März 3, 2014 Alles!, Ökonomie 2 Kommentare

Verkaufte Auflage sinkt. Gerät der Qualitätsjournalismus in Gefahr?

Wie könnte mich die F.A.Z. jemals loslassen. Als ich in den letzten Tagen die F.A.Z. in Händen hielt, wunderte ich mich. Manche Angaben zu Inhalt und Umfang auf der ersten Seite (links unten) sind seit einigen Wochen – ich erinnere, dass es ab Samstag, den 01.02.2014, so war?! – bereits verschwunden. Ebenso gibt es keine Fortsetzung von Artikeln auf Seite 1. Nun wirkt die F.A.Z. seit einigen Tagen auch deutlich dünner. Ist die alt-ehrwürdige Dame geschrumpft? Also machte ich mich auf die Suche und danke auch Pierre für den entscheidenden Tipp: 

Neue Blattstruktur: Wie dünn wird die gedruckte „Frankfurter Allgemeine Zeitung“?

Die seit dem vergangenen Samstag veränderte Blattstruktur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sorgt unter “FAZ”-Lesern für Unruhe. Wie dünn wird die gedruckte “FAZ”? Die Pressestelle der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” dementiert Gerüchte, dass die Umstellung der Bücher mit der Reduzierung des Seitenumfangs einhergeht. „Dafür gibt es keine Pläne“, heißt es in Frankfurt auf Anfrage von Newsroom.de.

Quelle: http://www.newsroom.de/news/detail/$IWBNKUMUFLIM/ neue_blattstruktur_wie_dnn_wird_die_gedruckte_frankfurter_allgemeine_zeitung

Fakt ist, die F.A.Z. erscheint mit weniger Seiten. Auf der verlinkten Website oberhalb sind einige Zahlen genannt. Vier Bruttoseiten sollen es weniger gewesen sein. Die Montagsausgabe der Frankfurter Allgemeine erschien heute mit 28 Seiten, zzgl. der regionalen Bücher, wie bspw. die Rhein-Main-Zeitung. Über die vergangenen Wochen und Monate verzeichnete die F.A.Z. aber regelmäßig 32 Bruttoseiten. Am vergangenen Samstag hatte die F.A.Z. einen Umfang von 42 Seiten, Samstag zuvor noch 54 Seiten. Woher kommt die plötzliche Diät und weshalb? 

Mein alter Kollege Dr. Holger Schmidt, jetzt für den Focus aktiv, twitterte heute, dass auch – nach imposanten 15 Jahren – die Netzwirtschaft-Seite eingestellt wurde. Das ist fatal, war sie doch eine gern gelesene Rubrik in der F.A.Z.:

Vor einem Monat tat die F.A.Z. kund, dass der Herausgeber Günther Nonnenmacher aus dem Herausgeber-Gremium aus Altersgründen im Juni dieses Jahres ausscheiden wird. Für ihn wird kein neuer Nachfolger benannt. Seine Aufgaben und Verantwortungsbereiche wird dann Berthold Kohler übernehmen. Begründet wird dies mit der sinnvollen Entscheidung, dass in schwierigen Zeiten für die Zeitungsbranche auch die Redaktionen zusammenrücken müssen. In dem Newsroom-Artikel steht, dass die Herausgeber die Umfangreduzierung bereits letztes Jahr beschlossen hätten. Hintergrund wäre die angespannte finanzielle Situation. 

Entwicklung der verkauften Auflage negativ

Die Auflagen der Tageszeitungen sind seit einigen Jahren negativ. In diesem Schaubild sehen Sie die deutschen Auflagen kumuliert seit 1991 bis einschl. 2013:

Statistik: Entwicklung der verkauften Auflage der Tageszeitungen in Deutschland von 1991 bis 2013 (in Millionen Exemplaren) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Verkaufte Auflage der F.A.Z.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat eine verkaufte Auflage von aktuell 329.705 Exemplaren (IVW 4/2013). Habe mir mal die IVW-Zahlen der Frankfurter Allgemeinen gezogen. Nachfolgend die mittlere Auflage an Werktagen, gemittelt aufs Quartal von Q1/1998 mit 400.417 verkauften Exemplaren an bis Q4/2013 mit eben den erwähnten 329.705 verkauften Exemplaren pro Erscheinungstag. Beeindruckend … Gerade wenn man bedenkt, dass innerhalb von 16 Jahren die verkaufte Auflage um 70.000 zurückgegangen ist: 

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und hier noch mal im Vergleich zu anderen überregionalen Tageszeitungen, wobei die F.A.Z. natürlich inhaltlich nicht zu vergleichen ist!

Statistik: Verkaufte Auflage der überregionalen Tageszeitungen in Deutschland im 4. Quartal 2013 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Ich blogge ja ab und an zur F.A.Z. aus alter und leidenschaftlicher Verbundenheit. Einige Erklärungen aus meiner Sicht finden Sie in diesen Beiträgen:

Print-Stellenmarkt der F.A.Z. erodiert weiterhin auf 6,35 Seiten im Jahr 2013

Epochenwechsel und Zukunft der Printmedien am Beispiel Newsweek

Der Niedergang der Print-Medien und die Erosion der Print-Stellenmärkte

Größte Entlassungswelle seit 1949. Der Niedergang der Printmedien

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif