Habe mal in alten Weblog-Beiträgen gestörbert und meine Netiquette dort gefunden. Hatte das mal vor guten 11 Jahren veröffentlicht und tue dies gerne auch hier im Blog. Der Text ist unverändert, also 11 Jahre alt, was auch seinen Charme hat ;-)

Bis 1997 war die Netiquette Konsens, inzwischen gibt es für die deutschsprachigen Newsgroups eine allgemeingültige. Manche Mitleser reagieren sehr sauer auch auf kleinere Verstöße, dies liest sich oftmals sehr oberlehrerhaft, doch möchte derjenige nur frühzeitig neue Nutzer darauf aufmerksam machen. Manchmal ist es allerdings auch unerträglich besserwisserisch. Lies den Hinweis, prüfe, ob und was du falsch gemacht hast und entschuldige dich ggf. (NEWBIE). Berücksichtige zukünftig die Regeln und lass’ dich nicht von den manchmal erbittert geführten Grundsatzdiskussionen erschrecken.

1. Erst denken, dann schreiben
2. In der Kürze liegt die Würze
3. Keine umständliche Signatur
4. Das Auge liest mit
5. Die Betreff-Zeile
6. Keine Werbung
7. Die Anrede
8. Urheberrecht und geltende Gesetze beachten
9. Pseudonyme

1. Erst denken, dann posten

Auf der anderen Seite der Datenleitung sitzt ein Mensch, also verhalte dich wie im richtigen Leben. Dort pflegst du ja auch gute Umgangsform. Drücke dich unmissverständlich aus. Lies besser eine Nachricht nochmals durch, bevor du sie abschickst. Du solltest ebenfalls die Nachricht vor dem Absenden noch einmal sehr genau auf Rechtschreibfehler achten. Durch google.de verbreitet sich die Leserschaft deines Beitrags noch schneller und breiter, als noch vor ein paar Jahren – und sei mal ehrlich, Rechtschreibfehler braucht kein Mensch!

Das Problem an der Ironie ist, dass sie oftmals im Internet auf der Strecke bleibt, denn der Leser deines Beitrags (oder deiner E-Mail) sieht deinen Gesichtsausdruck nicht. Hin und wieder weist ein Nutzer dich auf defekten Ironiedetektor hin … Du kannst deinen Texten, wo nötig, Smileys hinzufügen, um den Text für andere besser verständlich zu formulieren.

Viele Fragen und Kommentare erübrigen sich, wenn du Handbücher sorgfältig liest und die Diskussion in den fraglichen Bereichen längere Zeit aufmerksam verfolgst. Es gilt auch: Erst lesen, dann schreiben!

Schalte für Nachrichten, vor allem wenn sie von vielen Usern gelesen werden oder du erstmals mit jemandem Kontakt aufnimmst, HTML-Code und ähnliches aus. Nicht alle können oder wollen HTML-Nachrichten lesen und ärgern sich dann über den kryptischen Müll auf ihrer Festplatte.

Vor dem Absenden einer Nachricht im Usenet oder einer anderen Nachrichten-Hierarchie überlege dir genau, in welches Forum, welche Diskussionsgruppe sie passt und beschränke dich möglichst auf einen Bereich (siehe ECP). Listen der Gruppen der de.*– und de.alt.*– Hierarchien mit Besprechung gibt’s in news:de.newusers.infos.

2. In der Kürze liegt die Würze!

Nachrichten, die mehrere Seiten lang sind liest niemand sehr gerne, also fasse dich kurz und drücke dich präzise aus. Das Einfügen von Originaltext (“quoten”) ist sinnvoll und wird gerne gesehen, solange nur einige Worte oder wenige Zeilen kopiert werden. Die Urheber sog. “Megaquotes” oder “Vollqoutes”, d.h. vollständig gequoteter Nachrichten mit möglichst kurzem Kommentar am Ende der Nachricht, heißen Vollquottel und wandern schnell in die Killfiles vieler Mitleser. Ausgelassener Text wird mit […] gekennzeichnet, an den Stellen, die inhaltlich ausgelassen wurden.

Sei vorsichtig mit dem Verschicken von größeren Datenmengen per E-Mail (Programme, Bilddateien usw.) und denke auch an die Telefonrechnung der anderen User. Besser vorher fragen ob die Daten auch wirklich erwünscht sind! Dann kann sich der User zu einer günstigen Tageszeit einloggen oder um eine Diskette bitten. Nicht jeder hat eine Flatrate! Im Usenet sind Bilder nur in Gruppen erwünscht, die eine entsprechende Kennung tragen (*.binaries.*), in CompuServe-Foren erübrigt sich das Problem, hier gibt es allgemein zugängliche Bibliotheken.

Enthalte aber auch niemandem deine Erkenntnisse vor, wenn du etwas Interessantes oder für eine Diskussion Relevantes zu sagen hast.

3. Keine umständliche Signatur

Vier Zeilen sind für eine Signatur sind der Wunsch, das ist im Usenet seit 1997 so geregelt. Deine Signatur kann natürlich aus Link zu deiner Website, Anschrift, Telefon- und Faxnummer bestehen sowie aber auch aus einem Zitat o. ä. Im Usenet sollte sie durch “— <enter>” (– ) abgetrennt sein, das sieht ein RFC-Entwurf (Son-Of-RFC1036, nie über das Entwurfsstadium hinausgekommen) vor. Outlook Express hat damit so seine Schwierigkeiten …

es empfiehlt sich dringend, auf Dateianhänge jedweder Art zu verzichten. Bilder, Dokumente, Visitenkarten und ähnliches gehören da nicht hin. In geschlossenen Newsgroups stehen für Dateianhänge Binary-Gruppen zur Verfügung, die für Dateianhänge offen sind.

4. Das Auge liest mit

Deine Nachrichten sollen gut lesbar sein – also füge nach einigen Sätzen Absätze ein. Eine Zeile sollte nicht länger als 70 Zeichen sein (Programm entsprechend einstellen oder von Hand Zeilenumbrüche einfügen), dann ist der Text auch mit Zitaten-Zeichen davor noch gut lesbar.

Sonderzeichen werden zwar innerhalb eines Datendienstes meist erkannt, aber bei älterer Technik noch nicht, wenn die Nachricht den Datendienst wechselt. Dann kommen nur noch verstümmelte Zeichen an, daher sollten in Zweifelsfällen Umlaute aufgelöst werden (ü -> ue, ß -> ss).

Achte auf deine Rechtschreibung. Sie muß nicht perfekt sein, doch allzu viele Fehler sind störend beim Lesen. Konsequente Kleinschreibung mag ja gerade noch als persönliche Note durchgehen und wird oft toleriert, aber konsequente Großschreibung ist eine Zumutung für deinen Leser (Großschreibung wird als Schreien interpretiert). Je sorgfältiger deine Artikel geschrieben sind, desto ernster wird dein Anliegen genommen.

Denke daran – deine Nachrichten sind deine Visitenkarte! Nachrichten im Usenet sind z.B. mit http://groups.google.com noch auf Jahre verfügbar.

5. Die Betreff-Zeile

Benutze eine treffende Betreff-Zeile, denn nach dem Subject (= Betreff) wählen die meisten User die Nachrichten aus, die sie lesen werden und danach lassen sie sich später leichter wiederfinden. Meistens hat die Diskussion nach der 10. Nachricht nichts mehr mit dem Subject zu tun – aber dann kann der Faden umbenannt werden.

6. Keine Werbung

Kommerzielle Werbung ist im Internet unerwünscht. Wenn du trotzdem Werbung für deine Produkte machen möchtest, dann tue das in den wenigen dafür vorgesehenen Bereichen.

Kommerzielle Informationen und Adressen werden jedoch gerne toleriert, wenn sie “im Rahmen” bleiben, z.B. wenn jemand nach einer speziellen Problemlösung oder einem Produkt gefragt hat oder ein Buch weiterhelfen könnte … Das vielfach übliche Unkenntlichmachen durch Ersetzen einzelner Buchstabe mit Sternchen in einem Herstellernamen ist nicht erwünscht. Wer den Hersteller kennt, weiß wer gemeint ist, und der User, der an einer Problemlösung interessiert ist rätselt immer noch. Nachrichten, die viele Firmennamen im Klartext enthalten könnten jedoch von Programmen, die Werbung ausfiltern (“Cancelbot”) als “Spam” behandelt werden – daher im Einzelfall Vor- und Nachteile abwägen.

7. Die Anrede

Eine Regel dafür gibt es nicht. Das Du hat sich aber eingebürgert und wird, mit Ausnahme einiger weniger Foren und Bereiche des Usenet, allgemein akzeptiert. Am Besten vor dem Schreiben einer Nachricht den Umgangston im Forum prüfen.

Wenn du eine private Nachricht an jemanden schreiben willst, weil er/sie dir z.B. als fachlich kompetenter Ansprechpartner genannt wurde, ist meist das “Sie” besser – kommt auf den Kontext an.

8. Urheberrecht und geltende Gesetze beachten

Frage besser den Autor, wenn du Artikel, Bilder, Programme etc. posten willst (gegen kurze Absätze zur Information der anderen User mit Quellenangabe ist i.d.R. nichts einzuwenden).

Halte dich an die gesetzlichen Regelungen, z.B. ist das Versenden von Raubkopien illegal. Du kannst damit nicht nur dich, sondern auch den Forumsbetreiber, deinen Provider etc. in Schwierigkeiten bringen.

Die Veröffentlichung von privaten E-Mails ist zwar nicht rechtswidrig, aber auch da solltest du besser den Verfasser vorher fragen …

9. Pseudonyme

Viele User haben mit Trägern von Pseudonymen schlechte Erfahrungen gemacht. Deshalb sind sie nirgendwo gerne gesehen und in vielen Foren auch nicht zugelassen. Bitte logge dich, wenn es irgendwie geht, unter deinem wirklichen Namen ein oder rechne mit empörten Reaktionen, wenn du es nicht tust.

Vermeide bitte auch Adressverfälschungen in Diskussionsbereichen – es ist auf Dauer kein wirksamer Schutz gegen Spam und macht, wenn dir jemand privat antworten möchte, nur unnötig Arbeit. Denn die Nachricht an einen Absender mit gefälschter Adresse kommt zum Schreiber zurück, und der Provider erhält Fehlermeldungen. Denen muß er überflüssigerweise nachgehen.

10. An Datenschutz denken

Denke an den Schutz deiner persönlichen Daten und poste deine Anschrift und Telefonnummer niemals öffentlich, nur per privater E-Mail. So schützt du dich vor Missbrauch. In den letzten Jahren werden zunehmend Verschlüsselungsprogramme angeboten, die Sender und Empfänger installiert haben müssen (z.B. PGP – Pretty Good Privacy), Verwendung vorher unbedingt absprechen.

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif