Februar 17, 2011 Alles!, Orthografie Keine Kommentare

“Anglizismen sind Bullshit”. Als Fred Kogler das sagte, musste ich laut lachen. Ob es lustig gemeint war, weiß ich nicht. Übrigens unterscheidet man zwischen Angizismen und englischen Termini.

Hier mal die Erläuterung aus Wikipedia:

 Als Anglizismus bezeichnet man den Einfluss der englischen Sprache auf andere Sprachen. Er kann sich nicht nur in allen Bereichen eines Sprachsystems äußern, also in der Lautung, der Formenlehre, der Syntax oder im Wortschatz als Fremd- und Lehnwort, sondern auch auf allen Sprachebenen wie der Hochsprache, der Alltagssprache, dem Slang und anderen. Kritiker bezeichnen Anglizismen in der deutschen Sprache auch abwertend als Denglisch. Quelle: wikipedia.de

Seit 1980 hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch der Anteil der Anglizismen verdreiundzwanzigfacht. Das spricht auf der einen Seite für die lebendige Sprache, aber auf der anderen Seite auch für das zentrale Problem – die Unzufriedenheit mit der Sprache.

Unternehmen, wie die Deutsche Bahn, Deutsche Telekom und viele andere, setzen stark auf eine kosmopolitische Formulierung. Ein Engländer oder Amerikaner wird allerdings mit dem Intercity-Express, dem Ticketcounter, der DB-Lounge, dem Citycall, dem Handy und vielen anderen Formulierungen wenig anfangen können. Die Werbeindustrie trieb in den letzten Jahren diese Blüten bis zum Exzess. Seit zwei Jahren kann man einen deutlichen Rückgang verzeichnen und viele Werbungen (McDonald’s: Everytime a good time – nun „Ich liebe es“) sind wieder deutsch.

Eine Studie im Jahr 2003 fand allerdings heraus, dass mehr als die Hälfte der 14- bis 49-Jährigen der Hauptzielgruppe zehn Werbeaussagen nicht richtig verstanden hatten bzw. über deren Sinn im Unklaren waren.

Douglas: come in and find out (komm rein und finde wieder raus)

SAT1: powered by emotions (Kraft durch Freude)

Oder bei Produkten. Die Firma Lidl vertreibt kleine Taschen, die um den Bauch getragen werden, als „Body Bag“, was übersetzt schlicht ein Leichensack ist.

Es kann aber auch peinlich werden
Von Pseudo-Anglizismen spricht man dann, wenn es diese Begriffe im Englischen gar nicht gibt oder sie in anderen Zusammenhängen verwendet werden.

Pseudo-Anglizismen gemeint ist  Englische Bedeutung: Englischer Begriff wäre:
Handy Mobiltelefon Adjektiv für „praktisch”, „handlich” „cellular phone” oder „mobile phone”
Dressman männliches Modell für Modeschauen gibt es nicht „male model”
Pullunder meist kurzer, ärmelloser Pullover gibt es nicht „sleeveless pullover”
Showmaster Unterhaltungskünstler gibt es nicht entertainer
Oldtimer altes Auto/Flugzeug etc. alter, erfahrener Mensch especially car/plane/ etc.
Allrounder Alleskönner gibt es nicht multi purpose, all-round (person)

Kleine Hilfestellung zur Vermeidung von unnötigen englischen Termini:

  • Workshop (Arbeitstagung, Arbeitskreis)
  • Pipeline (in petto)
  • Briefing (Instruktion)
  • Meeting (Besprechung, Konferenz)
  • On-going (in Bearbeitung)
  • Call (Gespräch)
  • Conference-Call (Telko; Telefonkonferenz)
  • Reminder (Erinnerung)
  • Pending (schwebend)
  • Tool (Anwendungen, Programm, Werkzeug oder Hilfe)

… und die daraus resultierenden Übersetzungsversuche:

  • Datenkorruption/Datenbeschädigung
  • Bush-Administration/Bush-Regierung
  • DNA/DNS (deutsch: DNS)
  • Alien/Ausländer

All clear? ;-)

Beste Grüße

Marcus Reif

verfasst durch Marcus K. Reif

Passionierter Personaler, engagierter Kommunalpolitiker, stolzer Vater und treuer Eintracht-Frankfurt-Fan. Erfahren Sie mehr über mich auf meiner Profilseite. Freue mich auf den Dialog! Und bis dahin gibt es Neues auf Twitter @marcusreif