Wer trifft am Morgen eine bewusste Entscheidung, was er in fünf Jahren verdienen möchte?

Im letzten Jahr habe ich bei jeder passenden Gelegenheit mein Plädoyer zum Karrieremehrwert gehalten. Auf die Frage – zum Beispiel gestellt an der FH Mainz, der Frankfurter Goethe-Uni oder bei der Podiumsdiskussion auf dem Absolventenkongress -, welche Zertifikate und Noten man denn dringend noch erreichen sollte, um einen Job zu bekommen, antwortete ich meist mit einem völlig anderen Ansatz. Schaffen Sie einen Karrieremehrwert Ihrer Person!

Weshalb sollte ein Recruiter eines Konzerns, einer großen Bank oder Unternehmensberatung jemanden einladen, der im Abitur und im Diplom/Bachelor/Master eine Note >2,0 hat, einige Hobbys und Ehrenämter im Lebenslauf stehen und der länger studierte als der andere Kandidat – nämlich ein 1,2er Abschluss im Abi und Studium, zwei Praktika à 10 Wochen und in Regelstudienzeit fertig, keine Hobbys, keine Ehrenämter. Der Regelfall ist der zweite Kandidat. Glatter Lebenslauf, sieht konsistent und geradlinig aus, macht man keine Fehler. 

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Konzentrischer Arbeitnehmermarkt 

Die meisten Bewerberinnen und Bewerber sind zu Beginn der Interviews nervös, angespannt und neugierig zugleich. Wie passt das zum War for Talent, der ja vorüber ist? Eigentlich könnte man mehr Selbstbewusstsein erwarten, oder? 

Hierzu gibt es etliche Beiträge meinerseits, die ich hier nur verlinke: 

Kommen wir mal zur Eingangsaussage: 

Wer trifft am Morgen eine bewusste Entscheidung, was er in fünf Jahren verdienen möchte?

Diese Frage stellte ich Schülern eines Gymnasiums im Rahmen einer Gruppendiskussion. “Wer von euch traf heute früh beim Aufstehen eine bewusste Entscheidung, ob er mit 30 Jahren 25.000 Euro, 50.000 Euro oder 75.000 Euro verdienen möchte?” Große Augen sahen mich an, natürlich keiner traf eine bewusste Entscheidung. Doch genau darum geht es. Die Schulen werden ja nach Landesregierung und Kultusminister mal mehr oder mal weniger geprägt sein. Gut ist, wenn die Schulen mit einer Hinführung auf die leistungsorientierte Geschäftswelt die Schülerinnen und Schüler vorbereiten. Was bringt es, wenn Zensuren abgeschafft, über Versetzungen keine Entscheidungen mehr getroffen werden und die Schüler dann im “Business” landen und total überrascht sind, dass Leistung honoriert wird?!

Der Grad der Bildung und das Niveau der persönlichen Leistungsmotivation sind wichtige Aspekte für das künftige Einkommen. 

Zukunftsperspektive Handwerk

Wir können festhalten, dass die stark wachsenden Branchen im tertiären Wirtschaftssektor zweifelsohne eine gute Wahl sind. Wer sich in den Bereich Services, Dienstleistungen und Beratung begeben möchte, dem muss man ein Studium sehr empfehlen. Das Studium gehört zum Rüstzeug in dieser Branche. 

Aber, und das überrascht vermutlich, ist die volle Konzentration auf das Hochschulstudium für den Arbeitsmarkt alles andere als wünschenswert. Sehr gute Zukunftsperspektive zeigt das Handwerk auf! 

Wir sollten Bildung als Teil der Vorbereitung auf die Arbeitswelt verstehen! Ein Studium zu machen gehört zu den klugen Entscheidungen! Bevor man aber studiert, sollte man sich Gedanken machen, was und wo man arbeiten möchte. Ein Studium ist nicht pauschal der beste Bildungsweg! Das Stichwort hier ist eben das Handwerk. 

Aus der Alterspyramide ist ein Altersdöner geworden! 

Die Generation Baby-Boomer gehen in diesen Jahren in Rente. Die 1964 geborenen Deutschen sind der geburtenstärkste Jahrgang, seitdem gehen die Geburten statistisch zurück. Und diese Generation wird in diesem Jahr 2014 ihren 50. Geburtstag begehen. Kalkulatorisch gesehen kippt der Generationenvertrag seit 1964, weil immer weniger neue Bürger das Licht der Welt erblicken. 

Fachkräftemangel ist keine Ideologie, sondern Statistik

Diese drei Faktoren beeinflussen den demografischen Wandel:

  • Zunahme der Lebenserwartung
  • niedrige Geburtenrate
  • Zunahme der Pflegebedürftigkeit durch Abnahme der drei-Generationen-Haushalte, Zunahme der ein-Generationen und ein-Personen-Haushalte

Das Statistische Bundesamt stellt Prognosen zur Entwicklung der Gesamtbevölkerung Deutschlands bis 2060 zur Verfügung.

In 15 Jahren schrumpft die Zahl der in Deutschland Erwerbstätigen um sieben Millionen!
Quelle: Prognose der Bundesagentur für Arbeit, 2010

Im Detail sind diese Prognose, korreliert mit der Entwicklung der Gesamtbevölkerung in etwa so aus:

Gesamtbevölkerungsprognose

Hinweis: Bevölkerungsvorausberechnung in Deutschland. 2 Varianten („mittlere“ Bevölkerung, Untergrenze, sowie Obergrenze).

Tertiärer Wirtschaftssektor

Die Implikationen daraus auf Deutschlands Arbeitsmarkt liegen immens, denn dieser wird im tertiären Wirtschaftssektor bestimmt, also der Schwerpunkt liegt auf Dienstleistungen, Service sowie Forschung, Entwicklung, Finanz- und Kreditwirtschaft usw.). Hierzu noch ein paar Fakten:

  • laut einer Prognos-Studie wird die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter bis 2025 um mehr als sieben Mio., bis 2035 um mehr als acht Mio. oder rund 17 Prozent sinken
  • das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat ausgerechnet, dass bereits in vier Jahren rund 220.000 Ingenieure, Techniker und Naturwissenschaftler fehlen werden
  • der Ingenieursverband VDI beklagt bereits heute eine Lücke von 36.000 Fachkräften
  • Arbeitslosigkeit ist hierzulande vor allem ein Phänomen geringerer Qualifikation und mangelnder Bildung, nicht fehlender Arbeitsplätze
  • Heute stellen die über 50-Jährigen etwa 40 % der Bevölkerung und halten über die Hälfte des verfügbaren Einkommens. Bis 2020 wird diese Altersgruppe 50 % der Bevölkerung ausmachen und rund 60 % des verfügbaren Einkommens halten

Festzustellen ist, dass die Alterung der Gesellschaft indirekte Folgen für das Wirtschaftswachstum haben wird. Das verlorene Wissen durch Ausscheiden, Verrentung und Pensionierung erfahrener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist kaum zu kompensieren. Die nachfolgenden Kohorten können diese Wissenstransferleistung nicht erbringen, da eine ins Berufsleben einsteigende Person gegen zwei bis drei ausscheidende Personen steht.

Asset Meltdown

Eine interessante Analyse sagt für diese Entwicklung einen “Asset Meltdown” voraus. Dieser “große Ausverkauf” an den Börsen kann erfolgen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge (Jahrgänge 1946 bis 1965) in Rente gehen und ihre Aktiendepots aufläsen. Die Sorge ist, dass diese immensen Währungsabflüsse die Börsen ins Wanken bringen könnten.

Was hat das mit der Blog-Parade zu tun?

Jo Diercks, bekannt durch seinen Blog auf http://blog.recrutainment.de, hat die HR-Blogger zu einer Blog-Parade aufgerufen. Eine richtig tolle Idee! 

Jo schreibt:

Einig sind wir uns im Prinzip seit Jahren: Der demografische Wandel kommt und mit ihm ganz neue und aus Sicht der letzten etwa 40 Jahre im Prinzip unbekannte Probleme. Statt nämlich sich vor der allgegenwärtigen und unheilvollen Arbeitslosigkeit zu fürchten, wartet die große Herausforderung auf uns, für die vorhandene Arbeit noch hinreichend (qualitativ wie quantitativ) geeignete Erwerbspersonen zu finden. Einig sind wir uns – ausnahmsweise. Aber die Statistik lügt ja auch nicht. In den nächsten 10 Jahren werden dem deutschen Arbeitsmarkt etwa 6,5 Millionen Personen verlorengehen. Klar, es wird (und muss) Ausgleichsbewegungen geben, die wenn man sie richtig deutet ja bereits allerorten zu besichtigen sind.

Mehr dazu unter http://blog.recrutainment.de/…/machen-wir-2014-zum-jahr-der-berufsorientierung…/

Das war mein Beitrag dazu. Hoffe, ich konnte einen kleinen Beitrag leisten ;) 

Beste Grüße 

Marcus Reif 

verfasst durch Marcus K. Reif
Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif