Die Personalwirtschaft hatte mich – ganz zu meiner Freude – in der Ausgabe 05/2018 für die Rubrik “HR & ICH – Lebensläufe” interviewt. Hat Spaß gemacht, et voilà:

„Ich brenne immer noch für das Recruiting“

Arbeit muss neu definiert werden, findet Marcus K. Reif. Führung, Kultur und Flexibilität sind ihm besonders wichtig, auch in seiner neuen Rolle als Personalleiter beim Landkreis Main-Taunus.

Frage: Am Anfang Ihrer beruflichen Laufbahn steht die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Wieso haben Sie sich später für das Personalfach entschieden?

Ich wollte in den Jahren 1996/1997 unbedingt „irgendwas mit Internet“ machen und fand eine wunderbare Stelle bei einer kleinen Agentur, wo ich die Verantwortung für den Online-Stellenmarkt übernahm. Darüber fand ich den Einstieg in die Thematik Recruiting und dafür brennt auch heute noch meine Leidenschaft.

Frage: Sie waren lange in der Beratungsbranche tätig und zuletzt bei Goldman Sachs, für manche der Inbegriff des Raubtierkapitalismus. Warum nun der Wechsel in die vermeintlich beschauliche Verwaltungswelt?

Moderne Personalarbeit ist überall wichtig. Ob es im Bereich der Professional Services, der klassischen Industrie oder auch in der Verwaltung ist. Der Mensch steht wieder im Mittelpunkt der Kultur, der Führung und des Arbeitgebers. Eine wunderbare Chance für uns Personaler, nun einen Schritt weiter zu gehen. In der Verwaltung gibt es nahezu identische Wünsche an uns Personaler im Vergleich zu einer führenden Investmentbank.

Frage: Hat man als Recruiting-Experte eigentlich einen Vorteil bei der Jobsuche?

Eher einen Nachteil. Man kommt mit modernen Vorstellungen in ein Unternehmen und stellt recht schnell fest, dass der Status quo dort nicht dem eigenen modernen Verständnis entsteht. Recruiter verstehen schnell, wie die Kultur in einem Unternehmen ist. Ich frage gerne nach der durchschnittlichen „Time to hire“. Da hört man schnell mal 120 Tage – und das bei börsennotierten Top-Konzernen. Die Zahl steht dann meist für keine Talent-Acquisition-Kultur, was die Arbeit als Personaler nur künstlich und hausgemacht zusätzlich unter Druck setzt.

Frage: Mit welchen drei Adjektiven würden Sie Ihren Lebenslauf beschreiben?

Dynamisch, entrepreneurial,  innovativ.

Frage: Welche Station oder Erfahrung hat Sie besonders geprägt?

Accenture und Ernst & Young. Bei Accenture habe ich die moderne Kultur des Miteinanders, das Verliebtsein ins Gelingen gelernt, der maximale Fokus auf eine gute Lösung. Bei EY kamen viele strategische Themen hinzu sowie das Kulturelle. Die beiden Stationen machen den Löwenanteil meines heutigen Werte- und Kompetenzfundaments aus.

Frage: Sie engagieren sich gesellschaftlich und politisch. Haben Sie ein Vorbild, beispielsweise eine/n Politiker/in?

Ich habe höchsten Respekt vor der Lebensleistung vieler Politiker. Besonders hat mich Helmut Kohl geprägt, der zu meiner Jugendzeit stets Kanzler war. Zum richtigen Zeitpunkt eine historisch einmalige Entscheidung zu treffen, dazu gehört schon ein hohes Maß an Mut und Entscheidungsfreude.

Frage: Was würden Sie als erstes tun, wenn Sie Bundesarbeitsminister wären?

Die Arbeitszeit flexibilisieren, die Definition von Arbeit ändern. Wir organisieren immer noch Arbeit analog der Anforderungen der Sechziger. Heute ist Arbeit kein Ort mehr, an den ich gehe, sondern das, was ich tue. Dies sollte ein Bundesarbeitsminister umgehend angehen.

Frage: Sie sind Personaler, Politiker und zweifacher Vater. Sie bloggen über HR-Themen, halten Vorträge und unterstützen Ihren Verein Eintracht Frankfurt mit Leib und Seele. Bitte verraten Sie uns Ihr Geheimnis für eine gesunde Work-Life-Balance.

Genau die Mischung und Vielfalt in meinem Leben. Gepaart mit Sport bleibt der Geist und der Körper in Bewegung. Mit den vielen unterschiedlichen Themen profitiert jeder Bereich durch kreative und innovative Lösungen. Wir sind zu oft in eingetretenen Pfaden unterwegs und verlieren den Blick fürs Ganze.

Frage: HR befindet sich mitten in der digitalen Transformation, auch Sie beschäftigen sich intensiv mit diesem Thema. Teilen Sie eigentlich die Befürchtung vieler, dass HR „wegdigitalisiert“ wird?

Die digitale Transformation ist zuvorderst eine soziale Transformation. Menschen machen Technik erfolgreich, nicht Algorithmen. Die helfen nur, präziser und zuverlässiger Entscheidungen zu treffen. HR kann eine höhere Bedeutung gewinnen durch unsere hohe Beziehungsorientierung. HR der Zukunft heißt eben auch, den Mensch in den Mittelpunkt zu setzen, eine moderne Kultur und gute Führung zu implementieren, mit Achtsamkeit und Flexibilität zu agieren.

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Hier der Beitrag digital:

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif