F.A.Z.-Stellenmarkt setzt seine Abwärtsbewegung weiterhin fort

mit durchschnittlich 1,73 Seiten pro Woche bei 92 Gesamtseiten im Jahr 2016

Im vorletzten und im letzten Jahr schrub ich, dass ich eigentlich gar keine Muße mehr habe, über den Print-Stellenmarkt der F.A.Z. am Samstag zu bloggen. Mir geht es heuer ganz genau so! 2014 kam der Print-Stellenmarkt der F.A.Z. am Samstag auf 4,08 Seiten Stellenanzeigen in der Woche. Im Schnitt! 2015 fiel der Wert auf 2,66, nochmals im Jahr 2016 auf 1,73 durchschnittliche Seiten pro Woche auf einen historischen Tiefststand. Und dabei ärgere ich mich über die Chancen-Resistenz der handelnden Personen zu der Zeit, in der ich an einer Zukunftslösung bei der F.A.Z. arbeitete. Heute muss man evidenterweise festhalten, dass der Print-Stellenmarkt der F.A.Z. am Samstag nicht mehr lebt. Wir müssen die historischen Zahlen bemühen, um die Disruption des bedeutendsten Print-Stellenmarkts für Fach- und Führungskräfte Deutschlands zu verstehen. Die Anzeigenabteilung der altehrwürdigen Frankfurter Allgemeine Zeitung bekommt kaum noch eine auskömmliche Anzahl an Stellenanzeigen akquiriert.

Minus von 87 %

Ein Auflagen-Minus von 87 % innerhalb von 5 Jahren verzeichnet der Print-Stellenmarkt der F.A.Z. des Jahres 2016 verglichen mit dem Jahr 2011! Historisch ist die F.A.Z. andere Zahlen gewohnt. Die Erosion des Print-Stellenmarkts seit der Weltwirtschaftskrise 2001 ist unverkennbar. Die F.A.Z. steht hier als Primus inter Pares für eine ganze Branche. 87 % Reduktion innerhalb von fünf Jahren zeigt die ganze Misere ganz anschaulich. Und ich bemühe jetzt nicht die großen Zahlen, um die 280 Seiten Stellenmarkt aus dem April 2000 mit dem aktuellen Jahresschnitt von 1,73 Seiten zu vergleichen. Die Zeiten änderten sich und ändern sich weiter. Nachrichten werden “instant” und “mobile” genossen, die Zeitung dient als hintergründige Lektüre für die Nachrichten des vergangenen Tages. Das hat mittlerweile viel mit Haptik und einem echten Interesse für tiefgehende Informationen zu tun. Und deshalb ein ernst gemeintes Lob für Beruf und Chance der F.A.Z. Bessere redaktionelle Beiträge rund um die Karriere findet man selten. Das ist redaktionell betrachtet ein echter Gewinn für alle, die latent oder aktiv suchend sind. Gleichwohl sind die historischen Zahlen von 280 Seiten an einem Samstag über die 714 Seiten des Jahres 2011 und den nun gemessenen 92 Seiten des Jahres 2016 ein echter Beweis für die Umkehr der Usance vieler Unternehmen, Fach- und Führungskräfte über “post & pray“-Verfahren zu finden. Recruiting erfolgt heute gänzlich anders und auf diese, sicherlich nicht zu unrecht disruptive Veränderung hatte die F.A.Z. keine Antworten zu bieten, siehe auch “Recruiting erfordert Erfahrung, Seniorität und Haltung – der Neo-Recruiter“.

Ganze 1,73 Seiten pro Woche aufs Jahr 2016 gemessen erreicht die altehrwürdige F.A.Z. noch Klick um zu Tweeten

Kleinere Peaks

Kaum zu glauben, dass man bei 4 Seiten Stellenanzeigen am 02.01. oder am 17.09.2016 von einem Peak sprechen muss. Ich muss gar kein umständliches Fazit ziehen, das Ergebnis ist klar. Den Print-Stellenmarkt gibt es nicht mehr! Zumindest nicht in nennenswertem Umfang und Bedeutung. Viele Stellenanzeigen sind von Behörden, Hochschulen oder Personalberatungen, so manche Image-Anzeige ist auch noch dabei. Doch wo tummeln sich die Zielgruppen der Studierenden, Absolventen, Berufserfahrenen, Experten und Führungskräfte? Vermutlich getrennt in die Bereiche aktiv suchend, passiv suchend und latent suchend auf Online-Stellenmärkten, wie Monster.de oder Stepstone.de, Business-Plattformen, wie Xing oder Linkedin, spezialisierte Stellenmärkte, wie mein Favorit für meine Profession – Jobbörse des Human-Resources-Managers -, oder attrahiert durch aktive Ansprache von Personalberatungen und Recruitingabteilungen. Aber eben nicht mehr im Print-Stellenmarkt der F.A.Z. 

Der Print-Stellenmarkt der F.A.Z. ist leider tot. Nur 92 Seiten im Jahr! Klick um zu Tweeten

Medium getrennt vom Instrument

Meine Berichte über die Entwicklung des F.A.Z.-Stellenmarkts formuliere ich seit Dezember 2010 und sie hatten eins gemein – die Leidenschaft für die F.A.Z. und den Stellenmarkt. Ich bin ein bekennender Leser und großer Anhänger des dort gelebten Qualitätsjournalismus. Jeden Samstag gilt mein Blick der Auflagenzahl des Print-Stellenmarkts. Als ehemaliger Projektleiter des F.A.Z.-Online-Stellenmarkts verliere ich mein Faible und die Wertschätzung für die beste deutsche Tageszeitung und den ehemals bedeutendsten Print-Stellenmarkt für Fach- und Führungskräfte nicht. Jeden Samstag twittere ich die Anzahl der Stellenmarkt-Seiten über meinen Twitter-Account @marcusreif. Und – wie gewohnt – schaue ich mir die Print-Auflage des Stellenmarkts der F.A.Z. jährlich im Detail an und blogge hierzu auf meinem kleinen Blog

Festzustellen ist, dass trotz des Fach- und Führungskräftemangels in diesem Land der Print-Stellenmarkt der F.A.Z. vom Trend entkoppelt ist. Mit einer oberflächlichen Analyse müsste man ja von besten Voraussetzungen für das Medium “Print-Stellenmarkt” ausgehen. Wir haben veritable Bedarfe an Fach- und Führungskräften bei deutschen Unternehmen, eine Hatz nach den besten Talenten. Und das vormals angesehenste Medium rund um Karriere für Fach- und Führungskräfte egalisiert sich. Die Realität zeigt, dass die Zielgruppe in puncto Karrierewechsel sich nicht mehr an der F.A.Z. orientiert, sondern eben auf andere Instrumente für den Recruitingerfolg zurückgreift. Siehe auch: Arbeitskräftemangel in 2030 birgt große Gefahr für Wohlstand und Wachstum oder Personalnot: Mittelständlern gehen Aufträge flöten oder Stellenausschreibungen erreichen 2017 Rekordniveau. Gleichwohl ist für Unternehmen der Arbeitskräftemangel mit einigem Abstand die größte Gefahr.

Eine Studie von Indeed hat herausgefunden, dass erstes Mittel der Wahl in der Jobsuche von Top Performern Online- Jobseiten sind. Mehr als die Hälfte von ihnen, 55 Prozent um genau zu sein, nutzen Jobseiten im Internet. 43 Prozent abonnieren deren Job E-Mails. Gleich dahinter folgen die Stellenanzeigen auf den Karriere-Webseiten der Arbeitgeber sowie Angebote über spezielle Job-Apps. Wer hofft, Spitzenkräfte über Karrieremessen oder Headhunter zu finden, ist auf dem Holzweg. Unsere Ergebnisse zeigen: Gerade einmal 13 Prozent von ihnen setzen auf Headhunter, wenn es um den nächsten Karriereschritt geht. Um es klar zu sagen: Top Performer sind aktiv auf Jobsuche. 59 Prozent der von uns befragten Leistungsträger sind überzeugt, dass eine Stelle besser zu ihnen passt, wenn sie sich selbst um diese bemühen und das keinem externen Akteur überlassen. Weitere 57 Prozent gehen gar davon aus, in diesem Fall später auch im Job selbst erfolgreicher agieren zu können. Quelle: Saatkorn.com – Wie suchen Top Performer nach Jobs?

Absetzbewegung von den klassischen zu den neuen Medien

berufundchanceDer Print-Stellenmarkt per se leidet in Deutschland über die letzten fast 15 Jahre hinweg. Während das Jahr 2000 noch eine absolute Hochphase zeigte, knickte ab Mai/Juni des Jahres 2001 der Anzeigenmarkt und insbesondere der Stellenmarkt den Verlagen weg. Der 11. September 2001 ist nur sinnbildlich das Datum der Trendwende, wurde dadurch doch eine der massivsten Wirtschaftskrisen eingeleitet, die auch vor dem Print-Medium nicht Halt machte. Fakt war, dass sich diese Krise als Sinnbild für den Wandel vom Arbeitgebermarkt zum konzentrischen Arbeitnehmermarkt ausgestaltete.

Dass sich durch die technologische Entwicklung und die Revolution/Evolution neuer Online-Plattformen auch die Mediennutzung und das Medien-Konsumverhalten änderte, ist evident. Heute ist das Selbstverständnis, dass Jobs über die mobilen Endgeräten gefunden werden, beworben wird sich bevorzugt digital per Online-Bewerbung oder per E-Mail mit Anlagen. Von dem Tief des Jahres 2001 hat sich kein Print-Stellenmarkt je wieder erholt. Ganz im Gegenteil, die Absetzbewegung von den expensiven Print-Stellenanzeigen aus den gedruckten Medien hin zu den deutlich günstigeren Online-Frequenzträgern hält weiterhin an. Nicht zu vergessen ist das eigene Karriere-Netzwerk: Persönliche Empfehlungen, Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme und Vitamin B sind schon immer wichtig, doch nehmen diese mittlerweile auch im Resultat eine deutlich höhere Effektivität und Effizienz ein.

Das beschreibt nichts anderes als eine vollständige Erosion, die ich in den nächsten Absätzen noch genauer beschreibe. Der Trend weg vom Print in puncto Anzeigeninsertion (Corporate) ist allerdings bei weitem nicht so massiv, wie wir das im Segment der Print-Stellenanzeigen beobachten. Den Stellenmarkt traf es besonders schwer. Auch den Automobil- und den Immobilienmarkt hat es ebenso mitgerissen. Die Kontaktanzeigen hatten zwar nie eine veritable Größe, doch auch die sind abgewandert. 

Absetzbewegung von Print zu deutlich günstigeren Online-Frequenzträgern hält an Klick um zu Tweeten

Rückgang des Jahres- und Halbjahres-Durchschnitts

Im 2. Halbjahr des Jahres 2015 ist der Durchschnitt der wöchentlichen Seiten an Print-Stellenanzeigen zwar sehr leicht von 2,63 im 1. Halbjahr auf dann 2,69 Seiten im 2. Halbjahr gewachsen, aber das ist nur eine Marginalie mit einem Plus in Höhe von 2,2 %. Das ist genau eine Seite mehr, nämlich 70 Seiten im 2. Halbjahr vs. 69 Seiten im ersten Halbjahr. In der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2016 landet der F.A.Z.-Stellenmarkt nur noch bei 1,5 Seiten im Durchschnitt. Im 1. Halbjahr 2011 waren es noch 15,68 Seiten. Ein Minus von über 90 %! 

90 % Minus – das ist massiv! Die Begründung der letzten Jahre, dass die Dynamik des Arbeitsmarkts sich nicht so eindrucksvoll, sondern eher zurückhaltend zeigte, kann hier nicht greifen. Wir erleben einen Epochenwechsel in der Art, Bedarfe der Unternehmen für bestimmte Aufgaben, Rollen und Vakanzen auszuschreiben. Das ist der Weg weg von “post & pray” und hin zu aktiveren Formen der Personalbesetzung.

Knapper werdende Budgets sorgen auch für Reduktion der Anzeigen in Online-Stellenmärkte 

Heute gehen auch nicht mehr alle Anzeigen, die früher noch in der Zeitung landeten, über auf die Online-Stellenmärkte. Ein wichtiger Grund sind sicherlich auch die enger werdenden Budgets im Personalmarketing. Die Preiserhöhungen bei Stepstone, Monster und anderen haben hier nicht dazu geführt, dass nun alle Anzeigen auf diesen Plattformen erscheinen. Vielmehr hat sich die Relevanz der eigenen Karriereseite sowie der Social-Media-Plattformen deutlich erhöht. Während die Cost-per-Hire für Berufserfahrene in den letzten 25 Jahren sich vermutlich eher halbierte – Personalberatungen ausgenommen -, sind Anzeigenschaltung in der F.A.Z. einfach viel zu teuer auf den Effekt “Cost per Application” betrachtet. Insbesondere gemessen an dem Messkriterium “Cost per Application” verzeichnen wir nicht nur steigende Insertionskosten, sondern auch noch eine deutliche Reduzierung eingehender Bewerbungen über diesen Kanal. Eine zweifache negative Entwicklung. Eine vierfarbige, vierspaltige Anzeige mit rund 250 mm Höhe in der F.A.Z. ist übrigens nicht für unter 20.000 Euro zu haben. 

Bleiben wir bei einem Zwischenfazit: 

Die Insertion von Print-Stellenanzeigen sind ökonomisch betrachtet nur in sehr wenigen Fällen vertretbar! Klick um zu Tweeten

Wir haben eben festgestellt, dass eine Abwanderung von Print- in die Online-Medien geschah. Substituiert der Online-Stellenmarkt den Print-Stellenmarkt? Schaue ich auf Monster, Stepstone, Careerbuilder und andere ist die Antwort: NEIN! Die Online-Stellenmärkte wachsen nicht gleichermaßen, wie die Printmedien verlieren. Also wo sind die Stellenanzeigen? Sie sind auf den Karriere-Webseiten der Unternehmen. 

Das Rieplsche Gesetz

Ich hatte mich immer gegen die Prognosen gewehrt, dass die Online-Stellenmärkte die Print-Stellenmärkte vollständig substituieren. Während in den wirtschaftlichen Spitzenjahren die Auflage großer Zeitungen selbst anzeigenproduktionstechnische Grenzen überschritten (April 2000, F.A.Z. mit 280 Seiten Stellenanzeigen), sind wir doch heute meilenweit von diesem Niveau entfernt. Nach dem Rieplschen Gesetz – nach dem Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten Wolfgang Riepl benannt – ersetzt kein neues Medium ein probates vollständig. So geschehen bei Kino und Zeitung, Zeitung und Radio, TV und Radio, Internet und TV und so weiter. Neue Medien haben immer zu einer Veränderung der etablierten Medien geführt. So hätte es auch bei den Print-Stellenmärkten sein müssen. So war es aber nicht. Die Verlage haben so lange das Pferd geritten, bis es tot war. Und viele reiten heute noch. Und nun müssten sie absteigen und schauen, wie man weiterkommt. Die Versuche der letzten zehn Jahre, mit crossmedialen Angeboten die Auflage im Print-Medium zu stabilisieren, sind allesamt gescheitert. Die Insertionsbereitschaft gerade im Bereich Personalbeschaffung hat sich eindeutig von den expansiven Print-Titeln hin zu preisgünstigeren Online-Plattformen verschoben. 

Und die Online-Stellenmärkte sind nicht die Gewinner. Sie werden derzeit als “Commodity” wahrgenommen, sind also beliebig austauschbar, tragen keine Dienstleisterloyalität und -treue inne. Sie profitierten nur äußerst kurzfristig vom ökonomischen Faktor der erodierenden Print-Stellenanzeigen. Die Online-Stellenmärkte kämpfen heute mit vergleichbaren Herausforderungen, wie dies die Verlage vor 15-20 Jahren taten. Die Online-Stellenmärkte suchen ihren ökonomisch-relevanten Platz. Was ist der Wert einer Anzeigenschaltung auf Monster, Stepstone und Co? Halten sie den dauerhaften Budgetanpassungen stand? 

Internet kannibalisiert Print

Ich habe ja meine eigene Erfahrung sammeln dürfen in einem sehr spannenden Modernisierungsprojekt. Die Angst vor dem Kannibalismus der eigenen Pfründe und des eigenen Kerngeschäfts durch eigene Online-Geschäftsmodelle war stets größer als die Chancen, etwas neues, beeindruckendes und ökonomisch erfolgreiches auf die Reise zu bringen. Aus meiner Sicht sind die vielen kleinen bis hin zu regionalen Verlagen mutig oder aus Verzweiflung diesen Weg gegangen, der sich als durchaus richtig und erfolgreich dargestellt hat. Auch Online-Produkte, wie Spiegel.de und auch Bild.de als eigene Online-Redaktionen, zeigen, dass man Erfolg haben kann, ohne das eigene damalige Kerngeschäft zu torpedieren. Und selbst wenn irgendwann der “Reverse takeover” geschieht – dass die Online-Ableger mehr Geld verdienen -, unterstreicht das nur die Chancen! 

Man sieht, dass sich “der große Change” von Print zu Internet mittlerweile im kleinen Segment der Apps wiederholt. Skurril, dass Internetangebote punktuell oder generell kostenpflichtig gestellt werden, die App dafür nicht, oder andersrum, dass die App über einen Monatsbeitrag zu erhalten ist, das Online-Angebot hingegen kostenfrei bleibt. Die vollständige Querfinanzierung durch Werbung gelingt leider den meisten Plattformen nicht. 

Schauen wir mal auf die wöchentlichen Stellenanzeigen-Seiten

Die Grafik zeigt alle wöchentlichen Stellenmärkte der F.A.Z. mit der Anzahl der geschalteten Seiten. Mit einem Klick auf die Grafik bekommen Sie das auch leserlich angezeigt. 

Die Regressionsgerade zeigt visualisiert den Rückgang deutlich an. 

Auflage F.A.Z.-Print-Stellenmarkt am Samstag 

Zweistellige Stellenanzeigen-Seiten sind nicht mal mehr die Ausnahme! Sie kamen im Jahr 2016 nicht mehr vor. Diese Grafik beschreibt die samstägliche Auflage des Print-Stellenmarkts der F.A.Z. in der Seitenzahl-Betrachtung. 

Finanzierungsmodell der Zeitungen passé

Die populären Zeitungen finanzier(t)en sich über ein dreisäuliges Modell. Anzeigen-/Werbeerlöse, Einzel- und Abonnentenverkauf sowie Stellenmarkt-Erlöse. Die F.A.Z. generierte sogar die Hälfte ihres Umsatzes durch den Stellenmarkt. Laut Manager-Magazin machte der Stellenmarkt im Jahr 2013 allerdings nur noch 15 Mio. Euro Umsatz, also trägt nur noch einen Bruchteil zum Gesamtumsatzes von 260 Mio. Euro bei. Im Jahr 2000 hatte die F.A.Z. noch 235 Mio. Euro alleine mit Stellenanzeigen eingenommen (sic!). Die Geschäftsjahre 2012 und 2013 schlossen mit einem Defizit ab. 2012 mit -4,3 Mio. Euro und 2013 mit rund -10 Mio. Euro. 

dreistufiges Finanzierungsmodell der Zeitungen passé: Anzeigen-/Werbeerlöse, Einzel- und Abonnentenverkauf sowie Stellenmarkt-Erlöse Klick um zu Tweeten

Auflage Frankfurter Allgemeine am Samstag

Auch die Auflage macht der F.A.Z. Sorgen. Kontinuierlich sinkt die Verbreitung der F.A.Z. am Samstag. Im dritten Quartal 2016 standen 284.791 verbreitete Auflage für ein Minus von 14,4 % zum 3. Quartal 2014. Die Frankfurter Allgemeine musste sich von mehr als 11.000 Abonnenten verabschieden, inklusive Einzelverkäufen beträgt das Minus 6,7 %. Und wie von Geschäftsführer Lindner angekündigt (“FAZ” will unwirtschaftliche Auslagenanteile loswerden), baute man die teuren Bordexemplare um 25.000 ab. Dies reduziert den Gesamtverkauf nochmals – hier beträgt der Rückgang 13,4%. Die F.A.Z. bleibt bei den Abonnements weiterhin stark, wenn auch mit erheblichen Rückgängen. So zählt die IVW für das 3. Quartal 191.328 Abos, 5,7 % weniger als im Vorjahreszeitraum

Durch die Erosion der Stellenmärkte hin zu und in die digitale Medien sowie dem sich veränderten Preis-Leistungs-Verhältnis der Print-Anzeige entfällt faktisch eine der drei oben beschriebenen Finanzierungssäulen. Die Einzelverkaufs- und Abonnementerlöse decken heutzutage nicht mal mehr die Logistikkosten für die Distribution der Zeitungen an sich. Für eine große Zeitung sind dies schon fast 1 Mio. € pro Tag (sic!). Grob kalkuliert bedeutet das für eine Zeitung mit 400.000 Auflage, davon 330.000 verkauft, und einem Einzelverkaufspreis von 2,30 € Kostenunterdeckung in Höhe von rund 200.000 € am Tag. Somit werden Zeitungen viel krisenfühliger und anfälliger für die Zyklen der geschalteten Werbung. Die Kosten, insbesondere Logistik und Produktion, sind völlig vom Wirtschaftszyklus und den Werbemaßnahmen entkoppelt.

Entwicklung der F.A.Z. im Jahr 2016

Als Untermauerung der Situation verweise ich auf einige Entwicklungen bei der F.A.Z. im letzten Jahr, die mir unter die Augen gekommen sind. Allesamt von Turi2.de, einem wirklich guten Portal, wenn es um Medien geht: 

Die F.A.Z. hat sich personell in den letzten Jahren sehr gut verstärkt. Die Ergebnisse sprechen für sich. Die F.A.Z. steht für Qualitätsjournalismus und eine starke, unabhängige Redaktion. Wenn jemand abschreibt, dann meist aus der F.A.Z.

Digitale Transformation

Dieser ganze Wandel der Printmedien lässt sich mit der digitalen Transformation überschreiben. Das ist keine Facette des Medienkonsumverhaltens, sondern resultiert aus der Digitalisierung unserer Welt. Menschen begegnen heute den technischen Möglichkeiten des Internets, gerade auch durch “Tabletisierung” und “Smartphonisierung” breiter Bevölkerungsschichten durch Ausbau des mobilen Internets, viel offener, treffen hier auf viel breitere und bequemere Angebote als dies noch vor einem Jahrzehnt der Fall war. Die Digitalisierung, im Stichwort “Smart-Home” dürfte eine erhebliche Veränderung für die Privathaushalte stecken, hat die Chancen zu finanziell überschaubaren Mitteln erlebbar gemacht. Davon kann kein klassischen Medium unangetastet bleiben. Die Medien trifft es nun, der Handel und die Banken folgen, andere Industrien, Automobil sei zuvorderst genannt, werden folgen. Die nachfolgenden Thesen zeigen, wie sich die Print-Medien weiter transformieren werden in einer digitalen Wirtschaft. Denn es geht nicht um das bedruckte Papier, es geht um die Informationen, die darauf gedruckt sind. Die Kunden wollen die Information deutlich schneller und in viel größerer Zahl, aber eben digital und in Echtzeit. 

Thesen zur Zukunft der Print-Medien

  • die Erosion der Print-Auflagen wird überproportional zunehmen, siehe oben Entwicklung Halbwertszeit und digitale Transformation 
  • das Zeitungssterben wird zunehmen, insb. bei Tageszeitungen mit Fokus auf gedruckte Auflage 
  • E-Paper werden weiterhin wachsen, aber den Verlust der gedruckten Auflage nicht nominell – und auch nicht finanziell – auffangen 
  • Wochenzeitungen werden Auftrieb und punktuell stärkere Auflagen erhalten
  • Tageszeitungen scheitern am Kostendruck und den Kostensenkungsprogrammen, gepaart mit zu wenigen Zukunfts- und Innovationsfähigkeit 
  • Herausgeber, Verlage und Redaktionen verstehen die Möglichkeiten des Internets zu wenig, daran scheitert das Geschäftsmodell
  • Angst vor der Kannibalisierung des Print-Geschäfts durch eigene Online-Ableger verhinderte Erfolg im Internet und beschleunigt das Ende der eigenen Zeitung (fehlende Digital-Strategie) 
  • Fach- und Führungskräfte-Stellenmarkt hat keinen Marktführer mehr und eigentlich auch keine Bedeutung mehr in der Print-Welt 
  • und Bezahlmodelle für das redaktionelle Angebot sind und bleiben eine Chimäre 

Das Fazit bleibt aber. Die Erosion der Printmedien schreitet weiter und drastisch voran. Innovationskraft der Herausgeber und Verlage reicht nicht aus, diesen Trend umzukehren. Und die Erosion insbesondere des F.A.Z.-Print-Stellenmarkts am Samstag zeigt die Entwicklung in aller Dramatik. Während die F.A.Z. über Jahrzehnte lang die Marktführerschaft als Stellenmarkt für Fach- und Führungskräfte inne hatte – mühevoll von “Die Welt” abgerungen -, ist davon heute keine Rede mehr.

Ich bleibe weiterhin Konsument der F.A.Z.! Bin und bleibe großer Fan. Losgelöst von der Stellenmarkt-Thematik.

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif