Interview mit HR-Thoughtleader Marcus K. Reif

In der heutigen Geschäftswelt sind viele Führungskräfte besorgt, dass die Suche und Bindung von passendem Personal in Zukunft erheblich schwerer wird. Diese Entwicklung führt zu einem erhöhten Konkurrenzdruck der Unternehmen und der traditionelle Recruitment-Prozess erlebt dadurch einen deutlichen Umschwung. In einem Interview mit Marcus K. Reif, Thought Leader der HR Branche und Chief People Officer bei Kienbaum Consultants International, sprachen wir über die Entwicklung der HR-Branche in den letzten Jahren und darüber, welche Trends zukünftig an Bedeutung gewinnen werden.

Der Mensch rückt in den Vordergrund

Laut einer Studie, haben 36% der globalen Arbeitgeber Schwierigkeiten qualifiziertes Personal zu finden und langfristig an das Unternehmen zu binden. 73% der CEOs gaben an, dass sie auf langer Sicht den Rückgang notwendiger Schlüsselqualifikationen befürchten. Der Fachkräftemangel macht den Arbeitgebern Druck. Zudem bestätigen immer mehr Studien die Wichtigkeit einer gesunden Unternehmenskultur für den langfristigen Unternehmenserfolg. Die Bedeutung des Personals rückt durch diese Erkenntnisse immer weiter in den Vordergrund. „Heute und für die nächste Dekade steht im Portfolio zeitgemäßer Personalarbeit der Mensch als Mitarbeiter im Zentrum, weniger die Ressource, wie es noch in den letzten Jahrzehnten unter dem Dogma von Jack Welch war“, sagt Reif.  Kompatibles und kompetentes Personal entwickelt sich zu einem seltener werdenden und überaus wertvollen Gut.

Der digitale Wandel revolutioniert die Branche

Teaser Interview CompanyMatchZudem wird das Geschäftsleben von einem komplexen Wandel geprägt. „Wir unterliegen alle den Megatrends Globalisierung, Demografie, technologische Entwicklung und Wertewandel bis hin zur Digitalisierung. Der Wandel ist in diesen Bereichen zügig und HR hat die Chance, hier wesentlich mitzugestalten“, erklärt Reif in unserem Interview. Es ist notwendig, dass Arbeitgeber auf diese Entwicklung schnellstmöglich reagieren, um im Wettkampf um talentierte Mitarbeiter nicht zurück zu fallen. Die HR Branche muss sich dabei vielen anspruchsvollen Herausforderung stellen, „Vom Bewerber im Zentrum unserer Arbeit, einer ausgereiften Digital-Personalmarketingstrategie über modernes Hochschulmarketing bis hin zur Rekrutierung von berufserfahrenen Kandidaten, inklusive deren Ansprache. Es gibt so viel zu tun! Beispielsweise die Candidate-Experience und die Onboarding-Qualität lässt überall zu wünschen übrig“, sagt Reif.  Das Recruitment, aber auch die betriebsinterne Kommunikation müssten digitalisiert und der Transformation angepasst werden, um den modernen Arbeitgeber zu repräsentieren. Außerdem gibt die Entstehung von Social-Media-Plattformen die Möglichkeit schneller, gezielter und interaktiver zu kommunizieren. „Kununu, Glassdoor und Absolventenforen zeigen eine Geschwindigkeit und Transparenz, die gepaart mit steigender Fluktuation den Wunsch nach „Employer Branding“ wachsen lässt.“

Employee Engagement als neue Recruitingmethode

Ein weiterer Trend ist die wachsende Integration von Mitarbeitern in den Recruitment Prozess, sowie in die Bildung der Employer Brand. Potentielle Bewerber vertrauen mehr auf die Meinung betriebsinterner Mitarbeiter, als auf jegliche Recruitment-Werbung, Stichwort Employee Engagement. Auch Herr Reif ist überzeugt, dass man mithilfe von Mitarbeitern und ihren Geschichten die Arbeitgebermarke am effektivsten nach außen kommunizieren kann.  „Was tun sie hier? Was taten sie vorher? Weshalb kamen sie? Weshalb bleiben sie? Und auch, weshalb sind Ehemalige gegangen? Je authentischer das Bild ist, desto besser wird Ihre Arbeitgebermarke wahrgenommen.“

Unternehmenskultur und Employer Branding

Die Bildung einer starken Arbeitgebermarke hat für viele Unternehmen einen hohen Stellenwert. Diese Aufgabe wirkt sich auch auf den Prozess der Personalauswahl aus. Marcus Reif sagt dazu: “Zutaten für eine gute Arbeitgebermarke sind die überprüfbare und moderne Unternehmenskultur, die natürlich auch die Führung beinhaltet und Möglichkeiten, flexibel zu arbeiten.“ Eine intakte Unternehmenskultur ist also ausschlaggebend für die Bildung einer überzeugenden Arbeitgebermarke. Reif bestätigt im Interview: „Lesen Sie doch mal auf den Arbeitgeberbewertungsplattformen. Was negativ bewertet wird, hat selten was mit der Kantine oder den Mitarbeiterangeboten zu tun. Meist sind dies individuelle führungskulturelle Fragen oder überkommene Kontrollinstrumente der Unternehmenskultur aus dem vorigen Jahrhundert.“ Vielen Arbeitgebern fällt es jedoch schwer, die eigene Employer Brand mit der tatsächlichen Unternehmenskultur abzustimmen. Die nach außen kommunizierte Arbeitgebermarke hat dann oftmals nichts mehr mit der im Unternehmen gelebten Kultur zu tun. Wir fragten Marcus Reif in unserem Interview, inwiefern sich diese Diskrepanz vermeiden lässt. „Kultur kann sich nur aufeinander zubewegen. Das Management gibt ein Leitbild vor, erklärt ihrer Belegschaft, wieso das gut ist, was es bringt und weshalb man auf dieser Reise mitkommen sollte. Und bewegt sich eben gemeinsam. Somit bleibt die Diskrepanz überschaubar“, erklärt Reif.

Cultural Fit als Einstellungskriterium

Um die Bildung einer gesunden Kultur zu gewährleisten, als Basis für eine authentische Employer Brand, sprechen viele Fachexperten vom Cultural Fit als Einstellungskriterium. Damit ist die kulturelle Passung der Bewerber mit der Arbeitgebermarke gemeint. Verschiedene Studien bestätigen, dass Mitarbeiter, die sich bei ihrem Arbeitgeber wohl fühlen motivierter und effizienter arbeiten. Demnach soll mithilfe der richtigen Personalauswahl der effektivste Einfluss auf die Firmenkultur verübt werden können. Marcus Reif erklärt in unserem Interview, was er über dieses Konzept denkt: „Der Cultural Fit ist aus meiner Sicht einer der entscheidenden Aspekte in der Beurteilung einer gemeinsamen Zukunft zwischen Bewerber und Unternehmen. Kultur isst Strategie zum Frühstück, sagte Peter Drucker vor Jahrzehnten schon zutreffend und behält bis heute recht. Kultur entscheidet über die Arbeitgeberwahl und über die darauffolgende Performance und Zufriedenheit. Diese beim Einstellungsprozess abzuprüfen, ist sinnvoll.“

Über CompanyMatch
CompanyMatch identifiziert und matcht Arbeitgeber und Kandidaten auf Basis der Unternehmenskultur. Wir glauben, dass Mitarbeiter glücklicher, motivierter und leistungsfähiger sein können, wenn sie in einer Organisation beschäftigt sind, die gut zu ihnen passt.

Quelle: companymatch.me/…/hr-ist-nicht-das-es-mal-war-interview-mit-hr-thoughtleader/

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif