Es ist Ranking-Zeit!

Letzte Woche traf ich wieder einige aus der Employer-Branding-Familie bei den Universum-Awards im Fellbacher Goldwerk. Gut, wer mal in Stuttgart war, weiß, auf Fellbach trifft die Aussage “Peripherie” zu. War dennoch eine schöne Location und – wie immer – sehr gute Gespräche.

Die aktuellen Ausgaben der Wirtschaftswoche und des Manager-Magazins teilen die 2014er Ergebnisse des Trendence-Insituts mit ihrer Studie “Deutschlands beliebteste Arbeitgeber” sowie von Universum Communications mit “Germany’s Ideal Employers” kund. Und wie jedes Jahr stellt sich die Branche gegenseitig die Frage: “wo ist denn der Unterschied zwischen Trendence und Universum?”. 

Das ist eine exzellente Frage, die ich mal versucht hatte, zu beantworten: über Trendence- und Universum-Rankings. Also die kurze Antwort auf die Frage ist, dass der Unterschied in der Statistik liegt. 

Bei diesem Thema juckt es natürlich in den Fingern, sich alle Details genau anzuschauen. Gemeinsam mit einigen Studenten, einer Studenberatung und einem Statistik-Professor hatte ich diese Übung mal vorgenommen auf Basis der 2011er Ergebnisse. Das Fazit ist leider nicht so klar und eindeutig, wie man sich das vielleicht erhofft. Die Aussage “erklär doch mal in einem Satz …” funktioniert hier nicht. Meine Erkenntnisse sind, dass die Unterschiede der beiden Rankings statistischer Natur  sind. Sowohl bei Trendence als auch bei Universum präferieren Studierende einzelne Branchen, z. B. die „Wirtschaftsprüfung“, deutlich stärker als einzelne Employer Brands. Der Zusammenhang des Verlaufs der Rankingergebnisse der Trendence-Studie zur Branchenentwicklung lässt vermuten, dass Trendence die Grundgesamtheit dieser Branche besser abbildet. Die Methodiken beider Studien gleichen sich in der grundsätzlichen Vorgehensweise der Befragung und Auswertung, jedoch sind deutliche Unterschiede bezüglich der Anzahl der auswählbaren Unternehmen sowie der Gewichtung einzelner Hochschulen zu erkennen. Die Befragung von examensnahen Studierenden bei Trendence bewirkt eine bessere Abbildung der Wahrnehmung von Arbeitgebermarken, da durch Schwerpunktwahlen und erlebtes Hochschulmarketing Branchenaffinitäten besser abgebildet werden. Gleiche Hochschulen werden in beiden Studien stellenweise stark unterschiedlich gewichtet. Universum berücksichtigt tendenziell größere Hochschulen.

Erkenntnisse

  • die Methodik beider Studien ist unterschiedlich
  • die Entwicklung der Platzierungen sind nicht gleichläufig. Es gibt Unterschiede
  • Grundgesamtheit und die Güte der Stichproben unterscheiden sich
  • die Stichproben werden anhand von unterschiedlichen Hochschulen und Samples gebildet
  • unterschiedliche Gewichtung der Hochschulen führt zu unterschiedlichen Bewertungen
  • Trendence befasst sich mehr mit der Zielgruppe, die examensnäher ist im Vrgl. zu Universum. Ergo könnte man in den Antworten mehr “Orientierung” der Zielgruppe vermuten

Schauen wir mal auf die Eckdaten beider Studien:

 Wert  Trendence  Universum
 Befragte Absolventen Deutschland  ca. 26.000 ca. 30.000
 Studienabschnitt examensnahe Studenten Studenten aller Semester
 Methodik Anonymisierter passwortgeschützter Online-Fragebogen
 Feldphase September  bis Januar Oktober bis Februar

Alles in allem also eine vergleichbare Vorgehensweise. 

Rankings 2014

Die diesjährigen Rankings habe ich bis zu den Rängen 50 in der folgenden Tabelle aufbereitet. Die Differenz in der Spalte zwischen Trendence- und Universum-Ergebnissen habe ich eingefügt und zeige dort die Unterschiede von der Trendence-Platzierung zur Universum-Platzierung. Der schräge Pfeil nach oben oder unten zeigt eine Differenz von Trendence zu Universum zwischen 1-10 Plätzen, alles über 10 Plätzen Differenz ist mit einem Pfeil nach oben oder unten dargestellt. Konstanzen sind mit Pfeil nach rechts dargestellt. Sofern bei Universum kein Rang innerhalb der ersten 50 Plätze zu verzeichnen sind, ist ein Pfeil nach oben dargestellt. 

So, steigen wir ein. Hier das Ranking für Deutschland, Absolventen, Wirtschaftswissenschaften: 

lfd. Nr Arbeitgeber Trendence Differenz Universum
1 BMW Group 1 1 Platz ↘ 2
2 Audi 2 1 Platz ↗ 1
3 Volkswagen 3 1 Platz ↘ 4
4 Deutsche Lufthansa 4 3 Plätze ↘ 7
5 Porsche 5 2 Plätze ↗ 3
6 Daimler/Mercedes-Benz 6 konstant → 6
7 Google 7 2 Plätze ↗ 5
8 Robert Bosch 8 14 Plätze ↓ 22
9 adidas 9 konstant → 9
10 Siemens 10 konstant → 10
11 PwC 11 4 Plätze ↘ 15
12 Ernst & Young 12 9 Plätze ↘ 21
13 Auswärtiges Amt 13 2 Plätze ↗ 11
14 BASF 14 9 Plätze ↘ 23
15 KPMG 15 10 Plätze ↓ 25
16 Deutsche Bank 16 konstant → 16
17 Apple 17  
18 McKinsey & Company 18 10 Plätze ↑ 8
19 Unilever 19 5 Plätze ↗ 14
20 BCG 20 1 Platz ↗ 19
21 Red Bull 21  
22 SAP 22 6 Plätze ↘ 28
23 Beiersdorf 23 11 Plätze ↓ 34
24 ProSiebenSat.1 Media 24 12 Plätze ↑ 12
25 Deutsche Bahn 25 9 Plätze ↗ 16
26 Procter & Gamble 26 2 Plätze ↗ 24
27 Coca Cola 27  
28 L’Oréal 28 11 Plätze ↑ 17
29 Bayer 29 10 Plätze ↓ 39
30 EADS 30 10 Plätze ↓ 40
31 Europäische Zentralbank 31 13 Plätze ↑ 18
32 Nike 31  
33 Amazon 33 6 Plätze ↗ 27
34 Deloitte 33 20 Plätze ↓ 53
35 dm-drogerie markt 35  
36 Europäische Kommission 35  
37 Ferrero 35 3 Plätze ↗ 32
38 GIZ 35  
39 Goldman Sachs 35 1 Platz ↘ 36
40 Nestlé 35 5 Plätze ↗ 30
41 ZF Friedrichshafen 35  
42 Hugo Boss 42  
43 Allianz 43  
44 Bertelsmann 43 7 Plätze ↘ 50
45 Continental 43  
46 Deutsche Bundesbank 43 12 Plätze ↑ 31
47 Dr. Oetker 43  
48 Fraport 43 6 Plätze ↗ 37
49 IKEA 43 14 Plätze ↑ 29
50 TUI 43 10 Plätze ↑ 33

Gespür für Marken

Das deutsche Ranking – egal von welchem Anbieter – zeigt eine eindeutige Präferenz hin zur Automobilindustrie. Das ist wenig verwunderlich und zeigt sich konstant über die letzten Jahre. Die Wertigkeit, die tollen Produkte, die starken Marken der Automobilhersteller ziehen immer. Gerade im Vergleich zu den USA sehr herausstechend, denn dort zählen mit Google und EY eher Professional-Services-Unternehmen mit starkem Fokus auf die Nachhaltigkeit des individuellen Karrierewegs höher als hierzulande. 

Gut zu beobachten ist das bei den Wirtschaftswissenschaftlern, die ihre Top-attraktiven Arbeitgeber in BMW, Audi, Volkswagen, Lufthansa, Porsche, Daimler und Google sehen. 

Dass Mobilität und eher Standorttreue vorherrschen, wird in der Branche ja schon seit Jahren kolportiert. Nun sieht man in den Studien auch statistische Erkenntnisse. Die tatsächliche berufliche Mobilität der Absolventen ist überraschend gering. Die Auswertung der Trendence-Mobilitätsanalyse ergibt, dass die meisten Berufseinsteiger am liebsten in der Nähe des Studienorts arbeiten wollen.

Das erwartete Jahresgehalt geben die Wirtschaftswissenschaftler mit 44.000 Euro an. Hier ist, um plötzliche Schnappatmung bei HRlern zu vermeiden, der Wert “Total Cash Income” gemeint, also nicht das Fix-Gehalt. Die Absolventen wünschen sich außerdem attraktive Aufgaben, Chancen zur persönlichen Entwicklung, Wertschätzung und gute Führung. 

Beste Grüße

Marcus Reif

Verweise

Hinweis auf den Blogger-Kollegen Stefan Scheller, der auch einen wunderbaren Beitrag zur Universum-Gala bloggte: Die Universum Employer Branding Conference und Awardverleihung 2014 in Stuttgart

Und natürlich Bernd Schmitz, der bereits während der Gala in Fellbach bloggte: Ranking von Arbeitgebern

Grafik von Universum

Germany-Top-100-Ideal-Employers-2014-Infographic

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif