christentum
erfüllte lediglich die Aufgabe, das Gewissen zu erleichtern und die Verbrechen
gegen Muslime, Juden und auch Christen religiös zu legitimieren. Der Rest
war europäische Politik. Ein gravierender Fehler seitens der Muslime
war die Unterschätzung der anrückenden Kreuzfahrer. Was man erwartete,
war ein Bauernheer, ähnlich dem, das man bereits ohne Mühe geschlagen
hatte. Aufgrund dieser Fehleinschätzung konnte die Stadt Nicäa bereits
zu Anfang problemlos eingenommen werden, nachdem der Sultan der Stadt, Kilidj
Arslan, anderweitig in einen inneren Konflikt verwickelt war und den Ernst der
Lage erst spät erkannte. Er war nicht einmal mehr in der Lage, die Stadt
zu betreten, und unterlag in der Schlacht mit den Franken. Nicäa kapitulierte
und wurde, durch einen geschickten Zug Alexios I., Byzanz übergeben. Zwar
stand die Stadt nun unter christlicher Herrschaft - damit wäre die christliche
Aufgabe erfüllt gewesen -, doch die Kreuzfahrer zeigten sich äußerst
missmutig. Denn aufgrund der Kapitulation durfte die Stadt nicht geplündert
werden, was stets der Ansporn der Kreuzfahrer im Kampf war. Und die höchsten
Bürger, für die man hätte Lösegeld verlangen können,
hatte sich Byzanz ebenfalls gesichert. Die Einnahme der Stadt brachte zwar einen
strategischen Vorteil, doch es gab keinerlei Ausbeute, zumindest nicht für
die Kreuzfahrer. Somit war Nicäa kein wirklicher Sieg gegen die Muslime.
Wenig später schlug man die Muslime auch bei Dorylaeum, so dass der Weg durch
Anatolien frei war. Als nächstes Ziel galt die Stadt Edessa, in welcher
der armenische Christ Toros herrschte. Balduin von Boulogne wurde von ihm nach
Edessa gebeten, um sich der islamischen Oberaufsicht zu entledigen. Toros adoptierte
Balduin, der dadurch Erbe und Mitregent wurde. Als Toros dann im Zuge eines Aufstandes
getötet wurde, sah Balduin wohlwollend zu und übernahm im März
1098 die Herrschaft in Edessa, dem ersten christlichen Kreuzfahrerstaat. Balduin
hatte nun, was er wollte: seinen eigenen Staat mit all seinen Reichtümern.
Für ihn war der Kreuzzug damit beendet. Bereits im Oktober 1097 lagerte
das Kreuzfahrerheer vor Antiochia, das mit seinen 400 Wachtürmen als uneinnehmbar
galt. Man belagerte die Stadt viele Monate lang und ließ sich selbst durch
Hungersnot nicht davon abhalten. Einige Kreuzfahrer wirkten ihrem Hunger entgegen,
indem sie die gefallenen Muslime aßen - ein Vorgehen, das sich auch später
wiederholen sollte. Erst durch Verrat, den Boemund antrieb - vor allem, nachdem
Balduin die Grafschaft Edessa gegründet hatte und Boemund Antiochia für
sich beanspruchen wollte -, konnte die Stadt Anfang Juni 1098 von den Kreuzfahrern
eingenommen werden. Ihnen fielen Muslime wie Christen, zu deren Rettung man gekommen
war, gleichermaßen zum Opfer. Die Kreuzfahrer machten hier keine Unterschiede.
In einem Augenzeugenbericht, der das Ausmaß des Gemetzels erahnen lässt,
heißt es: "Alle Plätze der Stadt waren mit Leichen bedeckt, dermaßen,
dass niemand sich wegen des Gestanks dort aufhalten konnte. In den Straßen
konnte man nur gehen, indem man über die Körper der Toten hinwegstieg."
Es handelt sich um ein Szenario, das sich bei nahezu jeder fränkischen Eroberung
in gleicher Weise abspielte. Erbarmen war den Kreuzfahrern ein Fremdwort und sollte
es bis zum Ende auch bleiben. Noch vor Einnahme der Stadt war bereits eine
islamische Armee unterwegs, welche die Franken in Angst und Schrecken versetzte
und die Disziplin der Truppen ins Wanken geraten ließ. Es war die Armee
Karbukas, des Emirs von Mosul. Den Muslimen mangelte es keineswegs an militärischer
Stärke, jedoch - und nur hierauf ist ihr Scheitern zurückzuführen
- an politischer Einigkeit. Ende Juni kam es zur Schlacht zwischen der islamischen
und der christlichen Armee. Sie wurde zugunsten der Christen, obwohl sie bereits
durch Hunger geschwächt waren, entschieden, als die anderen islamischen Anführer
- unter Absprache - Karbuka im entscheidenden Augenblick im Stich ließen.
Die Muslime standen sich sozusagen selbst im Weg, indem sie sich weigerten, ihre
Uneinigkeit beiseite zu legen und den Feind mit vereinten Kräften zu vertreiben.
Nur so war es den Kreuzfahrern überhaupt möglich, ihr Ziel zu erreichen
und so lange Fuß in der islamischen Welt zu fassen. Uneinigkeit fand
sich aber auch auf Seiten der Kreuzfahrer. Der Weg nach Jerusalem geriet nach
der Einnahme Antiochias ins Stocken, denn voller Misstrauen war niemand gewillt,
die Stadt zu verlassen und sie damit seinem Kontrahenten zu überlassen. Raimund
wurde schließlich unter Druck gesetzt, in die Heilige Stadt aufzubrechen,
doch er stimmte nur unter der Bedingung zu, dass auch Boemund mitziehe. Auf dem
Weg nach Jerusalem wurde die Stadt Maarrat an-Numan eingenommen und die Bevölkerung
niedergemetzelt. Als man dann feststellen musste, dass es keine Nahrungsmittel
mehr gab, brach erneut Kannibalismus aus. Radulf von Caen, der Biograph von Tankred,
berichtete, dass die "Truppen erwachsene Heiden in Töpfen kochten; sie
steckten Kinder auf Spieße und verspeisten sie gebraten". Die Kreuzfahrer
hatten jedes menschliche Wertgefühl abgelegt. Von einer Gruppe unter den
Franken, Tafur genannt, weiß man, dass der Verzehr von Menschenfleisch nicht
allein aus Hungersnot geschah. Am 7. Juni 1099 lagerte man schließlich
vor den Mauern Jerusalems. Die Stadt hatte bereits Vorkehrungen getroffen: Man
hatte die Bäume im Umkreis von Kilometern fällen lassen und die Christen
- aus Furcht vor Verrat - aus der Stadt ausgewiesen. Tankred fand allerdings die
Holzvorräte, aus denen man Belagerungstürme baute, mit deren Hilfe Jerusalem
am 15. Juli 1099 in die Hände der Kreuzfahrer fiel. Damit war das Schicksal
Jerusalems und seiner Bevölkerung besiegelt, welche bis auf den Gouverneur
und sein Gefolge vollständig ausgelöscht wurde. Das bisherige Vorgehen
der Kreuzfahrer ließ nichts anderes erwarten. Unabhängig ihrer Religion
fielen die Bewohner Jerusalems dem Blutbad zum Opfer. Jeder Zug von Menschlichkeit
bei den Franken war ausgelöscht. Sie glichen nur noch Tieren im Jagdrausch,
die ihre Beute rissen. Jeder wollte das größte Stück. Alter und
Geschlecht der Opfer spielten keinerlei Rolle. Bis zum Säugling wurde jeder
zur Nahrung fränkischer Schwerter. Jedes Flehen der Einwohner war vergeblich.
Wilhelm von Tyrus, der die Geschichte der Kreuzzüge schriftlich festhielt,
schrieb: "Man konnte nicht ohne Entsetzen diese Menge von Toten sehen, und
der Anblick der Sieger, die von Kopf bis Fuß mit Blut bedeckt waren, war
nicht minder entsetzlich." In einem anonymen Augenzeugenbericht heißt
es: "Man befahl auch, alle toten Sarazenen aus der Stadt zu werfen, wegen
des unsäglichen Gestanks, denn die ganze Stadt war völlig mit ihren
Leichnamen angefüllt. Die lebenden Sarazenen schleppten die Toten aus der
Stadt und machten daraus häuserhohe Haufen. Niemand hat jemals von einem
solchen Blutbad unter dem heidnischen Volk gehört oder es gesehen. Scheiterhaufen
gab es wie Ecksteine, und niemand außer Gott kennt ihre Zahl." Knöchelhoch
watete man durch Blut. Die Kreuzfahrer bekamen, weswegen sie überhaupt ausgezogen
waren: Macht und Reichtum. Der Kreuzfahrer und Chronist Fulcher von Chartres schrieb:
"Unsere Herren und Soldaten [...] schnitten denjenigen, die sie gerade getötet
hatten, die Bäuche auf, um den Innereien die Goldstücke zu entnehmen,
die die Sarazenen mit ihren großen Kehlen hinuntergeschluckt hatten [...].
Mit gezückten Schwertern liefen unsere Männer durch die Stadt und verschonten
niemanden, auch nicht die, die um Gnade baten [...]. Sie drangen in die Häuser
der Bürger ein und nahmen alles, was sie darin fanden [...]. Wer als erstes
ein Haus betrat, ob er reich oder arm war [...], konnte das Haus oder den Palast
besetzen und besitzen und alles, was er darin fand, als gehöre es ihm [...].
Auf diese Weise wurden viele arme Menschen reich." Nachdem man sich
keine Sorgen mehr darum machen musste, was mit der Jerusalemer Bevölkerung
zu geschehen habe, musste nun der Herrscher über Jerusalem gewählt werden.
Zunächst fiel die Wahl auf Raimund, doch er lehnte die Krone ab, mit dem
Argument, dass er in derselben Stadt, in der Christus die Dornenkrone getragen
habe, nicht König werden könne. Dies tat er aus strategischen Gründen,
denn auf diese Weise mussten seine Kontrahenten ebenfalls die Königswürde
ablehnen. Als die Wahl dann auf Gottfried fiel, lehnte auch dieser ab, nahm dafür
geschickterweise den Titel des Verteidigers des Heiligen Grabes an und wurde damit
faktisch zum Herrscher über Jerusalem. Als die wenigen Überlebenden
des Gemetzels Bagdad erreichten, gaben sie dem Kalifen Bericht, der aber nicht
wirklich zum Gegenschlag ausholen konnte. Die Ereignisse in Jerusalem rührten
die Muslime zu Tränen, worüber der Dichter Abu 'l-Muzaffar al-Abiwardi
folgende Verse verfasste, die heute noch mehr Gültigkeit haben als damals: Wir
haben Blut in die strömenden Tränen gemischt, und nicht ist in uns Raum
für Mitleid geblieben. Aber die schlechteste Waffe des Mannes ist, Tränen
zu vergießen, wenn das Feuer des Krieges aus den schneidenden Schwertern
geschlagen wird. Söhne des Islam! Vor euch liegen Kämpfe, die die Köpfe
vor die Füße rollen lassen. Wagt ihr zu schlummern im Schatten sicheren
Glückes, leichten Lebens, wie die Blüte des Baumgartens? Aber wie kann
das Auge unter den Lidern schlafen bei einem Unglückslärm, der jeden
Schlafenden weckt? Da euren Brüdern in Syrien Rast nur auf dem Rücken
der Rosse ist oder im Bauche des Geiers? Die Rhomäer (Römer) stoßen
sie in Schande, doch ihr zieht die Schleppe sorglosen Lebens wie im Frieden? Wieviel
Blut ist schon vergossen, wieviele liebreizende Mädchen verbergen voll Scham
ihr schönes Antlitz mit Händen! So sich die Schneiden der weißschimmernden
Schwerter röten, und die Spitzen der braunen Lanzen bluten! Und sich kreuzen
schneller Stich und Hieb, den Kindern bleicht das Schläfenhaar! Dies sind
Schlachten - wer, sein Leben zu retten, ihrem Getümmel fernbleibt, knirscht
später voll Reue mit den Zähnen. Sie haben scharfe Schwerter in den
Händen der Heiden entblößt: sie werden wieder verschwinden in
die Scheiden ihrer Hälse und Schädel. Ihretwegen ist es, als rufe hocherhobener
Stimme, der im Grabe zu Medina ruht: O Abkommen Haschims! Ich sehe meine Gemeinde
gegen den Feind die Lanzen nicht eilig richten und die Stützen des Glaubens
zerbrechlich. Aus Furcht vor dem Tode weichen sie aus dem Feuer der Schlacht und
achten der Schande nicht als unausweichlicher Strafe. Nehmen also die Vorkämpfer
der Araber die Beleidigung hin? Schließen die Augen vor der Schmach die
Helden der Perser? Unter denen, die mit dem Leben davonkamen,
war auch der Kadi von Damaskus, Abu Saad al-Harawi. Demonstrativ brach er - man
befand sich gerade im Monat Ramadan - sein Fasten in der Moschee von Bagdad vor
versammelter Menge. Die Muslime empörten sich wütend gegen ihn, und
man wollte ihn bereits festnehmen, als er die verärgerten Muslime fragte,
wie sie sich über sein Fastenbrechen aufregen könnten, während
sie den Tod von Tausenden von Muslimen hinnähmen und sie die Zerstörung
der heiligen Stätten kalt ließe. Der islamische Schlag gegen
die Franken hätte unmittelbar erfolgen müssen, solange die Kreuzfahrer
ihre Macht in den eroberten Gebieten noch nicht gefestigt hatten. Aber dies versäumten
die Muslime, da sie in den Kreuzfahrern nicht den eigentlichen Feind erkannten.
Mehr noch, als die Franken untereinander uneins wurden und sich um die Gebiete
stritten, gingen Muslime Bündnisse mit einzelnen fränkischen Parteien
ein und schlossen Waffenstillstände. Dabei hätte sich gerade unter der
Uneinigkeit der Kreuzfahrer die Gelegenheit eines militärischen Eingreifens
ergeben. Zudem war eine große Anzahl von Kreuzfahrern nach der Einnahme
Jerusalems wieder abgezogen, und der erwartete Nachschub ließ auf sich warten.
Demnach waren die Kreuzfahrer an Zahl eindeutig unterlegen. Hier muss man den
Muslimen, welche die führenden Positionen im Islamischen Staat innehatten,
den Vorwurf der Nachlässigkeit machen. Die Rufe der Muslime nach dem Djihad
waren zwar laut, aber ein zentral organisierter Kampf gegen die Kreuzritter blieb
aus. Vereinzelt wurden auf Seiten der Muslime Siege errungen, diese führten
aber nicht dazu, die verloren gegangenen Gebiete zurückzugewinnen und die
Eindringlinge zu vertreiben. Daher weisen Historiker immer wieder darauf hin,
dass die Erfolge der Kreuzfahrer nicht das Ergebnis ihrer Stärke waren, sondern
durch die innenpolitischen Probleme des Islamischen Staates begünstigt wurden.
So konnten im weiteren Verlauf Tripolis - der vierte Kreuzfahrerstaat -, Beirut
und Sidon von den Franken eingenommen werden. Zudem kontrollierten sie Küstenstädtestädte
wie Tyrus, Akkon und Jaffa. Der Historiker Ibn al-Athir schrieb zu der eben geschilderten
Situation: "Zur Zeit, als die Franken - Gott stürze sie ins Unglück
- sich in den von ihnen eroberten Gebieten des Islam festsetzten, waren die Heere
und Fürsten des Islam damit beschäftigt, gegeneinander zu kämpfen:
So waren die Muslime uneins in Meinung und Bestrebung und ihre Mittel zersplittert." Gerade
das Beispiel der Kreuzzüge veranschaulicht in deutlicher Form, wie wesentlich
die Einheit und Einigkeit der Muslime als Umma ist, wollen sie dem Kufr einen
ernstzunehmenden Widerstand leisten. Jede Art der Zersplitterung und Uneinigkeit
hat für den Islam fatale Folgen - damals wie heute. Einen ersten effektiven
Sieg konnten die Muslime am Ende des Jahres 1144 verzeichnen, als sie Edessa erneut
für den Islam gewinnen konnten. Dies geschah unter dem Bestreben und der
Führung Imad ad-Din Zengis, der den Djihad gegen die Franken nicht nur propagierte,
sondern auch in die Tat umsetzte. Die Kreuzritter befanden sich zu diesem Zeitpunkt
fast 50 Jahre im Land. In Europa löste der Fall Edessas Entsetzen aus
und diente als Anlass zu einem weiteren Kreuzzug, zu welchem Papst Eugen III.
aufrief - fast ein Jahr nach dem fränkischen Verlust Edessas an die Muslime.
Diesmal richtete sich der Papst an den König von Frankreich, Ludwig VII.,
aber die Reaktion darauf war sehr träge. Ludwig VII. hatte keinen Kreuzzug,
sondern eine bewaffnete Pilgerfahrt im Sinn. Schließlich wurde der Abt Bernhard
von Clairvaux mit der Angelegenheit betraut, der eine große christliche
Autorität war. Bernhard musste eine Lösung für den Kreuzzugsanspruch
des Papstes und die Pilgerfahrtspläne des französischen Königs
finden. Bei einer bewaffneten Pilgerfahrt hätte die Kirche keine Kontrolle
über das Untenehmen gehabt. Ohne die Oberherrschaft des Papstes käme
es zum Prestigeverlust des Papsttums, was die Kirche nicht zulassen konnte. Hier
zeichnete sich erneut der ewige Machtkampf zwischen König und Kirche ab.
Schließlich konnte Eugen III. das Ganze zu seinen Gunsten wenden, indem
er den Kreuzzug als bestehende kirchliche Tradition darstellte und sich auf Papst
Urban II. berief, durch den der erste Kreuzzug zustande gekommen war. Bernhard
von Clairvaux schaffte es schließlich doch, die Massen für den zweiten
Kreuzzug (1147-1149) zu begeistern. Obwohl man zunächst Deutschland aus dem
ganzen Kreuzzugsgeschehen heraushalten wollte, wurde König Konrad III. doch
involviert. Insgesamt war dieser von Frankreich und Deutschland getragene Kreuzzug
ein Misserfolg, denn Edessa konnte nicht zurückgewonnen werden, und der Angriff,
den man in seinem Größenwahn 1148 auf Damaskus unternahm, war kläglich
gescheitert, so dass man unverrichteter Dinge abziehen musste. Die Schilderungen
des Chronisten Sibt Ibn al-Djauzi beschreiben die erfolgreiche Vertreibung der
christlichen Eindringlinge bei Damaskus: "Die Muslime töteten zehntausend
von ihnen, verbrannten Kreuz und Ritter mit griechischem Feuer und verfolgten
sie bis zu den Zelten. Die Nacht trennte sie. Am Morgen waren sie verschwunden,
ohne eine Spur zu hinterlassen." Dann betrat ein Mann die Bühne,
der das Segel mit islamischer Entschlossenheit herumreißen und die Stärke
der Muslime zur Entfaltung bringen sollte: Salah ad-Din Yusuf. Er war Wezir in
Ägypten und stellte sich als der erbittertste Kämpfer gegen die Franken
heraus. Salah ad-Din wusste um die Wichtigkeit der von der Offenbarung festgesetzten
Einheit im Staat unter einem Kalifen, ohne die der Kampf gegen den Feind aussichtslos
wäre. 1171 beseitigte er die unrechtmäßige Fatimidenherrschaft.
Immer wieder unternahm er Feldzüge gegen die Franken. Aber es mangelte an
Unterstützung seitens Aleppos und Mosuls, so dass er sich zunächst darauf
konzentrierte, beide unter seine Kontrolle zu bringen, um jede Behinderung des
Djihad gegen die Franken zu beseitigen. Salah ad-Dins Vorgehen war sowohl
militärischer als auch diplomatischer Natur. 1185 waren die Kreuzfahrerstaaten
durch seine Diplomatie von jeglichem möglichen Bündnispartner isoliert,
nachdem auch Byzanz zu einer Allianz mit Salah ad-Din bewegt werden konnte. Die
Muslime machten nun unter der Führung dieses Mannes reinen Tisch, vor allem,
nachdem die Franken immer wieder Waffenstillstände brachen. Der größte
Sieg Salah ad-Dins, der seinen Namen bis heute in den Herzen der Muslime bewahrt
hat, war die Befreiung Jerusalems, das nach fast einem Jahrhundert wieder unter
islamische Herrschaft kam. Einer der größten Feinde der Muslime
war zu jener Zeit Rainald von Châtillon, Fürst von Antiochia und Herr
von Transjordanien. Er kam mit dem zweiten Kreuzzug ins Land und war jüngster
Sohn einer Adelsfamilie. Daher hatte er in seiner Heimat keinerlei Aussicht auf
eigenes Land, und aus diesem Grunde war er in den Kreuzzug gezogen. Immer wieder
hatte er trotz getroffener Vereinbarungen Karawanen mit Kaufleuten angegriffen
und geplündert. Er hatte sogar Pläne, nach Mekka zu ziehen. Rainald
hatte schließlich das Fass zum überlaufen gebracht, als er im Frühjahr
1187 erneut eine Karawane überfiel, alle Bewaffneten niedermetzeln ließ
und den Rest in Karak gefangen hielt. Als die Gefangenen ihn an den Waffenstillstand
erinnerten, soll er gesagt haben: "Soll euch doch euer Mohammed befreien!"
Salah ad-Din hörte von dieser Bemerkung und zog die Konsequenzen. Zunächst
wurden Unterhändler zu Rainald geschickt, um im Sinne des Abkommens die Herausgabe
der Gefangenen und ihrer Güter einzufordern. Die Unterhändler wurden
nicht einmal empfangen. Nachdem dann auch Guido von Lusignan, König
von Jerusalem, sich seiner Verantwortung entzog und trotz Aufforderung nichts
gegen seinen Vasallen Rainald unternahm, begannen die Muslime, sich zum Kampf
zu mobilisieren. Muslime strömten zu Tausenden von überall her. Am 3.
Juli 1187 schließlich begannen die Kämpfe bei einem Dorf namens Hittin
- in den Geschichtsbüchern als die Schacht von Hittin festgehalten. Das Frankenheer
unter Guido und Rainald kam völlig ausgedurstet an. Denn auf seinem Weg wurde
es immer wieder in Kämpfe mit den Muslimen verwickelt, so dass seine Ankunft
bei Hittin hinausgezögert wurde und das Wasser dem Frankenheer ausgehen musste.
Unterwegs gab es keinerlei Möglichkeit, die Wasservorräte aufzufüllen,
und das wussten die Muslime. Bei Hittin angekommen, wurde dem nach Wasser schmachtenden
fränkischen Heer der Weg zum See am Ende des Tals durch Salah ad-Din und
seine Gefolgsleute versperrt, so dass es ohne einen Tropfen Wasser auskommen musste.
Hinzu kamen die Sommerhitze und der Rauch von Feuer, das die Muslime legten. Die
Nacht mussten die Franken ohne einen einzigen Wassertropfen ausharren. Am nächsten
Tag versuchten die von Durst geplagten Franken den Hügel hinabzusteigen und
den See zu erreichen. Ihre Lage war aussichtslos; sie wurden von den Muslimen
völlig aufgerieben. Wer im Kampf nicht gefallen war, wurde gefangen genommen.
Unter den Gefangenen waren auch der König von Jerusalem und Rainald. Letzterem
schlug Salah ad-Din - wie er es nach dem letzten Überfall Railands auf die
Karawane angekündigt hatte - eigenhändig den Kopf ab. Ein Gebiet
nach dem anderen wurde nach dieser Schlacht von den Muslimen zurückerobert.
Als Jerusalem an der Reihe war, lud Salah ad-Din eine Abordnung der Franken aus
Jerusalem nach Askalon ein. Er bot den Bewohnern der Stadt an, ihm die Stadt kampflos
zu übergeben. Wer wolle, könne die Stadt mit all seiner Habe verlassen.
Er versicherte, die christlichen Kultstätten zu respektieren und den Pilgern
freien Zutritt zu gewähren. Erstaunlicherweise lehnten die Franken dieses
großzügige Angebot ab, obwohl ihre Unterlegenheit unbestreitbar war
und nicht die geringste Aussicht auf Sieg bestand. Somit blieb Salah ad-Din keine
andere Wahl, als die Stadt mit dem Schwert zu nehmen. Jerusalem wurde zwar von
den Franken verteidigt, aber am 2. Oktober 1187 fiel die Stadt trotz jeder Gegenwehr
wieder in die Hände der Muslime. Anders als bei der Einnahme durch die Kreuzfahrer
im Jahre 1099, gab es weder Morden noch Plünderung. Im Gegenteil, Salah ad-Din
verstärkte aus Sicherheitsgründen die Wachen an den christlichen Heiligtümern.
Jede Rache für das Massaker an den Muslimen von 1099 war untersagt. Die
Bewohner Jerusalems konnten sich zu einem niedrigen Lösegeld loskaufen. Arme
konnten ohne Zahlung abziehen, Familienväter wurden aus der Gefangenschaft
entlassen, mehr noch, Witwen und Waisen wurden zudem beschenkt, bevor man sie
ziehen ließ. Das Kreuz auf dem Felsendom konnte endlich heruntergenommen
und in der al-Aqsa konnte wieder gebetet werden. Bei Ibn al-Athir ist dieses Ereignis
sehr lebhaft beschrieben: "Auf der Kuppel des Felsendoms stand im Scheitel
ein großes vergoldetes Kreuz; als die Muslime am Freitag in die Stadt einzogen,
kletterten einige von ihnen oben auf die Kuppel, um das Kreuz zu entfernen. Als
sie hinaufgestiegen waren, erhob sich ein einstimmiger Schrei in der Stadt und
außerhalb, unter Muslimen und Franken. Die Muslime riefen Allahu akbar vor
Freude, die Franken schrien vor Schmerz und Bestürzung. Das Geschrei war
so laut, dass es die Erde erzittern ließ." Lediglich Tyrus, Tripolis
und Antiochia unterstanden noch den Kreuzfahrern. Der Verlust der heiligsten
Stätte der Christen - in Europa als Schmach empfunden - schrie geradezu nach
einem dritten Kreuzzug (1189-1192). Diesmal nahmen die Giganten Europas die Zügel
in die Hand: Kaiser Friedrich I. Barbarossa vom Heiligen Römischen Reich,
König Philipp II Augustus von Frankreich und König Richard I. Löwenherz
von England. Die Beweggründe der Monarchen waren politischer Art. Friedrich
I. Barbarossa konnte angesichts seiner kaiserlichen Würde nicht zulassen,
dass die westeuropäischen Herrscher den Kreuzzug allein führten. Die
Beteiligung Englands und Frankreichs lag auf der Hand. England beherrschte inzwischen
den größten Teil Frankreichs. Heinrich II., der zu Beginn des Kreuzzugs
noch König von England war, war französischer Lehnsmann über weite
Teile Frankreichs, darunter die Normandie, die Bretagne und Aquitanien. D. h.
das Verhältnis zwischen England und Frankreich war von Misstrauen geprägt.
Niemand wagte den Kreuzzug allein anzutreten, aus Angst, der andere könne
in Abwesenheit über seine Gebiete herfallen. Man musste wohl oder übel
zusammen auf diesen Kreuzzug. Der Aufbruch wurde an Ostern 1189 festgelegt.
Das Kreuzzugsheer Friedrichs I. Barbarossas, das im Mai desselben Jahres aufbrach,
war das größte überhaupt. Der deutsche Kreuzzug endete jedoch
schneller als er begonnen hatte, denn der Kaiser ertrank am 10. Juni 1190, als
er im Fluss Salef badete. Danach trat die Mehrheit seines Heeres die Heimreise
an. Bereits 1188 war Guido von Lusignan aus der Gefangenschaft entlassen
worden, unter der Voraussetzung, das Land zu verlassen, was sich jedoch als Fehler
seitens der Muslime herausstellen sollte. Anders als vereinbart, tat sich der
ehemalige König von Jerusalem mit einer aus Pisa stammenden Flotte zusammen
und belagerte im August 1189 die Stadt Akkon. Im April 1191 landete Philipp II.
Augustus vor Akkon und fast zwei Monate später auch Richard I. Löwenherz.
Nach etwa zweijähriger Belagerung musste Akkon kapitulieren. Trotz Kapitulation
brach Richard I. Löwenherz sein Wort und ließ über 3.000 Muslime
erbarmungslos töten, während er auf einer Tribüne dabei zusah. Die
Monarchen Englands und Frankreichs hatten bereits in Messina Vereinbarungen getroffen,
dass die Beute nur unter ihnen und ihrem Anhang aufgeteilt werden solle. Diejenigen,
die die Stadt bereits lange vor ihrem Eintreffen belagert hatten, sollten leer
ausgehen. Herzog Leopold V. von Österreich, der mit dem deutschen Heer ins
Land gekommen war, hielt sich nicht daran und stellte in Akkon sein Banner auf.
Daraufhin wurde es vom englischen Monarchen eigenhändig entfernt, um von
Anfang an klare Verhältnisse zu schaffen. Beleidigt nahm sich Leopold V.
von Österreich dies zum Anlass, Richard I. Löwenherz später gefangen
zu nehmen und ihn dem deutschen Kaiser zu übergeben. Der englische König
konnte sich nur durch eine hohe Lösegeldzahlung loskaufen. Mit dem
Herzog von Österreich verbindet sich aber noch eine ganz andere Geschichte.
Will man ihr Glauben schenken, so klebt noch heute symbolisch das Blut der Muslime
an der österreichischen Flagge. Während einer Schlacht im Jahre 1191
habe Leopold V. seine Standarte (Flagge) verloren, worunter sich für gewöhnlich
die Truppen des jeweiligen Heerführers sammelten. Der Herzog habe daraufhin
seinen Umhang zu diesem Zwecke geschwenkt. Dieser sei vom Niedermetzeln der Muslime
bereits vollständig mit Blut rot durchtränkt gewesen. Lediglich die
Stelle, an welcher er seinen Gürtel getragen habe, sei als weißer Streifen
übriggeblieben. Man führt die rot-weiß-roten Farben der Flagge
Österreichs auf genau diesen Umstand zurück. Allein die Tatsache, dass
sich diese Legende mit der Flagge verbindet, sollte zu denken geben. Insgesamt
war auch dieser Kreuzzug nicht gerade von Erfolg gekrönt. Am 2. September
1192 wurde ein dreijähriger Waffenstillstand zwischen dem englischen König
und Salah ad-Din ausgehandelt. Er beinhaltete, dass die Küste von Tyrus bis
Jaffa wieder christlich sein sollte. Askalon blieb hingegen islamisch. Was Jerusalem
betraf, so wurde dem König lediglich der freie Zutritt der Pilger zugesagt.
Auf diese Weise endete der größte Kreuzzug, bei welchem nie eine Chance
auf Jerusalem bestand. Salah ad-Din, dessen Einsatz für die Sache des
Islam unermüdlich war, der bis zur Erschöpfung kämpfte und sich
nicht einmal von Krankheit davon abhalten ließ, starb im März 1193.
Er war der größte Feind der Kreuzfahrer, die nicht nur seine Stärke,
sondern auch seinen Großmut erfahren durften. Obwohl er eine der bekanntesten
islamischen Persönlichkeiten seiner Zeit war - in der islamischen wie in
der nichtislamischen Welt -, hinterließ er nach seinem Tod keinen Besitz.
Sein Leben lang hatte er die Gewohnheit, seine Habe an die bedürftigen Menschen
zu verteilen oder aber für den Kampf einzusetzen, so dass er aus materieller
Sicht als armer Mann starb. Sein Beamter und Vertrauter Baha ad-Din schrieb diesbezüglich,
dass Salah ad-Din tatsächlich nichts besessen habe, womit man am Ende sein
Leichentuch hätte bezahlen können. Bislang hatten die Kreuzzüge
zumindest den Anschein eines religiösen Unternehmens gewahrt, wenngleich
die wahren Motive von Macht und Reichtum immer wieder durchschimmerten. Der vierte
Kreuzzug (1202-1204) aber übertraf alles bisher Gewesene an Profitgier. In
jedem der Kreuzzüge steckte viel Geld, und das wussten die Kaufleute und
Händler. Eben dieses Geld floss nach Pisa, Genua und Venedig, und zwar von
Anfang an. Denn diese Städte stellten die Schiffe für die Kreuzfahrer
bereit, und sie versorgten die eroberten Küstenstädte im Heiligen Land
mit dem Nötigen. Sie hatten sich dort sogar eigene Märkte gesichert.
Damit bestand in den italienischen Seestädten ein nicht zu unterschätzendes
wirtschaftliches Interesse am Zustandekommen der Kreuzzüge. Und dieses Interesse
während des vierten Kreuzzugs die Oberhand gewinnen. Die Ereignisse um diesen
Kreuzzug legten das offen, was die Kreuzzüge insgeheim schon immer waren:
ein lukratives Geschäft. Kaufleuten war es selbstverständlich
nicht möglich, selbst einen Kreuzzug ins Leben zu rufen. Dazu waren sie,
trotz ihres Geldes, nicht autorisiert. Dies oblag noch immer der Kirche. Als 1198
Papst Innozenz III. ins Amt gewählt wurde, hatte er bereits Pläne eines
Kreuzzugs, wofür er Frankreich gewinnen wollte. Aber die Begeisterung hielt
sich in Grenzen. Der auf April 1202 festgesetzte Aufbruchstermin kam nicht zustande.
Nachdem die Truppen dann doch zusammengestellt waren, tauchten erste Schwierigkeiten
auf. Ein Teil des Heeres wollte sich in Marseille verschiffen lassen. Dadurch
war das Heer, dessen Verschiffungshafen Venedig war, nicht mehr ganz so stark.
Es waren nur noch etwa 11.000 Mann, doch die Venezianer hatten mit etwas mehr
als der dreifachen Menge gerechnet. Obwohl die Zahl der Kreuzfahrer sich verringert
hatte, beharrten die Venezianer auf den ursprünglich veranschlagten Preis,
den das Heer aber aufgrund seiner nun geringeren Zahl nicht aufbringen konnte.
Der Preis pro Kopf war einfach zu hoch. Man blieb etwa 34.000 Silbermark
schuldig. Da machte Venedig den Vorschlag, die Schuld damit zu begleichen, indem
man auf dem Weg ins Heilige Land die Stadt Zara vom König von Ungarn zurückerobert,
die 1184 von Venedig abgefallen war. Die Kreuzfahrer gingen auf dieses Angebot
ein und eroberten im November die christliche Stadt - ein aus christlicher Anschauung
völlig unehrenhaftes Unterfangen. Das gesamte Heer wurde daraufhin vom Papst
exkommuniziert (aus der Kirche ausgeschlossen), und nur mit Mühe konnte dieser
Bann aufgehoben werden. Aber es kam noch besser. Während das Heer in
Zara überwinterte, kam der Kronprinz Alexios IV. mit einem Hilferuf. Er bat
die Kreuzfahrer darum, seinen Vater, den rechtmäßigen Herrscher Byzanz',
in Konstantinopel wieder auf den Thron zu bringen, denn er sei vom Bruder hinterhältig
ins Gefängnis geworfen worden. Für die Unterstützung versprach
der Kronprinz die Kirchenunion mit Rom, Geldzahlungen an die Venezianer und Kreuzfahrer
und die Unterstützung des Kreuzzugs durch 10.000 byzantinische Soldaten.
Man ließ sich auf dieses gewinnbringende Abenteuer ein. Im Juli 1203 wurde
Konstantinopel gestürmt. Nachdem man den gefangenen Kaiser wieder auf den
Thron brachte, stellte sich jedoch heraus, dass man die finanziellen Versprechungen
nicht einhalten konnte. Während des Aufenthalts der Kreuzfahrer in
Konstantinopel gab es eine Palastrevolution, bei welcher Alexios IV. getötet
und sein Vater erneut ins Gefängnis gesteckt wurde, wo er wenig später
ebenfalls starb. Niemand war mehr da, der die in Zara getroffenen Vereinbarungen
einlösen würde. Die Venezianer sahen sich nun zu jeder Handlung legitimiert
und überzeugten auch die Kreuzfahrer davon. Man argumentierte damit, dass
die Kirchenspaltung beendet und die Ostkirche wieder in den Schoß Roms zurückgebracht
werden müsse, so dass man doch noch einen Kreuzzug aus der ganzen Aktion
machte, einen Kreuzzug gegen Christen. Plünderung und Mord wüteten in
Konstantinopel. Die Stadt bot Schätze wie keine andere. Wer sollte da noch
an das Heilige Land denken? Im 13. Jahrhundert folgten die Kreuzzüge
schnell aufeinander. Nach dem irrsinnigen Zwischenspiel des Kinderkreuzzugs von
1212 setzte sich 1217 erneut ein Kreuzzugsheer in Bewegung. Eine neue Strategie
machte sich breit. Ziel war diesmal Damiette am Nildelta. Man hatte vor, die Macht
Ägyptens zu schwächen, wo der Bruder Salah ad-Dins noch lebte und herrschte,
um so leichter an Jerusalem heranzukommen. Ende Mai 1218 kam man vor Damiette
an und belagerte die Stadt. Al-Malik al-Kamil, Neffe Salah ad-Dins, hatte versucht,
einen Waffenstillstand auszuhandeln. Sein Angebot enthielt auch die Preisgabe
Jerusalems. Die Kreuzfahrer schlugen dieses großzügige Angebot allerdings
aus. Nachdem sie Damiette längst eingenommen hatten, brachen sie im Juli
1221 zur Fortsetzung der Eroberung des Landes auf, wurden dann aber von den Muslimen
geschlagen. Der neue, achtjährige Waffenstillstand sah nun die vollständige
Räumung Ägyptens gegen den freien Abzug der Franken vor. Die Kreuzfahrer
hatten nichts gewonnen. Trotz des Scheiterns der letzten Kreuzzüge
wurde die Kreuzzugsidee in Europa nicht aufgegeben. Schließlich stellte
sie ein Machtmittel des Papsttums dar. Das Verhältnis zwischen Papst Gregor
IX. und Kaiser Friedrich II. war nicht das beste. Daher trugen beide Parteien
ihre Auseinandersetzung mit dem Mittel des Kreuzzugs aus. Zunächst brach
Friedrich II. im August 1227 zum sechsten Kreuzzug (1228-1229) auf, doch der Kaiser
erkrankte und musste zurückkehren. Dies nahm sich Gregor IX. zum Anlass,
Friedrich II. zu exkommunizieren. Es war ein geschickter Schachzug von ihm, denn
dadurch gewann er die absolute Oberhand über den Kreuzzug. Ein exkommunizierter
Kaiser konnte schlecht den Kreuzzug anführen, damit wäre nämlich
jede religiöse Beziehung dahin. Friedrich II. konnte den Kreuzzug also nicht
mehr als politisches Mittel gebrauchen. Der Kaiser tat aber zur völligen
Überraschung des Papstes das Gegenteil dessen, was sich dieser erwartete:
Er brach im Juni 1228 erneut zum Kreuzzug auf. Friedrich II glaubte durch einen
Sieg im Heiligen Land bessere Karten im eigenen Land zu haben. Mit dieser Aktion
wurde erstmals das Recht des Papstes beschnitten, den Kreuzzug zu veranlassen.
Für Gregor IX. war der erfolglose Ausgang des Kreuzzugs daher von überaus
großer Wichtigkeit, wollte er die päpstliche Macht gegen die Kaisermacht
verteidigen. Friedrich II. landete im September 1228 in Akkon. Erneut hinderten
innenpolitische Konflikte einen geschlossenen Schlag der Muslime gegen die Eindringlinge.
Al-Kamil schloss aus mangelndem Rückhalt im Februar 1229 einen Waffenstillstand
mit Friedrich II., der knapp über 10 Jahre gehen sollte. Der Vertrag beinhaltete
leider auch die Übergabe Jerusalems an die Franken. Der Felsendom und die
al-Aqsa sollten unter islamischer Herrschaft bleiben. Jerusalem war zu diesem
Zeitpunkt nicht befestigt, und die Abmachung sah auch vor, dass die Stadt unter
den Franken nicht befestigt werden durfte. Djamal ad-Din ibn Wasil, dessen
Hauptwerk die Geschichte der Ajjubiden behandelt, schrieb: "Der König
der Franken lehnte es ab, in sein Land zurückzukehren, es sei denn, zu den
vertraglich bestimmten Bedingungen, daß ihm Jerusalem und ein Teil der Eroberungen
Saladins übergeben würden; al-Malik al-Kamil wollte dagegen nichts von
der Auslieferung aller dieser Gebiete hören. Schließlich einigten sie
sich auf die Rückgabe Jerusalems unter der Bedingung, daß es entfestigt
bleibe und seine Mauern nicht erneuert würden; von dem außerhalb der
Stadt liegenden Gebiet solle den Franken nichts gehören, alle Dörfer
der Umgebung sollten den Muslimen verbleiben, [...] ebenso solle der heilige Bezirk
in Jerusalem selbst mit Felsendom und der Al-Aqsa Moschee in der Hand der Muslime
verbleiben, die Franken sollten nur als Besucher Zutritt haben, wobei der Bezirk
von den dort eingesetzten Muslimen verwaltet und der muslimische Gottesdienst
wie bisher abgehalten werden solle." Dies lässt vermuten, dass
al-Kamil - der das islamische Herz der Stadt offenbar nicht preisgeben wollte
- die Abtretung Jerusalems nur als vorläufig betrachtete. Trotzdem erscheint
sein Vorgehen, auch was sein erstes Friedensangebot an die Franken während
des ägyptischen Kreuzzuges betrifft, als er ihnen schon damals die Übergabe
Jerusalems anbot, vom islamischen Standpunkt aus betrachtet als äußerst
fragwürdig. An dieser Stelle müssen wir uns eingestehen, dass vieles
von dem Leid, das den Muslimen damals widerfuhr, in erster Linie auf die Treulosigkeit
ihrer Herrscher und ihre kurzsichtigen Fehlentscheidungen zurückzuführen
war. Auch hier bewahrheitet sich wieder die Aussage unseres Propheten (s.): Zwei
Sorten von Menschen, wenn sie rechtschaffen sind, so sind die übrigen Menschen
ebenfalls rechtschaffen. Sind sie aber unrechtschaffen, so sind es die übrigen
Menschen auch: Die Regenten und die Gelehrten! Wie recht er damit auch in
unserer Zeit behalten sollte. Auf diese Weise fielen Jerusalem und einige
andere Orte wieder an die Franken. Auch in diesem Fall spielte die Uneinigkeit
der Muslime eine entscheidende Rolle. Das Abkommen löste auf islamischer
Seite großes Entsetzen aus, denn Jerusalem wurde den Kreuzfahrern kampflos
übergeben. Über den Ausgang dieses Kreuzzugs war man aber auch auf christlicher
Seite nicht glücklich. Friedrich II. ließ sich als König von Jerusalem
krönen, ein Exkommunizierter als Herr über die Heilige Stadt. Währenddessen
führte der Papst einen Kreuzzug gegen Friedrich II., indem er ein Heer gegen
Sizilien ziehen ließ. Am Beispiel dieses Kreuzzugs wird deutlich, wie sehr
Papst- und Kaisertum die Kreuzzugsidee für sich instrumentalisierten. Sobald
der Waffenstillstand abgelaufen war, bemühten sich die Muslime erneut um
Jerusalem, doch erst 1244 kam es wieder unter islamische Herrschaft. Der nächste
Kreuzzug (1248-1254) war damit vorprogrammiert, konnte aber ebenfalls nichts bemerkenswertes
ausrichten und nahm ein ähnliches Schicksal wie die Kreuzzüge davor.
Sein Organisator war Ludwig IX. von Frankreich, der es als seine christliche Pflicht
empfand, nicht nur die Heilige Stadt zu erobern, sondern gleich den ganzen Islam
zu zerstören, wofür er Jahre später heiliggesprochen wurde. Im
August 1248 ging es los. Bis 1254 herrschte der französische König über
die Befestigungen der Kreuzfahrer im Heiligen Land. Er war der letzte König
auf einem Kreuzzug und verließ das Land wieder 1254, ohne aber sein eigentliches
Ziel, die Einnahme Jerusalems, verwirklicht zu haben. Er unternahm im Jahre 1270
einen erneuten Kreuzzugsanlauf, einen letzten Rettungskreuzzug sozusagen. Aber
im selben Jahr starb er in Tunis. Dies war dann auch der letzte Kreuzzug gegen
die islamische Welt, jedenfalls der letzte, der offiziell als solcher ausgegeben
wurde. Noch immer befanden sich Franken im Land, die weiterhin über
Teile islamischen Bodens herrschten. Auch wenn Europa seine Angriffe eingestellt
hatte, blieb diese islamisch unhaltbare Tatsache bestehen. Nachdem keine fränkischen
Truppen mehr aus Europa nachrückten, konnten die Muslime ein Gebiet nach
dem anderen zurückerobern. Akkon beispielsweise wurde damals völlig
zerstört, damit es nie wieder als Basis für Kreuzfahrer dienen konnte.
Im August 1291, fast zwei Jahrhunderte nach der ersten Präsenz der Kreuzfahrer
auf islamischem Boden, gab es schließlich keinen einzigen Ort mehr, der
von Franken besetzt war. Zwar konnten sich die Muslime damals der Fremdherrschaft
der Franken in den islamischen Gebieten entledigen, aber ein Blick auf die Gegenwart
verrät, dass von einem "Happyend" der islamischen Geschichte dennoch
nicht die Rede sein kann - noch nicht jedenfalls. Literatur:
Gabrieli, Francesco: Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht. Augsburg 1999
Maalouf, Amin: Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht
der Araber. München 1996 Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der
Kreuzzüge. 9., verb. u. erw. Aufl. Stuttgart 2000 Pernoud, Régine:
Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten. 4. Aufl. München 1977
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