HR-Trend des Downshiftings

Und wieder mal ein Blick in die HR-Kristallkugel, was so an neuen Trends auf uns Personaler zukommt. Heute schreibe ich zum Thema Downshifting, was direkt übersetzt die Reduzierung der Arbeitszeit beschreibt. Mit Downshifting ist im Grunde alles mögliche in den letzten Jahren beschrieben und erklärt worden, angefangen vom Steuerberater, der dann als Skilehrer arbeitete, dem Lehrer, der vorher seine Brötchen als Investmentbanker verdiente, oder der allgemeine Karriere-Ausstieg einzelner, um anschließend ein minimales, aber erfülltes und glückliches Leben zu leben. Ich möchte weniger poetisch und philosophisch an das Thema rangehen, denn man kann die Entwicklung des Downshiftings in einen konkreten Kontext mit der aktuellen Belegschaft setzen.

Wir haben gelernt, dass die Generation Y ein höheres Bedürfnis an Flexbilität hat. Und wir haben gelernt, dass eine konsequente Karriereorientierung bei dieser Generation eher untergeordnet ist. Karriere wird im Einklang mit Leistung, dem Leben und der Freizeit verstanden. Also nahezu schon diametral zur Karriereorientierung der Generation Baby-Boomer, die heute mehrheitlich als Vorstände und Geschäftsführer aktiv sind.

Ein Blick in die Zukunft bedeutet, dass diese Alters-Kohorte der Generation Y in 15-20 Jahren zu der Altersgruppe der Workforce gehört, die sich zum Beispiel mit Downshifting auseinandersetzen wird und will.

Downshifting-Trend 

Gerade die Generation Baby-Boomer, aber auch meine Generation Golf, die nach Erfüllung und Selbstverwirklichung strebt, stellen die Karriere und die beruflichen Meilensteine in den Mittelpunkt der eigenen Identität. Man definiert sich über seinen Beruf, seinen Arbeitgeber und seine Leistungen. Und zu beobachtbaren Zeitpunkten – oftmals Mitte oder Ende der 40, Anfang der 50 Lenze – überdenkt man, ob die letzten Jahre das richtige für einen persönlich waren. Ob der Beitrag, den man für die Gesellschaft, für die Familie, für Freunde und für sich selbst leistete, richtig war. War man relevant? Hat man etwas getan, auf das man stolz ist? Viele bezeichnen diesen Moment als Midlife-Crisis, doch das wäre zu einfach.

Viele entwickeln in solch einem Moment die kritische Haltung zum eigenen beruflichen Wirken. Und manche ziehen ein Fazit, was dem Downshifting entspricht – nämlich etwas völlig anderes tun, die Arbeitszeit reduzieren, mehr Freizeit für Hobbys und Familie nutzen. Der Wunsch nach Veränderung führt zu einem neuen Lebensgefühl und einem neuen Fokus auf die richtigen und wichtigen Schwerpunkte des zukünftigen Lebens. Downshifting im Beruf ist also das gezielte Entschleunigen bei bewusstem Verzicht auf eine weitere Karriere im aktuellen Umfeld und um jeden Preis.

Social-Media trennt Affine und weniger Affine

… oder eben auch Alt und Jung! Heute kann man kaum noch einen Artikel über HR-Trends schreiben ohne den Hinweis auf “und irgendwas mit Social-Media“. Wir wissen ja, dass gerade die Generation Y ein ganz anderen Verhältnis zu Social-Media hat, weil die jungen Damen und Herren keine Zeit ohne Internet kennen. Für sie sind die neuen Medien eben Facebook, Google+ und Twitter. Und dieses enge Verhältnis charakterisiert das Kommunikationsverhalten, was sich im Berufsleben nicht ausklammern lässt. Die Generation Y ist Experte in einer Disziplin, die immer mehr Lebens- und Arbeitsbereiche durchdringt. Und kennt sich viel besser in diesem Segment aus als ihre und deren Vorgesetzte. Viele Unternehmen verkennen die Chance, für spezielle Themen – wie Produktentwicklung, neue Sourcingkanäle oder neue Kommunikationskanäle – auf die Expertise und Einschätzung der Gen Y zuzugreifen.

Doch wie kommt man zum Downshifting? Pauschal ist dieser Weg nicht vorgezeichnet. Vermutlich hat das Downshifting die Ursache in einer beruflichen Situation, die einen Menschen überlastet und darüber hinaus in eine beruflich oder private Krise führte. Die konstante Beschleunigung des beruflichen Alltags, das Gefühl, permanent erreichbar und kommunikationsbereit zu sein, die zunehmende Komplexität im Beruf führen bei vielen Menschen mitten im Job zu eben diesem Gefühl. Da diese Überlastungssituationen zunehmend sind, wird das Bedürfnis für Downshifting ebenso zunehmen. Also ein handfester HR-Trend!

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif