Dezember 18, 2009 Alles!, Allgemein 1 Kommentar

So richtig wird man auch nicht schlau. Zu meiner Zeit bei jobpilot.de vor über 11 Jahren haben wir noch DAX-Unternehmen erklären müssen, dass Anzeigenschaltung im Internet nichts mit Pornografie zu tun hat. Nur ein Dutzend Jahre später wird niemand ernsthaft die Effektivität des Internets bezweifeln. Während in den wirtschaftlichen Spitzenjahren die Auflage großer Zeitungen selbst anzeigenproduktionstechnische Grenzen überschritten wurden (April 2000, F.A.Z. mit 280 Seiten Stellenanzeigen), ist es heute wie umgedreht. Die F.A.Z. kommt selten noch über 40 Seiten Stellenanzeigen. In den letzten Wochen waren es krisenbedingt auch nur zwischen 12 und 30 Seiten.

Versprechen 1998

Damals – 1998 – erzählten wir noch, dass E-Recruiting viele Probleme löst und einige positive Effekte hat:

  • die Rekrutierung wird um ein Vielfaches schneller
  • die Anzeigenschaltung wird kostengünstiger
  • die Ansprache einer modernen Zielgruppe wird erst über das Internet möglich

Nach einem Jahrzehnt darf man konstatieren, dass die Rekrutierung nicht schneller geworden ist. Während man weiland noch 60 Papierbewerbungsmappen auf eine F.A.Z.-Stellenanzeige erhielt, sind es heute mehrere Hundert E-Mail-Bewerbungen oder – wer das technisch bereits abgebildet hat – mehrere Dutzend strukturierte Online-Bewerbungen. Das Abarbeiten und der Aufwand für die höhere Quantität ist enorm, die Qualität leidet leider auch. Oft bekommt man richtig übel zusammengeschusterte Bewerbungen und soll sich auch noch ernsthaft eine einigermaßen respektvolle Antwort überlegen.

Kostengünster – naja. Die Preise der Printanzeigen sind alleine aufgrund Produktion und Logistik natürlich fünfstellig. Die Online-Stellenanzeigen noch dreistellig. Die Systeme in den Unternehmen darf man hier gerne mal einrechnen ;-). Die Zielgruppen: im Internet erreicht man Zielgruppen, die sich nicht mehr nennenswert qualitativ unterscheiden. In der F.A.Z. erreicht man hingegen eine intellektuelle, klassische Zielgruppe, die wertorientiert ist. Für alle, die die ehrenwerte F.A.Z. lesen, sich aber von meiner Schubladisierung nicht angesprochen fühlen, sehen es mir bitte nach.

Onlinestellenmärkte stagnieren

Der Markt der Onlinestellenmärkte stagniert. Wachstum nur durch Eroberung bestehender Marktanteile. Nennenswerte neue Märkte sehe ich nicht. Wachstum durch neue Wertschöpfung oder Services haben sich in den letzten Jahren nicht durchgesetzt. Preiserhöhungen sind obligatorisch jedes Jahr zu sehen, aber in geringem Maße. Die sozialen Netzwerke – xing.com und Facebook – werden möglicherweise die Gewinner dieser Entwicklung sein. Man darf weiterhin sehr gespannt sein.

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif