Mobile-Recruiting

Seit einigen Jahren ist immer mal wieder einer der ausgerufenen Trends im Recruiting & Employer-Branding das Mobile-Recruiting. Zu Beginn – und ich erinnere mich an gute Gespräche mit Prof. Dr. Wolfgang Jäger zu diesem Thema – ging es eher um den Zugriff von Bewerberinnen und Bewerbern auf die Karriere-relevanten Internet-Plattformen, also eine mobile Karriere-Internetseite. Seit damals hat sich eine Menge bewegt. Social-Media-Recruiting ist in aller Munde und auf der Wichtigkeitsskala der Unternehmensleitungen deutlich nach oben geklettert. Auch dieses Thema dürfte ebenso wie der Tablet-Trend, die Smartphone-Durchdringung der Generation Y und die Anforderungen daraus auf die Karriere-relevanten Plattformen in der Bedeutung deutlich zunehmen, wie auch mein Beitrag zur Kienbaum-HR-Trendstudie: Fachkräftemangel ist größte Herausforderung für Personalverantwortliche zeigt.

soziale Netzwerke

Der Bitkom hat in einer Studie bereits die Wichtigkeit der sozialen Netzwerke herausgestellt. In der Wichtigkeit der Nutzung der folgenden Plattformen beurteilten 34 % Facebook, 29 % xing.com und Linkedin sowie 24 % die mobile Karriere-Internetseiten in der Beliebtheit der Zielgruppe. Also ist es kein Trend mehr, sich mit den sozialen Netzwerken zu beschäftigen, sondern Wirklichkeit!

Das Centre of Human Resources Information Systems – kurz CHRIS – erstellt in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Online-Stellenmarkt Monster die jährliche Studie “Recruiting-Trends”. Zur Studie blogge ich eigentlich immer, so auch 2012: Studie Recruiting-Trends 2012 von Prof. Dr. Tim Weitzel. In dieser Studie wird der Fakt exponiert, dass heute bereits 10 % der Arbeitgeber ihre Karriere-Internetseite für mobile Endgeräte optimiert haben. Eine bemerkenswert hohe Zahl, wenn man die immer noch stiefmütterlichen Internetauftritte betrachtet. Eine Optimierung für mobile Endgeräte heißt nichts anderes als eine von der Ladezeit her aufgeräumte, mit der Technologie der Tablets und Smartphones darstellbare Form der interaktiven Funktionen nutzbare Webseite zu bauen. Man verzichtet auf ladeintensive Schmuckgrafiken, auf Flash und geht über zu reduzierten Grafiken und AJAX mit HTML5. Und das alles kompakt.

Apps

Immer wieder als Trend diskutiert, doch im wirklichen Alltag selten als wichtig erachtet ist die Karriere-App von Unternehmen. Diese  Karriere-Apps auf den Smartphones und Tablets, die Informationen anbieten sowie Suche nach Stellenangeboten und Bewerbungsmöglichkeiten bequem ermöglichen, haben aus meiner Sicht noch keine nennenswerte Verbreitung erfahren. Anders bei den Online-Stellenmärkten, die allesamt irgendwas für iOS und Android anbieten. Jobstairs.de hat zum Beispiel eine sehr gelungene App, auf der man Stellenanzeigen durchstöbern, ein Profil mit Präferenzen speichern und Firmenprofile anschauen kann. Für Großunternehmen, Beratungen und Konzerne wird es unverzichtbar sein, eine eigene App ins Angebot zu nehmen. Für den Mittelstand und das Gros der Person-rekrutierenden Unternehmen vermutlich verzichtbar.

Bewerbungsmöglichkeit via Social-Media-Profil

Für mich wird der absolute Trend in den nächsten 2-4 Jahren die Bewerbung bei einem Arbeitgeber mittels Social-Media-Profil sein. Also zum Beispiel die Bewerbungsmöglichkeit bei Ernst & Young mit dem fertigen xing.com-Profil – ohne die Eingabe der Daten im Formular des Bewerbungssystems. Eine bequeme Form der Bewerbung per Knopfdruck mit den Karriere-relevanten Informationen mit dem stets aktuellen Profil des präferierten sozialen Netzwerks. Heute schon gibt es diese Möglichkeit zum Beispiel mit dem Linkedin-Profil und dem Bewerbungsmanagementsystem Taleo von Oracle, hatte hierzu schon gebloggt: “Linkedin und Taleo stellen gemeinsame Recruiting-Schnittstelle vor“. Wenn xing.com dies noch auf weitere Anbieter als derzeit nur SAP ausbaut, wird an diesem Trend kein Weg vorbeigehen.

Während meiner Beratungsphase bei der F. A. Z. haben wir an diesem Thema gearbeitet und sogar mit HR-XML, SEP 2.0 einen Standard gefunden, der für Lebensläufe mittlerweile in vielen populären Systemen Einzug gehalten hat. Selbst die Bewerbung via XML-Daten war mit dem F.A.Z.-Online-Stellenmarkt damals schon möglich. Vielleicht einfach 10 Jahre vor der Zeit …

Fazit

Mobile-Recruiting ist also ein weit gefasster Begriff. Von den passiven Sourcing-Kanälen, wie z. B. Stellenanzeigen oder Karriereinternetseiten, bis hin zu den unterstützenden, wie das Bewerbungsmanagementsystem, ist die technische Fähigkeit, alle Funktionen und Möglichkeiten auch auf Smartphones und Tablets zu nutzen, unerlässliche Voraussetzung. Apps sind heute noch “nice to have”, bekommen aber gerade bei der Talentbindung einen höheren Stellenwert, also weniger bei de aktiven Rekrutierung.

Diesem Trend “bewerben mit Social-Media-Profil” wird sich meiner Auffassung nach keiner der großen und mittelgroßen Arbeitgeber, Beratungen und Konzerne entziehen können! Darauf möchte ich auch mehr Augenmerk in diesem Jahr legen. Das wird spannend!

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif