2,24 Mio. Stellenanzeigen im Jahr 2013?

Puh, alleine die Überschrift empfinde ich als skurril. Worum geht’s? Das Portal Anzeigendaten.de, betrieben von index Internet und Mediaforschung GmbH, hat eine Pressemeldung herausgegeben unter dem Titel: Unternehmen investierten 2013 über 740 Millionen Euro in Stellenanzeigen – Bedeutung für die Personalgewinnung ungebrochen. Stellt sich mir die Frage, sind diese Zahlen verlässlich und plausibel? Ein Versuch der Aufarbeitung. Schauen wir uns erst einmal die Pressemeldung an. 

Unternehmen investierten 2013 über 740 Millionen Euro in Stellenanzeigen. Bedeutung für die Personalgewinnung ungebrochen 

Trotz häufig zitierter Trendthemen wie Mobile oder Social Recruiting bleibt die Schaltung von Stellenanzeigen weiterhin die mit großem Abstand wichtigste Maßnahme in der Ansprache neuer Bewerber. Nach einer aktuellen Auswertung der Stellenmarktspezialisten von AnzeigenDaten.de lag das Gesamtbudget, das deutsche Unternehmen für die Stellenanzeigenschaltung investieren, im vergangenen Jahr bei über 740 Millionen Euro. Dafür wurden mehr als 2,2 Millionen Job-Anzeigen platziert. Auch der aktuelle index Personalmarketing-Report, eine Umfrage unter rund 2.200 europäischen Personalmarketing-Verantwortlichen, sieht die Stellenanzeigenschaltung als wichtigste Personalmarketing-Maßnahme: Für 50 Prozent der Umfrageteilnehmer gehört die Schaltung in Online-Jobportalen zu den Top-Aktivitäten.

Während die klassische Stellenanzeige weiterhin intensiv für die Mitarbeitergewinnung genutzt wird, ist dagegen die Integration von sozialen Medien in Stellenanzeigen rückläufig. Nach einer Untersuchung der Personalberatung personal total AG verwiesen im zweiten Halbjahr 2013 nur 3,4 Prozent der Jobausschreibungen auf eine Facebook-Seite – in 2012 waren es noch 7,3 Prozent.

“Zwar werden soziale Netzwerke und auch Mobile Recruiting immer wieder als Wunderwaffen in der Mitarbeitergewinnung beschworen, in der Realität konnten mit den bislang vorhandenen Konzepten jedoch kaum Bewerber gewonnen werden. Die Stellenanzeigenschaltung ist und bleibt damit ein entscheidender Baustein für erfolgreiches Recruiting”, erläutert Jürgen Grenz, Geschäftsführer von AnzeigenDaten.de.”

Über AnzeigenDaten

AnzeigenDaten ist das Akquise-Instrument für Personaldienstleister, Jobbörsen und Verlage. Täglich erfasst AnzeigenDaten dafür tausende Anzeigen, ergänzt die Daten um zusätzliche wichtige Informationen und stellt diese dann seinen Kunden online in einer Internet-basierten Anwendung zur Verfügung. Ausgewertet werden rund 300 Print-Titel sowie mehr als 100.000 Online-Quellen für den Stellen-, Gesundheits-, Immobilien-, Reise- und Bildungsmarkt in elf europäischen Ländern. AnzeigenDaten ist ein Service der index Internet und Mediaforschung GmbH.

Quelle: Newsroom Presseportal unter presseportal.de/…/unternehmen-investierten-2013-ueber-740-millionen-euro...

Was wissen wir?

Anzeigendaten.de geht von den Listenpreisen aus. Online zahlen die wenigsten Unternehmen einen Listenpreis, weil die Rabattierung doch recht hoch ist. In den Print-Titeln wird der Rabatt vermutlich bei rund 10 % liegen. Aber selbst wenn ich ohne Splittung auf Print- und Online-Medien einen Preis pro Schaltung errechne, dann wären dies knapp 335 Euro. Der Median bei Print-Schaltungen wird vermutlich bei rund 7.500 Euro liegen. Setzen wir die Hypothese, dass Print rund 30 % des Umsatzes generiert. Hintergrund: die F.A.Z. als primus inter paares müsste mit alleine den 330 Seiten Stellenanzeigen im Print-Stellenmarkt rund 12-14 Mio. Euro Umsatz generiert haben und somit alleine schon 1,9 % des Umsatzvolumens auf sich vereinigen. StepStone müsste aktuell bei ca. 45 Mio. Euro Umsatz liegen, Monster einige Mio. Euro dahinter. 

2,24 Mio. Stellenanzeigen im Jahr 2013?

Das kommt einem doch massiv hoch vor. Stepstone zum Beispiel hat aktuell über 54.000 Stellenanzeigen online. In der Regel steht wohl der größte Teil rund 4 Wochen online. Also rechnen wir mal 60 % von den 54.000 Anzeigen steht 4 Wochen, 30 % ein halbes Jahr und der Rest das ganze Jahr, also rund eine halbe Mio. Stellenanzeigen im Jahr. Monster dürfte auch in etwa diese Größenordnung erreichen. Nehmen wir mal alle Online-Stellenanzeigen zusammen – das sind lt. Anzeigendaten.de rund 33 Online-Jobbörsen sowie die 161 Printmedien -, landen wir vermutlich bei rund 1,8 Mio. Stellenanzeigen im Internet. Bleiben rund 400.000 Print-Anzeigen.  

Die Online-Anzeige rechne ich der Einfachheit halber mit 50 Euro, was im Mittel vermutlich zutreffend sein wird, so lande ich bei 90.000.000 Euro. 90 Mio. Euro? Vom Gefühl her beurteile ich das als passend und nachvollziehbar. Dann rechnen wir noch mal die 400.000 Print-Anzeigen, ein kleiner Teil, nämlich die überregionalen Anzeigen (bspw. 330 Seiten F.A.Z. = ca. 14 Mio. Euro) mit 40-70 Mio. Euro, die regionalen Print-Titel und Fachmagazine kommen vielleicht auf 150 Mio. Euro. Das sind in Summe 270-300 Mio. Euro. Klingt ebenfalls nachvollziehbar, weil Anzeigendaten.de ja mit Listenpreisen operiert und nicht mit den tatsächlichen Kosten. 

Fazit: Umsatz im Stellenmarkt in Deutschland dürfte bei 270-300 Mio. Euro liegen. Ist also knapp die Hälfte der mit Listenpreises kalkulierten Angaben von Anzeigendaten.de. Da Rabatte bei Online-Stellenanzeigen recht hoch sind, erscheint diese Zahl recht plausibel. 

Zu den Kosten kommen übrigens noch die Media- und Agenturkosten hinzu. Doch das beleuchte ich mal in einem anderen Beitrag ;). Hier noch der Link zum Newsletter “Stellenmarkt” von Anzeigendaten.de. 

Newsletter Anzeigendaten.de

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Beste Grüße

Marcus Reif

 

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif