Hatte erst vor ein paar Tagen über die Erosion der Print-Stellenmärkte gebloggt und dies am Beispiel des Marktführers F.A.Z. beschrieben. Heute las ich eine Pressemeldung der IVW (Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) zu den Quartalsauflagen der Printmedien. Das nehme ich gerne zum Anlass, um ein dort veröffentlichtes Diagramm zur Entwicklung der Auflage der Tageszeitungen seit dem Jahr 2001 zu referenzieren.

Die IVW-Meldung auf der Internetseite www.ivw.de im Wortlaut:

Von den deutschen Tageszeitungen wurden einschließlich der Sonntagsausgaben und aktuellen Sonntagszeitungen im 3. Quartal des laufenden Jahres durchschnittlich pro Erscheinungstag 21,78 Mio. Exemplare verkauft. Die Tagespresse verliert damit gegenüber dem Vorjahr rund 3,40 Prozent ihrer verkauften Auflage (3/2010: 22,55 Mio. Exemplare). Der Rückgang der Gesamtverkäufe geht hauptsächlich zulasten der Kioskverkäufe der Tagespresse (3/2011: 6,26 Mio. Einzelverkäufe – gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 7,21 Prozent).

Quelle: http://www.ivw.eu/index.php?menuid=37

Ein Verlust von 3,4 % ist alles andere als eine saisonale Schwankung oder Toleranz. Bemerkenswert und damit berichtenswert finde ich deshalb die nachfolgende Entwicklung der Auflage der deutschen Tageszeitungen:

Entwicklung Zeitungen/Zeitschriften (verkaufte Auflage in Millionen Stück) 2001 - 2011

Auch in der Politik hat dies Implikationen

Man kann diese Entwicklung bei seiner eigenen Tageszeitung verfolgen. Das redaktionelle Angebot ist weg von hintergründiger Berichterstattung und hin zu einer Art Geschichtenerzählerei mutiert. Wenn ich politische Themen für meine Partei/Fraktion betreue, reicht eine Pressemeldung selten aus. Viele Telefonate und ggf. sogar Treffen und Pressekonferenzen sind nötig, um alle Hintergründe darzulegen. Und wie oft findet man in Tageszeitungen abgedruckte Pressemeldungen, ohne dass deren Inhalt referenziert, überprüft oder die andere Seite zu Wort kommt. Das ist das Ende des investigativen Journalismus’, der Beginn von …?

Ich bin ein großer Anhänger der gedruckten Zeitung, liegt vermutlich an meiner Generation. Auch wenn ich das Internet und die Nachrichtenangebote liebe, gehört die F.A.Z. untrennbar zu meinem Tag. Ich würde mir sehr wünschen, wenn der Zeitgeist wieder zeitungslastiger werden würde.

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif