April 3, 2013 Alles!, Politik 2 Kommentare

Aus aktuellem Anlass mal wieder einen politischen Beitrag hier im Blog. Es geht um Wirbelschleppel. In der letzten Kreistagssitzung hatte ich zu einem Antrag rund um die Thematik am Frankfurter Flughafen und die neue Nordwestlandebahn gesprochen und auch die Wirbelschleppen nicht ausgespart. Ich bleibe bei meinem politischen Fazit: “Die Nordwestlandebahn hätte nie gebaut werden dürfen!” Meine Frage im Kreistag des Main-Taunus-Kreises “muss erst was passieren?” ist sehr ernst gemeint. Wenn immer das Phänomen Wirbelschleppe auftaucht, wird im Gleichklang geantwortet, dass man sich seitens des Flughafenbetreibers sofort um den entstandenen Sachschaden und dessen Regulierung bemühe. Bei den letzten Wirbelschleppen in der Stadt wurde offensichtlich schnell und unbürokratisch reagiert.

Doch was ist, wenn aus einem regulierbaren Sachschaden mal ein bleibender Personenschaden wird?

Infrastrukturprojekt eine Nummer zu groß

Das Infrastrukturprojekt “Nordwestlandebahn” am Frankfurter Flughafen ist deutlich eine Nummer zu groß für den Ballungsraum Rhein-Main. Ich habe diese Aussage schon mehrfach politisch für meine CDU-Fraktion getroffen [1] [2] [3]. Damit meine ich nicht die Unvereinbarkeit von Flughafen und Region an sich, sondern dass der Ballungsraum an seine natürlichen Grenzen gekommen ist. In einem dicht besiedelten Gebiet, wie das Rhein-Main-Gebiet, dürfen reguläre Überflughöhen von 240-350 m. über Wohngebiet nicht zulässig sein. Das ist vom Lärmpegel, der Lärmbelastung und den Auswirkungen auf die Bürger und die Kommunen unvereinbar. Und eben eine dieser Auswirkungen ist die Wirbelschleppe.

Ich wohne schon mein Leben lang mit dem Flughafen. Betrachte das also aus einem gewissen jahrzehntelangen Miteinander. Von Wirbelschleppen in der Stadt Raunheim, die beim Anflug auf die südliche Parallelbahn überflogen wird, hat man in der Vergangenheit schon hin und wieder gehört. Man kann sich darunter wenig vorstellen.

Was sind Wirbelschleppen?

Physikalisch betrachtet nichts Außergewöhnliches. Wirbelschleppen sind eine Begleiterscheinung des Auftriebs und entstehen durch Luftverwirbelungen hinter sich bewegenden Fahrzeugen. Gerade bei Flugzeugen sind Wirbelschleppen bekannt, weil die Auswirkungen der Luftverwirbelung qua Geschwindigkeit und Luftreibung dort am höchsten sind. Diese Verwirbelungen entstehen an den hinteren Tragflächenkanten. Diese  Randwirbel, die durch das Zusammenwirken der Luftverwirbelung am Flügel eines Flugzeugs, durch die Geschwindigkeit, aber auch durch die Turbinenabgasstrahl selbst entstehen, werden durch Atmosphäre und Windintensität beeinflusst, ergo können sie unter bestimmten atmosphärischen Gegebenheiten in der Stärke fallweise zunehmen. Bei landenden Flugzeugen reichen die Wirbelschleppen bis zum Boden, wodurch die Wirkung mit Schäden, z. B. am Dach, eintreten können. Die Kraft der Luftverwirbelungen ist enorm und hängt von der Größe und dem Gewicht des Flugzeugs ab.

Hier kann man sich eine Wirbelschleppe mal anschauen und anhören:

Ab Sekunde 38 ff. wird klar, was diese Luftwirbel für eine Energie haben.

Sind Wirbelschleppen zu vermeiden?

Physikalisch betrachtet nein. Aber sie sind in der Wirkung reduzierbar, somit kann man der Wirbelschleppe die fatale Wirkung nehmen. Eine technische Neuerung für den Flügel der Flugzeuge – das sogenannte Winglet – soll die Wirbelschleppen vermeiden oder zumindest deren Intensität reduzieren. Winglets sind grob gesprochen am Flügelende nach oben gebogene Enden, die wie eine Scheibe senkrecht abgehen. Sie verringern den Widerstand und reduzieren somit die Wirkung der Wirbelschleppe.

Wirbelschleppen sind Sicherheitsrisiko im Flugverkehr

Die Wirbelschleppen sind zum Beispiel auch einer der Gründe, weshalb die Flugzeuge beim Lande- und Startvorgang einen gewissen Mindestabstand einhalten müssen. Ohne diesen Abstand käme man in die Gefahr, dass ein Flugzeug in die Wirbelschleppe des vor ihm landenden (oder fliegenden) Flugzeugs geriete. Das Ergebnis wäre ein Verlust des Auftriebs und folglich der Absturz des Flugzeugs.

Doch mir geht es in diesem Artikel nicht um die Wirbelschleppe im direkten Flugverkehr, sondern um die Auswirkungen am Boden. Abgehobene Dachziegel durch Wirbelschleppen sind, wie oben schon erwähnt, oft der Fall, wenn in niedrigen Höhen über Häuser geflogen wird. Durch die Luftverwirbelung werden die Dachziegel angehoben und fallen aus dem Dachlattenkonstrukt und nicht selten auf die Straße oder in den Garten. Das Ergebnis sieht dann wie hier zum Beispiel aus: fehlende Dachziegel.

Wirbelschleppe im Flörsheimer Baugebiet Nord. Hatte den Schaden im November 2011 fotografiert kurz nachdem dieser geschehen ist.

Wirbelschleppe im Flörsheimer Baugebiet Nord. Hatte den Schaden am 1. November 2011 fotografiert kurz nachdem diese Beschädigung geschehen ist.

Dachziegel werden in der Regel nur auf die Dachlattenkonstruktion aufgelegt. Eine Vernagelung oder Klammerung der Dachziegel ist nicht vorgeschrieben und normalerweise auch aus Sicherheitsgründen nicht notwendig. Auch einen Schneefang am Ende des Schrägdachs haben nicht alle Häuser. Dieser Schneefang böte ja einen zusätzlichen Schutz für Fußgänger und Personen im Garten gegen herabfallende Dachziegel. Und da kommt nun die Situation. Was ist, wenn eine dieser losen Dachziegel nach einer Wirbelschleppe  herab fällt und eine Person verletzt? Das ist keine Frage von “Schadenregulierung” oder Kompensation, sondern von Gesundheit und Leben!

Gefühlt sehr starke Häufung von Wirbelschleppen

Über Ostern waren es zwei dokumentierte Fälle, der erste – nach meiner Erinnerung – war am 01.11.2011, also kurz nach Eröffnung der Nordwestlandebahn. In Summe verzeichnen wir in Flörsheim alleine seit Februar 2013 an fünf Hausdächern Schäden, die infolge von Wirbelschleppen festgestellt wurden.

Zuständig für die Sicherheit im Luftverkehr und somit für die Wirbelschleppen und daraus resultierende Schäden ist das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung. Die Flörsheimer Kommunalpolitik beschäftigt sich mit diesem Thema. Wir ergründen gerade, was sinnvolle Maßnahmen sind, eine Reduzierung dieses Sicherheitsrisikos zu erreichen. Das Thema ist allerdings komplex, was man an den vielen zuständigen Behörden anschaulich sehen kann.

Was tun bei einem Schaden durch Wirbelschleppen?

Rufen Sie umgehend die Polizei an. Die Polizeistation Flörsheim erreichen Sie telefonisch unter 5476-40. Machen Sie bei gutem Licht Bilder von dem Schaden. Notieren Sie Datum, die genaue Zeit bzw. den Zeitraum, in dem der Schaden entstanden ist. Hier geht es für Fraport und Polizei darum, so präzise wie möglich den Zeitpunkt und die Wirbelschleppe einem Flugzeug zuzuordnen. Natürlich sollte die Fraport den Schaden gemeldet bekommen, hierzu gibt es eine kostenfreie Rufnummer: 0800 2345679.

Wünsche allen, dass sie nicht in die Not kommen, sich mit einem durch Wirbelschleppen entstandenen Schaden auseinander setzen zu müssen.

Beste Grüße

Marcus Reif

Update 08.04.2013

Hatte für die CDU Flörsheim am Main eine Erklärung verfasst und noch ein wenig Details zu den Wirbelschleppen zusammengeschrieben. Offensichtlich sind mehrere Flugzeugtypen ursächlich für Wirbelschleppen qua Größe, Gewicht und fehlender technischer Neuerungen, wie z. B. Winglets.

Beitrag: Landeverbot für Flugzeugtypen, die Wirbelschleppenschäden anrichten

So lange diese Gefährdung besteht, muss aus zwingendem Grund und um weiteren Schaden abzuwenden, die Landegenehmigung dieser Flugzeugtypen auf der Nordwestlandebahn aufgehoben werden.

wirbelschleppen_flugzeugtypschuld

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif