Ich wurde für eine Masterthesis interviewt und fand die Fragen sehr gut, weshalb ich diese gerne hier veröffentliche:

Jenseits der Generation Y existiert eine neue, die Generation Z. Tendenziell gehören hierzu Menschen, die ab 1995 geboren sind. Es unterscheiden sich Vertreter dieser Generation nicht grundsätzlich aufgrund ihres Alters, vielmehr durch ein spezifisches Wertesystem. Auffällig ist die Dominanz des Privatlebens. Nach und nach rückt diese Generation in die Arbeits- und Lebenswelt vor.

Mit welchen fünf Eigenschaften würden Sie die Generation Z beschreiben?

  • neugierig
  • werteorientiert
  • digital
  • sozial überfordert
  • mutig

Prägen diese Eigenschaften die Einstellungen zur Arbeitswelt?

Absolut. Die heutigen Berufseinsteiger sind die Führungskräfte in zehn Jahren und darüber hinaus. Natürlich werden viele ihrer Erwartungen und Bedürfnisse die Kultur in den Unternehmen prägen.

Grundsätzliche Fragen zur Mitarbeiterbindung der Generation Z:

Sie sei wankelmütig und kündige bei Problemen oder Kritik sehr schnell. Sie soll grundsätzlich keine emotionale Bindung an ein Unternehmen besitzen und diese auch nicht suchen. Allgemeine Bindungslosigkeit sei Normalität. Die Generation Z sehe sich nicht als Teil des Unternehmens. Es handelt sich eher, um eine zu jeder Zeit kündbare Lebenspartnerschaft… Sie trennen strikt Berufs- und Privatleben. Der dominierende Wunsch nach Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben gegenüber der Karriere unterstreicht auch die aktuelle Shell Jugendstudie 2015.

Ist Ihrer Ansicht nach ein Konzept der langfristigen Bindung (jahrzehntelange Beschäftigung) noch zukunftsfähig? Können sich junge Menschen überhaupt vorstellen, das gesamte Berufsleben für einen Arbeitgeber zu arbeiten?

Bedingungslose und arbeitslebenlange Loyalität sind weder populär, noch erwünscht. Unternehmen betrachten Fluktuation ja immer noch als Vertrauensbruch. Doch – wie immer im Leben – gibt es zwei Seiten der Medaille. Ein gewissen Maß an Fluktuation ist wichtig, insbesondere um auch mal frischen Wind von außen in die Segel zu bekommen. Fluktuation ist allerdings ein Ergebnis aus meist schlechter Führung, wenig Entwicklungsmöglichkeiten, unzeitgemäßer Kultur, Egoismen usw. Das zwingt Unternehmen auch dazu, viel konsequenter mit ihrem kulturellen Modernisierungsprozess umzugehen.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten und attraktiven Arbeitgeber für die wechselfreudige Generation Z aus, bei dem sie sich gebunden fühlt? Welche Merkmale müssen erfüllt sein, damit Zufriedenheit und Motivation entsteht?

Unternehmen werden erfolgreich sein, wenn sie die Bedürfnisse der nachfolgenden Generationen ideal spiegeln können und dabei dennoch einen maximalen Wertbeitrag zur Unternehmensstrategie erbringen. Oftmals erlebe ich die Diskussion, dass das eine oder andere erzielt werden kann. Einspruch, euer Ehren! Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Modernisierung der Unternehmens- und Führungskultur zahlt sich deutlich aus. Und sind wir mal ehrlich zu uns selbst. Hätte die Gen Y nicht nach Homeoffice gefragt, würden wir – die Gen X – immer noch fünf Tage die Woche im Büro hocken.

Können Unternehmen junge Menschen der Generation Z an sich binden? Wenn ja, welche Anreize sind notwendig? Welche Anforderungen / Erwartungen müssen erfüllt sein? Wirken diese Maßnahmen auch auf Ansprüche anderer Generationen?

Klare Strategie, klare Beschreibung, wofür man seinen Wertbeitrag leistet und wie dieser im Gesamtkontext wirkt. Was ist für die persönliche und fachliche Entwicklung dabei möglich? Ist das spannend und was bringt es einem? Ist dort die Möglichkeit, zu lernen und zu wachsen? Coacht jemand bei der Arbeit?

Müssen Unternehmen eventuell die Arbeitsplatzkultur verändern?

  • Wohlfühlambiente bspw. durch offene Küchen als zentralen Treffpunkt in der Abteilung

Eine Küche alleine wird nicht reichen. Die Arbeitsplatzumgebungen, die wir von Google oder Apple kennen, sind sicherlich Generationen-übergreifend geschätzt. Doch der große Wandel ist die Kultur, dass diese Form der Arbeit gewünscht ist. Auch ich sitze oft 1-2 Stunden in unserem Mitarbeitercafé, bearbeite E-Mails und spreche mit Leuten, die ich dort treffe. Als Recruiting-Direktor muss man das Ohr auch innen auf die Schienen legen. Will damit sagen, dass nicht eine Maßnahme für sich ausreicht, sondern die Mixtur!

Haben Sie persönlich Unterschiede für der Bindung von Mitarbeitern verschiedener Generationen, insbesondere der Generation Z, festgestellt?

Nein. Die Gen Z strömt derzeit erst in die Unternehmen. 2/3 unserer Belegschaft gehört der Gen Y an. Große Unterschiede gibt es nicht. Die Bedürfnisse an einen modernen Arbeitgeber können Sie nicht an einem Geburtsjahr festmachen. Der Trend hin zur werteorientierten Arbeitgeberkultur ist generationenübergreifend wichtig.

Fragen zur Führung:

Glauben Sie Unternehmen und Führungskräfte haben sich bereits ausreichend mit der Generation Z auseinandergesetzt? Wie sind diese darauf vorbereitet?

Nein! Führung geschieht heute noch meist hoch individuell und wird auch meist fern der Unternehmensführungsleitlinie interpretiert. Sehr gute Führungskräfte sind selten, denn meist wird nur gemanagt. Mit Führung hat das wenig zu tun. Da wird kontrolliert, aber nicht ermöglicht. Da wird angesagt, aber nicht gecoacht. Die Führung ist noch nicht soweit.

Wie sollte die selbstbestimmte und unabhängige Generation Z aus Unternehmenssicht geführt werden? Was sollte im Gegensatz zu früheren Generationen beachtet/geändert werden? Gibt es Ihrer Meinung nach einen bestimmten Führungsstil, der sich am besten eignet? Oder sollte stattdessen stärker das Individuum beachtet und entsprechend geführt werden?

  • Situatives Führen, beispielsweise das Reifegradmodell von Hersey und Blanchard
  • Systemische Führung
  • Transaktionale Führung, bei der Aufgaben klar definiert und abgearbeitet werden
  • Kooperativer Führungsstil, Mentor anstelle eines Chefs
  • Management-by-Techniken
  • Andere…

Ich glaube, dass keine der Theorien der Vergangenheit für die Führung der Zukunft geeignet ist. Vermutlich wird der Charakter des Führungsprinzips eine Mischung sein aus Management by Objectives, Coaching und viel Flexibilität und Eigenverantwortung.

Sollten für die Gen Z die Kommunikationsgewohnheiten gewechselt werden?

Wir dürfen sicherlich das Kommunikationsverhalten simplifizieren, sprachlich, wie auch was den Kanal angeht. Mehr App als Broschüre, mehr direkte E-Mail als überfüllter Newsletter.

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif