Was waren das noch für Zeiten, als noch in engen Kreisen über die jeweilige Botschaft nach außen gegeben wurde. Als noch ein Unternehmenssprecher oder direkt der Geschäftsführer selbst bestimmten, was man außerhalb der eigenen Gesellschaft über das Unternehmen zu wissen glaubte. Das Web 2.0 oder die Entwicklung der sozialen Netzwerke ändert das grundlegend. Heute ist jeder Mitarbeiter Visitenkarte und Botschafter seines Arbeitgebers. Ob abends bei einem Getränk in einer Kneipe, im Gespräch am Flughafen, in der Bahn oder bei Veranstaltungen. Alles, was gesagt wird, füllt beim Gegenüber das Bild des jeweiligen Unternehmens. Und ebenso passiert es in sozialen Netzwerken. Das private Profil auf xing.com ist automatisch mit dem aktuellen Arbeitgeber verbunden. Natürlich spielen auch die ehemaligen Arbeitgeber eine Rolle. Der aktuelle ist allerdings direkt mit den Namen der Person verbunden. Die Mitgliedschaft in Gruppen kann also auch schon eine Auswirkung auf die Attraktivität einen Arbeitgebers geben.

Ist man zum Beispiel Mitglied in der hypothetischen Gruppe “Mobbingopfer – hier einfache schnelle Hilfe”, wirft das kein gutes Bild auf das Klima des Unternehmens, bei dem man gerade beschäftigt ist. Natürlich gibt es immer eine Vielzahl an guten Erklärungen für solch eine Mitgliedschaft, zum Beispiel, weil man selbst helfen möchte und Menschen mit eigenem Rat und Tat zur Seite stehen will. Das ist erklärungsbedürftig und wird nicht innerhalb des sozialen Netzwerks auf den ersten Blick transportiert.

Ein anderes Beispiel: man ist Mitglied in einer wiederum hypothetischen Gruppe “ich werbe Mitarbeiter für meinen Arbeitgeber”. Das Bild, welches transportiert wird, zeigt eine Person, die mit ihrem guten Namen für ihren aktuellen Arbeitgeber als Botschafter und Visitenkarte fungiert. Ein profanes Beispiel und auf der Sachebene betrachtet nichts weiter als ein privates Konto in einem sozialen Netzwerk mit einer Mitgliedschaft in einer Gruppe. Die Wirkungen nach außen sind natürlich andere.

Um zum Eingangsbeispiel zurückzukommen: heutzutage vermittelt jeder Mitarbeiter, der in einem sozialen Netzwerk aktiv ist, ein gewisses Bild von seinem Arbeitgeber. Wie oft erlebe ich auf Facebook Kommentare meiner “Netzwerkfreunde” im Stile von “mein Chef ist heute echt schlecht gelaunt” oder “hoffentlich ist bald Wochenende” usw. Alles in allem eine Visitenkarte für die Person selbst. Welcher Personaler würde solch ein Statement in einem Vorstellungsgespräch nicht mit Genuss aufgreifen und daraus eine Frage formulieren. Man selbst möchte ja motivierte Personen als Mitarbeiter gewinnen. Auf der anderen Seite wirken solche Aussagen auch gegen den aktuellen Arbeitgeber, der mitunter eine schlechte Firmenkultur oder ein schlechtes Klima aufzeigt.

Was die Beispiele Jack Wolfskin, Nestlé und viele andere zeigen – man kann die öffentliche Wirkung sozialer Netzwerke unterschätzen – man darf es aber nicht! Der Imageschaden ist exorbitant. Gute Beispiele sind vielerorts zu sehen und zu lesen. Ob Bertelsmann, Siemens oder Daimler. Alle genannten Unternehmen – und sicherlich gibt es eine Menge mehr – begreifen soziale Netzwerke als Medium zu Dialog. Man sendet Botschaften zur Marke, zu Produkten zu sich selbst als Arbeitgeber und arbeitet mit der Resonanz darauf. Damit alles viel authentischer wird, bindet man Kolleginnen und Kollegen mit ein. Und wer wünscht sich nicht eine wirksame PR- und Marketing-Abteilung mit Tausenden Botschaftern ;-)

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif