Als ehemaliger Projektleiter der F.A.Z. verliere ich mein Faible und die Wertschätzung für die beste deutsche Tageszeitung und den führenden Print-Stellenmarkt nicht. Jeden Samstag twittere ich die Anzahl der Stellenmarkt-Seiten. In meinem Blog-Beitrag vom 9. April 2011 – Print-Stellenmarkt der F.A.Z. am Samstag in der Übersicht – hatte ich ein Zwischenfazit über die Entwicklung des Print-Stellenmarkts vorgenommen. Damals war der Schnitt des Print-Stellenmarkts der F.A.Z. – über vier Monate gemessen – bei 17 Seiten Stellenanzeigen. Übers Jahr verteilt hat sich der Print-Stellenmarkt nun auf 13,73 Seiten im Schnitt reduziert. Das ist eine Abnahme von rund 20 %.

Man muss leider feststellen, dass die Auflage des Print-Stellenmarkts übers Jahr verteilt nach unten gegangen ist. Zu Beginn des Jahres gab es noch Ausgaben mit über 20 Seiten, der Rekord lag mit der Ausgabe Ende Januar 2011 bei 27 Seiten Print-Stellenmarkt. Lassen wir mal die “Sondereffekte”, wie Weihnachten und Silvester, außen vor, so sieht man doch, dass das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Print-Stellenmarkts nach unten gegangen ist. Das mag zum Ende des Jahres auch mit einem höheren Kostenbewusstsein wg. der unsicheren wirtschaftlichen Aussicht korrelieren. Vermutlich eine zutreffende Beschreibung. Doch alles in allem haben wir einen anhalten Nachfragemarkt, sprich Bewerbermarkt. Die Arbeitslosenquote ist auf einem 10-Jahrestief angelangt, die wirtschaftlichen Aussichten stehen weiterhin auf Wachstum, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau, verglichen mit den Nach-Krisenjahren 2010 und 2011. Das ist aus meiner Sicht ein guter Nährboden für einen Print-Stellenmarkt. Denn der verknappte Arbeitsmarkt bietet für eine Tageszeitung, wie die F.A.Z. mit ihrem Qualitätsjournalismus und hintergründiger Berichterstattung, eigentlich beste Voraussetzungen und Chancen für Prosperität. Gut saturierte und gebildete Leserschaft, hohe Reichweite bei Fach- und Führungskräften, trotz allen Internetangeboten hat die F.A.Z. weiterhin eine hohe Lese- und Leserfrequenz, insbesondere bei der Sonntagszeitung, der der Stellenmarkt ebenfalls beiliegt.

2011er Stellenmarkt der F.A.Z.: im Schnitt 13,73 Seiten pro Samstagsausgabe

Ich hatte mich immer gegen die Prognosen gewehrt, dass die Online-Stellenmärkte die Print-Stellenmärkte vollständig substituieren. Die vorgenannten Zahlen lassen allerdings genau diese Prognose vermuten. Mit den sozialen Netzwerken entstand und entwickelt sich jedoch ein neuer Kanal heraus, der neben den Online-Stellenmärkten viele Möglichkeiten des Personalmarketings und des Recruitings bietet. Dies geht offenkundig zu Lasten der Print-Stellenmärkte. Ich bin überzeugt, dass die Kosten einer Print-Stellenanzeige mit dem Resultat an eingehenden Bewerbungen in Qualität und Quantität, verglichen mit dem Gesamtaufwand der unternehmenseigenen Direktansprache durchaus auf Augenhöhe liegen. Aber wer vergleicht schon die Vollkostenrechnung … Sicherlich ein gutes Thema für einen weiteren Blog-Beitrag.

Das Fazit bleibt aber. Die Erosion der Printmedien schreitet weiter voran.

Wünsche der F.A.Z. und insbesondere dem Stellenmarkt bessere Zeiten! Ansonsten – guten Rutsch auf ein erfolgreiches neues Jahr!

Beste Grüße

Marcus Reif

 

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif