Strategieberatung, Prozessberatung, M&A- und Transaktions-Beratung, HR- und Personalberatung

Ohne Berater ließen sich die meisten Innovationen, Organisation- und Strukturprojekte, Transaktionen und Transformationen oder IT-Projekte nicht schultern. Auch in strategischen Fragen wären hiesige Konzerne, Unternehmen und der Mittelstand vermutlich ohne die Hilfe von McKinsey, BCG und anderen hilflos. Natürlich ist nicht nur die Sichtweise auf den Markt einen Blog-Beitrag wert, sondern auch, wie die Beratungen überhaupt Mitarbeiter gewinnen, qualifizieren und weiterentwickeln. Die Welt der Professional-Services ist seit 1997 meine berufliche. Und ich fühle mich sehr wohl dort. Ein bisschen Leidenschaft hat selten geschadet.

So blicke ich dieses mal auf den Markt der Beratungen  in Deutschland, der zuletzt kräftig in Bewegung geraten ist. Ich spreche auf die Fusionen und Transaktionen innerhalb der Branche an, viele namhafte Beratungen wechselten den Eigentümer. Der Gesamtumsatz der Branche legte im Jahr 2012 um 8 % auf 22,3 Milliarden Euro zu. Das ist ein Plus von 1,7 Mrd. Euro im Vergleich zum Jahr 2011 (20,6 Mrd. Euro). Für die kommenden Jahre bleiben die Unternehmensberater weiter optimistisch und rechnen mit einem Umsatzplus von knapp sieben Prozent. Viele Beratungsgesellschaften in allen Größenklassen sind der Meinung, dass Wirtschaftsprüfungen ihr Beratungsgeschäft weiter durch gezielte Fusionen ausweiten. Nicht wenige Beratungen wollen ebenfalls wachsen oder sehen ihre Chance daran, eine relevante Größe zu erreichen, und streben Partnerschaften untereinander oder auch Zusammenschlüsse an. 

Wertschöpfungskette der Unternehmensberatungen 

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An dieser, zugegebenermaßen sehr rudimentären Darstellung erkennt man, dass es “die” Unternehmensberatung nicht gibt. In einem Markt, der 22,3 Mrd. Euro Jahresumsatz generiert, ist viel Raum für Spezialisten. Ob dies Change-Management, Entgelt-Beratung, Supply-Chain, reine Strategie- oder fokussierte Preis-Strategie-Themen umfasst, man findet ausreichend gute und weniger gute Unternehmensberatungen auf dem hiesigen Markt. 

Schauen wir uns mal die Typen von Unternehmensberatungen an:

Typen von Unternehmensberatungen

Strategie

Dieser Typ kommt zuerst, da die Strategen typischerweise synonym zu den Beratungen stehen. Strategieberatung sehen viele als die einzig wahre Form der Beratung an. Das stimmt so nicht, zeigt aber den Stolz einer etwas elitären Kaste. 

Als Spezialgebiet der klassischen Unternehmensberatung beinhaltet die Strategieberatung die Unterstützung eines Unternehmens oder einer Organisation bei der Behandlung strategischer Fragestellungen. Diese betreffen die Überprüfung, Weiterentwicklung oder Neuentwicklung von Zielrichtungen, Konzepten und Maßnahmen einschließlich der Gestaltung gesamthafter Geschäftsmodelle.

Marktteilnehmer: McKinsey, Boston Consulting, Roland Berger sowie spezialisierte Beratungen und WP-Gesellschaften, wie EY, PwC, KPMG, Oliver Wyman, Booz & Company, Bain und andere

Wer wird gebraucht?

Ausnahmslos Akademiker mit den besten Abschlüssen, allesamt zu den Top 2 % des Absolventenjahrgangs gehörend. Studiengänge sind vielfältig.

Prozess

Die Organisations- und Prozessberatung macht vom Umsatz her, aber auch von den Karrierewegen aus betrachtet den größten Bereich innerhalb der Branche aus. Hier werden Prozesse neu ausgerichtet und optimiert. Qualitätsverbesserungen und/oder Prozessvereinfachungen stehen im Vordergrund, vielfach dienen Methoden des Benchmarking als Ausgangslage. 

Marktteilnehmer: Accenture, Roland Berger, BCG, McKinsey, EY, KPMG, PwC, IBM Consulting und andere

Wer wird gebraucht?

Eingestellt werden nicht nur BWLer, gerne auch Ingenieure, Wirtschaftsingenieure und Informatiker, aber auch Mathematiker und Physiker haben hier gute Karriereaussichten.

 

IT

Im Grunde sind Projekte ohne Optimierung oder Neuentwicklung der bestehenden IT-Landschaft kaum denkbar. Gerade hier gibt es viele hoch spezialisierte, aber auch sehr breit aufgestellte Beratungen. 

Marktteilnehmer: Accenture, T-Systems, IBM, BearingPoint, Cap Gemini und andere

Wer wird gebraucht?

Informatiker, Wirtschaftsinformatiker, Mathematiker, Physiker und BWLer mit IT-Verständnis

HR

Meine Welt! Nicht nur die Megatrends, wie demographischer Wandel, werden hier erörtert, sondern auch zunehmend die strukturelle und kulturelle Weiterentwicklung von Unternehmen. Ob nun Vergütungsfragen oder Performance-Management, bei vielen Fragen sind HR-Strategen, aber auch Umsetzungsbegleiter gefragt. 

Marktteilnehmer: EY, Accenture, KPMG, Kienbaum, TowersWatson, AON Hewitt und andere

Wer wird gebraucht?

In der Regel sind dies Wirtschaftswissenschaftler, Psychologen, aber auch andere Studiengänge

Personal

Sicherlich gerechtfertigt, dass die Personalberatungen wg. des Fokus auf die Personalbeschaffung und ihrem exorbitanten Marktvolumen von 1,55 Mrd. Euro in Deutschland hier getrennt genannt werden. Habe hierzu einen guten Beitrag verlinkt: 

Wie wähle ich die für meine Bedürfnisse richtige Personalberatung aus?

Marktteilnehmer: siehe in meinem Beitrag Der Markt der Personalberatungen in Deutschland im Jahr 2013

Wer wird gebraucht?

Hier ist der Markt sehr frei, weil Sozialkompetenz, Kommunikationsfähigkeiten und Empathie schwerer wiegen als das akademische Profil. 

 

M&A

Transaktionen und Übernahmen, Transformationen, Mergers & Acquisitions, Fusionen und Zusammenschlüssen erfordern eine verlässliche, steuerlich und rechtlich einwandfreie Begleitung. Hier haben sich etliche wichtige Marktteilnehmer etabliert. Das Umfeld ist nicht konstant unter Volllast, sondern entwickelt sich in Zyklen. 

Marktteilnehmer: EY, Deloitte, KPMG, PwC, renommierte Anwaltssozietäten und andere

Wer wird gebraucht?

Eine Bastion für Wirtschaftswissenschaftler, mit fortdauernder Berufserfahrung auch Steuerberater und Wirtschaftsprüfer im Besonderen.

 

Was macht einen Consultant aus?

Eine Frage, die man oft, zu oft, gestellt bekommt. Man kommt ins Schwärmen über die steile Lernkurve, hoch komplexe Aufgabenstellungen bei Top-Kunden unterschiedlicher Ausprägung und Branche, eine Geschwindigkeit und Taktung, die ein hohes Maß an Struktur und Disziplin fördert sowie eine beeindruckende Gemeinschaft. Das Projektgeschäft garantiert einen abwechslungsreichen Alltag mit spannenden Tätigkeiten. Man lernt, auf den Punkt zu argumentieren, schafft sich eine sehr fundierte Analysekompetenz und eine sachliche Abwägungsmethodik. 

Unternehmensberater oder neudeutsch Consultant ist kein geschützter Beruf. Jeder darf sich so nennen. An manchen Business-Schools kann man zumindest einen Schwerpunkt im Masterstudium auf Unternehmensstrategie legen, die eng mit dem Karriereweg “Consulting” korrespondiert. So zum Beispiel der Masterstudiengang “Management Consulting” in Mainz, Emden, Oldenburg oder Hamburg. Aber einen vorgeschriebenen Bildungsweg zum Consultant gibt es nicht. Nicht mal eine einheitliche Beschreibung. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nennen dies Advisory, die Strategen Managementconsulting, viele hiesige Beratungen klassisch Managementberatung. Gut die Hälfte der Unternehmensberater in Deutschland hat trotzdem Wirtschaftswissenschaften studiert, wie ich mal beim Spiegel gelesen habe. Gut, also rund 50 % aller Consultants sind Wirtschaftswissenschaftler. Diese akademische Qualifikation ist also eine gute. 

Was sollte man mitbringen?

Die Realität ist dankenswerterweise viel mehr geschärft als dies noch in vielen Karriereführern beschrieben wird. Es wird nicht mehr per se der BWLer mit Regelstudienzeit und Abschlussnote 1,0 gesucht, sondern Menschen, die Ecken und Kanten haben, die in Vielfalt sich zu Hause fühlen, die ihren Karrieremehrwert beschreiben können und damit interessant wirken in der Homogenität der Bologna-Reform. Viele Absolventen mühen sich in den Semesterferien in kurzen, zumeist 12-wöchigen Praktika ab, um eine relevante Praxiserfahrung für ihren Berufseinstieg zu erlangen. Das wertschätze ich als Recruiter sehr, immer mehr Arbeitgeber nehmen diese Perspektive ein. 

Auch außeruniversitäres Engagement wird immer wichtiger, dafür treten die Noten aus Abitur und Studium etwas in den Hintergrund. Das soll nicht heißen, dass Noten gleichgültig sind. Das sind sie nicht. Aber die Selektion rein nach notengetriebenen biografischen Daten gehört der Vergangenheit an. Gerade die Beratungen schauen sehr auf Potenzial und Talent der Bewerberinnen und Bewerber. Das ist richtig und notwendig. 

Was sonst noch?

Wie oft hört man die Differenzierung von “Nadelstreifen” und “grobes Cord”. Das Klischee von “Unternehmensberater sind dort, wo Personal abgebaut wird” ist so was von fern der Realität. Ja, es gibt Restrukturierungsprojekte. Doch wie würde das Unternehmen aussehen ohne die Restrukturierung? Vermutlich wäre ein Personalabbau noch die geringste Implikation. Unternehmensberatungen helfen schnell Effekte zu erreichen, um zum Beispiel eine Strategie zu entwickeln oder anzupassen, indirekte oder direkte Kosten in den Griff zu bekommen, an der Wertschöpfung zu arbeiten, die Supply-Chain zu optimieren und so weiter. Mal schauen, welche Buzzwords ich noch so aus der Erfahrungstruhe holen kann. 

Und hier mal der total eigennützige Hinweis, wer Karriere bei einer der weltweit erfolgreichsten Beratungen starten möchte, schaut sich gerne mal bei EY um:

Karriere in Advisory Services: Performance rauf, Risiko runter

Unsere Advisory Services helfen Unternehmen, ihre Performance zu steigern und Risiken besser zu steuern. In einem schwierigen, unsicheren Wirtschaftsumfeld mit immer schärferem Wettbewerb ist das besonders wichtig. Mehr dazu hier:  http://www.ey.com/…/Students—Your-role-here

Beste Grüße 

Marcus Reif 

 
verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif