Die deutschen Unternehmen lernten schon in der Krise 2008, dass die zunehmende Überalterung der Bevölkerung in den entwickelten Industriestaaten zu einem zentralen Problem und einer erfolgskritischen Herausforderung wird. Ed Michaels wird mit seinem 1998 postulierten “War for Talents” bemüht, um diese Herausforderung in einen Schlagsatz zu packen. Und der geschätzte McKinsey-Partner Michaels beschrub damals schon äußerst zutreffend die Situation der wachsenden Verknappung geeigneter Arbeitsplätze. Aber was genau bedeutet dies im Alltag für eine Volkswirtschaft wie Deutschland? Hatte dazu im November eine Keynote bei der Next-Generation-Recruiting-Conference in Dortmund sprechen dürfen.

Fachkräftemangel ist keine Ideologie, sondern Statistik

Diese drei Faktoren beeinflussen den demografischen Wandel:

  • Zunahme der Lebenserwartung
  • niedrige Geburtenrate
  • Zunahme der Pflegebedürftigkeit durch Abnahme der drei-Generationen-Haushalte, Zunahme der ein-Generationen und ein-Personen-Haushalte

Das Statistische Bundesamt stellt Prognosen zur Entwicklung der Gesamtbevölkerung Deutschlands bis 2060 zur Verfügung.

In 15 Jahren schrumpft die Zahl der in Deutschland Erwerbstätigen um sieben Millionen!
Quelle: Prognose der Bundesagentur für Arbeit, 2010

Im Detail sind diese Prognose, korreliert mit der Entwicklung der Gesamtbevölkerung in etwa so aus:

Gesamtbevölkerungsprognose

Hinweis: Bevölkerungsvorausberechnung in Deutschland. 2 Varianten („mittlere“ Bevölkerung, Untergrenze, sowie Obergrenze).

Tertiärer Wirtschaftssektor

Die Implikationen daraus auf Deutschlands Arbeitsmarkt liegen immens, denn dieser wird im tertiären Wirtschaftssektor bestimmt, also der Schwerpunkt liegt auf Dienstleistungen, Service sowie Forschung, Entwicklung, Finanz- und Kreditwirtschaft usw.). Hierzu noch ein paar Fakten:

  • laut einer Prognos-Studie wird die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter bis 2025 um mehr als sieben Mio., bis 2035 um mehr als acht Mio. oder rund 17 Prozent sinken
  • das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat ausgerechnet, dass bereits in vier Jahren rund 220.000 Ingenieure, Techniker und Naturwissenschaftler fehlen werden
  • der Ingenieursverband VDI beklagt bereits heute eine Lücke von 36.000 Fachkräften
  • Arbeitslosigkeit ist hierzulande vor allem ein Phänomen geringerer Qualifikation und mangelnder Bildung, nicht fehlender Arbeitsplätze
  • Heute stellen die über 50-Jährigen etwa 40 % der Bevölkerung und halten über die Hälfte des verfügbaren Einkommens. Bis 2020 wird diese Altersgruppe 50 % der Bevölkerung ausmachen und rund 60 % des verfügbaren Einkommens halten

Festzustellen ist, dass die Alterung der Gesellschaft indirekte Folgen für das Wirtschaftswachstum haben wird. Das verlorene Wissen durch Ausscheiden, Verrentung und Pensionierung erfahrener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist kaum zu kompensieren. Die nachfolgenden Kohorten können diese Wissenstransferleistung nicht erbringen, da eine ins Berufsleben einsteigende Person gegen zwei bis drei ausscheidende Personen steht.

Eine interessante Analyse sagt für diese Entwicklung einen “Asset Meltdown” voraus. Dieser “große Ausverkauf” an den Börsen kann erfolgen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge (Jahrgänge 1946 bis 1965) in Rente gehen und ihre Aktiendepots aufläsen. Die Sorge ist, dass diese immensen Währungsabflüsse die Börsen ins Wanken bringen könnten.

Wir stehen in einer multipolaren Welt vor den größten Herausforderung der letzten 50 Jahre! Und wir sind alle Teil davon.

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif